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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Wieder versuchte Torian, die trüben Gedanken abzuschütteln, und konzentrierte sich auf das wenige, was er im blassen Licht der Fackeln von seiner Umgebung erkennen konnte.

Die Höhle erinnerte ihn auf unangenehme Weise an die Gänge und Grotten im Tempel des Toten Gottes, doch sie waren zugleich ganz anders. Auch hier gab es Spuren künstlicher Bearbeitung, aber sie waren uralt, und das Gestein war wirklicher Fels und nicht das vor Äonen zu Stein erstarrte Fleisch einer dämonischen Kreatur. Die Ähnlichkeit hatte andere Ursachen. Etwas war hier sonderbar falsch, ohne daß Torian das Gefühl in Worte fassen konnte. Er entdeckte Winkel und Krümmungen, die nicht auf natürliche Weise entstanden sein konnten und sonderbar falsch wirkten, ohne daß er sagen konnte, warum, sinnverwirrende Linien, wie sie den Bauwerken der Alten Rasse eigen waren. Einen Herzschlag lang fragte sich Torian, ob es wirklich Zufall war, daß er innerhalb kürzester Zeit mehrfach auf Spuren der vor mehr als tausend Jahren untergegangenen Alten Rasse stieß, während er noch vor wenigen Wochen nicht einmal gewußt hatte, daß es sie gab. Der Gedanke kam ihm fast lächerlich vor, aber – hatten sie irgend etwas geweckt in Rador? Allein die Erinnerung an die Geisterstadt ließ ihn wieder vorsichtiger werden; er war in den letzten Minuten sträflich nachlässig gewesen. Auch wenn es im Augenblick keine Anzeichen für eine konkrete Gefahr gab, bedeutete das nicht, daß die Höhle völlig harmlos war. Wenn es überhaupt nur eine Höhle war.

Als wäre der Gedanke ein Auslöser, entdeckte er vor sich auf dem Boden einen Haufen verblichener Knochen. In einem automatischen Reflex zuckte seine Hand zum Schwert und zog es aus der Scheide. Das Schleifen des Metalls hallte überlaut von den schwarzen Felswänden zurück. Vorsichtig ging Torian in die Hocke, hob die Fackel ein wenig höher und berührte den Knochenhaufen mit der Spitze seines Schwertes.

Es waren die Knochen eines nicht besonders großen Tieres, vermutlich eines Hundes, dem aber der Schädel fehlte, so daß er nicht völlig sicher sein konnte. Sie mußten schon lange hier liegen, denn das Fleisch war restlos verwest.

Oder abgenagt...

Torian schauderte. Sicher – es gab harmlose Insekten, die einen Kadaver innerhalb weniger Stunden skelettieren konnten, aber auch eine Menge sehr viel weniger harmloser Wesen, die das in noch kürzerer Zeit fertigbrachten; und denen es herzlich egal war, ob sie einen streunenden Hund oder einen flüchtigen tremonischen Deserteur zwischen die Zähne — oder was auch immer — bekamen. Torian stocherte mit der Schwertspitze in dem Haufen herum, aber er fand keinerlei Spuren, keinen Hinweis, weder auf die eine noch auf die andere Möglichkeit. Es mochte sein, daß sich das Tier zum Sterben in die Höhle zurückgezogen hatte, wie es gelegentlich geschah, aber er wußte nicht, ob dies auch Hunde taten. Ebensogut war möglich, daß es hier getötet oder bereits tot hierhergeschleppt worden war. Er stand auf, hob die Fackel ein wenig höher und ging weiter, allerdings sehr viel langsamer als bisher.

Nach ein paar Schritten fand er einen weiteren Knochenhaufen. Diesmal handelte es sich um den Kadaver eines Pferdes, und er war ebenso säuberlich abgenagt wie der erste.

Kurze Zeit darauf einen dritten, der ihn sehr unangenehm an die Überreste eines Menschen erinnerte...

Nein – das war kein Zufall mehr. Und auch die aasfressenden Insekten erschienen ihm jetzt wenig wahrscheinlich. Im günstigsten Fall mußte die Höhle einem Raubtier als Unterschlupf gedient haben.

Und in allen weniger günstigen Fällen...

Torian packte sein Schwert fester und schwenkte die Fackel über seinem Kopf, um auch die entferntesten Ecken und Winkel auszuleuchten. Er lauschte. Abgesehen vom fernen Grollen des Donners, das nur gedämpft hierherdrang, war es totenstill, aber das war kein Beweis dafür, daß die Höhle wirklich verlassen war. Es wäre bodenloser Leichtsinn, allein weiterzugehen. Ein Raubtier, das schnell genug war, ein Pferd zu fangen, und stark genug, es zu töten, stellte auch für einen Menschen eine Gefahr dar. Selbst für einen Menschen, der eine gut einen Meter lange Überraschung aus Stahl für den hungrigen Bewohner dieser Höhle in der Hand hielt.

