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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Durch den Vorhang sahen sie den Umriss einer Liege. Mehrere Gestalten standen darum und wieder war ein Flüstern zu hören. Dann erklang dieselbe monotone Frauenstimme wie eben: »Ihre göttliche Majestät wünscht, dass die Gesandten sich verneigen vor der höchsten Macht der Welt, dem Herrscher über die Marschen von Korr, Gebieter der östlichen Städte, Eroberer der Meere und namenloser Küsten!«

Nill, Fesco und Scapa sanken auf den Boden und verharrten so, während es abermals hinter den Vorhängen flüsterte, nun leiser als zuvor.

»Ihre göttliche Majestät wünscht, dass ... der Gesandte mit dem schwarzen Haar das Gesicht hebt.«

Nills Eingeweide schienen sich irgendwo in ihrem Körper zusammengezogen zu haben. Was sollte das bedeuten? Sie warf Scapa einen unsicheren Seitenblick zu. Langsam hob er den Kopf und sah zu den dunkelroten Vorhängen auf. Dahinter regte es sich.

Stoff rauschte, jemand erhob sich. Und dann, für einen kurzen Augenblick nur, schob sich eine weiße Hand zwischen den Vorhängen hindurch und warf einen Pfirsich.

Der Pfirsich hüpfte über die Stufen, rollte über den Teppich und blieb direkt vor Scapas Knie auf dem Boden liegen. Einen Moment lang starrte Scapa verwirrt auf die Frucht. Und einen Moment lang glaubte Nill, sie würde nie wieder aufstehen können – doch dann kam sie blitzartig auf die Füße. Allerdings nicht, weil plötzlich alle Furcht von ihr abgefallen war. Nein. Sie hatte sich verbrannt.

An dem steinernen Messer.

Sie stieß einen erstickten Schrei aus, sprang zurück und fuchtelte mit ihrem Rock herum. Der Steindorn glühte! Er hatte ihr auf der Haut gebrannt wie ein heißes Eisen! Ohne nachzudenken fingerte sie ihn aus ihrer Rocktasche und wollte ihn fallen lassen, da – blieben ihre Finger daran hängen. Sie glaubte ein Zischen zu hören, so heiß war der Stein an ihrer Haut.

Der Dorn hatte seine Form verändert. Er war spitz geworden und glühte rot wie Eisen im Feuer.

Nills Herz raste. Sie sah sich um: Alle Blicke waren auf sie gerichtet. Auf sie und das Messer.

»Holt das Messer!«, schrie eine hohe Stimme.

»Nehmt ihr das Messer ab!« Die Grauen Krieger hinter ihnen und die Wächter um die Empore reagierten ebenso schnell wie Fesco und Scapa. Die beiden Jungen sprangen vor Nill.

Keine Sekunde später klirrte Metall und die Klingen ihrer Dolche stießen auf Schwerter und Lanzen.

Trotz ihres Muts – gegen so viele Graue Krieger konnten sie nicht lange standhalten, geschweige denn Nill schützen. Schon packte sie jemand, ein Arm schlang sich um ihre Brust und schnürte ihr die Luft ab. Eine zweite Hand riss ihr die Finger auseinander.

Das steinerne Messer glitt Nill aus der Faust.

»NEIN!« Sie schrie es im selben Augenblick wie Scapa, und er stürzte auf den Grauen Krieger, der den Dorn mit schmerzverzogenem Gesicht in der Hand hielt. Sofort hoben die Krieger ihre Waffen gegen Scapa.

»Verschont den Jungen!«, schrie eine Stimme.

Er warf sich auf den Grauen Krieger, ließ seinen Dolch fallen, schloss dafür beide Hände um den Steindorn. Vor Schmerz und Überraschung stieß Scapa einen Laut aus – das Messer war heiß! Aber er ließ es nicht los, sondern packte es nur noch fester.

Ein Speerhieb traf ihn in die Rippen und ließ ihn aufkeuchen.

»Verschont den Jungen! Verschont ihn! Scapa!«

Er stolperte aus dem Gedränge der Grauen Krieger. Der Steindorn glühte in seiner Faust. Scapa merkte es nicht mehr.

Hinter dem Vorhang war ein Mädchen erschienen.

Die Grauen Krieger hielten wie versteinert inne, als sie die Hand in einer gebieterischen Geste hob, und fielen auf die Knie. Das Mädchen sah Scapa an.

