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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Wieso glaubst du, daß Frau Alys noch einen anderen Namen hat?«

»Weil sie es mir erzählt hat«, sagte Min so geduldig, daß er schon wieder errötete. »Allerdings hatte sie keine andere Wahl, denke ich. Ich erkannte, daß sie... anders war... gleich vom ersten Augenblick an... als sie auf dem Weg zu euch hier vorbeikam. Sie erkannte mich ebenfalls. Ich habe früher schon mit... anderen von ihrer Art gesprochen.«

»Du erkanntest — sie?« fragte Rand.

»Na ja, ich glaube nicht, daß du gleich zu den Kindern rennen wirst. Vor allem, wenn man bedenkt, wer deine Reisegenossen sind. Den Weißmänteln würde das, was ich tue, genausowenig gefallen wie das, was sie tut.«

»Ich verstehe nicht.«

»Sie sagt, daß ich Teile des Musters sehen kann.« Min lachte kurz und schüttelte den Kopf. »Hört sich toll an -zu toll, was mich betrifft. Ich sehe einfach nur Dinge, wenn ich die Leute anblicke, und manchmal weiß ich, was sie wirklich wollen. Ich sehe einen Mann und eine Frau an, die noch nie miteinander gesprochen haben, und weiß, daß sie heiraten werden. Und das tun sie dann auch. Das sind die Dinge, die ich sehe. Sie wollte, daß ich dich kennenlerne. Euch alle zusammen.«

Rand schauderte. »Und was hast du gesehen?«

»Wenn ihr alle zusammen seid? Funken schwirren um euch herum, Tausende, und ein großer Schatten, dunkler als Mitternacht. Diese Erscheinung ist so stark, daß ich mich schon fast frage, warum es nicht jeder sieht. Die Funken versuchen, den Schatten zu füllen, und der Schatten versucht, die Funken zu verschlingen.« Sie zuckte die Achseln. »Ihr seid alle in irgend etwas Gefährlichem verstrickt, und ich kann einfach nicht mehr darüber herausfinden.«

»Wir alle?« murmelte Rand. »Auch Egwene? Aber sie waren nicht hinter... Ich meine... «

Min schien seinen Versprecher nicht zu bemerken.

»Das Mädchen? Sie gehört auch dazu. Und der Gaukler. Ihr alle. Und du bist in sie verliebt.« Er sah sie entgeistert an. »Das kann ich sagen, ohne mein inneres Auge bemühen zu müssen. Sie liebt dich auch, aber sie ist nicht für dich bestimmt und du nicht für sie. Jedenfalls nicht in der Art, die ihr euch beide wünscht.« »Was soll das heißen?«

»Wenn ich sie ansehe, erblicke ich das gleiche wie bei... Frau Alys. Auch andere Dinge, die ich nicht verstehe, doch zumindest weiß ich, was das bedeutet. Sie wird es nicht verweigern.«

»Das ist doch alles Unsinn«, sagte Rand unsicher. Sein Kopfweh verflog langsam; der Kopf war wie taub, als ob man ihn voll Wolle gepackt hätte. Er wollte weg von diesem Mädchen und den Dingen, die sie sah. Und doch... »Was siehst du, wenn du den Rest von uns anblickst?«

»Alles mögliche«, sagte Min mit einem Lächeln, als wisse sie, was er wirklich fragen wollte. »Der Krieg... äh... Meister Andra hat sieben zerstörte Festungen um den Kopf und ein Kind in der Wiege um sich, das ein Schwert hält und...« Sie schüttelte den Kopf. »Männer wie er -verstehst du? — haben so viele Bilder um sich herum, daß ein Bild das andere verdrängt. Die stärksten Eindrücke, die den Gaukler umgeben: ein Mann — nicht er selbst -, der Feuer schluckt, und der Weiße Turm. Bei einem Mann ergibt das überhaupt keinen Sinn. Die stärksten Eindrücke bei dem großen krausköpfigen Burschen sind ein Wolf, eine zerbrochene Krone und Bäume, die um ihn herum blühen. Und bei dem anderen — ein roter Adler, ein Auge auf einer Waagschale, ein Dolch mit einem Rubin, ein Horn und ein lachendes Gesicht. Da gibt es noch mehr, aber ich denke, du siehst, was ich meine. Diesmal kann ich einfach nichts Rechtes damit anfangen.«

Dann wartete sie, immer noch lächelnd, bis er sich schließlich räusperte und fragte: »Wie steht's bei mir?«

Ihr Lächeln wurde zu einem offenen Lachen. »Dieselben Dinge wie bei den anderen. Ein Schwert, das kein Schwert ist, eine goldene Krone in Form von Lorbeerblättern, ein Bettelstab, du, wie du Wasser auf Sand schüttest, eine blutende Hand und ein weißglühendes Eisen, drei Frauen, die bei einer Beerdigung an der Bahre stehen, auf der du liegst, schwarzer Fels, naß von Blut... «

»Ist schon gut«, unterbrach er sie verlegen. »Du mußt nicht alles aufzählen.«

»Vor allem sehe ich Blitze um dich herum. Manche zucken auf dich zu, manche kommen aus dir heraus. Ich weiß nicht, was das alles bedeutet, außer bei einer Sache. Du und ich, wir werden uns wiedersehen.« Sie sah ihn fragend an, als verstehe sie auch das nicht.

