Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Ihr traut Euch reichlich viel zu«, sagte Nynaeve. »Wir haben ein Sprichwort in den Zwei Flüssen, das heißt: ›Es ist gleich, wer gewinnt, der Wolf oder der Bär — das Kaninchen ist immer der Verlierer.‹ Tragt Euren Streit irgendwo anders aus, und laßt die Leute aus Emondsfeld in Frieden.«
»Egwene«, sagte Moiraine nach einem Moment des Schweigens, »geh mit den anderen weg, und laß die Seherin eine Weile mit mir allein.« Ihr Gesicht sagte nichts aus; Nynaeve machte sich am Tisch breit, als sei sie bereit, einen Ringkampf zu beginnen.
Egwene sprang auf die Beine. Ihr Wunsch, sich würdevoll zu bewegen, stand offenbar mit ihrem Wunsch auf dem Kriegsfuß, eine Auseinandersetzung mit der Seherin wegen ihres offen getragenen Haares zu vermeiden. Sie hatte keinerlei Schwierigkeiten; durch einen Blick die anderen um sich zu versammeln. Mat und Perrin schoben ihre Stühle hastig nach hinten, murmelten irgendwelche Höflichkeitsfloskeln und bemühten sich, nicht gleich hinauszurennen. Selbst Lan ging auf ein Zeichen Moiraines zur Tür und zog Thom mit sich.
Rand folgte, und der Behüter schloß die Tür hinter ihnen. Dann stand er auf der anderen Seite des Flurs Wache. Unter Lans argwöhnischen Blicken gingen die anderen ein kleines Stück weiter den Korridor hinunter. Es durfte auch nicht die geringste Gelegenheit für jemanden geben, sie zu belauschen. Als sie gerade weit genug entfernt waren, daß es ihm paßte, lehnte sich der Behüter entspannt gegen die Wand. Auch ohne seinen farbverändernden Umhang wirkte er so bewegungslos, daß er nur schwer zu bemerken war, außer man stand direkt vor ihm.
Der Gaukler äußerte, daß er Besseres zu tun habe, und verließ sie mit einem ernsten: »Erinnert Euch daran, was ich gesagt habe!« über seine Schulter hinweg. Kein anderer schien das Bedürfnis zu haben, sich wegzustehlen.
»Was hat er gemeint?« fragte Egwene abwesend. Ihre Augen waren auf die Tür gerichtet, hinter der Moiraine und Nynaeve miteinander sprachen. Sie spielte an ihren Haaren herum, als sei sie innerlich gespalten: Sollte sie weiterhin die Tatsache verbergen, daß sie die Haare offen trug oder die Kapuze einfach zurückschlagen?
»Er hat uns einige Ratschläge erteilt«, sagte Mat.
Perrin sah ihn warnend an. »Er sagte, wir sollten den Mund nicht aufmachen, bevor wir sicher seien, was wir eigentlich sagen wollten.«
»Das klingt nach einem guten Ratschlag«, sagte Egwene, doch sie wirkte dabei ganz eindeutig desinteressiert. Rand stand in Gedanken versunken da. Wie konnte denn Nynaeve Teil dieses Ganzen sein? Wie konnte irgendeiner von ihnen überhaupt mit Trollocs und Blassen und einem in den Träumen erscheinenden Ba'alzamon zu tun haben? Es war verrückt. Er fragte sich, ob Min Moiraine von Nynaeve berichtet hatte. Was sagen sie dort drinnen?
Er hatte keine Ahnung, wie lange er dort gestanden hatte, als sich die Tür endlich öffnete. Nynaeve trat heraus und erschrak, als sie Lan bemerkte. Der Behüter sagte ihr leise etwas, was sie ihren Kopf ärgerlich in den Nacken werfen ließ, und dann schlüpfte er an ihr vorbei durch die Tür.
Sie wandte sich Rand zu, und nun wurde ihm erst bewußt, daß die anderen alle heimlich verschwunden waren. Er wollte der Seherin nicht allein gegenüberstehen, doch jetzt, da sie ihn erblickt hatte, gab es kein Entrinnen mehr. Ein forschender Blick, dachte er erstaunt. Was haben sie nur gesprochen? Er richtete sich auf, als sie sich ihm näherte.
Sie zeigte auf Tams Schwert. »Das scheint heutzutage zu dir zu passen, obwohl es mir lieber wäre, das wäre nicht der Fall. Du bist gewachsen, Rand.«
»In einer Woche?« Er lachte, doch es klang gezwungen und sie schüttelte den Kopf, als verstehe sie nicht. »Hat sie dich überzeugt?« fragte er. »Es ist wirklich die einzige Möglichkeit.« Er unterbrach sich und dachte an Mins Funken. »Kommst du mit uns?«
Nynaeve machte große Augen. »Mit euch kommen? Warum sollte ich? Mavra Mallen ist von Devenritt herübergekommen, um mich zu vertreten, bis ich zurückkehre, aber sie wird zurückkehren wollen, sobald sie nur kann. Ich hoffe immer noch, daß ich euch zum Einlenken bringe und ihr mit mir heimkommt.«
»Das können wir nicht.« Er glaubte, an der immer noch geöffneten Tür eine Bewegung zu sehen, aber sie waren allein im Flur.
