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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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»Wer bist du?«, fragte er den Fremden schließlich lallend.

Sie beugten sich nahe zueinander.

Der Mann lachte. »Ich bin ein Prinz von Dhrana«, sagte er.

Dhrana war ein unbedeutendes Königreich zwischen den Marschen und dem Dunklen Waldreich, das gerade einmal aus einer Hand voll Dörfern bestand. Wer noch nie von Dhrana gehört hatte, konnte dennoch welterfahren sein. Aber dass ein Prinz ganz gleich welchen Königreiches hier, so, in diesem Dreckloch hockte – diese Vorstellung ließ die beiden Männer vor Lachen prusteten.

»Ich bin der zweite Sohn des Königs Ileofres von Dhrana«, fuhr der Fremde fort und trotz seines Grinsens blieben seine Augen hart. »Man hat mich verstoßen! Ich wollte meinen Bruder töten. Und meinen Vater. Verräter haben sie zu mir gesagt; ich würde versuchen zu morden, um selbst König zu werden. Aber was wissen die schon? Ich, ich bin dazu bestimmt, zu herrschen!« Er lachte und trank einen weiteren Schluck. »Wer bist du? Wieso ist dein Gesicht verbrannt?«

Maferis tastete mit den Fingerspitzen über seine bucklige Haut. Die Erinnerungen, der Schmerz, der Hass zogen wie glühende Sterne an ihm vorüber.

»Ich war der engste Berater des Königs der Moorelfen«, sagte er. »Und ich wollte ihn töten.«

Die beiden lachten atemlos, bis ihr Lachen fast zu einem Schluchzen wurde.

»Es ist wahr«, sagte der Fremde plötzlich ernst.

Seine Augen blitzten vor Hass.

Maferis erstarrte mitten im Lachen. »Ja. Es ist wahr.«

Der fremde Prinz beugte sich so weit vor, dass sein heißer Bieratem Maferis umwehte. »Erzähle mir deine Geschichte«, hauchte der Prinz in der Elfensprache.

Und Maferis erzählte. Er erzählte so genau, dass die Bilder sich in den Augen seines Gegenübers zu spiegeln schienen. Als die Nacht vorüber war und Maferis schlafend auf seinem Stuhl lag, wusste der fremde Prinz alles.

Er kannte Maferis. Er kannte Xanye. Er kannte den König der Moorelfen, seinen Aberglauben, seine Liebe zu seiner Schwester ... Er wusste von den betrügerischen Prophezeiungen und von der verschlingenden Macht der Krone. Wusste, dass die Krone einem Sterblichen alles eröffnen würde. Maferis’ Gier hatte sich mit seinen Worten auf eine andere Seele übertragen.

Sobald der Morgen aufzog, hatte der Prinz von Dhrana das Wirtshaus und Maferis verlassen. Er hatte seinen Proviant gepackt und brach in die Marschen von Korr auf, berauscht von der Genialität seines Vorhabens.

Trotz seines scharfen Verstandes wusste Maferis nichts von alledem. Er wusste nichts von den Ereignissen in den tiefen Marschen, die seinetwegen stattgefunden hatten, nichts von dem Menschenkönig, den er einst in einem finsteren Wirtshaus dazu gemacht hatte, nichts von der Geschichte eines namenlosen Straßenmädchens aus Kesselstadt, das genau diesen König mit einer List besiegte. Nichts ahnte er, als er drei Jahre später in seiner Hütte dem Heulen des Windes lauschte und nur an einen schwarzhaarigen Jungen dachte, der die Welt für ihn mitverändern sollte.

»Du bist das Weiße Kind?«, flüsterte Nill. »Aber ... Du trägst die Krone ... Du bist der König! Du kannst doch nicht ...« Verzweifelt wandte Nill sich zu Scapa um. »Scapa«, rief sie. »Das Messer! Du musst ... Wir haben es uns geschworen!«

Scapa rührte sich nicht. Der steinerne Dorn hing in seinen kraftlosen Fingern.

»Du musst den König töten!«, schrie Nill. Tränen der Panik schossen ihr in die Augen.

Seine Hand zuckte. »Arane ...«

»Was?«, flüsterte Nill. »Was sagst du?«

»Scapa!« Die Königin streckte die Hand nach ihm aus.

Endlich konnte er sich rühren. »Ich dachte, du bist ... Du bist ein Geist!«

»Nein. Ich bin echt. Aber du ...«

Nill kam auf Scapa zu. »Was sagst du da? Das ist der König von Korr! Sie trägt die Krone! Sie ist noch immer –«

Scapa wich zurück, als Nill vor ihm stand. Er zitterte, aber er wich trotzdem zurück.

