Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Kaz verlor die Geduld und sprang wütend auf. »Wir sitzen hier schon drei Stunden, von denen wir zwei mit Warten auf Euch vergeudet haben, Herr Kommandant. Und jetzt erzählt Ihr seit einer Stunde scheinheiliges Zeug und uralte Geschichten – wie lange soll das noch so gehen? Laßt Ihr uns jetzt mit den Lanzen nach Solamnia abfahren?«
Zwei Wachen kamen hereingestürmt, doch der Kommandant winkte ab. Huma registrierte jedoch, daß sie das Zelt nicht mehr verließen.
Der Ergodianer nahm seinen Kelch wieder. »Seit ihr angekommen seid, habe ich hin und her überlegt, was ich mit euch und diesen Waffen anstellen soll. Die Antwort auf deine letzte Frage lautet, ja, ihr dürft mit den Lanzen passieren. Wozu sollte ich sie dem Kaiser ausliefern? Er würde sie nur an irgend einer Palastmauer als seine neuesten Trophäen ausstellen, ohne daran zu denken, was sie für ganz Ansalon bewirken könnten.«
Huma und Avontal starrten einander an. »Anders als ein paar Starrköpfe sind die meisten von uns realistisch genug, um sich die Wahrheit einzugestehen. Es ist nicht mehr wirklich der Kaiser, für den wir kämpfen, auch wenn das ursprünglich so gewesen sein mag. Wir kämpfen für Ergod, für unsere Heimat und unsere Familien. Das ist es, was auf lange Sicht zählt. Kaiser kommen und gehen, aber das Volk bleibt. Wir haben das irgendwann aus den Augen verloren, und ein großer Teil des Reiches beschloß, er käme gut ohne uns zurecht – aber das wißt ihr natürlich.«
»Dann«, sagte Huma ruhig, »wenn es wahr ist, was Ihr sagt, warum werden wir dann hier festgehalten?«
»Das werdet ihr nicht. Wir warten.«
»Warten auf was?«
Ein Horn kündigte an, daß jemand oder etwas ankam. Guido Avontal stand auf und lächelte wissend. »Ich denke, das werden sie sein. Kommt bitte mit.«
Sie standen auf, um dem ergodianischen Befehlshaber zu folgen. Die beiden Wachen folgten ihnen.
Als sie das Lager betreten hatten, war Huma der große, leere Platz vor dem Zelt des Befehlshabers aufgefallen. Er hatte sich über dessen Sinn und Zweck gewundert, so wie er sich bis jetzt auch darüber gewundert hatte, woher Avontal gewußt hatte, wo sie waren, und daß sie überhaupt kamen. Jetzt begriff der Ritter.
Als erstes landete seine Silberdrachenfreundin. Ihre Wunden schienen völlig geheilt zu sein, und sie begrüßte Huma mit einer solchen Begeisterung, daß er ganz überwältigt war.
»Entschuldige die Verspätung, Huma, aber es war schwieriger, als ich dachte, Hilfe zu holen. Aber ich habe sie gefunden!«
Zwei weitere Silberdrachen landeten, ein männlicher und ein weiblicher. Sie wurden als Geschwister der Drachendame vorgestellt, und beide begrüßten Huma und musterten ihn so ernst, als würden sie ihn inspizieren. Huma erwiderte ihre Begrüßung etwas unsicher.
Zuletzt landete ein Bronzedrache, der etwas kleiner war als die anderen. Was ihm an Größe fehlte, machte er jedoch an Kraft und Schnelligkeit mehr als wett. Die Menschen hatten ihm den Spitznamen Blitz gegeben, den er mit Stolz trug. Huma stellte erleichtert fest, daß sich endlich ein Seelenverwandter von Kaz gefunden hatte.
»Vier oder fünf Lanzen für jeden von uns sind kein Problem«, erklärte Humas Silberdrache.
»Der Sattel – «, setzte Huma an.
»Da habe ich schon jemanden drauf angesetzt«, warf Avontal ein. »Wir haben vier Sättel. Das sollte reichen. Und sie sind stabil genug, um die kommenden Strapazen auszuhalten.«
»Das sollten sie auch«, murmelte Kaz.
»Ihr habt ›vier‹ gesagt«, sagte Huma. »Wir sind nur drei, ohne Magus. Außer wenn Ihr meint – «
»Das tue ich nicht!« Der ergodianische Kommandant sah Huma direkt in die Augen. »Im Namen Paladins und ganz Ansalons verbiete ich dir, den Abtrünnigen anzugreifen, denn jeder Versuch, den Magier zu befreien, ist aussichtslos. Du selbst hast gesagt, wie wichtig die Drachenlanzen für unser aller Zukunft sind. Wenn du dein Leben vergeudest, lieferst du uns den finsteren Plänen der Drachenkönigin aus!«
Innerlich war Huma beschämt, weil ihn bei Avontals Worten Erleichterung überkam. Ein Teil von ihm wollte unbedingt seinen Freund retten, während ein anderer Teil nach Sicherheit für sich selbst verlangte. Huma war hin und her gerissen.
