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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Arane löste die Lippen von seinen und wich hastig zurück. Für einen kurzen Moment glitt ein kalter Ausdruck über ihre Augen – aber er war so schnell wieder verflogen, dass Scapa sich nicht mehr sicher war, ihn gesehen zu haben. Irritiert sah sie ihn an.

»Was ist?«, murmelte er. »Nimm doch das Ding ab. Es ist so ... groß.«

»Nein!« Sie wich noch ein Stück vor ihm zurück.

Ihre Hände umfassten die Krone. »Das ist Wahnsinn. Ich darf sie nicht ablegen! Und du darfst sie nicht berühren! Ich lege sie nie ab.«

Scapa zog die Augenbrauen zusammen. »Du legst sie nie ab?«, sagte er leise.

»Es ist die Krone Elrysjar! Ich bin ihre Trägerin. Ich kann sie nicht einfach ablegen wie ein Kleidungsstück!«

Als er nichts sagte, erhob Arane sich und drehte sich um. Mit schweren Schritten, denn ihr Kleid wog jetzt bestimmt mehr als sie selbst, watete sie aus dem Wasser.

»Arane«, rief Scapa. »Arane! Warte doch, bleib hier. Ich muss mir dir reden.«

Er kam auf sie zu und ergriff ihre Hände. Sie drehte sich um. Seltsam verschlossen wirkte sie nun und die Schatten unter ihren Augen schienen dunkler geworden zu sein.

Scapa senkte den Kopf. Was er jetzt sagen wollte, würde nicht leicht werden. »Es geht um das Mädchen, das mit mir gekommen ist. Du musst mir versprechen, dass ihr nichts zustößt.« Während Scapa hier stand, war Nill vielleicht ... Nein, er wollte nicht mal daran denken. Leiser als zuvor murmelte er:

»Bitte, lass sie gehen. Sie hat nichts getan.«

Arane blickte zur Seite und schob das Kinn vor.

»Ich würde es gerne tun, allein, um dir einen Wunsch zu erfüllen. Aber es geht nicht. Sie hat dir gesagt, dass du mich umbringen sollst. Sie hatte das magische Messer der Freien Elfen dabei. Sie hat ein Attentat auf mich geplant! Ich kann sie nicht freilassen, Scapa, das musst du verstehen. Das ist unmöglich.«

»Aber sie dachte doch, dass du der König von Korr bist!«

»Ich bin der König von Korr«, erwiderte Arane.

»Ich bin der Kronenträger, Scapa! Einen anderen König als mich gibt es nicht.«

Es war, als würde ihm erst jetzt bewusst, wer wirklich vor ihm stand. Er musste an das Todesfeld der Erhängten in den Sümpfen denken ... Plötzlich wurde ihm schlecht. Sein Händedruck wurde lockerer.

»Dieses verfluchte Mädchen – wer auch immer sie ist – wollte mich töten.«

»Ich wollte den König auch töten. Aus Rache für dich.«

Sie legte ihm eine Hand auf die Wange, doch die Berührung schien sehr fern. »Was dich zu mir geführt hat, war unser gemeinsames Schicksal«, flüsterte sie. »Es war deine Treue. Aber das Mädchen ist eine Attentäterin. Und wenn sie deine Freundin war«, Arane hielt die Luft an, »wenn du sie irgendwie kanntest, dann tut es mir Leid.« Scapa sah, dass sie die Zähne zusammenbiss, wie sie es früher immer getan hatte, wenn sie gekränkt oder unzufrieden gewesen war. Dann legte sie den Kopf schief und verengte die Augen. »Ist sie nicht eine Elfe? Für mich sah sie wie ein kleiner, schmutziger Elfenbastard aus.«

»Sie ist ...« Arane strich mit den Fingern über seine Lippen, um ihn zum Schweigen zu bringen. »Eigentlich ist es sowieso egal. Wer kümmert uns schon außer uns selbst, nicht wahr? Denke nur daran, was dir wichtiger ist: ihr Leben oder meines.«

Und als sei dies bereits die Antwort auf die Frage, ließ sie ihn los und wandte sich um.

Als sie aus dem Wasserbecken stieg, nahm sie den schweren Stoff ihres Kleides in die Arme und rief nach ihren Dienerinnen.

Ein Wiedersehen

Nill saß in vollkommener Dunkelheit. Das rote Schimmern, das zuvor durch die Gitter der Kerkertür geleuchtet hatte, war erloschen: Draußen musste die Fackel ausgegangen sein.

Es war Nill gleich. Sie kauerte an einer moderigen Steinwand, stützte die Arme auf ihre angezogenen Knie und vergrub das Gesicht im Rock. Sie war vollkommen alleine. Auch das war ihr egal. Sollte die Welt doch mit den Grauen Kriegern untergehen! Was interessierte es Nill? Sie würde diesen Kerker ja doch nie wieder verlassen.

