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Die Zypressen von Cordoba

Электронная книга - «Die Zypressen von Cordoba». Краткое содержание книги:

Spanien im 10. Jahrhundert: Am Hof von Córdoba herrschen die Mauren. Der Kalif Abd ar-Rahman III. spürt, daß er von seinen Leibärzten verraten wird. Nur Da'ud ibn Yatom, dem Sohn des Vorstehers der jüdischen Gemeinde, vertraut er. Ihn beauftragt er, den großen Theriak wieder zu entdecken, ein Mittel, mit dem sich der Herrscher vor Schlangenbissen schützen will, vor denen er panische Angst hat. Falls Da'ud dies gelingt, wird er mit Gold überschüttet, falls nicht, droht der Kalif Da'ud und seine Familie auszulöschen …
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»Was denn?« fragte sie, nachdem seine Begeisterung ihre Neugier erregt hatte.

»Erst einmal müssen wir sie hegen und pflegen, bis sie stark genug sind, um in den Boden gepflanzt zu werden und Wurzeln zu schlagen. Dann müssen wir ihnen Bedingungen schaffen, die denen ihres normalen Lebensraums so ähnlich wie möglich sind, insbesondere müssen wir sie vor der Winterkälte schützen. Wenn uns all das gelingt, müssen wir geduldig warten, bis sie genügend gesunde, fleischige Blätter bekommen haben, aus denen wir reichlich Saft gewinnen können. Erst nachdem dieser Saft zu Pulver eingedampft ist, können wir unsere Patienten mit dem Extrakt behandeln und die Ergebnisse untersuchen.«

»Was für ein langes, mühseliges Unterfangen! Ich könnte dir doch dabei helfen, nicht wahr, so wie ich dir mit dem Senf und dem Lavendel geholfen habe?« Ein Anflug ihrer alten Zaghaftigkeit kehrte zurück, als Dalitha fragend zu ihm, dem blauäugigen Helden ihrer Kindheit, aufblickte.

»Statt daß ich Gedichte schreibe, um dir zu helfen, wie ich unserer gemeinsamen Schwester geholfen habe?«

»Ich habe nicht Amiras Begabung für die Dichtkunst, aber Vater unterweist mich neuerdings in der Kunst des Übersetzens.«

»Gefällt dir das?«

»Ich bin noch nicht gut genug, um das beurteilen zu können. Aber Vaters Plan, arabische Werke ins Hebräische zu übersetzen, damit auch die Juden anderer Länder Zugang zu dem darin enthaltenen Wissen haben, scheint mir eine sehr lobenswerte Aufgabe zu sein.«

»Nun, da du eine so schwere Bürde auf deinen hübschen Schultern hast, wirst du wohl kaum noch die Zeit finden, meine jämmerlichen Pflanzen zu pflegen?« neckte sie Hai mit der jungenhaften Fröhlichkeit, die sie immer so gemocht hatte.

Sie sprachen so leichthin und so lange miteinander, daß sie gar nicht bemerkten, wie die Sonne am blassen Spätsommerhimmel immer tiefer sank. »Du liebe Güte, ich muß mich rasch baden und umkleiden, wenn ich noch rechtzeitig zum Sabbatgottesdienst kommen will«, rief Hai aus. »Mutter leistet dir sicher nur zu gern Gesellschaft, bis ich wieder zu Hause bin. Was für eine Freude, dich heute abend zum Essen zu Gast zu haben! Seit Vater gestorben ist, ist es hier so traurig und einsam geworden.«

Grenzenlose Liebe und Bewunderung strahlten aus den Augen der beiden Frauen – die eine nahe dem Ende ihres Lebensbogens, die andere zögernd am Anfang –, als Hai, der sich in sein dunkles, feierliches Gewand gekleidet hatte, sie noch beide küßte, ehe er zur Synagoge aufbrach, genau wie es bei den Ibn Yatoms immer schon Tradition gewesen war.

Von diesem Tag an war Dalitha häufig in dem großen Haus in Córdoba zu Gast. Als die ersten Winterfröste einsetzten, ließ Hai Djamilas alte Gemächer ausräumen und dort eine zusätzliche Feuerstelle einbauen, die die Wärme spendete, die seiner Meinung nach für das Überleben der Aloepflanzen notwendig war.

»Sie scheinen zu wachsen und zu gedeihen«, sagte er zu Dalitha, als sie die Eimer gemeinsam dorthin brachten. »Die Blätter sind nicht mehr bräunlich, sondern werden wunderbar grün. Aber wir halten sie doch besser bis zum Frühjahr noch in Wasser. Während ich im Hospital bin, werden meine Mutter und die Diener dafür sorgen, daß sie immer in einer angenehmen Temperatur stehen, aber ich möchte außerdem, daß du nach ihnen siehst, wenn du hier bist.«