»Das hast du mir schon einmal gesagt, und sie auch.« Nynaeve zog die Stirn in Falten. »Wenn sie nicht darin verwickelt wäre... Aes Sedai kann man nicht trauen, Rand.«
»Du hörst dich an, als ob du uns in Wirklichkeit glaubst«, sagte er bedächtig. »Was ist bei der Dorfversammlung geschehen?«
Nynaeve blickte zur Tür zurück, bevor sie antwortete. Dort bewegte sich jetzt nichts. »Es war ein totales Durcheinander, aber sie muß nicht unbedingt wissen, daß wir unsere eigenen Angelegenheiten nicht besser regeln können. Und ich glaube nur eine Sache: Ihr seid alle in Gefahr, solange ihr euch bei ihr befindet.«
»Es ist etwas geschehen«, beharrte er. »Warum willst du, daß wir zurückkommen, wenn du glaubst, es bestünde eine Möglichkeit, daß wir doch recht haben? Und warum überhaupt du? Man könnte dann genausogut den Bürgermeister schicken wie die Seherin.«
»Du bist gewachsen.« Sie lächelte, und das ließ ihn einen Augenblick lang unruhig von einem Fuß auf den anderen treten. »Ich kann mich an eine Zeit erinnern, da hättest du nicht in Frage gestellt, wohin ich zu gehen beschließe oder was ich tun will, gleich, worum es ging. Das ist gerade eine Woche her.«
Er räusperte sich und fragte stur weiter. »Es ergibt sonst keinen Sinn. Warum bist du wirklich hier?«
Sie sah so halb zu der leeren Türöffnung hinüber und nahm dann seinen Arm. »Laufen wir ein Stück weiter, während wir sprechen.« Er ließ sich von ihr wegführen, und als sie sich weit genug von der Tür entfernt hatten, um nicht mehr belauscht zu werden, begann sie wieder. »Wie ich schon sagte: Die Versammlung war ein einziges Durcheinander. Alle waren sich einig, daß euch jemand nachgeschickt werden mußte, aber das Dorf war in zwei Gruppen gespalten. Die einen wollten, daß ihr gerettet werdet, obwohl es kräftigen Streit darüber gab, wie das bewerkstelligt werden könne, wenn man bedenkt, daß ihr bei einer... bei einer von diesen seid.«
Er war froh, daß sie bei der Wahl ihrer Worte sehr vorsichtig war. »Die anderen glaubten Tam?« fragte er.
»Nicht unbedingt, aber sie dachten, ihr solltet euch nicht bei Fremden aufhalten, besonders nicht bei einer wie ihr. Was auch immer — beinahe jeder Mann wollte bei der Suchaktion dabei sein. Tam und Bran al'Vere mit den Waagschalen seines Amtes um den Hals, und Haral Luhhan, bis Alsbet es fertigbrachte, daß er sich wieder hinsetzte. Sogar Cenn Buie! Das Licht bewahre mich vor Männern, die mit dem Haar auf ihrer Brust zu denken versuchen! Obwohl ich nicht weiß, ob es überhaupt andere gibt.« Sie schniefte kräftig und blickte anklagend zu ihm auf. »Jedenfalls wurde mir klar, daß es noch einen geschlagenen Tag dauern würde, bis sie zu einer Entscheidung kämen, und irgendwie... irgendwie war ich sicher, daß wir nicht so lange warten durften. Also berief ich den Frauenzirkel ein und sagte ihnen, was geschehen müsse. Ich kann nicht behaupten, daß es ihnen gefiel, aber sie sahen ein: Ich hatte recht. Und deshalb bin ich hier. Die Männer aus Emondsfeld sind sture Wollköpfe. Sie streiten sich vermutlich immer noch darüber, wen sie schicken sollen, obwohl ich hinterließ, daß ich mich darum kümmern werde.«
Nynaeves Geschichte erklärte ihre Anwesenheit, aber sie konnte ihn nicht beruhigen. Sie war immer noch entschlossen, mit ihnen zusammen nach Hause zu gehen.
»Was hat sie dir da drinnen gesagt?« fragte er. Moiraine hätte doch sicherlich jedes Argument benützt, aber sollte sie etwas vergessen haben, dann konnte er das ja nachholen.
»Praktisch das gleiche«, erwiderte Nynaeve. »Und sie wollte mehr über euch Jungen wissen. Um herauszufinden, warum ihr... diese Art von Aufmerksamkeit erregt habt... sagte sie jedenfalls.« Sie legte eine Pause ein und beobachtete ihn aus den Augenwinkeln. »Sie versuchte, es zu verschleiern, aber vor allem wollte sie herausfinden, ob einer von euch außerhalb der Zwei Flüsse geboren wurde.«