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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Rand schüttelte den Kopf und verwünschte die Bewegung gleich wieder. Es war ein Gefühl, als werde ihm der Kopf gleich abfallen. »Ich weiß auch nicht... außer er hat Angst vor M... vor Frau Alys.« Es war nicht leicht, die Zunge immer im Zaum zu halten. »Sie soll nicht erfahren, daß er hier ist. Ich mußte ihm versprechen, daß ich es ihr nicht erzähle.«

»Also, dieses Geheimnis werde ich auch wahren«, sagte Mat. »Ich wünschte, sie wüßte auch nicht, wo ich bin.«

»Mat?« Die Leute strömten immer noch vorbei, ohne sie zu beachten, aber Rand senkte trotzdem die Stimme und beugte sich näher zu Mat hinüber. »Mat, hattest du letzte Nacht einen Alptraum? Von einem Mann, der eine Ratte tötete?«

Mat sah ihn mit großen Augen an. »Du auch?« fragte er schließlich. »Und Perrin auch, schätze ich. Ich hätte ihn heute morgen beinahe gefragt, aber... Er muß es auch geträumt haben. Blut und Asche! Jetzt bringt uns jemand dazu, scheußliche Dinge zu träumen. Rand, ich wünschte, niemand wüßte, wo ich bin.«

»Heute morgen lagen überall in der Schenke tote Ratten herum.« Er fühlte die Angst nicht in solchem Maß in sich aufsteigen, wie er sie vorher beim Erzählen noch gefühlt hätte. Er fühlte überhaupt nicht viel. »Ihr Rückgrat war gebrochen.« Die eigene Stimme hallte ihm in den Ohren wider. Falls er krank wurde, mußte er zu Moiraine gehen. Er war überrascht, daß ihn der Gedanke, die Eine Macht werde bei ihm angewandt, nicht weiter störte. Mat holte tief Luft und blickte sich um, als überlege er, wohin er gehen könne. »Was geschieht mit uns, Rand? Was?«

»Ich weiß es nicht. Ich werde Thom um Rat fragen. Ob ich... jemandem davon erzählen soll?«

»Nein! Nicht ihr. Vielleicht ihm, aber ihr nicht.«

Die Schärfe in Mats Reaktion überraschte Rand. »Dann hast du ihm geglaubt?« Er mußte gar nicht erklären, wen er mit ›ihm‹ meinte; die Grimasse auf Mats Gesicht verriet ihm, daß er verstand.

»Nein«, sagte Mat langsam. »Es sind alles Möglichkeiten... Wenn wir es ihr sagen und er hat gelogen, dann geschieht vielleicht gar nichts. Vielleicht. Aber vielleicht ist die Tatsache, daß er in unseren Träumen war, genug, um... Ich weiß nicht.« Er schwieg und schluckte. »Wenn wir ihr nichts erzählen, haben wir vielleicht weitere Träume. Ratten oder nicht, Träume sind besser als... Erinnerst du dich an die Fähre? Ich sage, wir halten den Mund.«

»In Ordnung.« Rand erinnerte sich an die Fähre und auch an Moiraines Drohung, aber alles schien bereits so weit zurückzuliegen. »In Ordnung.«

»Perrin wird nichts verraten, oder?« fuhr Mat fort. Er stellte sich auf die Zehenspitzen. »Wir müssen zu ihm zurück. Wenn er es ihr erzählt, dann kommt es heraus, daß wir alle diese Träume hatten. Du kannst darauf wetten. Komm!« Er marschierte strammen Schrittes durch die Menge. Rand stand da und blickte ihm nach, bis Mat zurückkam und ihn packte. Bei der Berührung durch seinen Arm zwinkerte er und folgte dann dem Freund.

»Was ist mit dir los?« fragte Mat. »Schläfst du schon wieder ein?«

»Ich denke, ich bin erkältet«, sagte Rand. Sein Kopf war so angespannt wie ein Trommelfell und fast so leer wie eine Trommel.

»Du kannst etwas Hühnersuppe essen, wenn wir wieder in der Schenke sind«, sagte Mat. Er schwatzte andauernd weiter, während sie sich durch die vollen Straßen drängten. Rand strengte sich an, ihm zuzuhören und sogar von Zeit zu Zeit etwas einzuwerfen, aber es strengte ihn an. Er war nicht müde; er wollte nicht schlafen. Er fühlte sich nur so, als ob er dahintriebe. Nach einer Weile bemerkte er, daß er Mat von Min erzählte. »Ein Dolch mit einem Rubin, eh?« fragte Mat. »Das gefällt mir. Aber ich weiß nichts von dem Auge. Bist du sicher, daß sie es nicht erfunden hat? Mir scheint, wenn sie wirklich eine Wahrsagerin ist, müßte sie eigentlich wissen, was das alles bedeuten soll.«

»Sie sagte nicht, daß sie Wahrsagerin sei«, sagte Rand. »Ich glaube, sie sieht nur Dinge. Denk daran, Moiraine sprach mit ihr, als wir badeten. Und sie weiß, wer Moiraine ist.«

Mat sah ihn vorwurfsvoll an. »Ich dachte, wir sollten diesen Namen nicht benutzen.«

»Nein«, murmelte Rand. Er rieb sich mit beiden Händen den Kopf. Es war so schwer, sich auf irgend etwas zu konzentrieren.

