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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Und ich habe auch keine Zeit für irgendwelchen Blödsinn. Halte also bitte den Mund!«

Sie betrachtete kurz die anderen, dann näherte sie sich ihm und sagte mit gedämpfter Stimme: »Vor kurzem ist eine Frau angekommen — kleiner als ich, jung, mit dunklen Augen und sie trägt das dunkle Haar in einem Zopf, der ihr bis an die Taille reicht. Sie ist ein Teil des Ganzen, genauso wie der Rest von euch.«

Rand starrte sie eine Minute lang an. Nynaeve? Was kann sie damit zu tun haben? Licht, wieso bin ich eigentlich darin verwickelt? »Das ist... unmöglich.«

»Du kennst sie?« flüsterte Min.

»Ja, und sie kann nicht in... in was auch immer das alles bedeutet... verwickelt sein.«

»Die Funken, Rand. Sie hat Frau Alys getroffen, als sie hereinkam, und es gab Funken, obwohl nur sie beide zusammenstanden. Gestern konnte ich keine Funken wahrnehmen, wenn nicht wenigstens drei oder vier von euch zusammenkamen, aber heute ist alles klarer und heftiger.« Sie sah Rands Freunde an, die ungeduldig warteten, und sie schauderte, bevor sie sich wieder zu ihm umdrehte. »Es ist beinahe ein Wunder, daß die Schenke nicht Feuer fängt. Ihr seid alle in größerer Gefahr als gestern. Seit sie ankam.«

Rand blickte zu seinen Freunden hinüber. Thom, dessen Brauen sich zu einem buschigen V verzogen hatten, beugte sich vor, offensichtlich bereit, etwas zu unternehmen, damit Rand schneller folgen konnte. »Sie wird nichts unternehmen, was uns verletzen könnte«, sagte er zu Min. »Ich muß jetzt gehen.« Diesmal gelang es ihm, seinen Arm zu befreien.

Er mißachtete ihr empörtes Quieken und begab sich zu den anderen. Sie gingen weiter den Korridor hinunter. Rand sah einmal zurück. Min schüttelte die Faust in seine Richtung und stampfte mit dem Fuß auf.

»Was hatte sie zu sagen?« fragte Mat.

»Nynaeve ist ein Teil davon«, sagte Rand ohne nachzudenken. Dann sah er Mat scharf an und erwischte ihn gerade noch mit bereits geöffnetem Mund. Die Erleuchtung breitete sich langsam auf Mats Gesicht aus. »Teil wovon?« sagte Thom leise. »Weiß dieses Mädchen etwas?«

Während Rand noch überlegte, was er sagen sollte, sprach Mat bereits: »Natürlich gehört sie dazu«, sagte er ärgerlich. »Sie ist ein Teil des Pechs, das wir seit der Winternacht hatten. Vielleicht ist es für euch keine große Sache, die Seherin hier vorzufinden, aber ich sähe beinahe noch lieber die Weißmäntel hier als sie.«

»Sie sah, wie Nynaeve ankam«, sagte Rand. »Sah auch, daß sie sich mit Frau Alys unterhielt, und dachte, sie könne etwas mit uns zu tun haben.« Thom sah ihn von der Seite her an, und sein Schnauben brachte seine Schnurrbarthaare durcheinander, aber die anderen schienen Rands Erklärung zu akzeptieren. Er hatte nicht gern Geheimnisse vor seinen Freunden, aber Mins Geheimnis konnte für sie selbst genauso gefährlich werden wie für ihre ganze Gruppe.

Perrin blieb plötzlich vor einer Tür stehen, und trotz seiner Größe schien er ängstlich zu zögern. Er atmete tief ein, sah seine Begleiter an, atmete noch einmal durch, öffnete dann langsam die Tür und ging hinein. Einer nach dem anderen folgte ihm. Rand war der letzte, und er schloß die Tür mit äußerstem Widerstreben hinter sich.

Es war der Raum, in dem sie am Abend zuvor gegessen hatten. Im Kamin prasselte ein Feuer. In der Mitte des Tisches stand ein glänzendes Silbertablett mit einer Silberkanne und Bechern. Moiraine und Nynaeve saßen an den gegenüberliegenden Tischenden. Keine wandte den Blick von der anderen. Moiraines Hände ruhten auf dem Tisch, genauso bewegungslos wie ihr Gesicht. Nynaeves Zopf war über ihre Schulter nach vorn geschlungen, und das Ende lag in ihrer Faust verborgen. Sie zupfte immer wieder ein wenig daran, so wie sie es zu tun pflegte, wenn sie dem Gemeinderat noch sturer als üblicherweise gegenüberstand. Perrin hatte recht. Trotz des Feuers war die Atmosphäre eisig kalt, und die Kälte ging von den beiden Frauen am Tisch aus.

