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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Er saß mit Nill in weiten Wiesen, die so grün und schimmernd waren wie ihre Augen, und hielt sie in den Armen, ganz leicht, ganz fest. Er versprach ihr, dass sie zusammenhalten würden, bis sie den Turm des Königs erreichten, so wie er es schon am Anfang ihrer Reise getan hatte. Aber diesmal hatte es eine andere Bedeutung. Er schwor nicht seiner Rache Treue, sondern Nill, alleine Nill, und dem Ziel, das sie zusammen verfolgten. Doch das Versprechen galt nur, bis sie das Ziel erreichten. Nur bis zum Turm des Königs.

Kaveh erwachte in vollkommener Dunkelheit. Erst als er die geschwollenen Augen öffnete, begann irgendwo in der Ferne ein verschwommenes Licht zu glimmen. Er lag auf kalten, feuchten Steinen. Der Geruch von Moder kroch ihm in die Nase.

»Wo bin ich?«, hauchte er. Ein Schemen stand vor ihm. Er erkannte nur den Umriss, den das Licht um die fremde Gestalt malte. »Wer bist du?«, flüsterte er.

»Endlich bist du wach. Ich weiß, wer du bist.« Die Stimme echote ihm lange in den Ohren, verzerrte sich und verebbte. »Du bist der Prinz der Freien Elfen. Meine Späher haben dich schon lange verfolgt.«

Kaveh zog die Knie an den Bauch. Schmerz durchzuckte seinen Körper; längst wusste er nicht mehr, wie viele Schläge ihn getroffen hatten. Im Mund schmeckte er Blut.

»Du bist ein Diener des Königs von Korr!«, flüsterte er.

»Oh nein.« Stoff rauschte über den Boden. Die Gestalt ging in ein paar Schritten um Kaveh herum.

»Nein.« Vor dem Licht blieb die Gestalt stehen. Kaveh sah auf. Seine Brust zog sich zusammen, als ihr Gesicht aus der Finsternis hervortrat, klar, deutlich, lächelnd.

Und über dem Gesicht ...

»Ich bin niemandes Diener«, hauchte die Stimme.

»Ich ... bin das Weiße Kind.«

Der Turm

Fesco hatte Kröte wiedergefunden. Sie hatte sich im Graben verfangen, halb ertrunken in Schlamm und Wasser. Als Fesco sie in die Hände nahm, blinzelte Kröte nur schwach mit den Knopfaugen.

Jetzt war sie wieder quiekfidel und schlug sich in Scapas Proviantbeutel den Magen voll, während Fesco, Scapa und Nill noch schliefen. Es dämmerte gerade.

Als Scapa die Augen aufschlug, regte er sich nicht – weshalb Kröte ihr heimliches Frühstück in Ruhe fortsetzte. Nill lag vor ihm und hatte ihm das Gesicht zugewandt. Allerdings sah man hinter den wirren Haaren und dem Umhang, den sie sich bis ans Kinn gezogen hatte, nicht viel davon.

Scapa versuchte sich darüber klar zu werden, was er empfand. Bei ihrem Anblick ergriff ihn ein wirres Gemisch von Gefühlen. Zuneigung und Angst, Glück und Beschämung und ... ein merkwürdiges Schuldgefühl.

In gewisser Weise hatte er sich selbst und alles, was ihm wichtig erschienen war, verraten. Was war mit Arane, mit Arane, die sein Leben war? Konnte er plötzlich das Vergangene als etwas Unbedeutendes abtun – als etwas, das zu einer anderen Zeit gehörte?

Scapa seufzte. Nein, das konnte er nicht. Wenn er nicht mehr die Vergangenheit hatte, dann wusste er nicht, wer er war. Aber sich an eine Erinnerung klammern, die nicht zurückkehren würde, das konnte er auch nicht. Jetzt wollte er mit seinen Gedanken, seinem Herz und seinem Leben dort sein, wo es eine Zukunft gab ...

Scapa atmete tief ein. Er wollte nicht mehr darüber nachdenken. Das Einzige, was zählte, war ihr geplantes Attentat. Sie mussten zusammenhalten, um den König zu töten. Das schuldete er Arane. Das schuldete er sich selbst. Und danach – wenn es überhaupt ein Danach gab – wenn er Arane gerächt hatte, vielleicht wäre er dann von der Vergangenheit befreit.

Hinter ihm erwachte Fesco. Er richtete sich auf, sah sich nach Kröte um und als ihre Schnauze aus Scapas Proviantbeutel ragte, zog er sie heraus und nahm sie in die Hände. Eine Weile beobachtete Fesco das graue Moorland, das sich vor ihnen erstreckte.

Sie hatten unter den Wurzeln der Weide übernachtet.