»Wer ist dann der vierte?«
»Ich.«
»Ihr?« Kaz schnaubte höhnisch. »Sind denn alle Befehlshaber der Welt verrückt geworden?«
Fürst Avontal antwortete kalt: »Faran ist absolut dazu fähig, meine Rolle zu übernehmen. Trotz seiner Abneigung gegen Solamnia ist er ein praktisch veranlagter Mensch. Er wird nichts tun, um die Situation zu verschärfen. Ich würde niemandem mehr vertrauen als ihm.«
»Was wird der Kaiser dazu sagen?« fragte Buoron, der bis jetzt geschwiegen hatte.
»Was der Kaiser zu sagen hat, soll er mir selbst mitteilen, falls ich überlebe. Wie gesagt, ich kämpfe für Ergod. Ich würde es mir nie verzeihen, jemand anders so großer Gefahr auszusetzen, auch wenn sich bestimmt viele Freiwillige melden würden. Außerdem muß jemand mit euch ziehen, um Ergod vor eurem Großmeister zu vertreten, und das kann ebensogut ich sein.«
Huma stimmte zu, wenn auch sehr zurückhaltend. Im Moment waren sie in Avontals Gewalt; sie hatten im Prinzip keine Wahl – und auf der eigenen Seite war er ein guter Mann, befand Huma.
Sie kamen überein, daß Huma wieder den Silberdrachen reiten sollte, während Buoron und Avontal die beiden jüngeren nehmen sollten. Damit blieb für Kaz der gefräßige Blitz. Wie Huma vermutet hatte, verstanden sich der Minotaurus und der Bronzedrache vom ersten Moment wie alte Kameraden. Humas einzige Befürchtung war, daß die beiden von sich aus vorwegstürmen würden, und er teilte dies der Silberdrachin mit.
Sie lachte. »Blitz und Kaz sind wirklich ein Paar für sich, aber zumindest der Drache weiß es besser – glaube ich. Ich werde ihn warnen, wenn wir erst einmal in der Luft sind.«
»Mach es so, daß beide die Warnung mitkriegen.«
»Dafür werde ich schon sorgen.«
Sie hatten ohne Fanfaren aufbrechen wollen, aber davon wollte Faran nichts hören. Der stellvertretende Kommandant hatte eine Ehrengarde zu ihrer Verabschiedung aufgestellt.
Blitz war von der Drachenlanze enorm fasziniert. Nachdem er schon ein Schrecken der Lüfte war – so bezeichnete er sich jedenfalls selbst –, fand er, daß er mit der Lanze und mit Kaz im Sattel allen Gegnern überlegen war. Die Silberdrachen konnten ihre Belustigung kaum verbergen, auch wenn Huma bald eingestehen mußte, daß der Bronzedrache nicht geprahlt hatte. Er war wirklich ein überaus starker Gegner.
Die Drachen hoben nacheinander ab, Huma mit dem Silberdrachen als erster, Kaz und Blitz zuletzt. Die Sonne stand schon hoch am Himmel, doch auf dem Rücken der Drachen würden sie heute sicher noch ein gutes Stück ihres Weges hinter sich bringen.
Als die Nacht hereinbrach, hatten sie die Grenzen von Solamnia längst überflogen. Das Nieseln, das am Rande von Ergod eingesetzt hatte, hatte sich inzwischen in strömenden Regen verwandelt, so daß alle vier Reiter klatschnaß wurden. Die Drachen berührte das wenig, besonders den bronzenen, dem anscheinend sogar die Blitzschläge Spaß machten, die zweimal nur knapp an ihnen vorbeigezuckt waren. Auf Humas Drängen hin landeten sie schließlich in der Hoffnung, daß es morgen besser sein würde. Die Drachen legten sich schützend um sie herum. Dazwischen bauten die vier die beiden Zelte auf, die Fürst Avontal klugerweise mitgenommen hatte. Die Zelte hielten den Regen ab, und Huma störte es nur, daß der Geruch des nassen Minotaurus über Nacht sehr streng wurde. Am Morgen sagte Kaz allerdings dasselbe über ihn.
Der Regen hörte nicht auf, ließ aber nach. Die Reiter schützten sich mit ihren Mänteln und den paar Decken, die sie dabei hatten. Dank der Drachen würden sie innerhalb von zwei Tagen in der Nähe von Burg Vingaard sein. Ohne die Last der Lanzen wäre es sogar noch schneller gegangen.