Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
»Plus die Lanze für den Fußsoldaten«, fügte Huma rasch hinzu.
»Zwanzig Lanzen. Dann brauchen wir nur zwanzig Männer. Ich glaube, daß Paladin über uns wacht. Wenn es nur zwanzig Drachenlanzen gibt, dann gibt es einen Grund dafür. Wenn wir mehr haben sollten, würde Paladin sie uns verschaffen. Wenn unser Glaube stark ist, werden wir siegen, ob mit zwanzig Lanzen oder mit tausend.«
Fürst Oswal sah Huma an. »Er hat recht.«
Huma musterte die anderen Anwesenden. Kaz, Buoron und Avontal würden mit ihm kommen. Er brauchte noch sechzehn zusätzliche Männer. »Also nur zwanzig.«
Mehr als eine Augenbraue wurde dabei hochgezogen. Huma wartete keine Frage ab, sondern spann sofort seine Gedanken weiter.
»Buoron, Kaz, Fürst Avontal. Ich weiß, daß ihr drei mir folgen werdet. Ihr kennt die Drachenlanze, ihr wißt, was sie vermag. Wenn nur zwanzig Lanzen zwischen uns und dem Sieg der Dunklen Herrn stehen, dann sollten wir Paladin danken, daß wir die paar haben, und sie bestmöglich nutzen.«
»Du hättest Kleriker werden sollen, Huma, denn dein Glaube ist der stärkste, den ich je gesehen habe.« In Fürst Guidos Stimme lag kein Spott.
Es klopfte an der Tür des Großmeisters, und einer der Ritter der Rose aus seiner Leibwache trat ein.
»Großmeister, Ritter Bennett möchte Euch sprechen.«
»Ich habe ihn schon vor einer ganzen Weile von den Burgmauern hierher gerufen. Wo hat er gesteckt?«
»Das hat er nicht gesagt, mein Fürst.«
Fürst Oswal warf Huma einen Blick zu und nickte langsam. »Laß ihn eintreten.«
»Mein Fürst.« Die Wache redete mit jemandem im Gang und nahm dann Haltung an. Bennett, der mehr denn je seinem Vater ähnelte, stürmte herrisch in den Raum. Er salutierte respektvoll vor seinem Onkel und nahm die anderen höflich zur Kenntnis, auch wenn er den ergodianischen Befehlshaber lange und durchdringend anstarrte.
»Was gibt es, Bennett?«
»Onk – Großmeister, ich habe die Drachenlanzen untersucht.«
Die Miene des alten Ritters wurde finster. »Wer hat dir die Erlaubnis dazu gegeben?«
Ein Teil der Selbstherrlichkeit verschwand. »Ich habe es auf eigene Faust getan. Ich konnte nicht anders, nachdem du mir nach Humas – nach seinem Verschwinden davon erzählt hast.«
Bennett sah Huma beim Sprechen an, doch dieser konnte aus den beherrschten, habichtartigen Gesichtszügen nichts herauslesen.
»Und?«
Die Augen seines Neffen wurden groß, die Maske fiel, und sowohl Huma als auch Fürst Oswal staunten über das Strahlen, das beim Sprechen über Bennetts Gesicht ging. »Wenn man sie anfaßt, sind sie ganz glatt – so glatt, daß sie widerstandslos durch die Luft sausen können. Ich habe noch nie eine so scharfe Spitze gesehen oder ein so strahlendes, richtig lebendiges Metall. Ich habe gehört, daß viele die Echtheit der Lanzen anzweifeln, aber ich glaube fest daran, daß Paladin sie uns durch seinen Helden geschickt hat.«
Zum allerersten Mal fühlte Huma, daß ihm der Neffe des Großmeisters Respekt entgegenbrachte.
Fürst Oswal war nicht weniger überrascht. Kaz schnaubte leise vor Spott, doch der Blick, den Bennett ihm zuwarf, ließ ihn sofort verstummen.
»Ich möchte dazu gehören, Großmeister. Ich habe zwanzig gezählt und weiß nicht, ob wir noch mehr bekommen, aber ich möchte dabei sein. Das ist es, wofür ich ausgebildet wurde – dem Triumvirat und Paladin zu dienen. Ich werde jede Prüfung auf mich nehmen, falls ich beweisen muß, daß ich es wert bin.« Bennett atmete aus, und seine Schultern sackten herunter. Er hatte vor allen Anwesenden sein Herz geöffnet und erwartete nun sein Urteil.
Der Großmeister sah von Huma zu Avontal und dann zurück zu seinem Neffen.
