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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Lan sah ihn scharf an. »Irgend etwas stimmt heute abend nicht. Geh nicht weit weg. Und denk daran: Wir reiten los, gleich, ob du wach genug bist, um aufrecht im Sattel zu sitzen, oder ob wir dich festbinden müssen.«

Der Behüter ging die Treppe hinauf, und die anderen folgten ihm mit unterdrückter Fröhlichkeit. Rand stand allein im Flur. Nachdem die ganze Zeit so viele Menschen um ihn herum gewesen waren, fühlte er sich nun wirklich einsam.

Er eilte in die Küche, wo eines der Küchenmädchen immer noch bei der Arbeit war. Sie goß ihm einen Krug Milch aus einer großen Steinkanne ein. Als er trinkend aus der Küche kam, bewegte sich eine Gestalt in stumpfem Schwarz durch den Flur auf ihn zu. Sie erhob blasse Hände und warf die dunkle Kapuze zurück, die das Gesicht darunter verborgen hatte. Der Umhang hing regungslos herunter, während sich die Gestalt bewegte, und das Gesicht... war das Gesicht eines Mannes, doch totenbleich wie eine Larve unter einem Felsblock. Es hatte keine Augen. Vom fettigschwarzen Haar bis zu den runden Wangen war es glatt wie eine Eierschale. Rand verschluckte sich und verschüttete Milch.

Rand ließ den Krug fallen und trat vorsichtig zurück. Er wollte rennen, aber alles, was er fertigbrachte, war, seine Füße zu einem zögernden Schritt nach dem anderen zu bewegen. Er konnte sich nicht von diesem augenlosen Gesicht befreien; sein Blick wurde davon angezogen, und sein Magen drehte sich um. Er versuchte, um Hilfe zu rufen, zu schreien, doch seine Kehle war wie ein Stein. Jeder rauhe Atemzug schmerzte.

Der Blasse glitt ohne Eile näher. Seine Schritte zeigten eine sinnlichtödliche Eleganz, wie bei einer Schlange, wobei die Ähnlichkeit noch durch die überlappenden Schuppen des Brustpanzers betont wurde. Dünne, blutleere Lippen verzogen sich in einem grausamen Lächeln. Der Hohn des Lächelns wirkte unter der glatten, blassen Haut, wo die Augen sein sollten, besonders einprägsam. Gegen diese Stimme wirkte die Bornhalds warm und sanft. »Wo sind die anderen? Ich weiß, daß sie hier sind. Rede, Junge, und ich werde dich am Leben lassen.«

Rands Rücken berührte Holz, eine Wand oder eine Tür; er konnte sich nicht dazu bringen, sich danach umzusehen. Nun, da seine Füße einmal stehengeblieben waren, konnte er sie nicht wieder zum Gehen bringen. Er schauderte und beobachtete, wie der Myrddraal näher glitt. Bei jedem langsamen Schritt wurde sein Zittern stärker.

»Sprich, sage ich, oder... «

Von oben kam das schnelle Trampeln von Stiefeln, von der Treppe weiter hinten im Flur her, und der Myrddraal unterbrach sich und wirbelte herum. Der Umhang hing bewegungslos herunter. Einen Augenblick lang beugte der Blasse den Kopf zur Seite, als könne dieser augenlose Blick die Holzwand durchbohren. Ein Schwert erschien in der totenblassen Hand. Die Schneide war genauso schwarz wie der Umhang. Das Licht im Flur trübte sich in der Gegenwart dieser Klinge. Das Stiefelgetrampel wurde lauter, und der Blasse fuhr mit einer knochenlosweichen Bewegung wieder zu Rand herum. Die schwarze Klinge hob sich; dünne Lippen zogen sich in einem tierischen Knurren hoch. Zitternd wurde Rand klar, daß er sterben mußte. Mitternachtsstahl zuckte auf seinen Kopf zu... und verhielt.

»Du gehörst dem Großen Herren der Dunkelheit an.« Das von rauhem Atmen durchsetzte Krächzen dieser Stimme klang, als kratzten Fingernägel über eine Schieferplatte. »Du gehörst ihm.«

Der Blasse wirbelte verschwommen schwarz herum und eilte den Flur hinunter — weg von Rand. Die Schatten am Ende des Flurs streckten Arme aus und zogen ihn an sich, und dann war er verschwunden.

Lan sprang die letzten Stufen herunter und landete mit einem Krachen, das Schwert in der Hand.

