Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Trotzdem war das Ziel noch lange nicht erreicht, denn sie hatten immer noch die Reihen der Drachenkönigin vor sich. Drakos’ Würgegriff bedrängte das Herz von Solamnia, denn er hatte die südlichen und nördlichen Zufahrtsstraßen nach Vingaard abgeschnitten. Dadurch war die Burg fast vollständig eingekreist. Die Versorgung wurde schwierig. In der Luft war Drakos noch lange nicht übermächtig, doch die herrschende Dämmerung beeinflußte sogar die Drachen des Lichts. Das einzige, was sie bei der Stange hielt, erklärte der Silberdrache, waren die Gerüchte von der Drachenlanze.
Der männliche Silberdrache flog an der Spitze, als sie das erste Mal die Anwesenheit des Gegners spürten. Da war jemand, der mit Zauberkraft die Luft nach Feinden absuchte. Es war nur ein kurzer Kontakt mit ihrem Geist, doch der reichte aus, um die Gruppe abrupt anhalten zu lassen.
»Zurück!« schrie das Männchen.
Die vier Riesenechsen warfen sich herum und zogen sich ein ganzes Stück wieder zurück. Während des Flugs berieten sie sich.
»Was haben wir da gespürt?« fragte Humas Drache.
»Einen Verstand. Keinen Drachenverstand, sondern einen mächtigen, menschlichen Geist. Und zwar untrainiert. Er hat in keinem Zauberorden gelernt.«
»Kein Kleriker?«
Der männliche Drache schüttelte seinen großen Kopf. »Nein, eindeutig ein Magier. Ein Abtrünniger.«
Huma sah sich nervös um. »Er ist doch bestimmt keine Bedrohung für euch.«
»Nicht körperlich, Huma.« Sein eigener Drache antwortete ihm. »Aber er könnte leicht andere warnen, daß wir kommen – wenn er das nicht schon getan hat –, und diese anderen können eine Gefahr darstellen. Seine einzige Aufgabe besteht darin, den Himmel zu überwachen.«
»Überlaßt ihn mir!« rief Blitz.
»Was hast du vor«, fragte das jüngere Weibchen, »wie willst du ihn davon abhalten, eine Nachricht loszuschicken, bevor du zuschlägst?«
Das Maul des Bronzedrachen klappte zu.
»Ich glaube«, bemerkte der männliche Silberdrache, »daß wir noch ein Schlupfloch haben. Er ist schließlich nur ein Mensch. Ich werde etwas höher hinauf fliegen als bisher. Da oben kann ich ausprobieren, ob seine Macht so hoch reicht. Ich riskiere damit natürlich, daß wir entdeckt werden.« Er fügte noch hinzu: »Wenn mein Begleiter nichts dagegen hat…«
Buoron schüttelte den Kopf, klammerte sich jedoch fester an den Sattelknauf.
»Was ist mit euch?«
Die anderen hatten keine Einwände. Da er das als Zustimmung nahm, machte das Männchen eine Wende und begann dann zu steigen. Als Buoron fest sitzen blieb, stieg der Silberdrache höher und höher, bis er in der Wolkendecke verschwand. Minutenlang warteten die anderen besorgt. Dann entdeckte Huma einen Punkt, der durch die Wolken brach.
Buoron sah ziemlich blaß aus, schien jedoch wohlauf. Sein Drache war hocherfreut. »Ich hatte recht. Ganz typisch für diese erdgebundenen Geschöpfe: Sie suchen den Himmel bis zur Wolkendecke ab, und was darüber liegt, existiert nicht mehr für sie.«
»Das hätte ich mir auch denken können!« moserte Blitz.
»Hast du aber nicht und ich auch nicht«, gab Humas Drache zurück. »Jetzt, wo ich es höre, erstaunt es mich eher. Ich hatte völlig vergessen, wie beschränkt manche Menschen denken. Trotzdem, vielleicht kommt er zufällig noch darauf, also beeilen wir uns lieber.«
Die anderen folgten Huma und seiner Gefährtin himmelwärts. Sie brausten nach oben, bis sie die Wolkendecke und den Nebel passiert hatten und auf die andere Seite durchbrachen. Von dort aus schlugen sie – so gut es ging – die Richtung Vingaard ein und setzten ihre Reise fort.
Die Drachen flogen über Nacht weiter, während ihre Reiter schliefen. Huma erwachte davon, daß Kaz von den großen Echsen verlangte, daß sie unbedingt landen müßten, bevor alle seine Muskeln steif würden, ob nun Krieg sei oder nicht Krieg. Die Drachen selbst waren sichtlich müde und wollten selbst landen, auch um ihre Position neu zu bestimmen.
Erst kreiste Blitz in schnellen Spiralen nach unten, dann die anderen. Der Bronzedrache verschwand in dem weißen Meer, gefolgt von dem anderen Drachenweibchen. Huma und seine Drachendame waren dicht hinter ihnen.
