Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Sein Gesichtshaut spannte sich plötzlich wie ein Trommelfell. Er brachte es fertig, heiser zu lachen. »Sie hat aber eigenartige Ideen. Ich hoffe, du hast ihr versichert, daß wir alle in Emondsfeld geboren wurden.«
»Natürlich«, antwortete sie. Sie hatte nur einen Herzschlag lang gezögert, bevor sie sprach, so kurz, daß er es gar nicht bemerkt hätte, wenn er nicht darauf gewartet hätte.
Er versuchte krampfhaft, sich etwas einfallen zu lassen, was er sagen konnte, aber seine Zunge fühlte sich an wie ein Stück Leder. Sie weiß es. Sie war schließlich die Seherin, und von einer Seherin nahm man an, daß sie alles über jeden wußte. Wenn sie davon weiß, dann war es kein Fiebertraum. O Licht hilf mir, Vater!
»Ist alles in Ordnung?« fragte Nynaeve.
»Er sagte... sagte, daß ich... nicht sein Sohn sei. Als er im Delirium war... wegen des Fiebers. Er sagte, er habe mich gefunden. Ich dachte, es sei nur... « Seine Kehle begann zu brennen, und er mußte aufhören zu sprechen.
»O Rand!« Sie hielt inne und nahm sein Gesicht in ihre beiden Hände. Sie mußte ihre Hände dazu nach oben strecken. »Die Menschen sagen im Fieber die seltsamsten Sachen. Verdrehte Sachen. Sachen, die nicht wahr und wirklich sind. Hör auf mich! Tam al'Thor ist weggelaufen, um Abenteuer zu suchen, als er ein Junge war und nicht älter als du. Ich kann mich gerade noch daran erinnern, wie er zurück nach Emondsfeld kam; ein erwachsener Mann mit einer rothaarigen ausländischen Frau und einem Baby in Windeln. Ich erinnere mich daran, daß Kari al'Thor dieses Kind mit so viel Liebe und Freude in den Armen hielt, wie ich es nur jemals bei einer Mutter erlebt habe. Ihr Kind, Rand. Du. Nun reiß dich zusammen und höre auf mit solchen Verrücktheiten.«
»Natürlich«, sagte er. Ich wurde außerhalb der Zwei Flüsse geboren. »Natürlich.« Vielleicht hatte Tam einen Fiebertraum gehabt, und vielleicht hatte er nach einer Schlacht ein Baby gefunden. »Warum hast du es ihr nicht gesagt?«
»Das geht keinen Ausländer etwas an.«
»Sind auch noch andere außerhalb geboren?« Sobald er die Frage gestellt hatte, schüttelte er auch schon den Kopf. »Nein, antworte nicht. Es geht mich auch nichts an.« Aber es wäre gut, zu wissen, ob Moiraine an ihm ein besonderes Interesse hatte, das über das Interesse an ihnen als Gruppe hinausging. Wäre das wirklich gut?
»Nein, es geht dich nichts an«, stimmte Nynaeve zu. »Es braucht auch nichts zu bedeuten. Es kann sein, daß sie einfach blind nach einem Grund sucht, irgendeinem Grund, warum diese Wesen hinter dir her sind. Hinter euch allen.«
Rand brachte ein schwaches Grinsen fertig. »Dann glaubst du also schon, daß sie uns jagen.«
Nynaeve schüttelte ungerührt den Kopf. »Du hast ziemlich gut gelernt, einem das Wort im Mund zu verdrehen, seit du sie kennengelernt hast.«
»Was wirst du tun?« fragte er.
Sie betrachtete ihn. Er sah ihr standhaft in die Augen. »Heute werde ich ein Bad nehmen. Was das andere angeht, werden wir ja sehen.«
17
Beobachter und Jäger
Nachdem die Seherin weg war, ging Rand in den Schankraum. Er brauchte den Klang von Lachen in den Ohren, um zu vergessen, was Nynaeve gesagt hatte und welche Schwierigkeiten sie ihnen damit bereiten konnte.
Der Raum war tatsächlich voll, aber niemand lachte, obwohl jeder Stuhl und jede Bank besetzt war und andere Leute an den Wänden standen. Thom trat gerade auf. Er stand auf einem Tisch an der gegenüberliegenden Wand. Seine Gesten waren umfassend genug, um den ganzen Raum zu füllen. Es war wieder einmal Die Wilde Jagd nach dem Horn, aber natürlich beklagte sich niemand darüber. Es gab so viel über jeden der Jäger zu erzählen und so viele Jäger waren auf der Suche nach dem Horn, daß die Geschichte jedesmal anders klang. Es hätte sowieso eine Woche oder mehr gedauert, die ganze Geschichte auf einmal zu erzählen. Der einzige Laut, der neben Stimme und Harfe des Gauklers erklang, war das Prasseln der Feuer in den Kaminen.