Rand rang um Worte. »Ein Blasser«, keuchte er. »Er war... «

Plötzlich erinnerte er sich an sein Schwert. Solange der Myrddraal ihm gegenübergestanden hatte, war ihm dieser Gedanke überhaupt nicht gekommen. Nun zog er unbeholfen die Klinge mit dem Reiherzeichen heraus, und es war ihm gleich, ob es nun zu spät war. »Er ist dort hinunter gerannt!«

Lan nickte abwesend; er schien nach etwas anderem zu lauschen. »Ja. Es geht fort, es verschwindet langsam. Keine Zeit zur Verfolgung. Wir reisen ab, Schafhirte.«

Weitere Stiefel polterten die Treppe herunter: Mat und Perrin und Thom mit Decken und Satteltaschen beladen. Mat schnürte im Laufen noch seine Bettrolle; den Bogen hatte er quer unter den Arm geklemmt.

»Abreisen?« fragte Rand. Er steckte das Schwert wieder in die Scheide und nahm Thom seine Sachen ab. »Jetzt? In der Nacht?«

»Willst du warten, bis der Halbmensch zurückkommt, Schafhirte?« sagte der Behüter ungeduldig. »Auf ein halbes Dutzend von ihnen? Es weiß jetzt, wo wir sind.«

»Ich werde wieder mit Euch reiten«, sagte Thom zu dem Behüter, »falls Ihr nichts dagegen habt. Zu viele Leute erinnern sich daran, daß ich mit Euch gekommen bin. Ich fürchte, noch vor Anbruch des Tages wird es sich als schlecht erweisen, als Euer Freund zu gelten.«

»Ihr könnt mit uns oder auch zum Shayol Ghul reiten, Gaukler.« Lans Scheide dröhnte, so heftig rammte er sein Schwert hinein.

Ein Stallbursche rannte von der Hintertür her an ihnen vorbei, und dann erschien Moiraine mit Meister Fitch und dahinter Egwene mit ihrem zusammengerollten Schal auf den Armen. Und Nynaeve. Egwene sah beinahe zu Tränen verängstigt aus, doch das Gesicht der Seherin war eine Maske aus beherrschtem Zorn.

»Ihr müßt das ernst nehmen«, sagte Moiraine zu dem Wirt. »Es wird hier spätestens gegen Morgen Ärger geben. Vielleicht Schattenfreunde, vielleicht auch noch Schlimmeres. Wenn es beginnt, dann macht ihnen ganz schnell klar, daß wir fort sind. Leistet keinen Widerstand. Laßt nur denjenigen, wer es auch sein mag, wissen, daß wir in der Nacht abgereist sind, dann wird man Euch nicht weiter belästigen. Sie sind hinter uns her.«

»Macht Euch keine Sorgen in bezug auf Ärger, wie Ihr es nennt«, antwortete Meister Fitch jovial. »Keine Angst. Wenn jemand in meine Schenke kommt und meinen Gästen ans Leder will... dann machen meine Burschen und ich kurzen Prozeß mit ihnen. Kurzen Prozeß. Und wir werden ihnen kein Wort darüber sagen, wohin Ihr geritten oder wann Ihr aufgebrochen seid und noch nicht einmal, daß Ihr überhaupt hier wart. Ich kann so was nicht ausstehen. Hier wird keiner ein Wort über Euch verlieren. Kein Wort!«

»Aber... «

»Frau Alys, ich muß mich jetzt wirklich um Eure Pferde kümmern, wenn Ihr schnell abreisen wollt.« Er entzog seinen Ärmel ihrem Griff und trabte in Richtung Stall.

Moiraine seufzte bedrückt. »Ein schrecklich sturer Mann. Er hört einfach nicht auf mich.«

»Glaubt Ihr, daß hier Trollocs nach uns suchen werden?« fragte Mat.

»Trollocs!« fuhr Moiraine ihn an. »Natürlich nicht! Es gibt andere Dinge, vor denen wir uns fürchten müssen! Nicht zuletzt, weil man uns hier aufgespürt hat.« Sie mißachtete Mats Verärgerung und fuhr gleich fort: »Der Blasse wird nicht glauben, daß wir hier bleiben, nachdem wir nun wissen, daß er uns gefunden hat. Aber Meister Fitch nimmt die Schattenfreunde nicht ernst genug. Er glaubt, sie sind erbärmliche Kriecher, die sich in den Schatten verstecken, aber Schattenfreunde findet man in den Läden und in den Straßen einer jeden Stadt und manchmal auch in den höchsten Ratsversammlungen. Der Myrddraal schickt sie vielleicht aus, um herauszufinden, was wir planen.« Sie drehte sich auf der Stelle um und ging, dicht gefolgt von Lan.

Als sie zu den Ställen weitergingen, lief Rand neben Nynaeve her. Auch sie trug ihre Satteltaschen und Decken. »Also kommst du nun doch mit«, sagte er. Min hatte recht.

»War da wirklich etwas hier unten?« fragte sie ruhig. »Sie behauptete, es sei... « Sie schwieg plötzlich und sah ihn an.

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