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Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern

Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:

Noch immer wütet auf Krynn der mörderische Krieg zwischen den Heerscharen des Guten und des Bösen. Die Übermacht der tyrannischen Drachenkönigin Takhisis zwingt die Ritter von Solamnia, sich auf Burg Vingaard zurückzuziehen. Huma, einer der Ritter, erkennt in letzter Minute, daß sich sein bester Freund von Paladin, dem Gott des Lichts, abgewandt hat und auf Vingaard in dunkle Machenschaften verstrickt ist. Aber der Kampf gegen den Verräter ist nur ein weiterer Teil von Humas gefährlicher Prüfung...
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»Ja.«

»Zwanzig Lanzen reichen kaum aus. Wir haben dieses Mal Glück gehabt, weil die Drachen euch nicht erwartet haben und euer plötzliches Auftauchen sie in Verwirrung gestürzt hat.«

»Sie sind mit eingekniffenem Schwanz geflohen«, bemerkte Kaz tief befriedigt.

»Dieses Mal. Wenn sie wieder kommen – und glaubt nicht, daß sie das nicht tun –, werden sie klüger und mutiger vorgehen, und vier Lanzen oder auch zwanzig werden nicht ausreichen.«

»Ihr tut so, als sei der Kampf schon verloren. Das hätte ich vom Großmeister der Ritter von Solamnia nicht erwartet«, schaltete sich Fürst Avontal ein.

Der Großmeister beachtete den verächtlichen Gesichtsausdruck des Ergodianers nicht, sondern fixierte Huma. »Wer das als Eingeständnis unserer Niederlage ansieht, hatte keine Zeit zuzuhören. Was jetzt ansteht, ist, alles andere aus der Schmiede zu räumen und genauso gute Lanzen zu schmieden wie die Originale.«

Guido Avontals Augen wurden zu Schlitzen, und ein dünnes Lächeln spielte um seine Lippen. Kaz und Buoron tauschten verwunderte Blicke. Huma zögerte. Dann merkte er, worauf der erfahrene Ritter hinaus wollte.

»Eine Kriegslist! Wir wollen sie mit einem Riesenbluff täuschen!«

Fürst Oswal lächelte angespannt. »Ein Bluff. Genau. Wir haben alles da, was man zur Herstellung normaler Lanzen braucht. Jetzt müssen wir so viele gut gefälschte Drachenlanzen wie möglich herstellen.«

»Wie lange wird das dauern?« fragte Avontal. »Wie Ihr schon sagtet, sie werden sicher bald wieder angreifen.«

»Metallverarbeitung jeglicher Art ist bei uns eine Kunst, Kommandant. Es ist ein Teil unseres Erfolgsgeheimnisses. Schlechte Waffen und Rüstungen sind etwas für schlechte Armeen – so könnte man den Kodex zitieren. In nur zwei Tagen werden wir über hundert Lanzen haben. Sie werden, wie gesagt, Fälschungen sein, Kopien der echten Drachenlanzen. Die Nachricht hat sich zweifellos schon bis zum letzten Mann ausgebreitet. Wenn wir ihnen nächstes Mal gegenüberstehen, hoffe ich, mindestens hundert Lanzen bereit zu halten. Wenn die Drachen von Takhisis kommen, werden sie mit einem eindrucksvollen Ausfall der Kavallerie rechnen müssen. Damit haben wir das Überraschungselement. Ich hoffe, daß einhundert angeblich echte Drachenlanzen Panik unter ihnen verursachen. Während die Drachen in Schach gehalten werden, können unsere Truppen vorrücken und die Oger angreifen.«

»Das ist mehr als ein Bluff. Ihr wollt gewinnen, ob mit oder ohne Drachenlanzen. Ein interessanter Plan. Glaubt Ihr daran? Wirklich?«

»Als Kleriker Paladins solltest du das wissen. Außerdem glaube ich mehr an meine Männer als an den Plan. Schließlich sind wir die Ritter von Solamnia.«

»Huma.«

Er war allein herumgelaufen, um alles zu begreifen, was geschehen war. Magus, die Drachenlanzen, Galan Drakos, Gwyneth –

»Huma?«

Er fuhr herum. Da stand sie im Schatten des Stalls. Sie trug eine fließende, silbrig blaue Robe, die ihre schlanke Figur teilweise preisgab, als sie auf ihn zukam. Huma stand nur noch mit offenem Mund da.

»Gwyneth?«

Sie lächelte. »Hast du jemand anders erwartet?«

»Nein!«

»Ich wollte schon eher zu dir kommen, aber das ging nicht. Ich habe da – ein paar Dinge zu bedenken. Ich hoffe, es macht dir nichts aus, wenn ich dir Gesellschaft leiste?«

»Nein. Ganz und gar nicht.«

Gwyneth hakte sich bei ihm ein, und die beiden spazierten langsam um den Hof. Es war, solange Huma zurückdenken konnte, die erste Nacht, in der der Himmel etwas klarer war. Die Wolkendecke war an einigen Stellen aufgebrochen.

Huma konnte kaum hoffen, daß sie ganz verschwinden würde. Nur eines konnte dazu führen: der endgültige Sieg über die Drachenkönigin.

