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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Rand leckte sich die Lippen und fragte: »Hat er eine Ratte getötet?«

Perrin senkte den Arm und blickte ihn an. »Du auch?« fragte er schließlich. Als Rand nickte, fügte er hinzu: »Ich wünschte, ich wäre wieder zu Hause. Er erzählte mir... Er sagte... Was sollen wir tun? Hast du es Moiraine erzählt?«

»Nein. Noch nicht. Vielleicht lasse ich es auch bleiben. Ich weiß nicht. Wie steht's mit dir?«

»Er sagte... Blut und Asche, Rand, ich weiß es nicht.« Perrin stützte sich auf den Ellbogen. »Glaubst du, daß Mat den gleichen Traum hatte? Er lachte, aber es klang gezwungen, und er schaute mich so komisch an, als ich erzählte, ich hätte wegen eines Traums nicht mehr geschlafen.«

»Vielleicht träumte er das gleiche«, sagte Rand. Er hatte ein schlechtes Gewissen, daß er sich so erleichtert fühlte, nicht der einzige mit Alpträumen zu sein. »Ich wollte Thom um Rat fragen. Er hat viel von der Welt gesehen. Du... du denkst wohl auch, wir sollten es Moiraine nicht erzählen, oder?«

Perrin ließ sich in die Kissen zurückfallen. »Du hast gehört, was man sich über die Aes Sedai erzählt. Glaubst du, wir können Thom vertrauen? Wenn wir überhaupt jemandem vertrauen können. Rand, wenn wir lebend aus dieser Sache herauskommen, wenn wir jemals heimkommen und du hörst mich sagen, ich wolle Emondsfeld wieder verlassen — auch wenn es nur für eine Reise nach Wachhügel ist -, dann gib mir einen Tritt.

Klar?«

»So solltest du nicht sprechen«, sagte Rand. Er verzog das Gesicht zu einem Lächeln, so gutgelaunt, wie er es gerade fertigbrachte. »Natürlich kehren wir wieder heim. Komm, steh auf! Wir sind in einer Stadt und haben einen ganzen Tag Zeit, sie anzusehen. Wo sind deine Kleider?«

»Geh du nur. Ich will nur eine Weile hier liegenbleiben.« Perrin legte den Arm wieder über die Augen. »Geh du nur vor. Ich komme in ein oder zwei Stunden nach.«

»Du bist der Leidtragende«, sagte Rand beim Aufstehen. »Denk mal daran, was du alles versäumst.« Er blieb an der Tür noch einmal stehen. »Baerlon. Wie oft haben wir darüber gesprochen, daß wir eines Tages Baerlon sehen wollten!« Perrin lag mit bedeckten Augen da und sagte kein Wort. Kurz darauf verließ Rand das Zimmer und schloß die Tür hinter sich.

Im Flur lehnte er sich an die Wand. Sein Lächeln verflog. Sein Kopf schmerzte nach wie vor, und zwar schlimmer als zuvor. Er konnte nicht mehr viel Begeisterung für Baerlon empfinden. Er konnte überhaupt keine Begeisterung für irgend etwas aufbringen.

Ein Zimmermädchen kam mit einem Arm voller Bettlaken an ihm vorbei und sah ihn besorgt an. Bevor sie etwas sagen konnte, eilte er den Flur entlang und schlüpfte in seinen Umhang. Thom würde noch stundenlang im Schankraum beschäftigt sein. Er konnte sich also genausogut die Stadt anschauen. Vielleicht würde er Mat aufspüren und herausfinden, ob Ba'alzamon auch durch seine Träume gegeistert war. Er ging diesmal langsamer die Treppe hinunter und rieb sich die Schläfen.

Die Treppe führte zur Küche, und so wählte er diesen Weg nach draußen. Er nickte Sara zu, doch dann beeilte er sich, als sie allem Anschein nach ihre Unterhaltung wieder aufnehmen wollte. Der Stallhof war fast leer. Nur Mutch, der an der Stalltür stand, und einer der Stallknechte, der einen Sack auf der Schulter hatte und ihn in die Ställe trug, befanden sich dort. Rand nickte Mutch zu, aber der Pferdepfleger warf ihm einen gehässigen Blick zu und ging hinein. Er hoffte, die übrigen Städter würden eher Sara ähneln als Mutch. Er war neugierig, den Charakter dieser Stadt kennenzulernen, und beschleunigte seine Schritte.

Am offenen Tor des Stallhofes blieb er stehen und sah sich um. Die Straßen waren von Menschen gefüllt wie ein Pferch mit Schafen. Die Menschen waren bis zu den Augen in Umhänge und Mäntel gehüllt, hatten die Hüte zum Schutz gegen die Kälte tief heruntergezogen und begaben sich mit schnellen Schritten in die Menge hinein oder wieder heraus, als bliese der über die Dächer pfeifende Wind sie immer weiter. Achtlos schoben sie sich aneinander vorbei, grußlos und ohne die anderen anzuschauen. Alles Fremde, dachte er. Keiner von ihnen kennt den anderen.

