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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Scapas Hand tastete nach Nills. Seine Finger umschlossen die ihren, aber ihre Blicke waren wie gebannt. Nill hielt den Steindorn umklammert. So fest, dass ihre Fingerknöchel vortraten.

In dem weiten Talkessel ragte eine schwarze Pfeilspitze aus der Erde, so gigantisch wie ein Berg. Es war kein Turm. Es war eine Festung, größer als jedes Schloss, es war eine Säule, die aus der Hölle empor brach, direkt hinein in die nebligen Himmel der Marschen. Nills Knie wurden weich. Ihr war, als hätte sie das alles schon einmal in einem Traum gesehen.

Der Turm des Königs sah aus wie das steinerne Messer.

Unbeholfen rutschten und stolperten sie den Hang hinab. Jetzt erkannten sie auch, was zuvor neben dem Turm wie winzige Erdlöcher ausgesehen hatte: die Eisenminen. Überall öffneten sich dunkle Mäuler im Boden. In den aufgerissenen Rachen wimmelte es vor umherlaufenden Gestalten, die von hier aus kaum größer als Ameisen waren. Nill fühlte, dass dies der schrecklichste Ort der Welt war, ein Friedhof für das Leben selbst. In diesem Talkessel, der kein Tal war, sondern ein Krater im Gesicht der Erde, lag der Geburtsort aller Ängste, allen Elends, allen Hasses. Von hier stammte die ungeheuerliche Macht, die die ganze Welt in solch ein Todesfeld verwandeln würde. Wenn Nill – wenn der steinerne Dorn – es nicht verhinderte.

Nill wurde schlecht, als sie daran dachte, dass sie, dass tatsächlich sie gegen die Macht dieses Turms antreten sollte. Nicht einmal die Größe einer winzigen Laus hatte sie im Vergleich zu diesem Bauwerk.

Fesco, Scapa und Nill duckten sich im letzten Augenblick hinter einen Geröllhaufen, als eine Truppe Grauer Krieger auf einem gewundenen Pfad hinab zu den Minen ritt. Es waren mehr als fünfzig Mann.

Die Gefährten huschten weiter, als die Reiter vorbeigaloppiert waren, und wollten gerade den Pfad überqueren, da erklang ein Schrei.

»Los, Los!«

Sechs Reiter preschten auf sie zu. Der erste knallte mit einer Peitsche in der Luft. »Arbeit!«, kreischte er mit einem starken Elfenakzent, dann schlug seine Peitsche über ihre Köpfe hinweg und die Pferde jagten mit donnernden Hufen an ihnen vorüber.

Scapa löste seine Arme von Nill, als die Grauen Krieger vorbeigeritten waren. Der Peitschenschlag hatte ihn zwar nicht getroffen, doch in seinen Augen glänzte blanke Angst.

»Die – die haben uns für –«, stammelte Fesco. »– für Arbeiter gehalten.« Scapa schluckte und wandte sich an Nill und Fesco. »Egal was passiert«, flüsterte er, »ganz egal, was passiert – wenn einer von uns die Möglichkeit hat, den König zu töten, dann tötet er ihn! Ihr müsst es schwören.«

Nill biss fest die Zähne zusammen. Sie hatte plötzlich das dumpfe Gefühl, schwören zu müssen, dass sie Scapas Tod hinnehmen würde. Er sah sie traurig an. Dachte er etwa dasselbe?

»Schwört es«, wiederholte er.

»Ich schwöre es«, murmelte Nill. Dann erwiderte sie Scapas Händedruck. »Wir schaffen das. Gemeinsam.«

Scapa blickte zu Fesco. »Du auch?«

»Ja. Ich schwöre es.«

Scapa betrachtete seine Gefährten einen Moment.

Ihm wurde bewusst, dass die beiden alles waren, was er hatte. Alles, was ihm noch wichtig war. Was ich liebe, dachte er. Und die Worte erschreckten ihn nicht, wie er so lange gefürchtet hatte. »Kommt. Da wartet unser Schicksal. Und das des Königs.«

Bald führte der Pfad an den Höhleneingängen vorbei. Zerlumpte Moorelfen schleppten Körbe und zogen Karren von einem Ort zum anderen. Es waren Greise, Kinder und, hier und da, ein paar Männer und Frauen, die zu gebrechlich waren, um als Krieger zu dienen. Sie alle waren kaum mehr als Skelette, über die sich schmutzige Haut spannte. Keine Stimme hallte aus den finsteren Höhlen. Nur Hammerschläge, rasselnde Ketten, herabstürzende Steine und das vielfache Keuchen und Husten der Arbeiter. Endlich konnten die Gefährten sich von dem Grauen abwenden. Sie senkten das Gesicht und sahen zu Boden: Nicht weit entfernt standen Graue Krieger, die mit Speeren und langen Holzstöcken über die Arbeiter wachten. Scapa bückte sich rasch und hob einen Steinbrocken auf.