Er brauchte eine Weile, um Mut zu fassen, doch schließlich fragte Huma: »Wie bist du hierhergekommen?«

Sie drehte ihr Gesicht zur Seite. »Frag jetzt bitte nicht danach. Ich verspreche dir, daß ich es dir bald sagen werde.«

»Na gut. Ich freue mich einfach, dich zu sehen.«

Bei diesen Worten wandte sie sich ihm wieder zu. »Das ist schön. Dann lohnt sich das alles.« Gwyneths Miene verdüsterte sich plötzlich. »Ich habe Gerüchte gehört, daß du Magus auf eigene Faust befreien wolltest.«

»Der Großmeister hat es verboten.«

»Was wirst du tun?«

»Ich gehorche dem Großmeister. Das ist meine Pflicht.«

Sie schwiegen. Gwyneth hatte die Hand auf Humas Arm gelegt, und während sie gingen, überraschte ihn die Stärke in dieser Hand. Es gab so vieles, was er nicht über sie wußte, einschließlich ihrer Verbindung mit der Drachenlanze. Sie mußte eine Klerikerin sein, überlegte er, doch er wußte nicht, von welchem Gott.

Gwyneth starrte mit einem Mal erschreckt geradeaus. Huma folgte ihrem Blick und entdeckte einen unbekannten Mann etwa in seinem Alter. Der Mann war wie ein Dorfbewohner gekleidet – viele hatten sich gerade noch nach Burg Vingaard gerettet, bevor der Krieg ihre Häuser erreichte –, doch er wirkte nicht wie einer von ihnen. Sein Gesicht war im Schatten verborgen, doch Huma hätte schwören können, daß seine Augen glühten. Nachdem er die beiden angestarrt hatte, verschwand der Fremde um eine Ecke.

»Wer ist das?« Humas Hand glitt zum Heft seines Schwertes. Wenn jemand Gwyneth auflauerte…

»Niemand«, antwortete sie viel zu schnell. Gwyneth ließ Humas Arm los. »Ich muß jetzt gehen. Wir sehen uns später, das verspreche ich.«

Sie eilte in die Richtung davon, aus der sie gekommen waren. Huma wollte ihr zuerst nachlaufen, aber sie war fast augenblicklich verschwunden. Der Ritter zwinkerte. Er konnte sich nicht erinnern, wann oder wo sie abgebogen war.

Die Reaktion auf die Drachenlanzen war nicht so, wie es Huma und die anderen erwartet hatten.

Er hatte angeboten, zu zeigen, wie man die Lanze benutzte. Zu seinem Erstaunen kam nur eine Handvoll Ritter zum Zuschauen. Einer davon enthüllte den Grund für die überraschende Lethargie seiner Brüder. Verblüfft erzählte Huma den anderen, was der Ritter gesagt hatte und wie weit dieses Gefühl in der Ritterschaft verbreitet war.

»Die Zeit der Wunder ist vorbei. Sie werden nicht an den Zauber der Lanzen glauben, und wer kann sie dafür tadeln? Wir verlangen von ihnen, ihr Leben sinnlos aufs Spiel zu setzen, soweit sie das beurteilen können. Die mit den echten Drachenlanzen werden den Hauptangriff abfangen und dann versuchen, durchzubrechen und das Herz des Bösen zu treffen: Galan Drakos und seine grausame Herrin. Aber Selbstmord ist gegen den Kodex. Und außerdem haben nur wenige wahres Vertrauen zu Paladin. Man hat mir gesagt, daß manche glauben, ich hätte die Lanzen selbst geschmiedet. Sie wollen wissen, warum sie ihr Leben so nutzlos in Gefahr bringen sollen, wenn sie genauso gut hier mit ihren Kameraden einen sichtbaren Gegner zu ebenbürtigen Bedingungen bekämpfen könnten. Mit Drachen zu kämpfen, ist eine Sache; die Drachenkönigin persönlich anzugreifen ist verrückt. Diese Einstellung hat man mir mehr als einmal verkündet.«

Jetzt sprang Fürst Oswal auf. »Sie werden es riskieren, verdammt noch mal! Es sind Ritter, keine Drückeberger! Ich werde ihnen befehlen, die Lanzen zu nehmen und sie auch zu benutzen!«

»Und sie werden sterben«, warf Avontal ein.

»Was soll das heißen?« Die beiden Kommandanten maßen einander mit Blicken.

»Sie werden sterben, Großmeister. Mit schwachem oder gar keinem Glauben werden sie einfach sterben. Es geht nicht darum, ob Paladins Macht in den Drachenlanzen steckt. Die Hand, die die Waffe führt, muß ebenfalls daran glauben, sonst sind die Reaktionen ein Quentchen zu langsam, ein bißchen zu ungenau. Sie müssen daran glauben wie wir, sonst verlieren sie, weil sie diese Lanzen wie jede andere Lanze ansehen werden – als ein Ding, das an der Haut der dunklen Drachen abprallt oder zerbricht.«

»Aber eine Drachenlanze – «

Der ergodianische Kleriker gebot ihm mit erhobener Hand zu schweigen. »Wir haben zwanzig Drachenlanzen, richtig?«

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