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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Denkt daran, daß ich auch mal tanzen will!« rief Mat ihnen nach.

Die Tänzer stellten sich in zwei langen Reihen gegenüber auf, die Frauen auf der einen und die Männer auf der anderen Seite. Zuerst gab die Trommel den Rhythmus an, dann fiel das Hackbrett ein, und alle Tänzer begannen, im gleichen Takt die Knie zu beugen. Das Mädchen gegenüber Rand — sie trug die dunklen Haare in Zöpfen und erinnerte ihn an die Heimat — lächelte ihn erst schüchtern an und dann zwinkerte sie ihm gar nicht mehr schüchtern zu. Thoms Flöte schwang sich in die Melodie hinein, und Rand ging vorwärts auf das dunkelhaarige Mädchen zu. Sie warf den Kopf in den Nacken und lachte, als er sie herumwirbelte und an den nächsten Mann in der Reihe weiterreichte.

Jeder im Saal lachte, zumindest bildete er sich das ein, während er um seine nächste Partnerin herumtanzte, eine der Kellnerinnen, deren Schürze wild flatterte. Das einzige ernste Gesicht, das er sah, gehörte einem Mann, der an einem der Kamine kauerte, und dieser Bursche hatte eine Narbe quer übers ganze Gesicht, von einer Schläfe bis an die gegenüberliegende Kante seines Unterkiefers. Sie ließ seine Nase schräg erscheinen und zog einen Mundwinkel herunter. Der Mann sah ihm in die Augen und verzog das Gesicht. Rand schaute verlegen zur Seite. Vielleicht konnte der Bursche mit einer solchen Narbe nicht mehr lächeln.

Er fing seine nächste Partnerin im Drehen auf und wirbelte sie im Kreis herum, bevor er sie weiterreichte. Drei weitere Frauen tanzten mit ihm, während die Musik immer schneller wurde, und dann hatte er wieder das erste dunkelhaarige Mädchen am Arm, als sie in einer kurzen Promenade die Reihen komplett tauschten. Sie lachte immer noch und zwinkerte ihm wieder zu.

Der narbengesichtige Mann sah ihn finster an. Sein Schritt wurde unsicher, und seine Wangen erhitzten sich. Er hatte den Burschen nicht beschämen wollen; er glaubte wirklich nicht, ihn auffällig angestarrt zu haben. Er drehte sich nach seiner nächsten Partnerin um und vergaß den Mann. Die nächste Frau, die in seine Arme tanzte, war Nynaeve.

Er stolperte in die nächsten Tanzschritte hinein und fiel fast über die eigenen Füße. Beinahe wäre er ihr noch auf die Füße getreten. Sie tanzte leichtfüßig genug, um seine Unbeholfenheit auszugleichen, und lächelte auch noch dabei. »Ich dachte, du seist ein besserer Tänzer«, lachte sie beim Partnerwechsel.

Ihm blieb nur ein Augenblick, sich wieder zusammenzureißen, dann wechselten sie wieder, und er tanzte auf einmal mit Moiraine. Wenn er sich schon bei der Seherin unbeholfen angestellt hatte, dann war das nichts gegen sein Gefühl jetzt beim Tanz mit der Aes Sedai. Sie glitt elegant über den Tanzboden. Ihr langes Kleid schwang um ihre Beine. Er fiel dagegen zweimal beinahe hin. Sie lächelte ihn mitleidsvoll an, doch das half nicht — im Gegenteil. Es war eine Erleichterung, die nächste Partnerin weitergereicht zu bekommen, selbst wenn es sich um Egwene handelte.

Er gewann wieder etwas an Haltung. Schließlich hatte er jahrelang mit ihr getanzt. Ihr Haar hing immer noch offen herunter, doch sie hatte es hinten mit einem roten Band zusammengebunden. Konnte sich vielleicht nicht entscheiden, ob sie es Moiraine oder Nynaeve recht machen sollte, dachte er mürrisch. Ihre Lippen waren geöffnet, und sie wirkte, als wolle sie etwas sagen, aber sie sprach nicht, und er wollte nicht zuerst sprechen. Nicht, nachdem sie seinen früheren Versuch im Speisesaal so schroff abgewürgt hatte. Sie sahen einander ernüchtert an und bewegten sich wortlos wieder voneinander weg.

Er war froh, als der Tanz zu Ende war und er auf die Bank zurückkehren konnte. Die Musik zum nächsten Tanz, einer Gigue, begann, als er sich gerade setzte. Mat eilte auf die Tanzfläche, und Perrin setzte sich auf die freigewordene Bank. »Hast du sie gesehen?« begann Perrin, der noch nicht einmal richtig saß. »Hast du?«

»Welche?« fragte Rand. »Die Seherin oder Frau Alys? Ich habe mit beiden getanzt.«

»Mit der Ae... mit Frau Alys auch?« rief Perrin. »Ich habe mit Nynaeve getanzt. Ich wußte nicht einmal, daß sie tanzt. Zu Hause tut sie das nie.«

»Ich frage mich«, sagte Rand nachdenklich, »was der Frauenzirkel wohl davon hielte, wenn die Seherin tanzt? Vielleicht tut sie's deswegen nicht.«

Dann waren Musik und Klatschen und Singen zu laut, um sich weiter zu unterhalten. Rand und Perrin klatschten mit, als die Tänzer um den Tanzboden kreisten. Mehrmals wurde ihm bewußt, daß der Mann mit der Narbe ihn anstarrte. Der Mann hatte ein Recht darauf, wegen der Narbe empfindlich zu sein, aber Rand fiel nun nichts ein, was er hätte tun können, ohne alles noch schlimmer zu machen. Er konzentrierte sich ganz auf die Musik und vermied es, den Burschen anzusehen.