»Warum auch nicht?« fragte er. »Ich werde auf dem Heimweg wieder hier durchkommen.«

»Ich denke schon.« Plötzlich war ihr Lächeln wieder da, versonnen und geheimnisvoll, und sie tätschelte ihm die Wange. »Aber wenn ich dir alles erzähle, was ich sah, dann wäre dein Haar genauso kraus wie bei deinem Freund mit den breiten Schultern.«

Er zuckte vor ihrer Hand zurück, als sei sie rotglühend. »Was meinst du damit? Siehst du irgend etwas über Ratten? Oder Träume?«

»Ratten! Nein, keine Ratten. Und was die Träume betrifft, vielleicht träumst du so was gern, aber ich habe sonst nie davon geträumt.«

Er fragte sich, ob sie übergeschnappt sei, so lächelte sie ihn an. »Ich muß gehen«, sagte er und schob sich an ihr vorbei. »Ich... ich muß meine Freunde treffen.«

»Also geh. Aber du wirst nicht entkommen.«

Er rannte nicht gerade weg, wurde aber doch mit jedem Schritt etwas schneller. »Renn, wenn du willst!« rief sie ihm nach. »Du kannst mir nicht entkommen.«

Ihr Lachen verfolgte ihn über den Hof und hinaus auf die Straße in das Menschengewühl hinein. Ihre letzten Worte glichen zu sehr denen von Ba'alzamon. Er rempelte Leute an, als er sich durch die Menge schob, was ihm scharfe Blicke und böse Worte einbrachte, aber er verlangsamte seine Schritte nicht, bis er einige Straßen von der Schenke entfernt war.

Nach einer Weile begann er, wieder auf seine Umgebung zu achten. Sein Kopf fühlte sich an wie ein Ballon, aber er sah sich trotzdem um und genoß den Anblick. Er fand, Baerlon war schon eine tolle Stadt, wenn auch nicht auf dieselbe Art wie die Städte in Thoms Geschichten. Er wanderte durch breite Straßen, meist mit großen Platten gepflastert, und durch kleine gewundene Gassen, wohin auch immer der Zufall und die Menschenmenge ihn trieben. Es hatte in der Nacht geregnet, und die ungepflasterten Straßen waren von der Menge bereits zu Matsch zertrampelt worden. Doch schlammige Straßen waren für ihn nichts Neues. Keine der Straßen in Emondsfeld war gepflastert.

Es gab nun bestimmt auch keine Paläste, und nur wenige Häuser waren sehr viel größer als die zu Hause, aber jedes Haus hatte ein Ziegel- oder Schieferdach, das genauso schön war wie das der Weinquellenschenke. Er schätzte, daß es in Caemlyn vielleicht ein oder zwei Paläste gab. Was Schenken betraf, so zählte er neun, und keine davon war kleiner als die Weinquelle. Die meisten waren genauso groß wie der ›Hirsch und Löwe‹, und es gab ja noch eine Menge Straßen, die er nicht gesehen hatte.

An jeder Straße gab es Läden mit Markisen, die mit Waren vollgeladene Tische schützten. Man bekam alles -vom Stoff, über Bücher bis zu Töpfen und Stiefeln. Es war, als hätten hundert Händlerwagen ihren Inhalt verstreut. Er sah sich alles so auffällig an, daß er mehr als einmal unter den mißtrauischen Blicken eines Ladeninhabers flüchten mußte. Beim ersten Ladeninhaber hatte er noch nicht verstanden, warum er ihn so ansah. Als er endlich kapierte, wurde er zuerst wütend, bis er sich daran erinnerte, daß er hier der Fremde war. Er hätte sowieso nicht viel kaufen können. Er schnappte nach Luft, als er sah, wie viele Kupfermünzen man für ein Dutzend verfärbte Äpfel oder eine Handvoll verschrumpelter Rüben hinlegen mußte — die man bei den Zwei Flüssen an die Pferde verfüttert hätte, aber die Leute zahlten ganz eifrig.

Es gab hier für seinen Geschmack wirklich mehr als genug Leute. Für eine Weile überwältigte ihn der Anblick der Massen beinahe. Einige trugen feinere Kleider, als irgend jemand in den Zwei Flüssen besaß — beinahe die Qualität von Moiraines Kleidung -, und recht viele waren in pelzbesetzte lange Mäntel gehüllt, die bis zu den Knöcheln reichten. Die Bergarbeiter, von denen man in der Schenke soviel geredet hatte, gingen gebeugt einher wie alle Männer, die unter der Erde gruben. Doch die meisten Menschen sahen auch nicht anders aus als jene, mit denen er aufgewachsen war, weder was die Gesichter noch was die Kleidung betraf. Er hatte irgendwie mehr Unterschiede erwartet. Und nun erinnerten ihn manche Gesichter so sehr an die Zwei Flüsse, daß er sich vorstellen konnte, sie gehörten der einen oder anderen Familie an, die er aus der Gegend von Emondsfeld kannte. Ein zahnloser grauhaariger Bursche mit Ohren wie die Henkel an einem Bierkrug, der auf einer Bank vor einer Schenke saß und trauernd in den leeren Humpen blickte, hätte sehr wohl ein Vetter Bili Congars sein können. Der Schneider mit dem kantigen Kinn, der vor seinem Laden nähte, mochte Jon Thanes Bruder sein — bis hin zu dem kahlen Fleck auf dem Hinterkopf. Ein Beinahe-Spiegelbild von Samel Crawe drängte sich an Rand vorbei, als er um eine Ecke kam und...

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