Nill verstand und machte es ihm nach.

»Komm, Fesco!«, raunte sie.

Da begriff er und packte zitternd einen Stein. Mit gesenkten Köpfen gingen sie an den Grauen Kriegern vorbei. Keiner nahm Notiz von ihnen. Drei der Grauen Krieger waren damit beschäftigt, eine Gestalt niederzuknüppeln.

Nill, Scapa und Fesco schleppten die Felsbrocken den ganzen Pfad entlang, vorbei an den Minen.

Wenn sie das Donnern von Hufen hörten, sprangen sie vom Weg, so wie alle Arbeiter, die mit irgendeiner Last vor oder hinter ihnen liefen. Wenn die Reiter an ihnen vorüber waren, liefen sie eilig weiter, denn die Aufseher mit ihren Schlagstöcken waren nie fern.

Sie mussten eine halbe Stunde laufen. Dann waren sie an der Grenze des Minengebiets angekommen, und vor ihnen lag ein zweihundert Meter weites Feld, das die Bauarbeiten von den mächtigen Mauern des Turms trennte. Unzählige Krieger wimmelten vor den Toren des Turms, die so hoch aufragten, dass eine Armee von Riesen hindurch gepasst hätte.

Scapa, Nill und Fesco steuerten auf die nächstbeste Mine zu. Erst einmal mussten sie vom Weg fortkommen, so wie alle Arbeiter, die bis hierher gelaufen waren. Wer die Minen verließ und sich einen Schritt auf das Feld vor dem Turm wagte, dem konnten nur die Götter gnädig sein.

Unbemerkt schlichen die Gefährten mit den anderen Arbeitern in die Mine. Die Augen der Aufseher bemerkten zwischen ihnen und den anderen dreckstarrenden Gestalten keinen Unterschied.

Finsternis empfing Nill und die Jungen. Schweiß und der Gestank von Fäulnis und Tod mischten sich mit der Feuchtigkeit der Erde. Nill glaubte sich in einem Massengrab gefangen. Ihre Finger konnten kaum mehr den Stein festhalten. Sie schloss fest die Augen. Beruhige dich!, befahl sie sich selbst. Ruhig!

Ruhig ... Nicht nur ihr Leben hing jetzt von ihrem Geschick ab, sondern auch die Dunklen Wälder, das Gleichgewicht der ganzen Welt. Und doch konnte Nill in diesem Moment nur an ihr eigenes Leben denken. Daran, dass es jetzt so gut wie verwirkt war.

Sie wusste es, jetzt wo die schwitzenden, dreckigen, mageren Moorelfen sich um sie drängten, Kreaturen mehr tot als lebendig – sie wusste nun, dass es kein Entkommen mehr geben würde. Zitternd atmete sie, bekam kaum Luft. Wer den Turm des Königs einmal gesehen hatte, war verloren.

Das Weiße Kind

Finstere Höhlengänge zogen an ihnen vorüber. Dafür stöhnte und ächzte das dunkle Grab, als sei es die Erde selbst, die über die Hacken und Schaufeln klagte, die ihr das kostbare Eisen aus dem Leib schlugen. Feuer und Glut strahlten, wo man das rohe Eisen in Form goss. Die stinkende Hitze schloss sich wie ein Leichentuch um Nill, Scapa und Fesco. Etwas weiter sprangen Funken, wo Schwerter, Lanzenspitzen und Pfeile geschmiedet wurden. Dahinter lagerten Waffen; es waren tausende und abertausende Speere, Schwerter und Bogen, und nur ein Teil von ihnen war im dämmrigen Feuerschein zu sehen.

Überall liefen Arbeiter, sammelten Waffen ein und trugen sie fort, brachten neue und warfen sie in großen Haufen zusammen. Wie von selbst wurden die Gefährten in das stinkende Getümmel gedrängt.

Sie folgten einem breiten Gestaltenstrom und wurden eins mit der Masse, drängten sich gemeinsam durch einen finsteren, breiten Gang und eine Vielzahl unebener Stufen empor. Irgendwann blitzte ihnen ein Lichtschimmer entgegen. Und als sie die letzten Stufen erklommen hatten, fanden sie sich in einem riesigen Hof wieder.

Nein, es war kein Hof – sondern eine Arena.

Ringsum erhoben sich so mächtige Steinsäulen, dass kein Baum der Dunklen Wälder sie überragt hätte.

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