Tanz und Gesang gingen bis tief in die Nacht hinein weiter. Die Kellnerinnen erinnerten sich schließlich ihrer Pflichten; Rand war froh, ein wenig heißen Eintopf und Brot herunterschlingen zu können. Jeder aß, wo er gerade saß oder stand. Rand tanzte noch dreimal, und er beherrschte sich besser, wenn er dabei auf Nynaeve und auch auf Moiraine traf. Diesmal lobten beide seine Fähigkeiten als Tänzer, und er stammelte verwirrt seinen Dank. Er tanzte auch wieder mit Egwene. Sie sah ihn mit ihren dunklen Augen an und schien immer etwas auf der Zunge zu haben, doch sie sagte kein Wort. Er war genauso still wie sie, aber er war sich sicher, daß er sie nicht irgendwie böse angesehen hatte, auch wenn Mat das behauptete, als er zur Bank zurückkehrte.

Gegen Mitternacht ging Moiraine. Egwene bemerkte den resignierenden Blick, den Moiraine in Richtung Nynaeve schickte, und eilte ihr nach. Die Seherin beobachtete beide mit ausdruckslosem Gesicht und tanzte dann mit voller Absicht noch einmal, bevor auch sie den Saal verließ. Sie wirkte, als habe sie einen Punktsieg über die Aes Sedai errungen.

Bald legte Thom seine Flöte in den Kasten und debattierte freundlich mit denen, die noch weitermachen wollten. Lan kam und holte Rand und die anderen ab.

»Wir müssen früh aufbrechen«, sagte der Behüter, der sich des Lärms wegen ganz nah zu ihnen hinbeugen mußte, »und wir müssen uns so gut wie möglich ausruhen.«

»Ein Kerl hat mich angestarrt«, sagte Mat. »Ein Mann mit einer Narbe im Gesicht. Glaubt Ihr, er könnte einer der... Freunde sein, vor denen Ihr uns gewarnt habt?«

»So eine Narbe?« sagte Rand und fuhr sich mit dem Finger über die Nase bis zum Mundwinkel. »Er hat mich auch angestarrt.« Er blickte sich im Saal um. Die Leute gingen langsam hinaus, und die meisten derer, die immer noch blieben, hatten sich um Thom versammelt. »Er ist jetzt nicht mehr da.«

»Ich habe den Mann gesehen«, sagte Lan. »Laut Meister Fitch ist er ein Spion der Weißmäntel. Der sollte uns kein Kopfzerbrechen bereiten.« Vielleicht nicht, aber Rand bemerkte, daß irgend etwas den Behüter störte.

Rand sah Mat an, der wieder diesen unbeweglichen Gesichtsausdruck zeigte, der immer bedeutete, daß er etwas verbarg. Ein Spion der Weißmäntel. Konnte es sein, daß Bornhald sich unbedingt an ihnen rächen wollte? »Wir brechen früh auf?« sagte er. »Wirklich früh?«

Vielleicht könnten sie schon weg sein, bevor etwas in der Hinsicht geschah?

»Beim ersten Tageslicht«, antwortete der Behüter.

Als sie den Schankraum verließen, sang Mat leise Bruchstücke von Liedern, und Perrin blieb manchmal stehen, um einen neuen Tanzschritt auszuprobieren, den er gelernt hatte. Thom gesellte sich in bester Laune zu ihnen. Lans Gesicht zeigte keinen Ausdruck, als sie zur Treppe gingen.

»Wo schläft Nynaeve?« fragte Mat. »Meister Fitch sagte, er habe uns die letzten Zimmer gegeben.«

»Sie hat ein Bett«, sagte Thom trocken, »bei Frau Alys und dem Mädchen.«

Perrin pfiff durch die Zähne, und Mat knurrte: »Blut und Asche! Ich möchte nicht in Egwenes Haut stecken, selbst wenn sie mir alles Gold in Caemlyn böten!«

Nicht zum ersten Mal wünschte sich Rand, Mat könnte einmal ernsthaft mehr als zwei Minuten lang über dieselbe Sache nachdenken. Sie fühlten sich im Moment nicht gerade wohl in ihrer Haut. »Ich gehe und hole Milch«, sagte er. Vielleicht würde ihm das beim Einschlafen helfen. Vielleicht werde ich heute nacht nicht träumen.

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