Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Betrügereien
»… Berberitzenblätter, drei Handvoll mit kochendem Wasser übergießen, über Nacht ziehen lassen und auf eine halbe Handvoll Nieswurz gießen.« Ich legte die Liste der Zutaten auf den Intarsientisch, als fühlte sie sich schleimig an. »Ich habe das Rezept von Madame Rouleaux. Sie ist die beste der Engelmacherinnen, doch selbst sie sagt, es ist gefährlich. Louise, bist du sicher, dass du das tun willst?«
Ihr rundes rosa Gesicht war fleckig, und ihre Unterlippe zitterte immer wieder.
»Was bleibt mir denn anderes übrig?« Sie ergriff das Rezept für das Abortivum und betrachtete es ebenso angewidert wie fasziniert.
»Nieswurz«, sagte sie und erschauerte. »Wie das schon klingt!«
»Nun, es ist ja auch ein Teufelszeug«, sagte ich unverblümt. »Du wirst dich fühlen, als würde dein Inneres nach außen gestülpt. Aber es kann sein, dass das Baby dabei mit herauskommt. Allerdings funktioniert es nicht immer.« Ich musste an Meister Raymonds Warnung denken – es ist gefährlich, zu lange zu warten – und fragte mich, wie weit sie wohl schon war. Sicher nicht mehr als etwa sechs Wochen; sie hatte es mir sofort erzählt, als ihr der Verdacht gekommen war.
Ihre rotgeränderten Augen richteten sich erschrocken auf mich.
»Du hast es selbst schon benutzt?«
»Gott, nein!« Die Heftigkeit meiner Reaktion ließ mich selbst zusammenfahren, und ich holte tief Luft.
»Nein. Aber ich habe Frauen gesehen, die es benutzt haben – im Hôpital des Anges.« Die Engelmacherinnen übten ihr Handwerk meistens zu Hause aus, entweder bei sich oder bei ihren Kundinnen. Und es waren nicht die Fälle, bei denen sie Erfolg hatten, die ins Krankenhaus kamen. Unauffällig legte ich die Hand auf meinen Bauch, als wollte ich seinen hilflosen Insassen beschützen. Louise, der die Geste nicht entging, warf sich auf das Sofa und vergrub den Kopf in den Händen.
»Oh, ich wünschte, ich wäre tot!«, stöhnte sie. »Warum, warum konnte ich nicht das Glück haben wie du – das Kind eines geliebten Ehemanns unter dem Herzen zu tragen?« Auch sie umklammerte jetzt mit beiden Händen ihren rundlichen Bauch und blickte daran hinunter, als erwartete sie, dass ihr das Kind zwischen den Fingern hervorlugte.
Auf diese Frage gab es eine ganze Reihe von Antworten, doch ich ging nicht davon aus, dass sie sie wirklich hören wollte. Ich holte tief Luft, setzte mich neben sie und tätschelte ihr die bebende, in Damast gehüllte Schulter.
»Louise«, sagte ich. »Willst du das Kind?«
Sie hob den Kopf und sah mich erstaunt an.
»Aber natürlich will ich es!«, rief sie aus. »Es ist doch von ihm – von Charles! Es ist …« Ihr Gesicht fiel in sich zusammen, und wieder beugte sie den Kopf über ihre Hände, die fest vor ihrem Bauch verschränkt waren. »Und es ist meins«, flüsterte sie. Kurz darauf hob sie das tränenüberströmte Gesicht und unternahm dann einen mitleiderregenden Versuch, sich zusammenzureißen, indem sie sich die Nase an ihrem langen Ärmel abwischte.
»Aber das hilft alles nicht«, sagte sie. »Wenn ich nicht …« Sie richtete den Blick auf den Tisch mit dem Rezept und schluckte krampfhaft. »Dann lässt sich Jules von mir scheiden – er setzt mich vor die Tür. Es würde einen fürchterlichen Skandal geben. Vielleicht exkommuniziert man mich sogar! Nicht einmal Vater könnte die Hand über mich halten.«
»Ja«, sagte ich. »Aber …« Ich zögerte, dann schlug ich alle Vorsicht in den Wind. »Wäre es nicht irgendwie möglich, Jules davon zu überzeugen, dass das Kind von ihm ist?«, fragte ich ohne Umschweife.
Im ersten Moment sah sie mich verständnislos an, und ich hätte sie am liebsten geschüttelt.
»Ich wüsste nicht, wie, es sei denn – oh!« Ihr ging ein Licht auf, und sie sah mich entgeistert an.
»Mit Jules schlafen, meinst du? Aber Charles wäre außer sich!«
»Charles«, sagte ich zähneknirschend, »ist nicht schwanger!«
»Nun, aber er ist … das heißt … das geht doch nicht!« Doch ihre entsetzte Miene wich allmählich der zunehmenden Erkenntnis, dass es einen Weg gab.
