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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Ein Blasser«, antwortete er. Es überraschte ihn selbst, daß er so ruhig darüber sprechen konnte. »Er war im Flur bei mir, und dann kam Lan.«

Nynaeve zog ihren Umhang zurecht, um sich vor dem Wind zu schützen, als sie die Schenke verließen. »Vielleicht ist etwas hinter euch her. Aber ich bin gekommen, um euch sicher nach Emondsfeld zurückzubringen, euch alle, und ich werde nicht gehen, bevor ich das nicht erreicht habe. Ich lasse euch nicht mit einer von ihrer Art allein.« In den Ställen bewegten sich Laternen, wo die Stallburschen ihre Pferde sattelten.

»Mutch!« rief der Wirt von der Stalltür her, wo er mit Moiraine stand. »Beweg deine Knochen!« Er wandte sich wieder ihr zu. Dabei schien er zu versuchen, sie zu beruhigen, anstatt ihr richtig zuzuhören, auch wenn er es auf sehr ehrerbietige Art tat. Zwischen den Befehlen an die Stallknechte verbeugte er sich immer wieder.

Die Pferde wurden herausgeführt. Die Stallknechte beschwerten sich leise über die Eile und die späte Abreise. Rand hielt Egwenes Bündel und reichte es ihr hinauf, als sie auf Belas Rücken Platz genommen hatte. Sie sah ihn mit großen, angsterfüllten Augen an. Wenigstens glaubt sie jetzt nicht mehr, daß es bloß ein Abenteuer ist.

Er schämte sich, kaum daß ihm dieser Gedanke gekommen war. Sie befand sich seinetwegen und der anderen wegen in Gefahr. Selbst allein nach Emondsfeld heimzureiten wäre sicherer, als mit ihnen weiterzuziehen. »Egwene, ich... «

Die Worte erstarben ihm im Mund. Sie war zu halsstarrig, um jetzt zurückzukehren, nicht, nachdem sie gesagt hatte, sie werde bis Tar Valon dabei sein. Wie ist es mit dem, was Min gesehen hat? Sie ist ein Teil des Ganzen. Licht, wovon eigentlich?

»Egwene«, sagte er, »es tut mir leid. Ich kann einfach nicht mehr klar denken.«

Sie beugte sich herunter und drückte ihm fest die Hand. Im Licht vom Stall her konnte er ihr Gesicht ganz deutlich sehen. Sie sah nicht mehr so verängstigt aus wie vorher.

Als sie alle aufgesessen waren, bestand Meister Fitch darauf, sie selbst zum Tor zu führen, während die Stallburschen den Weg mit ihren Laternen beleuchteten. Der rundliche Wirt verabschiedete sich unter Verbeugungen und versicherte ihnen, er werde ihr Geheimnis wahren, und er lud sie ein wiederzukommen. Mutch beobachtete ihren Abschied genauso mürrisch, wie er ihre Ankunft beobachtet hatte.

Das war einer, dachte Rand, der keineswegs kurzen Prozeß mit jemandem machen oder überhaupt jemanden abweisen würde. Mutch würde dem ersten, der ihn fragte, erzählen, wann sie losgeritten waren und alles andere außerdem, was sie betraf. Ein kleines Stück die Straße hinunter blickte er zurück. Eine Gestalt stand noch da, die Laterne hoch erhoben, und sah ihnen nach. Er mußte das Gesicht nicht sehen, um zu wissen, daß es sich um Mutch handelte.

Zu dieser Nachtstunde lagen die Straßen Baerlons verlassen da. Den geschlossenen Fensterläden entkamen nur hier und da schwache Lichtstrahlen, und der Mondschein veränderte seine Helligkeit ständig durch die vom Wind getriebenen Wolkenfetzen. Gelegentlich bellte ein Hund, wenn sie an einer Einfahrt vorbeikamen, aber ansonsten störte kein anderer Laut die Nachtruhe, bis auf das Hufegeklapper ihrer Pferde und den Wind, der über die Dächer pfiff. Die Reiter schwiegen. Jeder war in seinen Umhang gehüllt und hing seinen eigenen Gedanken nach.

Wie gewöhnlich führte der Behüter sie an, und Moiraine und Egwene ritten dicht hinter ihm. Nynaeve hielt sich nahe bei dem Mädchen, während die anderen eng zusammengedrückt den Schluß bildeten. Lan ließ die Pferde eine schnelle Gangart anschlagen.

Rand beobachtete die Straßen um sie herum mißtrauisch, und er bemerkte, daß seine Freunde es ihm gleichtaten. Die sich verschiebenden Schatten, die der Mond warf, erinnerten ihn an die Schatten am Ende des Flurs und wie sie scheinbar nach dem Blassen gegriffen hatten. Bei jedem gelegentlichen Geräusch in der Ferne, wie einem heruntergefallenen Faß oder dem Bellen eines weiteren Hundes, fuhren alle Köpfe ruckartig herum. Langsam und beinahe unmerklich rückten sie bei ihrem Weg durch die Stadt immer näher an Lans schwarzen Hengst und Moiraines weiße Stute heran.