Auch die Gerüche waren fremdartig, scharf und sauer und süß, alles zu einem Durcheinander vermischt, das ihn in der Nase juckte. Noch nicht einmal auf dem Höhepunkt eines Festes hatte er bisher erlebt, daß sich so viele Menschen zusammendrängten. Nicht einmal halb so viele. Und dies war nur eine einzige Straße. Die ganze Stadt... War es überall so? Er trat langsam vom Tor zurück nach hinten, weg von dieser mit Menschen gefüllten Straße. Es war nicht richtig, wegzugehen und Perrin krank im Bett zurückzulassen. Und wenn Thom mit dem Erzählen fertig würde, während er noch draußen in der Stadt war? Der Gaukler würde dann vielleicht selbst ausgehen, und Rand mußte mit jemandem sprechen. Viel besser, ein wenig zu warten. Er atmete erleichtert auf, als er der überfüllten Straße den Rücken kehrte.

Bei seinem Kopfweh hatte er aber auch keine Lust, zurückzukehren in die Schenke. Er setzte sich auf ein Faß, das umgedreht an der Rückwand der Schenke stand, und hoffte, die kalte Luft möge seinem Kopf guttun. Von Zeit zu Zeit kam Mutch an die Stalltür und starrte ihn an. Sogar auf die Entfernung konnte Rand die böse Miene des Burschen deutlich erkennen. Mochte der Mann keine Leute vom Land? Oder hatte ihn Meister Fitch so in Verlegenheit gebracht, als er sie begrüßte, nachdem Mutch versucht hatte, sie zu verscheuchen, als sie von der Rückseite her hereingekommen waren? Vielleicht ist er ein Schattenfreund, dachte er. Eigentlich hätte er von sich erwartet, bei diesem Gedanken zu schmunzeln, aber nun war es alles andere als lustig. Er streichelte mit der Hand über den Knauf von Tams Schwert. Es gab überhaupt kaum noch etwas Lustiges.

»Ein Schafhirte mit einem Schwert, das ein Reiherzeichen trägt«, sagte eine leise Frauenstimme. »Da kann man ja gleich alles glauben. In welchen Schwierigkeiten steckst du denn, Junge vom Land?«

Überrascht sprang Rand auf. Es war die junge Frau mit dem kurzgeschnittenen Haar, die bei Moiraine gestanden hatte, als er aus dem Bad kam. Sie trug immer noch Hosen und Mantel eines Jungen. Sie war ein wenig älter als er, wie er glaubte, und hatte dunkle Augen, noch größer als Egwenes Augen und seltsam intensiv im Blick. »Du heißt Rand, nicht wahr?« fuhr sie fort. »Ich heiße Min.«

»Ich bin nicht in Schwierigkeiten«, sagte er. Er hatte keine Ahnung, was Moiraine ihr alles erzählt hatte, aber er erinnerte sich an Lans Weisung, keine Aufmerksamkeit zu erregen. »Wieso glaubst du, ich sei in Schwierigkeiten? Die Zwei Flüsse sind ein ruhiges Gebiet, und wir sind alle ruhige Leute. Kein Ort für Schwierigkeiten, es sei denn, sie hängen mit der Ernte oder den Schafen zusammen.«

»Ruhig?« fragte Min mit leichtem Lächeln. »Ich habe gehört, was man über euch Zwei-Flüsse-Leute so sagt. Ich habe die Witze gehört, die man über holzköpfige Schäfer gerissen hat, aber es gibt auch Männer, die wirklich dort unten gewesen sind.«

»Holzköpfe?« fragte Rand mit finsterer Miene. »Was für Witze?«

»Diejenigen, die euch kennen«, fuhr sie fort, als habe er nichts gesagt, »berichten, daß ihr immer lächelnd und höflich herumlauft, so sanft und butterweich im Verhalten. Jedenfalls an der Oberfläche. Darunter, sagen sie, seid ihr so zäh wie alte Eichenwurzeln. Wenn du sie zu hart anpackst, behaupten sie, beißt du auf Granit. Aber in dir und deinen Freunden liegt der Granit ziemlich an der Oberfläche. Es ist, als hätte ein Sturm die Erde weggeblasen, die ihn bedeckte. Moiraine hat mir nicht alles erzählt, aber ich habe ja Augen im Kopf.«

Alte Eichenwurzeln? Granit? Das klang kaum nach den Geschichten der Händler und anderer Leute. Der letzte Satz allerdings ließ ihn zusammenfahren.

Er sah sich schnell um. Der Stallhof war leer und die nächsten Fenster geschlossen. »Ich kenne niemanden namens — wie war der Name doch gleich wieder?«

»Also dann eben Frau Alys, wenn dir das lieber ist«, sagte Min mit belustigtem Blick, der Rand die Röte in die Wangen trieb. »Es ist niemand in der Nähe, der uns belauschen könnte.«

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