Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Ungläubig starrte er den kleinen hageren Mann mit langen Armen und großer Nase an, der sich hastig durch die Menge schob. Seine Kleider wirkten wie ein Bündel Lumpen. Die Augen waren von dunklen Ringen umgeben, und das Gesicht wirkte eingefallen, als hätte er tagelang nicht geschlafen und nichts gegessen, aber Rand hätte schwören können... Der zerlumpte Mann sah ihn und erstarrte mitten im Schritt. Er achtete nicht auf die Menschen, die ihn aus Versehen beinahe anrempelten. Rands letzter Zweifel verschwand.
»Meister Fain!« rief er. »Wir dachten alle, Ihr wärt... «
Schnell wie der Blitz eilte der Händler davon, aber Rand lief ihm hinterher. Er rief den Leuten, die er anrempelte, über die Schulter Entschuldigungen zu. Durch die Menge hindurch erhaschte er einen Blick auf Fain, als dieser gerade in eine Gasse rannte. Rand bog hinter ihm in dieselbe Gasse ein. Der Händler war nach ein paar Schritten stehengeblieben. Ein hoher Zaun machte die Gasse zu einer Sackgasse. Als Rand sich abfing und mit Mühe stehenblieb, tat Fain so, als wolle er gleich über ihn herfallen. Er duckte sich, zog sich dann aber zurück. Mit schmutzigen Händen bedeutete er Rand, nicht näher zu kommen. In seinem Mantel war mehr als ein Riß zu erkennen, und der Umhang war so abgetragen und zerfleddert, als sei er eher mißbraucht als getragen worden. »Meister Fain«, fragte Rand zögernd, »was ist los? Ich bin es, Rand al'Thor aus Emondsfeld. Wir dachten alle, die Trollocs hätten Euch gefangengenommen.«
Fain gestikulierte mit abgehackten Bewegungen und rannte gebückt ein paar Schritte in Richtung auf das offene Ende der Gasse zu. Er versuchte aber nicht, an Rand vorbeizukommen oder sich ihm auch nur zu nähern. »Nicht!« krächzte er. Sein Kopf war ständig in Bewegung, da er sich bemühte, die Straße jenseits von Rand immer im Auge zu behalten. »Erwähne nicht... « Seine Stimme wurde zu einem heiseren Flüstern. Er drehte den Kopf weg und beobachtete Rand von der Seite her. »Erwähne sie nicht! Es sind Weißmäntel in der Stadt.«
»Sie haben keinen Grund, uns zu belästigen«, sagte Rand. »Kommt mit zurück zum ›Hirsch und Löwen‹! Ich bin dort mit meinen Freunden. Ihr kennt die meisten von ihnen. Sie werden sich freuen, Euch zu sehen. Wir dachten alle, Ihr wärt tot.«
»Tot?« fauchte der Händler beleidigt. »Nicht Padan Fain. Padan Fain weiß, wie man wieder auf den Füßen landet.« Er richtete seine Lumpenkleider, als seien sie ein Festtagsgewand. »Das habe ich immer geschafft, und das werde ich auch immer schaffen. Ich werde lange leben. Länger als... « Plötzlich straffte sich sein Gesicht, und die Hände verkrampften sich in dem Vorderteil seines Mantels. »Sie haben meinen Wagen und alle Waren verbrannt. Hatten keinen Grund, das zu tun, nicht wahr? Ich konnte meine Pferde nicht holen. Meine Pferde, aber dieser fette alte Wirt ließ sie in seinen Stall sperren. Ich mußte schnell entkommen, um meinen Hals zu retten, und was habe ich davon? Alles, was mir bleibt, sind die Sachen, die ich anhabe. Ist das etwa anständig? Wirklich?«
»Eure Pferde sind in Sicherheit in Meister al'Veres Stall. Ihr könnt sie jederzeit abholen. Wenn Ihr mit mir zur Schenke kommt, sorgt Moiraine sicher dafür, daß Ihr zu den Zwei Flüssen zurückkommt.«
