Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Rands Lachen erstarb. Er und die Weißmäntel standen allein zwischen Matsch und Fässern. Die Menge, die sich vorher noch um sie gedrängt hatte, hatte offenbar die Straße hinauf oder hinunter Wichtiges zu tun.
»Schweigt deine Zunge aus Angst vor dem Licht?« Der Zorn machte das schmale Gesicht des Weißmantels noch schmaler und härter, als es von Haus aus war. Er blickte verächtlich auf den Schwertknauf, der unter Rands Umhang sichtbar war. »Vielleicht bist du dafür verantwortlich, wie?« Im Unterschied zu den anderen trug er unter dem Sonnenzeichen noch einen goldenen Knoten.
Rand wollte sein Schwert bedecken, aber statt dessen schob er seinen Umhang nach hinten zurück. Im Hinterkopf fragte er sich verzweifelt, was er da tat, aber es war nur ein entfernter Gedanke. »Unfälle geschehen nun mal«, sagte er. »Auch bei den Kindern des Lichts.«
Der Mann mit dem schmalen Gesicht hob eine Augenbraue. »Bist du so gefährlich, Jüngling?« Er war nicht viel älter als Rand.
»Das Reiherzeichen, Lord Bornhald«, sagte einer der anderen warnend.
Der schmalgesichtige Mann sah noch einmal Rands Schwertknauf an — der bronzene Reiher war klar zu sehen -, und seine Augen weiteten sich für einen Moment. Dann erhob er den Blick zu Rands Gesicht und schniefte voller Verachtung. »Er ist zu jung. Du bist nicht von hier, wie?« fragte er Rand kalt. »Woher kommst du?«
»Ich bin gerade in Baerlon angekommen.« Ein Schauer rann über Rands Arme und Beine. Er fühlte sich erhitzt, beinahe sommerlich warm. »Ihr kennt wohl keine gute Schenke hier, oder?«
»Du weichst meinen Fragen aus«, fauchte Bornhald. »Was hast du Böses in dir, daß du mir nicht antwortest?« Seine Begleiter traten an seine Seite, die Gesichter hart und ausdruckslos. Trotz der Schmutzflecken auf ihren Umhängen war jetzt nichts mehr Lustiges an ihnen.
Ein Kribbeln erfüllte Rand; die Hitze war zu einem Fieber geworden. Er wollte lachen; das war so ein schönes Gefühl. Eine dünne Stimme in seinem Hinterkopf rief ihm zu, daß etwas nicht stimme, aber er konnte nur daran denken, wie energieerfüllt er sich fühlte. Er platzte beinahe vor Energie. Lächelnd verlagerte er sein Gewicht auf die Fersen und wartete darauf, was wohl geschehen werde. Ganz undeutlich und entfernt fragte er sich, was es wohl sein werde.
Das Gesicht des Anführers verfinsterte sich. Einer der anderen zog sein Schwert ein Stück aus der Scheide und sagte mit zornbebender Stimme: »Wenn die Kinder des Lichts dich etwas fragen, du grauäugiger Bauerntölpel, dann erwarten sie Antworten, oder... « Er hielt inne, als der schmalgesichtige Mann ihm einen Arm über die Brust legte. Bornhald bedeutete ihm mit einer Kopfbewegung, er solle die Straße hinaufblicken.
Die Stadtwache war eingetroffen, ein Dutzend Männer mit runden Stahlkappen und metallbeschlagenen Lederwämsern. Sie trugen ihre Schlagstöcke, als wüßten sie damit umzugehen. Sie standen da und beobachteten schweigend die Szene aus etwa zehn Schritten Entfernung. »Diese Stadt hat das Licht vergessen«, grollte der Mann mit dem halbgezogenen Schwert. Er erhob die Stimme und rief der Wache zu: »Baerlon steht im Schatten des Dunklen Königs!« Auf eine Geste Bornhalds hin rammte er sein Schwert wieder in die Scheide.
Bornhald wandte seine Aufmerksamkeit wieder Rand zu. Das Licht der Erkenntnis brannte in seinen Augen. »Schattenfreunde entkommen uns nicht, Jüngling, nicht einmal in einer Stadt, die im Schatten steht. Wir treffen uns wieder. Da kannst du sicher sein!«
Er drehte sich auf der Stelle um und schritt weiter, seine beiden Begleiter dicht hinter ihm, als hätte Rand zu existieren aufgehört. Zumindest für diesen Augenblick. Als sie den dicht bevölkerten Teil der Straße erreichten, öffnete sich der gleiche scheinbar zufällige Freiraum wie zuvor, um sie durchzulassen. Die Wachen zögerten und sahen Rand an. Dann schulterten sie ihre Schlagstöcke und folgten den drei Weißgekleideten. Sie mußten sich durch die Menge schieben und riefen deshalb: »Platz für die Wache!« Nur wenige machten ihnen murrend Platz.