»Ritter Bennett, ich erkenne, daß du der Sohn meines Bruders bist – wie mein Bruder war, bevor uns die Aufgaben der Führungsrolle entzweit haben. Wenn du nur so bleibst, wie du jetzt bist, wird das wahr, woran viele schon immer glaubten – daß du einer der Allerbesten unter uns sein wirst.« Bennetts Schultern strafften sich in unverhohlenem Stolz. Oswal fuhr fort: »Wenn du wirklich sein willst, wonach wir alle streben, dann schlage ich vor, daß du dir diesen Ritter hier zum Vorbild nimmst« – er zeigte auf einen sprachlosen Huma –, »denn er ist der Inbegriff all unserer Lehren, ob er selber das weiß oder nicht.«
»Bin ich dann – «
»Du bist, und ich übertrage dir eine besondere Aufgabe: Suche andere wie dich aus allen drei Orden, fünfzehn an der Zahl, die bereit sind, an die Macht und den Willen Paladins zu glauben und die mit der Drachenlanze in der Hand durch die Lüfte reiten wollen.«
Bennett taumelte beinahe zur Tür, um sich dort noch einmal zu seinem Onkel umzudrehen. Fürst Oswal verabschiedete ihn mit einem Wink. Hastig rannte der Ritter der Rose davon.
Bennett tat genau das, was ihm befohlen worden war. Er suchte sich Freiwillige aus allen drei Orden und wählte nach Verdienst und Glauben aus, nicht danach, ob sie ihm treu ergeben waren, wie er es vor dem Tod seines Vaters noch getan hätte. Unter den Freiwilligen waren altgediente und noch sehr unerfahrene Ritter. Überraschenderweise nahm Bennett auch drei Ritter, denen infolge des Krieges Gliedmaßen fehlten oder die dauerhaft behindert waren. In Friedenszeiten hätte Fürst Oswal diesen Männern Arbeit in der Burg zugeteilt, um sie zu beschäftigen, aber gleichzeitig von schwierigen Situationen fernzuhalten. Jetzt aber kam es auf jeden an, der kämpfen konnte. Männer, die ein Bein verloren hatten, konnten immer noch reiten und ein Schwert schwingen. Ein nutzloser Arm bedeutete, daß der Ritter immer noch den anderen verwenden konnte. Ein Ritter von Solamnia gab erst auf, wenn er gesiegt hatte oder wenn er tot war. Hätten sie solche Männer aus ihren Reihen ausgeschlossen, so wären die verfügbaren Truppen der Burg um fast ein Viertel geschrumpft.
Mit dem Rückzug der feindlichen Armeen aus der Umgebung der Burg waren die Nachschublinien wieder offen, wenn auch nur zeitweise. Bei der ersten Gelegenheit lieferten die Ritter aus dem Süden Nahrungsmittel und Rohstoffe. Es war ein gefährliches Unterfangen, denn die Oger und Drachen belauerten immer noch die Wege, und manche Wagen kamen nie an.
Die Berge im Westen waren verdächtig ruhig. Magus war immer noch da draußen, und Huma verspürte immer noch den Wunsch, einen Rettungsversuch zu starten. Es fuchste ihn, daß er in der Burg abwarten mußte, was Galan Drakos und seine Herrin ausheckten.
Es wäre leichter gewesen, wenn Gwyneth bei ihm gewesen wäre, aber sie war seit jener Nacht nicht zurückgekehrt. Huma war statt dessen dazu übergegangen, sich mit dem Silberdrachen zu unterhalten. Sie redeten nur, wenn sie alleine waren, denn die Gegenwart der anderen Drachen, die die Burg bewachten – besonders der zwei Geschwister des Silberdrachen, die Huma stets scharf beobachteten –, war ihm peinlich.
Die Drachendame lauschte jedem seiner Worte und beantwortete seine Fragen so eifrig, daß er oft vergessen konnte, daß er mit einem Wesen sprach, daß viel größer und älter war als er. Gleichzeitig war sie von einer Traurigkeit erfüllt, deren tieferen Grund Huma nie herausfinden konnte. Er hatte sie nur ein einziges Mal darauf angesprochen. Doch Huma war zu weit gegangen; der große Drache hatte sich umgedreht und war wortlos verschwunden.
Huma konnte das Gefühl nicht erklären, das ihn da überkam, aber irgendwie wußte er, daß die Traurigkeit, die sich so tief in der Riesin eingenistet hatte, mit ihm zu tun hatte.
Er sprach das Thema nie wieder an, weil er sich vor der Wahrheit fürchtete, die er dahinter entdecken könnte.
Drei Tage vergingen, dann war es, als ob der Himmel selbst zerbarst. Die Ritter in der Burg zeigten nach oben und begannen zu flüstern. Auch wenn sie keine Furcht zugeben würden, wurden viele blaß, weil sie sich an das letzte Mal erinnerten, als der Himmel so ausgesehen hatte.
Huma eilte zu den Zinnen, gefolgt von Kaz und Buoron. Huma und der Minotaurus starrten mit zusammengekniffenen Augen auf das Grauen vor ihnen. Buoron war wegen seiner Stationierung im Südwesten damals nicht dabei gewesen, doch er schaute sich alles an und drehte sich dann zu seinen Gefährten um. Da erst sah er ihren Gesichtsausdruck.