Und immer wieder musste sie an den Augenblick denken – den Augenblick, in dem das magische Messer aus Scapas Fingern geglitten war. Immer wieder spürte sie seinen Blick auf sich, als er vor ihr zurückwich. Er hatte seinen Schwur gebrochen für das Mädchen mit der Krone. Arane hatte er sie genannt. War sie es wirklich? Nill schloss die Arme fester um ihre Knie. Sie wollte nicht darüber nachdenken, es war ihr egal, egal, egal! Sie wusste nichts mehr von Scapa, dem Dieb, dem Verräter, sie wollte nichts wissen von der heimlichen Königin und dem Weißen Kind!

Nill schluchzte leise. Sie war zum Narren gehalten worden. Die ganze Zeit.

Man hatte sie zum Narren gehalten, als sie von Celdwyn auf die Reise geschickt worden war. Die Elfen hatten sie zum Narren gehalten, als sie ihr gesagt hatten, sie sei das Weiße Kind. Scapa hatte sie mehr als alle anderen zum Narren gehalten, weil er ihr geschworen hatte und sie hatte schwören lassen, weil er ihr von Aranes Tod erzählt hatte, weil er ihr in den Rücken gefallen war. Und am schlimmsten war sie selbst, denn sie hatte an all die schäbigen Lügen geglaubt.

Bittere Tränen rollten ihr über das Gesicht, aber das spielte keine Rolle. Es sah ja niemand. Und wer sollte von ihren Tränen schon erfahren? Es gab niemanden mehr, der an Nill denken würde. Zu Hause bei den Hykadenstämmen hatte man sie bestimmt schon vergessen. Kaveh und die Elfenritter waren sicher tot. Und Scapa ... der hatte von Anfang an nichts anderes in Nill gesehen als ein Mittel zu seiner Rache. Sie hatte es gewusst und verdrängt, weil sie es nicht wahr haben wollte. Dabei war das Leuchten, das sie in ihm gesehen hatte, nichts anderes gewesen als ein Widerschein seiner Liebe zu Arane.

In Wirklichkeit war Nill alleine, sie war es immer gewesen und würde es immer sein. Sie war in keines anderen Herzen und niemandes Gedanken zu Hause.

Sie existierte nur hier, in der Finsternis.

»Ich bin allein«, schluchzte sie, und als sie das Echo ihrer eigenen Stimme hörte, fühlte sie sich nur noch einsamer. »Niemand liebt mich. Niemand hat mich je geliebt –«

Sie hob plötzlich den Kopf und verschluckte sich vor Schreck. War da nicht ein Geräusch? Sie stieß einen verblüfften Laut aus, als aus der Dunkelheit ein Schaben erklang, dann kullernde Steine – sie wagte sich nicht zu rühren.

Ganz nah hörte sie das Kratzen von Hufen. Sie schrie auf, als eine feuchte, weiche Nase aus der Mauer ragte. Ein Grunzen erfüllte den Kerker und hallte von den Deckengewölben wider.

»Bruno!«, rief sie heiser.

Es gab keinen Zweifel. Kavehs Wildschwein schnaubte und schnupperte in ihrem Kerker! Nill kroch zu ihm heran und hielt ihm die Hand vor die Nase, damit er sie erkannte. Dann hörte sie, wie er irgendwo jenseits der Mauer davonlief. Das Klappern seiner Hufe verlor sich in der Ferne.

»Bruno!« Sie zwängte die Hand durchs Loch.

»Warte! Lauf nicht weg!«

Dann war es still um sie.

»Bruno?« Kein Geräusch. Aber Nills Herz schlug so heftig, dass sie es in den Ohren pochen hörte. Bruno war hier und er lebte! Dann mussten auch Kaveh und die Zwillinge in der Nähe sein. Nill atmete schnell. Kaveh! Und sie hatte längst geglaubt, ihn nie wieder zu sehen!

Sie kroch näher an das Wandloch. Mit zitternden Händen ertastete sie die Steinbrocken. Dahinter war Leere.

»Komm zurück«, flehte sie leise. »Komm zurück!«

Sie begann erst mit dem Handballen, dann dem Ellbogen gegen die Wand zu schlagen. Kleine Splitter lösten sich. Als sie besonders kräftig zustieß, fuhr ihr ein ziehender Schmerz durch den Arm, sie stöhnte und sank mit dem Kopf gegen die Wand. Allein schaffte sie es nicht. Vielleicht, wenn sie ein paar Stunden arbeitete, war das Loch groß genug, damit sie hindurchpasste ... Aber ob sie in der engen Finsternis Bruno je wiederfinden würde? Panik beschlich sie. Was, wenn er nicht wiederkam?

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