Am Caemlyn-Tor stieg Lan ab und hämmerte mit der Faust an die Tür eines kleinen, viereckigen Steingebäudes, das an die Stadtmauer angebaut war. Ein müder Wächter erschien. Er rieb sich schläfrig die Augen. Als Lan sprach, verschwand seine Schlaftrunkenheit, und er sah an dem Behüter vorbei und betrachtete die anderen. »Ihr wollt die Stadt verlassen?« rief er. »Jetzt? Mitten in der Nacht? Ihr müßt verrückt geworden sein!«

»Wenn es keinen Befehl des Statthalters gibt, der unsere Abreise verbietet...?« sagte Moiraine. Sie war ebenfalls abgestiegen, aber sie blieb von der Tür weg und mied das aus ihr auf die dunkle Straße fallende Licht. »Nicht direkt, Herrin.« Der Wächter sah angestrengt nach ihr und verzog das Gesicht bei dem Versuch, ihres zu erkennen. »Aber die Tore sind zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang geschlossen. Man kann nur bei Tageslicht hereinkommen. So lautet der Befehl. Außerdem gibt es dort draußen Wölfe. Letzte Woche haben sie ein Dutzend Kühe gerissen. Könnten auch einen Menschen ganz leicht töten.«

»Keiner darf hereinkommen, aber der Befehl sagt nichts vom Verlassen der Stadt«, sagte Moiraine, als sei damit das letzte Wort gesprochen. »Seht Ihr? Wir verlangen nicht, daß Ihr dem Befehl des Statthalters zuwiderhandelt.«

Lan drückte dem Wächter etwas in die Hand. »Für Eure Mühe«, murmelte er.

»Ich schätze«, sagte der Wächter bedächtig. Er sah auf seine Hand hinunter; Gold glänzte darin, und er steckte den Inhalt hastig in seine Tasche. »Ich schätze, der Befehl sagt nichts über das Verlassen der Stadt aus. Einen Moment, bitte.« Er steckte den Kopf durch die Tür. »Arin! Dar! Kommt heraus und helft mir, das Tor zu öffnen. Da sind Leute, die hinaus wollen. Widersprecht nicht! Tut's einfach!«

Zwei weitere Wächter kamen aus dem Haus, blieben stehen und betrachteten in schläfriger Überraschung die Reisegesellschaft von acht Leuten, die darauf wartete, hinausgelassen zu werden. Unter den Anweisungen des ersten Wächters schlurften sie hinüber und drehten das große Rad, mit dem der dicke Riegel heruntergelassen wurde. Dann konzentrierten sie ihre Anstrengungen darauf, das Tor aufzuschieben. Das Sperrad klickte schnell beim Mitdrehen, aber die gut geölten Torflügel schwangen ansonsten lautlos auf. Bevor sie allerdings auch nur ein Viertel geöffnet waren, sprach eine kalte Stimme aus der Dunkelheit: »Was soll das bedeuten? Muß dieses Tor nicht bis Sonnenaufgang geschlossen bleiben?«

Fünf in weiße Mäntel gehüllte Gestalten traten in den Lichtschein aus der Tür des Wachhauses. Ihre Schals waren hochgezogen und verbargen die Gesichter, aber jeder der Männer hatte eine Hand auf den Griff seines Schwertes gelegt, und die goldenen Sonnen auf ihrer linken Brustseite zeigten deutlich, wer sie waren. Mat fluchte leise vor sich hin. Die Wächter hörten auf zu drehen und sahen sich unentschlossen an.

»Das geht Euch nichts an«, sagte der erste Wächter grob. Fünf weiße Kapuzen drehten sich zu ihm hin und er endete mit kläglicher Stimme: »Die Kinder haben hier nichts zu sagen. Der Statthalter... «

»Die Kinder des Lichts«, sagte der Mann im weißen Mantel, der zuerst gesprochen hatte, sanft, »haben etwas zu sagen, wo auch immer Menschen im Licht wandeln. Nur dort, wo der Schatten des Dunklen Königs regiert, lehnt man die Kinder ab, ja?« Er drehte sich vom Wächter weg Lan zu, und dann plötzlich sah er sich den Behüter genauer und aufmerksamer an.

Der Behüter hatte sich nicht bewegt; im Gegenteil, er wirkte völlig entspannt. Doch nicht viele Menschen waren in der Lage, die Kinder so unbeachtet zu lassen. Lans steinernes Gesicht hätte genausogut einen Schuhputzer anblicken können. Als der Weißmantel weitersprach, klang es mißtrauisch.

»Welche Art von Menschen will die Mauern einer Stadt zu dieser Nachtzeit und in solchen Zeiten verlassen? Wenn Wölfe in der Dunkelheit lauern und das Geschöpf des Dunklen Königs über die Stadt fliegt?« Er betrachtete das geflochtene Lederband um Lans Stirn, das seine langen Haare zurückhielt. »Einer aus dem Norden, ja?«

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