Gedankenverloren kraulte er Kröte. »Scapa?«

Scapa drehte sich halb um.

»Willst du ...« Fesco blickte zu Boden. »Willst du wirklich zum König? Jetzt wo die Elfen nicht mehr da sind ... Ich meine, ist das wirklich, was du willst?«

Scapa setzte sich auf. Zum ersten Mal seit ihrer Reise wurde ihm bewusst, was es bedeutete, dass Fesco mitkam – nicht nur für ihn, sondern für Fesco selbst. Er hatte nichts zu schaffen mit dem König von Korr. Er war nur wegen ihm hier.

»Zu Hause wartet der Fuchsbau«, sagte Fesco ganz leise. »Und die anderen.« Er sah zu Scapa auf.

Haarsträhnen hingen dem Herrn der Füchse ins Gesicht. Getrockneter Schlamm klebte auf seinem Gesicht und seinen Kleidern. Er starrte vor Dreck. Und sein einst so nachtschwarzer Umhang war jetzt ausgefranst und lumpig. »Wer weiß, was in Kesselstadt passiert, wenn wir so lange weg sind.« Fesco zuckte mit den Schultern.

Scapa biss sich auf die Unterlippe. Er verdiente nicht das Glück, einen Freund wie Fesco zu haben.

Bei allen Göttern, er hatte ihm nicht ein einziges Mal gezeigt, dass seine Freundschaft ihm etwas bedeutete.

Beschämt räusperte Scapa sich. »Fesco, du ... du musst das hier nicht machen. Du kannst zurück nach Kesselstadt. Ich wüsste gern den Fuchsbau in deinen Händen.«

Fesco schnaubte ein Lächeln und schüttelte den Kopf. Mit gerunzelter Stirn sagte er: »Also glaubst du ernsthaft, ich komme so weit mit, nur um eines Morgens einfach umzukehren? Ist es dir so egal, dass ich dabei bin, ja? Wärst du lieber allein mit ihr?« Er wies mit einer Kopfbewegung auf Nill.

»Nein«, widersprach Scapa fest. »Fesco, ich mache mir Sorgen. Ich meine ... Verfluchter Mist! Der Elfenritter ist gestorben und da musste ich dran denken, dass ... Du riskierst dein Leben für eine Sache, die dich nicht kümmern müsste. Und ich will nicht, dass du ...«

Fesco kniff die Augen zusammen. »Verdammt, Scapa! Wann verstehst du das endlich: Ich riskiere mein Leben sehr wohl für etwas, das mich kümmert – für deinen blöden Dickschädel!« Fesco zog geräuschvoll die Nase hoch und streichelte Kröte. »Ich erwarte nicht mal was dafür. Aber wenn du wenigstens verstehen könntest, dass ich in dieser Sache drinstecke genau wie du, das würde mir reichen.«

Scapa schluckte schwer. Wie selbstsüchtig war er gewesen – und dabei hatte er die ganze Zeit einen solchen Freund an seiner Seite gehabt! Scapa gab sich einen Ruck, schloss Fesco fest in die Arme und klopfte ihm mit der Hand auf den Rücken. »Danke«, murmelte er aus ganzem Herzen. »Danke.«

»Du zerquetschst Kröte!«

Augenblicklich wich Scapa zurück. Die Ratte wand sich mit einem empörten Quieken aus Fescos Händen, krabbelte ihm auf die Schulter und nieste.

Fesco und Scapa lächelten sich an.

»Was ist eigentlich mit Nill?«, wechselte Fesco das Thema und sah zur Schlafenden hinüber. »Sie guckt dich seit gestern so an. Außerdem war sie nicht mehr wütend, dass wir ohne die Elfen das Dorf verlassen haben. Oder? Bist du – und sie ...«

»Nein«, sagte Scapa entschieden. »Da ist überhaupt nichts.«

»Ah ja ...« Fesco runzelte die Stirn und ließ seinen Blick über die Marschen schweifen. Dass Scapa es abstritt, änderte nichts an dem, was er wusste. Und Scapas nervöse Seitenblicke auf Nill verrieten mehr als alle Worte der Welt.

Aber was Fesco wusste, zersprang in diesem Moment für Nill in tausend Scherben. Für Nill, die keineswegs schlief.

Ihre Hände ballten sich um den Stoff ihres Umhangs. Nichts ... Nein, es war also überhaupt nichts zwischen ihr und Scapa. Was hatte sie sich nur gedacht?

Sie kam sich unheimlich kindisch vor. Wieder einmal.

Schweigend machten sie sich auf den Weg. Nill tat, als halte sie nach den Grauen Kriegern Ausschau, Scapa hatte den Kopf in seine Landkarte gesteckt, und Fesco beäugte abwechselnd Nill und Scapa und fluchte über die Schlammgruben, in die er dabei trat.

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