»Ich glaube, du bist wirklich krank«, sagte Mat mit hochgezogenen Augenbrauen. Plötzlich hielt er Rand am Mantelärmel fest. »Schau mal die an!«

Drei Männer mit Brustpanzer und konisch zulaufenden Stahlkappen, die so poliert waren, daß sie wie Silber glänzten, gingen die Straße hinunter auf Rand und Mat zu. Sogar die Kettenringe an ihren Armen glänzten. Ihre langen Umhänge, jungfräulich weiß und mit einem aufgestickten goldenen Sonnenaufgang auf der linken Brust, endeten gerade eben über dem Matsch und den Pfützen der Straße. Ihre Hände ruhten auf den Griffen ihrer Schwerter, und sie blickten drein, als sähen sie nur Dinge, die sich unter einem fauligen Baumstamm hervorringelten. Niemand sah sie an. Niemand schien sie auch nur zu bemerken. Trotzdem mußten sich die drei ihren Weg durch die Menge nicht bahnen; sie teilte sich wie zufällig, wich auf beiden Seiten aus und ließ sie so in einem leeren Raum einherschreiten, der sich mit ihnen weiterbewegte. »Glaubst du, sie gehören zu den Kindern des Lichts?« fragte Mat mit lauter Stimme. Ein Passant sah Mat böse an und beschleunigte seine Schritte.

Rand nickte. Kinder des Lichts. Weißmäntel. Männer, die Aes Sedai haßten. Männer, die anderen Leuten befahlen, wie sie zu leben hatten, und allen denen Schwierigkeiten bereiteten, die sich zu gehorchen weigerten. Falls man niedergebrannte Bauernhöfe und noch Schlimmeres unter ›Schwierigkeiten‹ einordnen wollte. Ich sollte Angst haben, dachte er. Oder neugierig sein. Jedenfalls irgendeine Reaktion zeigen. Statt dessen starrte er sie nur passiv an.

»Für mich sehen sie nicht so toll aus«, meinte Mat. »Ziemlich von sich eingenommen, nicht wahr?«

»Sie spielen keine Rolle«, sagte Rand. »Die Schenke. Wir müssen mit Perrin sprechen.«

»Wie Eward Congar. Der hat auch immer seine Nase in der Luft.« Plötzlich grinste Mat mit glitzernden Augen. »Erinnerst du dich daran, wie er von der Wagenbrücke fiel und klitschnaß nach Hause laufen mußte? Das hat ihn für einen Monat vom hohen Roß geholt.«

»Was hat das mit Perrin zu tun?«

»Siehst du das?« Mat deutete auf einen Karren, der in einer Einfahrt ein Stück von den Kindern entfernt stand. Eine einzige Strebe hielt ein Dutzend gestapelter Fässer auf der Ladefläche des Karrens. »Paß auf!« Lachend verschwand er im Laden eines Messerschmieds zu ihrer Linken.

Rand sah ihm nach und wußte, daß Rand etwas anstellen würde. Dieser Blick in Mats Augen verhieß immer wieder einen seiner Streiche. Aber seltsamerweise freute er sich darauf, was Mat wieder anstellen würde. Irgend etwas sagte ihm, daß dieses Gefühl falsch war, ja sogar gefährlich, aber trotzdem lächelte er erwartungsvoll. Nach einer Minute erschien Mat über ihm. Er beugte sich aus einem Giebelfenster im Ziegeldach des Ladens. In den Händen hielt er seine Schleuder. Sie begann sich bereits zu drehen. Rands Augen wanderten zu dem Karren zurück. Beinahe im gleichen Moment hörte er einen scharfen Knall und die Strebe, die die Fässer hielt, zerbrach, just in dem Moment, als die Weißmäntel sich daneben befanden. Menschen sprangen aus dem Weg, als die Fässer mit hohlem Poltern herunterrollten und auf der Straße aufprallten. Matsch und schmutziges Wasser spritzten nach allen Seiten. Die drei Männer sprangen nicht weniger schnell als die anderen. Die Überlegenheit in ihrem Blick verwandelte sich in Bestürzung. Ein paar Passanten fielen hin. Es platschte wieder. Doch die drei bewegten sich geschickt und mieden mühelos den Aufprall der Fässer. Allerdings konnten sie dem herumfliegenden Schmutz nicht ausweichen, und so wurden ihre weißen Umhänge bespritzt.

Ein bärtiger Mann in einer langen Schürze eilte aus der Einfahrt, schwenkte die Arme und schrie zornig, doch ein Blick auf die drei, die vergebens versuchten, den Schmutz von ihren Umhängen abzustreifen, und er verschwand schneller wieder in seiner Einfahrt, als er herausgekommen war. Rand sah zu dem Dach des Ladens hinauf; Mat war weg. Es war ein leichter Schuß für einen Jungen der Zwei Flüsse gewesen, aber die Wirkung übertraf fast noch die Absicht. Er konnte nicht anders — er mußte lachen. Der Humor schien in Wolle gehüllt, aber die Szene wirkte trotzdem noch lustig. Als er sich wieder der Straße zuwandte, sahen ihn die drei Weißmäntel an. »Du findest irgend etwas lustig, wie?« Der Sprecher stand ein wenig vor den anderen. Er wirkte hochmütig, und in seinen Augen stand geschrieben, daß er etwas sehr Wichtiges wußte, er allein und niemand anders.

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