»Scapa!«, flüsterte die Königin. Sie wiederholte seinen Namen wie eine Beschwörung.

Er ging rückwärts und entfernte sich von Nill.

Dann erklomm er die Stufen.

Die Königin regte sich nicht, als er auf sie zukam, den Steindorn in der Hand. Nill wartete gebannt die Sekunden ab, die über alles, alles entscheiden würden. Und als Scapa vor der Königin stand und das magische Messer ihm aus den Fingern fiel, glaubte Nill, der Steindorn fahre direkt in ihr Herz.

Mit einem Mal all ihrer Kraft beraubt, sank sie auf den Boden. Sie sackte in sich zusammen, so wie alles in ihr zusammenbrach und einstürzte, aber Scapa sah sie nicht einmal an. Sein Blick hing an der Königin.

Sie lächelte. »Ergreift den Eindringling!«, rief sie herrisch. »Aber verschont den anderen Jungen.«

Fesco sank auf die Knie, als die Hände und Klingen von ihm abließen.

Nill wehrte sich nicht, als die Grauen Krieger sie hochrissen. Wie aus weiter Ferne hörte sie Scapa rufen.

»Bringt sie nicht um! Arane, töte sie nicht!«

Es war ihr egal. Alles war vorbei. Scapa hatte sie verraten.

Als die hohen Türflügel zufielen, war Nill verschwunden. Wie im Traum spürte Scapa eine Hand, die sich auf seine Schulter legte. Er drehte sich um und blickte in Aranes Gesicht. Er streckte die Hände aus, berührte ihre Wangen und ihre Haare. Sie war echt. Sie stand direkt vor ihm. Aber wie sie aussah!

»Du bist eine Königin«, flüsterte er. »Du bist wirklich eine Königin geworden.«

Sie schloss die Augen und fiel ihm um den Hals.

Jetzt endlich konnte auch Scapa sie umarmen. Er drückte sie so fest an sich, dass sie auf die Zehenspitzen ging, dann sanken sie zu Boden.

»Ich dachte, du wärst tot«, hauchte sie und streichelte sein Gesicht. »Ich dachte, die Grauen Krieger hätten dich auf der Straße umgebracht! Du lagst da auf dem Boden, und ...«

»Oh Arane!« Er schüttelte den Kopf. »Das alles ist unmöglich! Wie ist das alles geschehen?!« Sein Gesicht verzog sich und er umarmte sie heftig. »Du lebst! Du hast die ganze Zeit gelebt!« Mehr als das konnte er nicht sagen. Nicht denken.

Arane war hier. Die Königin von Korr. Das Weiße Kind.

»Erzähle mir, wie das möglich ist!«, sagte er.

Arane sah ihn durch ihre Tränen hindurch an. Sie nickte.

Wochenlang hatte Arane in Finsternis gelebt, denn die Angst hatte sie erblinden und vergessen lassen.

Dann wurde sie in die Marschen von Korr gebracht, über die Berge und durch die tiefen Moore, hinein in den Turm. Als sie ihn das erste Mal gesehen hatte, war der Himmel schwarz gewesen, Donnerrollen ließ jeden Stein und Knochen erzittern, und zuckende Blitze durchäderten die Dunkelheit.

Das Innere des Turms war so schauderhaft gewesen wie das Gerippe eines Monstrums. Vor drei Jahren hatte es dort nichts gegeben, nur schwarzen Stein – Glasfenster, Teppiche und herrliche Möbel sollten das leere Gerippe erst später in einen Palast verwandeln.

Nie würde Arane den Augenblick vergessen, als sie ihn zum ersten Mal sah: den Schatten. Man hatte sie in eine dunkle Kammer geführt. Sie hatte nichts bei sich außer den Kleidern am Leib. Die Grauen Krieger waren draußen geblieben. Der Schatten – und das war etwas, worüber Arane später oft nachdachte – mochte sie nicht in seiner Nähe.

Er saß von Fellen umgeben auf einem breiten Thron. Der Tisch vor ihm war gedeckt, doch nur eine einzige Talgkerze erhellte den Raum. Sein Gesicht blieb ein schwarzer Fleck in der Dunkelheit.

»Hast du ein Messer?«, raunte er. Seine Stimme klang schrecklicher als die Laute aller Sterbenden, die Arane je in Kesselstadt gehört hatte. Mit jeder Silbe war ihr, als hauche ein krankes Tier sein Leben aus.

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