Sie trug ein prächtiges Kleid aus rotem und gelbem Samt. Der Stehkragen reichte über ihren Kopf hinaus wie ein aufgeschlagenes Blütenblatt, und ihr Haar war zu einem aufwändigen glatten Kranz gesteckt.

Es war das schönste Mädchen, das Nill je gesehen hatte. Und das unheimlichste.

Makellos waren die Gesichtszüge, makellos wie ein gemaltes Bild. Ihre Lippen verliefen in geschwungenen Bogen, doch sie wirkten unfähig zu lächeln. Die Augen blickten eisiger als blanker Stahl.

Um ihre Stirn schmiegte sich ein schwarzes, dickes Steindiadem, die Zacken krallten sich wie Klauen um ihren Kopf.

Scapa senkte den Steindorn.

Lähmende Hitze durchflutete Nill. Das Mädchen trug die Krone. Sie war ...

»Du bist der König von Korr«, stammelte Nill. Ihre Stimme brach ab.

Verwirrt schwenkte der Blick des Mädchens von Scapa zu ihr herüber, als merke sie erst jetzt, dass noch jemand in der Halle war. »Der König von Korr ist tot«, sagte sie.

Nill spürte den Boden nicht mehr unter sich. Mit zitternder Stimme flüsterte sie: »Wer bist du?«

Keine Regung spiegelte sich in dem Gesicht des Mädchens. »Ich habe den König von Korr mit einer List besiegt. Ich habe die Macht aus seinen Händen gewunden. Ich ...« Das Mädchen hob den Kopf. »Ich bin das Weiße Kind.«

Scapa spürte nicht das Tageslicht auf seinem Gesicht. Er verharrte reglos in der Schwärze eines Ozeans, in dem es weder Erde noch Himmel, weder oben noch unten gab.

Und dort, am Rande der Stufen vor dem dunkelroten Vorhang, stand Arane.

VIERTES BUCH

Nijura

Verrat

Maferis wusste nicht, welche Rolle er wirklich für das Volk der Moorelfen gespielt hatte – und für die ganze zukünftige Welt. Er würde es nie erfahren.

Und gewiss wäre er nicht im Traum darauf gekommen, dass er seine schicksalhafte Aufgabe ausgerechnet in einem dunklen Gasthaus erfüllt hatte, zwischen Bier trinkenden Säufern, an einem Tag, an den er sich kaum mehr erinnern konnte.

Er selbst war betrunken gewesen. Morgens war er aufgebrochen, um in dem Menschendorf am Rande der Berge Besorgungen zu machen: Er brauchte Papier, Federn, Tinte und wollte sich auch Brot und Getreide kaufen. Zum Tausch hatte er mehrere Wolfsfelle und sogar ein Bärenfell dabei.

In der Abenddämmerung erreichte er das kleine Dorf. Er kaufte, was er brauchte, und beschloss, in ein Gasthaus einzukehren. Er wollte nicht nachts durch die Gebirge zurückwandern, denn obgleich die Elfensicht ihm geholfen hätte, den rechten Weg in der Dunkelheit zu finden, war er erschöpft und musste sich vom langen Tagesmarsch ausruhen. In der Stube des Wirtshauses tummelten sich dunkle Gestalten. Stimmen hingen in der Luft. Maferis ließ sich an einem Tisch nieder und bestellte Hammelfleisch. Was er bekam, war ein fetttriefender Holzteller mit einer undefinierbaren Masse. Maferis aß und hatte den Teller fast geleert, da stellte ihm der Wirt einen Bierkrug auf den Tisch. »Das ist ein Geschenk von dem da«, sagte er und wies mit einem Kopfnicken in eine finstere Ecke der Stube.

Eine Gestalt erhob sich und kam langsam und geduckt auf Maferis zugeschlichen. Das matte Licht der Talgkerzen beleuchtete ein verschlagenes, gleichwohl noch junges Gesicht mit wilden Bartstoppeln.

»Darf ich mich zu dir setzen?«, fragte der Fremde.

Maferis war mehr als überrascht, denn der Mann sprach – wenn auch gebrochen – Elfisch. »Ja«, murmelte Maferis noch immer verwundert und der Fremde ließ sich auf den gegenüberstehenden Stuhl sinken. Sie stießen an und tranken schweigend ihre Bierkrüge leer.

Alkohol hat eine weitaus größere Wirkung auf einen Elf als auf einen Menschen. Außerdem hatte Maferis noch nie einen Schluck Bier zu sich genommen, und nachdem sie zwei Krüge geleert hatten, war er betrunken genug, um alles zu sagen und alles zu vergessen.

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