Lan lehnte am Kaminsims, starrte in die Flammen und rieb seine Hände, um sie zu wärmen. Egwene lehnte mit dem Rücken an der Wand. Sie hatte ihren Umhang um und die Kapuze über den Kopf gezogen. Thom, Mat und Perrin blieben unsicher an der Tür stehen.

Rand fühlte sich alles andere als wohl in seiner Haut. Doch er zuckte die Achseln und ging zum Tisch. Manchmal muß man den Wolf bei den Ohren packen, machte er sich selbst Mut. Allerdings erinnerte er sich auch an ein anderes Sprichwort: Wenn du einen Wolf an den Ohren hältst, ist es genauso schwer, loszulassen, wie sich festzuhalten. Er fühlte Moiraines Blick und den von Nynaeve, und sein Gesicht begann zu brennen, aber er nahm trotzdem genau zwischen den beiden Platz.

Eine Minute lang bewegte sich absolut nichts im Raum. Dann traten Egwene und Perrin und schließlich auch Mat vor, gingen zögernd zum Tisch und setzten sich neben Rand in die Mitte. Egwene zog ihre Kapuze noch weiter vor, genug, ihr Gesicht halb zu verbergen, und sie alle vermieden es, irgend jemanden anzusehen.

»Also«, schnaubte Thom von seinem Standort neben der Tür her, »soviel wäre nun geschafft.«

»Da nun alle hier sind«, sagte Lan, verließ den Kamin und füllte einen der silbernen Becher mit Wein, »werdet Ihr dies vielleicht endlich von mir annehmen.« Er bot Nynaeve den Becher an. Sie betrachtete ihn mißtrauisch. »Keine Angst«, sagte er geduldig. »Ihr habt gesehen, wie der Wirt den Wein brachte, und keiner von uns hatte Gelegenheit, etwas hineinzutun. Er ist ganz rein.«

Der Mund der Seherin verzog sich bei dem Wort Angst zornig, doch sie nahm den Becher und murmelte: »Danke.«

»Ich möchte gern wissen«, sagte er, »wie Ihr uns gefunden habt.«

»Ich auch.« Moiraine beugte sich gespannt vor. »Vielleicht seid Ihr jetzt gewillt zu sprechen, nachdem Egwene und die Jungen zu Euch gebracht wurden?«

Nynaeve nippte an dem Wein, bevor sie der Aes Sedai antwortete. »Ihr konntet nirgendwo anders als nach Baerlon hingehen. Um sicher zu gehen, folgte ich dann aber eurer Spur. Ihr seid ja ganz schön im Zickzack geritten. Aber ich schätze, ihr hattet kein Interesse daran, anständigen Leuten über den Weg zu laufen.«

»Ihr... seid unserer Spur gefolgt?« sagte Lan, der zum ersten Mal, seit Rand ihn kannte, wirklich überrascht wirkte. »Ich muß wohl leichtsinnig geworden sein.«

»Ihr habt nicht viele Spuren hinterlassen, aber ich kann mindestens ebensogut Spuren lesen wie jeder Mann in den Zwei Flüssen, vielleicht mit Ausnahme von Tam al'Thor.« Sie zögerte und fügte dann hinzu: »Bis mein Vater starb, nahm er mich immer mit auf die Jagd und lehrte mich, was er sonst den Söhnen beigebracht hätte, die er nie hatte.« Sie sah Lan herausfordernd an, aber er nickte nur beifällig.

»Wenn Ihr einer Spur folgen könnt, die ich zu verbergen versucht habe, dann hat er Euch gut unterrichtet. Nur wenige schaffen das, selbst in den Grenzlanden.«

Plötzlich verbarg Nynaeve das Gesicht in ihrem Becher. Rands Augen weiteten sich. Sie errötete. Nynaeve zeigte sich niemals auch nur im geringsten verwirrt. Zornig, ja, oftmals auch wütend, aber niemals aus der Fassung gebracht. Doch nun waren ihre Wangen deutlich gerötet, und sie bemühte sich, das durch den Becher zu verdecken.

»Vielleicht«, sagte Moiraine ruhig, »werdet Ihr nun einige meiner Fragen beantworten. Ich habe Eure ehrlich genug beantwortet.«

»Mit einem Haufen Gaukler-Märchen«, schoß Nynaeve zurück. »Die einzige Tatsache, die ich feststellen kann, ist, daß vier junge Leute aus einem unerfindlichen Grund von einer Aes Sedai entführt wurden.«

»Man hat Euch gesagt, daß das hier niemand weiß«, sagte Lan scharf. »Ihr müßt lernen, Eure Zunge zu hüten.«

»Warum sollte ich?« wollte Nynaeve wissen. »Warum sollte ich Euch helfen, Euch oder das, was Ihr seid, zu verbergen? Ich bin gekommen, um Egwene und die Jungen nach Emondsfeld zurückzubringen, und nicht, um Euch zu helfen, sie wegzulocken.«

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