Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Die Menge stob unter alarmiertem Kreischen auseinander, und als er sich hochrollte, sah er das Messer, das ihn verfehlt hatte, bebend in den Brettern eines Standes mit Haarbändern stecken.
»Wenn ich anfangs vielleicht Zweifel gehabt hatte, dass ich es war, hinter dem sie her waren, so war daran jetzt kein Denken mehr«, sagte er trocken.
Er hatte die Wurst fest mit den Händen gepackt und sie benutzt, um sie einem der Angreifer mit voller Wucht ins Gesicht zu schlagen.
»Ich glaube, ich habe ihm die Nase gebrochen«, sagte er nachdenklich. »Jedenfalls ist er rückwärtsgetaumelt, und ich habe mich an ihm vorbeigeschoben und bin über die Rue Pelletier davongerannt.«
Die Menschen auf der Straße waren wie die Gänse vor ihm auseinandergestoben, erschrocken über den Anblick eines drauflosrasenden Schotten, dem der Kilt um die Knie flog. Er blieb nicht stehen, um sich umzusehen; er konnte an den Schreien der indignierten Passanten hören, dass die Angreifer ihn weiter verfolgten.
In diesem Stadtteil patrouillierte die königliche Garde nur selten, und der einzige Schutz, den die Menge bot, bestand darin, dass sie den Verfolgern im Weg war, so dass sie langsamer vorankamen. Es war kaum wahrscheinlich, dass jemand einschritt, um eine Gewalttat an einem Fremden zu verhindern.
»Die Rue Pelletier hat keine Seitengassen. Ich musste zumindest eine Stelle erreichen, wo ich mein Schwert ziehen konnte und eine Wand im Rücken hatte«, erklärte Jamie. »Also habe ich gegen die Türen gedrückt, an denen ich vorbeikam, bis ich eine erwischt habe, die sich öffnete.«
Er war in einen halbdunklen Flur gelaufen, vorbei an einem verblüfften Pförtner, dann war er durch einen Vorhang mitten in ein großes, hell erleuchtetes Zimmer gerauscht und mit quietschenden Reifen in Madame Elises Salon zum Stehen gekommen, wo ihm Parfumduft in die Nase drängte.
»Ich verstehe«, sagte ich und biss mir auf die Unterlippe. »Ich, äh, gehe davon aus, dass du dein Schwert dort nicht gezogen hast?«
Jamie sah mich mit zusammengekniffenen Augen an, ließ sich aber nicht zu einer direkten Antwort herab.
»Ich überlasse es dir, Sassenach«, sagte er trocken, »dir vorzustellen, wie es sich anfühlt, unerwartet mitten in einem Bordell zu landen und eine sehr große Wurst dabeizuhaben.«
Mit dieser Aufgabe hatte meine Fantasie kein Problem, und ich brach in Gelächter aus.
»Gott, ich wünschte, ich hätte dich sehen können!«, sagte ich.
»Gott sei Dank, dass du mich nicht gesehen hast!«, sagte er inbrünstig. Seine Wangen erröteten heftig.
Ohne die Kommentare der faszinierten Insassinnen zu beachten, hatte sich Jamie unbeholfen den Weg gebahnt durch das, was er schaudernd als »ein Gewirr nackter Gliedmaßen« beschrieb, bis er Fergus erspähte, der sich an die Wand gedrückt hatte und den Eindringling mit großen, erstaunten Augen betrachtete.
Jamie hatte sich auf das unerwartete männliche Wesen gestürzt, den Jungen bei der Schulter gepackt und ihn angefleht, ihm noch in dieser Sekunde den Weg zum nächsten Ausgang zu zeigen.
»Ich konnte hören, wie im Flur Getöse ausbrach«, erklärte er, »und ich wusste, dass sie mir ins Haus gefolgt waren. Ich wollte keinen Haufen nackter Frauen im Weg haben, während ich um mein Leben kämpfte.«
»Ich verstehe, dass diese Vorstellung einschüchternd für dich war«, stimmte ich ihm zu und rieb mir die Oberlippe. »Aber er hat dich ja offenbar gerettet.«
»Aye. Er hat keinen Moment gezögert, der gute Junge. ›Hier entlang, Monsieur!‹, sagte er, und schon ging es die Treppe hinauf in ein Zimmer und durchs Fenster auf das Dach, und fort waren wir beide.« Jamie richtete den Blick voll Zuneigung auf seinen neuen Bediensteten.
»Weißt du«, stellte ich fest, »es gibt Ehefrauen, die kein Wort einer solchen Geschichte glauben würden.«
Jamie bekam vor Erstaunen große Augen.