Rand balancierte immer noch auf den Fersen und wartete. Das Prickeln war so stark, daß er beinahe zitterte; er fühlte sich so, als verbrenne er innerlich.
Mat trat aus dem Laden und starrte ihn an. »Du bist nicht krank«, sagte er schließlich. »Du bist verrückt!«
Rand atmete tief ein, und mit einem Schlag war alles vorbei wie eine geplatzte Seifenblase. Er taumelte, als ihm bewußt wurde, was er getan hatte. Er leckte sich die Lippen und bemühte sich, Mats Blick standzuhalten. »Ich denke, wir kehren jetzt besser zur Schenke zurück«, sagte er unsicher.
»Ja«, sagte Mat. »Ja, ich glaube auch, das ist das beste.«
Die Straße hatte sich langsam wieder gefüllt, und mehr als ein Passant sah die beiden Jungen an und murmelte einem Begleiter etwas zu. Rand war sicher, daß sich die Geschichte wie ein Lauffeuer ausbreiten würde. Ein Verrückter hatte versucht, sich mit drei Kindern des Lichts herumzustreiten. Das war ein guter Gesprächsstoff. Vielleicht treiben die Träume mich zum Wahnsinn.
Die beiden verliefen sich mehrmals in den unregelmäßig angelegten Straßen, doch nach einer Weile schlossen sie sich Thom Merrilin an, der allein wie eine ganze Prozession wirkte, als er so durch die Menge stolzierte. Der Gaukler sagte, er sei hier, um sich etwas die Beine zu vertreten und frische Luft zu schnappen, aber immer wenn jemand seinen vielfarbigen Umhang näher betrachtete, verkündete er mit hallender Stimme: »Ich werde nur heute abend im ›Hirsch und Löwen‹ auftreten.«
Es war Mat, der ziemlich wirr von dem Traum von ihrem Problem zu erzählen begann und, ob sie Moiraine davon etwas sagen sollten oder nicht, aber Rand griff dann und wann ein, denn es gab Unterschiede in ihren Erinnerungen. Vielleicht war ja auch jeder Traum ein bißchen anders, dachte er. Der Hauptteil der Träume war allerdings jeweils der gleiche.
Sie waren mit dem Erzählen noch nicht weit gekommen, als Thom ihnen endlich die volle Aufmerksamkeit widmete. Als Rand Ba'alzamon erwähnte, packte der Gaukler beide Jungen an den Schultern und befahl ihnen, den Mund zu halten, erhob sich auf Zehenspitzen, um über die Köpfe der Menge blicken zu können, und führte sie dann aus dem Gewühl in eine Sackgasse, die bis auf ein paar Kisten und einen abgemagerten hellbraunen Hund, der in einer Ecke vor der Kälte Schutz suchte, leer war.
Thom blickte in die Menge hinaus und suchte nach Leuten, die möglicherweise stehenblieben, um sie zu belauschen, bevor er sich wieder Rand und Mat zuwandte. Der Blick aus seinen blauen Augen bohrte sich in ihren Blick, zwischendurch aber wanderte er in Richtung Straßeneinmündung. »Sagt niemals mehr diesen Namen, wenn Fremde zuhören können.« Seine Stimme war leise, aber sehr eindringlich. »Nicht einmal dort, wo ein Fremder vielleicht zuhören könnte. Es ist ein sehr gefährlicher Name, sogar dann, wenn sich keine Kinder des Lichts auf den Straßen befinden.«
Mat schnaubte. »Ich könnte dir etwas über die Kinder des Lichts erzählen«, sagte er mit einem sarkastischen Seitenblick auf Rand. Thom überhörte die Bemerkung. »Wenn nur einer von euch diesen Traum gehabt hätte... « Er zupfte zornig an seinem Schnurrbart. »Sagt mir alles, woran ihr euch erinnern könnt. Jede Einzelheit.« Während er zuhörte, blieb er stets wachsam und beobachtete die Straße. »... er nannte die Namen von Männern, die angeblich benutzt wurden«, sagte Rand schließlich. Er war sicher, alles andere berichtet zu haben. »Guaire Amalasan. Raolin Dunkelbann.«