Ich wollte sie nicht drängen; andererseits sah ich aber auch keinen guten Grund, warum sie ihr Leben aufs Spiel setzen sollte, damit Charles Stuarts Stolz nicht verletzt wurde.
»Meinst du, Charles würde wollen, dass du dich in Gefahr bringst?«, sagte ich. »Weiß er überhaupt von dem Kind?«
Sie nickte mit offenem Mund, die Hände nach wie vor auf dem Bauch verschränkt.
»Ja. Deswegen haben wir uns ja letztes Mal so gestritten.« Sie schniefte. »Er war wütend; er hat gesagt, es wäre alles meine Schuld, dass ich hätte warten sollen, bis er den Thron seines Vaters zurückerobert hat. Dann würde er eines Tages König, und er könnte mich von Jules fortholen und dafür sorgen, dass der Papst meine Ehe annulliert, und seine Söhne könnten die Thronerben Englands und Schottlands werden …« Wieder gab sie es auf und schniefte und jammerte hemmungslos in ein Stück ihres Rocks.
Ich verdrehte entnervt die Augen.
»Oh, sei doch still, Louise!«, fuhr ich sie an. Sie war so schockiert, dass sie aufhörte zu weinen, zumindest kurzfristig, und ich nutzte den Moment, um noch einmal nachzulegen.
»Hör zu«, sagte ich so überzeugend wie möglich, »du glaubst doch nicht, dass Charles wollen würde, dass du seinen Sohn opferst, oder? Ehelich oder nicht.« Tatsächlich war ich fest davon überzeugt, dass Charles alles wollen würde, was ihm eventuelle Unannehmlichkeiten aus dem Weg räumte, ganz gleich, wie es sich auf Louise oder seinen werdenden Nachwuchs auswirkte. Andererseits besaß der Prinz eine ausgeprägte romantische Ader; vielleicht ließ er sich ja einreden, dies als eine Art vorübergehende Widrigkeit zu betrachten, wie sie jeder Monarch im Exil erlebte. Offensichtlich würde ich Jamies Hilfe brauchen. Ich verzog das Gesicht bei dem Gedanken, was er dazu sagen würde.
»Nun ja …« Louise schwankte; sie wünschte sich sehnlich, überzeugt zu werden. Eine Sekunde lang hatte ich Mitleid mit Jules, doch die Erinnerung an ein junges Dienstmädchen, das unter langen, blutigen Qualen auf einem Strohlager im steinernen Flur des Hôpital des Anges starb, stand mir noch mit brutaler Klarheit vor Augen.
Es war kurz vor Sonnenuntergang, als ich schleppenden Schrittes bei den Rohans aufbrach. Bebend vor Nervosität, befand sich Louise oben in ihrem Boudoir, wo ihr die Kammerzofe das Haar aufsteckte und sie in ihr gewagtestes Kleid hüllte, ehe sie sich zu einem Dinner unter vier Augen mit ihrem Mann hinunterbegab. Ich fühlte mich vollkommen ausgelaugt und hoffte, dass Jamie niemanden zum Abendessen mitgebracht hatte; ich konnte jetzt selbst Zurückgezogenheit brauchen.
Er war allein gekommen; als ich sein Studierzimmer betrat, saß er am Schreibtisch und brütete über drei oder vier engbeschriebenen Bögen Papier.
»Meinst du, ›der Pelzhändler‹ ist eher Louis von Frankreich oder sein Minister Duverney?«, fragte er, ohne aufzublicken.
»Bestens, danke, Liebling, und wie geht es dir?«, sagte ich.
»Geht schon«, sagte er abwesend. An den Wirbeln auf seinem Kopf standen ihm die Haare zu Berge; auch jetzt rieb er sich heftig den Kopf, während er finster auf das Papier blickte.
»Ich bin mir sicher, dass ›der Schneider von Vendôme‹ Monsieur Geyer sein muss«, sagte er und fuhr mit dem Finger an den Zeilen des Briefes entlang. »Und ›unser gemeinsamer Freund‹ – das könnte entweder der Graf von Mar sein oder möglicherweise der päpstliche Botschafter. Dem Zusammenhang nach denke ich eher, es ist der Graf, aber …«
»Was in aller Welt ist das?« Ich blinzelte ihm über die Schulter und schnappte nach Luft, als ich die Signatur am Fuß des Briefes sah. James Stuart, Gottes rechtmäßiger König von England und Schottland.
»Himmel! Es hat funktioniert!« Ich fuhr herum und erspähte Fergus, der vor dem Feuer auf einem Schemel saß und sich geschäftig mit Gebäck vollstopfte. »Guter Junge«, sagte ich und lächelte ihn an. Er grinste wie ein Erdmännchen, die Wangen voller Maronentörtchen.