Der kalte Nebel umgab ihn, so daß er nicht einmal mehr den Kopf seines Drachen erkennen konnte. Ein lautes, rauhes Krachen erklang unter ihnen, und Huma dachte zuerst, sie würden in einen schrecklichen Sturm geraten. Dann waren sie plötzlich durch die Wolkendecke hindurch –
– und mitten im Chaos.
Sie hatten fälscherlicherweise angenommen, daß sie die feindlichen Reihen schon überflogen hatten. Vor Humas Augen spielten sich wahre Alpträume ab. Wie eng die Burg schon eingekesselt war! Und überall tobte die blutige Schlacht.
Menschen und Oger stießen aufeinander. Von oben sah es so aus, als wäre das Land da unten von Toten und Sterbenden übersät. Beide Seiten gleichzeitig rückten vor und zogen sich zurück, je nachdem, wohin Huma blickte. Es war das reine Chaos. Takhisis’ Drachen schossen ständig herab und dezimierten sowohl die gelichteten Reihen der Ritter als auch die ihrer Ogerverbündeten, falls diese zufällig zu nahe dran waren. Auch goldene, silberne, bronzene und kupferne Drachen flogen herum, waren jedoch immer in der Minderheit. Eine bösartige Stimmung lag über dem Land, gegen die all der Mut der guten Drachen nichts ausrichten konnte. Selbst hier oben, abseits vom Kampfgeschehen, konnte Huma spüren, wie Entmutigung und der Wunsch aufzugeben in seiner Seele aufstiegen.
»Takhisis ist da«, flüsterte Humas Gefährtin ihm zu. »Sie ist hier auf Krynn, um unsere Vettern mit ihrer Macht zu nähren und den Mut ihrer Feinde zu brechen. Ich wußte nicht, daß sie so viel Macht über die Ebene der Sterblichen senden kann. Es ist, als stünde sie höchstpersönlich vor uns.«
Das stimmte. Die Gegenwart der Drachenkönigin war überwältigend. Huma schauderte vor Kälte, die mehr seinen Geist als seinen Körper befiel. Wie bekämpfte man eine Göttin?
»Da vorne, Huma. Siehst du?«
Sein Blick folgte der Richtung ihres Kopfes und dann, nach mehrmaligem Augenreiben, erkannte er den winzigen Punkt am Horizont.
»Burg Vingaard!« rief Kaz von vorn. Inzwischen konnten alle die Burg sehen – und die Schlacht, die auf der ganzen Strecke bis zu ihren Mauern tobte.
Fürst Avontal schrie auf und zeigte nach rechts. Ein goldener Drache kämpfte mit zwei roten. Der Kampf war heftig, und alle drei hatten schwere Wunden davongetragen. Als klar wurde, daß der goldene Drache verlieren würde, zögerte Blitz nicht länger. Während Kaz die Drachenlanze bereitmachte, rasten die beiden in den Kampf.
Plötzlich waren überall Drachen, die meisten davon Gegner. Alle Gedanken an Schlaf und Essen verflogen. Es gab nur Klauen und Zähne, Geschrei und Gebrüll, Blut und Schmerz.
Und die Drachenlanzen.
Die dunklen Drachen wußten scheinbar nichts von den Drachenlanzen, vielleicht, weil Drakos ihnen keine Angst einjagen wollte. Sie lernten diese Angst jedoch rasch kennen, als einer nach dem anderen den Lanzenspitzen zum Opfer fiel, die beim Herausziehen makellos und ohne Kratzer aus sich selbst heraus strahlten.
Die Kinder von Takhisis begannen bald, abzudrehen und vor diesem Strahlen zu fliehen, denn sie erkannten es leicht als Zeichen von Paladin. Daraus schlossen sie, daß der Tag verloren war. Die wilde Flucht der ersten Drachen löste am Himmel bald eine Welle der Verwirrung aus, als mehr und mehr Drachen in blinder Panik flohen.
Nachdem sie nicht mehr gegen ihre Artgenossen antreten mußten, konnten die Drachen von Paladin die Ritterschaft verstärken, und die Angriffswelle am Boden begann ebenfalls abzuebben. Zuerst wendeten die westlichen, dann die östlichen Linien von Takhisis’ Streitkräften, gaben nach und lösten sich schließlich auf. Ohne die Hilfe der verbündeten Drachen verließ die Oger und Menschen, die für die dunkle Seite fochten, der Mut, und viele warfen einfach ihre Waffen weg und flohen.
Irgendwann war die Schlacht vorbei. Daß der Himmel bedrohlich grollte und die Berge im Westen von Blitzen erhellt waren, kümmerte die wenigsten. Ein Sieg – wie auch immer er aussehen sollte – war dringend nötig gewesen, und sie hatten ihn erkämpft. Im Augenblick wußte noch niemand den Grund, doch sie dankten Paladin für das Wunder und warteten dann grimmig, was wohl als nächstes kommen würde.