Und trotzdem kehrte er nicht um.

Er konnte es nicht.

Alles in ihm schrie danach, auf der Stelle kehrtzumachen und zu Garth und Shyleen zurückzugehen, aber statt dessen tat er einen Schritt nach vorne, dann einen weiteren und noch einen. Er konnte nicht zurück. Etwas, das stärker war als seine Vernunft, zog ihn mit unwiderstehlicher Gewalt vorwärts, tiefer in die Ungewisse Dunkelheit hinein, die das rote Licht seiner Fackel aufsog wie ein Schwamm das Wasser. Seine Nerven waren zum Zerreißen gespannt, und er hielt das Schwert kampfbereit in der Hand, aber trotzdem entdeckte er die Falle erst zu spät. Wieder nahm er aus den Augenwinkeln eine vage Bewegung wahr, aber diesmal war sie real.

Mit unheimlicher Präzision fiel das Netz auf ihn herab.

Verzweifelt versuchte Torian, sich zur Seite zu werfen. Er ließ die Fackel fallen und hieb mit dem Schwert zu, war aber trotzdem zu langsam. Wie ein Schleier hüllte ihn das Netz ein. Die Fäden klebten sofort an seiner Haut und Kleidung fest, als wären sie mit Leim bestrichen. Mit aller Kraft zerrte Torian daran, ohne einen einzigen Faden zerreißen zu können. Obwohl kaum halb so dick wie sein kleiner Finger, waren sie fest wie Draht. Die Maschen waren zu eng geknüpft, als daß er sein Schwert einsetzen konnte. Mit jeder Bewegung verstrickte er sich mehr in das Netz, bis er plötzlich das Gleichgewicht verlor und zu Boden stürzte.

Torian zwang sich mit aller Kraft zur Ruhe und versuchte seine Hand so zu drehen, daß er mit der Schwertklinge an die Fäden herankam, um sie durchzuschneiden. Sein Herz jagte. Für einen Moment drohte ihn Panik zu übermannen; er wollte schreien, dachte im letzten Moment daran, daß vielleicht gerade dies den Besitzer dieses Netzes endgültig herbeirufen konnte, und zwang sich mit aller Willenskraft zur Ruhe.

Torian war sicher, daß diese Falle nicht von Menschen aufgestellt worden war. Ein entsetzlicher Verdacht stieg in ihm auf, aber er verdrängte den Gedanken sofort wieder. Es gab einen Grund für diese Falle, wenn nämlich im Hintergrund der Höhle etwas verborgen war, das zu schützen die Mühe lohnte. Er klammerte sich an diese Hoffnung, obwohl eine bösartige Stimme in seinem Kopf ihm zuflüsterte, daß er sich selbst zu betrügen versuchte.

Dann sah er, wie sich vor ihm ein Paar gewaltiger Facettenaugen aus der Finsternis schälten, und seine verzweifelte Hoffnung brach wie ein Kartenhaus zusammen. Gierig starrten ihn die im Widerschein der Flamme rötlich glühenden Augen an. Hinter ihnen schien die Dunkelheit zu widerlich pulsierendem, finsterem Leben er wacht zu sein. Nachtschwarz hob sich der monströse Körper der Kreatur gegen die Felswand ab.

Torian begann gellend zu schreien.

Das Wesen war eine Blutspinne!

Eine Woge grauer Panik fegte auch den letzten Rest klaren Denkens beiseite. Torian schrie, warf sich herum, zerrte wie von Sinnen an den klebrigen Fäden des Spinnennetzes; mit dem einzigen Ergebnis allerdings, daß er sich immer fester und fester in das feinmaschige Gespinst einspann. Verzweifelt versuchte er sein Schwert freizubekommen. Es gelang ihm genausowenig wie vorher. So dünn und lächerlich das blaßweiße Netz aussah, seine Fäden waren so fest, als wäre es aus Stahl. Ein Teil der widerwärtigen Masse bedeckte sein Gesicht, so daß er kaum noch atmen konnte.

Die Blutspinne wußte offensichtlich um seine Hilflosigkeit. Sie kam näher, aber sie bewegte sich völlig ohne Hast, ja fast gemächlich. Der tonnenartige, von schwarzglänzenden Hornschuppen bedeckte Körper ruhte auf acht dichtbehaarten Beinen, jedes so dick und fast doppelt so lang wie das eines Menschen und mit zahllosen, sich in geheimnisvollem Takt bewegenden Gelenken, die dem Gang der Spinne einen Anschein von Unbeholfenheit verliehen, der nur zu falsch war. Ohne sichtbaren Hals wuchs der gigantische, ebenfalls gepanzerte Kopf mit den bösartig funkelnden Facettenaugen aus dem Panzerleib hervor. Die dünnen, wie die Beine vielfach geknickten Fühler über den beiden großen und sechs kleinen Augen des Ungeheuers zitterten, als nehme es damit Witterung auf. Wahrscheinlich tat es genau dies.

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