»... Zu den acht Ecken der Welt reiten die Jäger, zu den acht Säulen des Himmels, wo der Wind der Zeit weht und das Schicksal die Kleinen wie die Großen bei der Stirn packt. Nun ist Rogosch von Talmour, Rogosch Adlerauge, berühmt am Hof des Hochkönigs, gefürchtet an den Hängen des Shayol Ghul, der größte aller Jäger...« Die Jäger waren immer gefürchtete Helden — allesamt.
Rand machte seine beiden Freunde aus und quetschte sich neben Perrin an das Ende einer Sitzbank.
Küchengerüche, die durch den Raum zogen, erinnerten ihn an seinen Hunger, doch sogar die Leute, die ihr Essen vor sich stehen hatten, beachteten es kaum. Die Kellnerinnen, die eigentlich hätten bedienen sollen, standen verzaubert da, die Hände in die Schürzen verkrampft, und sahen den Gaukler an. Niemand schien etwas dagegen zu haben. Zuhören war besser als essen, ganz gleich, wie gut das Essen auch sein mochte.
›... seit dem Tag ihrer Geburt hat der Dunkle König Blaes als sein eigen betrachtet, aber nie wird er ihre Zustimmung gewinnen. Blaes von Matuchin ist kein Schattenfreund! Stark wie eine Esche steht sie da, biegsam wie der Zweig einer Weide, schön wie eine Rose. Goldhaarige Blaes. Bereit, zu sterben, um nicht nachgeben zu müssen. Doch lauscht! Von den Türmen der Stadt klingt das Schmettern von Trompeten, ehern und kühn. Ihre Herolde verkünden die Ankunft eines Helden an ihrem Hof. Trommelklang rollt, und Beckenschläge erklingen! Rogosch Adlerauge kommt, um ihr zu huldigen...‹ ›Rogosch Adlerauges Handel‹ neigte sich dem Ende zu, aber Thom unterbrach die Erzählung nur, um seine Kehle aus einem Bierkrug zu befeuchten, und dann erklang ›Lians Wehr‹. Dem folgte dann ›Der Fall von Aleth-Loriel‹ und ›Gaidal Cains Schwert‹ und ›Der letzte Ritt von Buad von Albhain‹. Als sich der Abend hinzog, wurden die Pausen länger, und als Thom schließlich die Harfe weglegte und zur Flöte griff, wußte jeder, daß die Erzählung für diesen Abend beendet war. Zwei Männer begleiteten Thom auf einer Trommel und einem Hackbrett, aber sie saßen neben dem Tisch, während er noch immer auf ihm stand.
Die drei jungen Männer aus Emondsfeld begannen bei den ersten Tönen von ›Der Wind, der die Weide beugt‹ mitzuklatschen, und sie waren nicht die einzigen. Es war ein besonders beliebtes Lied, sowohl in den Zwei Flüssen, wie auch in Baerlon, schien es. Hier und da fielen Stimmen ein, und sie klangen nicht so falsch, daß man sie hätte zum Schweigen bringen müssen.
»Meine Liebe ist fort, weggeweht, vom Wind, der die Weide beugt, und alles Land wird niedergedrückt vom Wind, der die Weide beugt. Doch will ich sie halten, fest und treu, in meiner Erinnerung, ihre Kraft macht meine Seele stark, ihre Liebe wärmt mein Herz. So steh ich, wo wir einst uns liebten, trotz des Winds, der die Weide beugt.«
Das zweite Lied war nicht so traurig. ›Nur einen Eimer Wasser‹ schien im Gegensatz dazu sogar noch fröhlicher als sonst üblich, und das hatte der Gaukler ja vielleicht auch bezweckt. Die Leute beeilten sich, Tische wegzuschieben und eine Tanzfläche freizumachen. Bald warfen sie die Beine im Takt, bis die Wände wackelten von all dem Stampfen und Wirbeln. Der erste Tanz endete. Lachende Tänzer verließen die Tanzfläche und hielten sich die Seiten. Neue Tänzer nahmen ihre Plätze ein.
Thom spielte die ersten Takte von ›Der Flug der Wildgänse‹ und wartete dann, bis die Leute ihre Plätze in den Reihen eingenommen hatten.
»Ich glaube, ich probier's auch mal«, sagte Rand und stand auf. Perrin schoß sofort auch hoch. Mat bewegte sich als letzter, und so mußte er zurückbleiben und auf die Umhänge, Rands Schwert und Perrins Axt aufpassen.