»Nicht? Warum denn nicht?«
»Vermutlich«, sagte ich trocken, »weil sie nicht mit dir verheiratet sind. Ich bin froh, dass du entkommen bist, ohne dass deine Tugend Schaden genommen hat, aber im Augenblick interessieren mich die Kerle, die dich da hineingejagt haben, eigentlich mehr.«
»Ich hatte in der Situation nicht viel Muße, darüber nachzudenken«, erwiderte Jamie. »Und jetzt, da ich sie habe, könnte ich immer noch nicht sagen, wer sie waren oder warum sie hinter mir her waren.«
»Meinst du, es waren Räuber?« Die Bareinnahmen der Weinhandlung wurden schwer bewacht in einem Tresor vom Fraserschen Lagerhaus oder dem Haus an der Rue Tremoulins zu Jareds Bank transportiert. Doch Jamie fiel in der Menge an den Docks natürlich auf, und es war zweifellos bekannt, dass er ein wohlhabender Kaufmann war – zumindest verglichen mit den meisten Bewohnern dieser Nachbarschaft.
Er schüttelte den Kopf und strich sich getrocknete Schlammkrumen vom Hemd.
»Könnte sein, nehme ich an. Aber sie haben ja überhaupt nicht versucht, mich zu bedrängen; sie waren geradewegs darauf aus, mich umzubringen.«
Sein Ton war zwar ganz sachlich, doch mir wurden dabei die Knie weich, und ich ließ mich auf ein Sofa sinken. Ich leckte mir die Lippen, die plötzlich trocken waren.
»Was … was glaubst du, wer …?«
Er zuckte stirnrunzelnd mit den Schultern, tupfte etwas Zuckerguss von der Servierplatte und leckte ihn von seinem Finger.
»Der Einzige, der mir einfällt, der mir gedroht hat, ist der Comte St. Germain. Aber ich wüsste nicht, was er davon hätte, mich ermorden zu lassen.«
»Du hast doch gesagt, er ist Jareds Konkurrent.«
»Oh, aye. Aber der Comte interessiert sich nicht für deutsche Weine, und ich kann mir nicht vorstellen, dass er so weit gehen würde, mich umzubringen, nur um Jareds neuen Geschäftszweig zu ruinieren, indem er ihn zur Rückkehr nach Paris zwingt. Das erscheint mir doch ein wenig extrem«, sagte er trocken, »selbst für einen aufbrausenden Menschen wie den Comte.«
»Nun ja, meinst du …« Mir wurde ein wenig übel bei der Vorstellung, und ich schluckte zweimal, ehe ich fortfuhr. »Meinst du, es könnte … Rache gewesen sein? Dafür, dass die Patagonia verbrannt worden ist?«
Jamie schüttelte verblüfft den Kopf.
»Möglich ist es, aber dann hätte er lange gewartet. Und warum ich?«, fügte er hinzu. »Du bist es doch, die ihn verärgert hat, Sassenach. Wenn das der Grund war, warum bringt er dann nicht dich um?«
Die Übelkeit nahm zu.
»Musst du es so furchtbar logisch ausdrücken?«, sagte ich.
Er sah meine Miene und lächelte plötzlich, dann legte er tröstend den Arm um mich.
»Nein, a nighean donn. Der Comte regt sich zwar schnell auf, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es ihm die Mühe und die Kosten wert wären, einen von uns umzubringen, nur um sich zu rächen. Wenn es ihm helfen würde, sein Schiff zurückzubekommen, dann ja«, fügte er hinzu, »aber so gehe ich davon aus, dass er nicht auch noch das Geld verlieren möchte, das ihn drei gemietete Mörder kosten würden.«
Er tätschelte mir die Schulter und stand auf.
»Nein, vermutlich wollten sie mich doch nur ausrauben. Mach dir keine Sorgen deswegen. Von jetzt an werde ich Murtagh zu den Docks mitnehmen, um sicher zu sein.«
Er reckte sich und strich sich die Reste des bröckelnden Drecks von seinem Kilt. »Kann ich so zum Essen gehen?«, fragte er mit einem kritischen Blick auf seine Brust. »Es muss inzwischen fast fertig sein.«
»Was gibt es denn?«
Er öffnete die Tür, und sofort kam von unten ein würziger Geruch aus dem Speisezimmer herbeigeweht.
»Nun, die Wurst natürlich«, sagte er und blickte sich grinsend um. »Du hast doch nicht etwa gedacht, ich werfe sie weg?«
Kapitel 13