»Aaaah! Sie ist... sie ist die Aes Sedai, ja?« Fains Gesicht nahm einen lauernden Ausdruck an. »Vielleicht aber auch... « Er schwieg und leckte sich nervös über die Lippen. »Wie lange bleibt Ihr in dieser... Wie heißt das? Wie hast du die Schenke genannt? ›Hirsch und Löwe‹?«
»Wir reisen morgen ab«, sagte Rand. »Aber was hat das mit... «
»Du kannst das einfach nicht nachfühlen«, winselte Fain, »wie du da mit vollem Bauch und nach einer Nacht in einem weichen Bett dastehst. Ich habe seit der bewußten Nacht kaum ein Auge zugetan. Meine Stiefel sind fast durchgelaufen, und was ich essen mußte... « Sein Gesicht verzog sich. »Ich will mich lieber meilenweit entfernt von einer Aes Sedai aufhalten« — bei diesem Namen spuckte er beinahe aus -, »meilenweit, aber vielleicht muß ich doch... Ich habe keine Wahl, nicht wahr? Der Gedanke, daß sie mich ansieht, daß sie überhaupt weiß, wo ich mich aufhalte... « Er streckte die Hände nach Rand aus, als wolle er ihn am Mantel packen, doch hielt er kurz davor zitternd inne und trat statt dessen einen Schritt zurück. »Versprich mir, daß du ihr nichts erzählst. Ich habe Angst vor ihr. Es ist nicht notwendig, ihr von mir zu erzählen. Eine Aes Sedai muß nicht wissen, daß ich noch lebe. Du mußt es mir versprechen. Du mußt!«
»Ich verspreche es«, sagte Rand in beruhigendem Ton. »Aber Ihr habt keinen Grund, Euch vor ihr zu fürchten. Kommt mit! Zumindest bekommt Ihr dann eine heiße Mahlzeit.«
»Vielleicht. Vielleicht.« Fain rieb sich nachdenklich das Kinn. »Morgen, sagst du? Während dieser Zeit... Du wirst dein Versprechen doch nicht vergessen? Du erzählst ihr bestimmt nicht...?«
»Ich werde dafür sorgen, daß sie Euch nichts tut«, versprach Rand und fragte sich insgeheim, wie er wohl eine Aes Sedai aufhalten sollte, was auch immer sie vorhatte.
»Sie wird mir nichts tun«, sagte Fain. »Nein, das wird sie nicht. Ich lasse es nicht zu.« Wie der Blitz schnellte er an Rand vorbei und verschwand in der Menge.
»Meister Fain!« rief Rand. »Wartet!«
Er rannte gerade rechtzeitig aus der Sackgasse heraus, um einen zerfledderten Mantel um die nächste Ecke herum verschwinden zu sehen. Er rief nochmals nach Fain und rannte hinterher. Als er um die Ecke flitzte, konnte er gerade noch den Rücken eines Mannes sehen, bevor er auch schon mit ihm zusammenstieß. Sie beide landeten aufeinander im Matsch.
»Kannst du nicht aufpassen, wohin du rennst?« kam eine Stimme unter ihm hervor, und Rand rappelte sich überrascht hoch.
»Mat?«
Mat setzte sich mit vorwurfsvollem Blick auf und streifte mit den Händen den Matsch von seinem Umhang. »Du scheinst dich wirklich in einen Stadtmenschen zu verwandeln. Den ganzen Morgen schlafen und dann Leute über den Haufen rennen.« Er stand auf, betrachtete seine verschmierten Hände, fluchte leise und wischte sie sich am Umhang ab. »Paß mal auf! Du wirst nie erraten, wen ich gerade eben sah.«
»Padan Fain«, sagte Rand.
»Padan Fa... Woher weißt du das?«
»Ich habe mit ihm gesprochen, aber er rannte weg.«
»Also haben die Tro... « Mat hielt inne und sah sich mißtrauisch um, doch die Menge marschierte vorbei, ohne ihnen die geringste Aufmerksamkeit zu schenken. Rand war froh, daß Mat ein wenig vorsichtiger geworden war. »Also haben sie ihn nicht erwischt. Ich frage mich, warum er Emondsfeld so heimlich verlassen hat. Möglich, daß er weglief und nicht mehr innehielt, bis er hier ankam. Aber warum ist er jetzt wieder weggelaufen?«