Wenn sie bei den Aloen fertig war, setzte sich Dalitha zu Sari, bis Hai nach Hause kam, und hörte ihr zu, wie sie sich nach Art der Alten an vergangene Zeiten erinnerte. Aus ihren Erzählungen entstand vor Dalithas Augen ein Ebenbild Da'uds, das sich sehr von dem Bild unterschied, das sich Dalitha aus den Gesprächsfetzen gebildet hatte, die sie in ihrer Kindheit aufgeschnappt hatte. So lernte sie, wo die Quelle für Hais unendliches Mitgefühl war, für seine Zärtlichkeit – und seine Liebe. Wie sie sich danach sehnte, der Gegenstand dieser Liebe zu sein, von ihm so geliebt zu werden wie Sari von seinem Vater …

Sobald sie hörte, wie er das Haus betrat, loderte in ihr ein Feuer auf, ließ ihre Wangen strahlend glühen, ihre Augen vor Vergnügen und Erwartung aufblitzen. Dann zog sich Sari zurück, überließ die beiden ihren endlosen Gesprächen über die Patienten, die Hai geheilt hatte – wofür Dalitha ihn pries –, über diejenigen, die er nicht hatte heilen können – worüber sie ihn hinwegzutrösten versuchte –, oder über die Schwierigkeiten, die sie bei der Formulierung einer hebräischen Erklärung für ein einziges arabisches Wort hatte – wobei er ihr zu helfen versuchte.

»Es ist keine einfache Aufgabe, eine statische Sprache in eine dynamische zu verwandeln«, bemerkte er eines Tages, nachdem er einen besonders komplizierten Satz elegant für sie formuliert hatte. »Noch lieber würde ich die statische Liebe, die uns schon immer aneinander bindet, in eine dynamische verwandeln. Du bist so schön geworden, Dalitha, so begehrenswert, so …«

Sie fielen einander mit der Selbstverständlichkeit zweier Menschen in die Arme, die immer schon gewußt hatten, daß sie vom Schicksal füreinander bestimmt sind.

»Wir heiraten im Frühling, meine Liebste …«

»Ein großes Fest im Freien …«

»Eine fröhliche und freudige Feier …«

»Mit Blumen und Früchten …«

»Und Liedern und Tänzen …«

»Und allerlei schönen und wunderbaren Dingen …«

Zwischen den leidenschaftlichen Küssen sprudelten die Worte aus ihnen heraus.

Sari war entzückt über das Glück der jungen Leute. Sie war auch zufrieden über diese Verbindung, mit der für sie die Gerechtigkeit zwischen Djamila und ihr selbst wiederhergestellt – und somit der einzige Schatten, der sich je zwischen sie und ihren Mann gestellt hatte –, postum überwunden war. Wie würde man sich in der Gemeinde das Maul zerreißen! Sie lächelte vor sich hin. Was für eine Enttäuschung es für all die jungen Damen sein würde, die sich so aufgeputzt hatten, weil sie hofften, dem jungen Ibn Yatom aufzufallen, und für ihre Väter, die solch reiche Mitgift angehäuft hatten, um ihn zu locken! Wie schlecht sie ihn kannten. Wie wenig sie begriffen, wie genau er – zumindest in diesem Punkt – in die Fußstapfen seines Vaters trat. Sie konnte ihm kein größeres Glück wünschen als das, was sie mit Da'ud gefunden hatte. Und doch brauchte sie einige Zeit, bis sie es über sich brachte, auf Hais Vorschlag einzugehen und Menahem, Djamila und Amira zum Sabbat einzuladen, um die Eheschließung zu besprechen.

Die Einladung versetzte alle im Landhaus in hellen Aufruhr. Menahem hatte das Haus der Ibn Yatom nicht mehr betreten, seit man ihn aus der Stadt verbannt hatte, und auch Djamila war erst zu der Trauerwoche nach Da'uds Tod das erste Mal dorthin zurückgekehrt. Beide hatten schmerzliche Erinnerungen, die längst begraben waren und die keiner aufwecken wollte. Was Amira betraf, so konnte sie sich einfach ihren Halbbruder, den stets zu Neckereien bereiten Spielgefährten ihrer Kindheit, nicht als Vorstand dieses großen Hauses vorstellen, dem sie nun untergeordnet sein sollte. Denn auch ihre Hochzeit galt es zu besprechen.

Unter den Besuchern, die nach dem Tode Da'uds ihr Beileid bekundeten, waren auch der Vorsteher der jüdischen Gemeinde von Sevilla und dessen Sohn Ishak gewesen. Der junge Mann hatte einen Blick auf Amira erhascht, die sich in den Frauengemächern aufhielt, und seither war er ein häufiger Gast im kleinen Landhaus gewesen, stets unter dem Vorwand, mit Menahem eine gewisse Theorie über die hebräischen Wortstämme mit drei Buchstaben zu diskutieren. Djamila hatte seine Absichten von Anfang an durchschaut und war daher nicht erstaunt gewesen, als er schließlich bei Menahem um Amiras Hand anhielt.

»Wenn ich auch Amira genauso sehr liebe wie meine eigene Tochter und sie von Kindesbeinen an aufgezogen habe, so habe ich doch nicht das Recht, über ihre Heirat zu entscheiden«, erklärte Menahem dem jungen Mann. »In Abwesenheit ihres Vaters, seligen Gedenkens, solltet Ihr diese Angelegenheit mit Hai besprechen.«

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