Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Er sog ein paarmal prüfend die Luft ein und beobachtete weiter die heranjagenden Wolken. Am Horizont zeigte sich erstes Wetterleuchten, und dann und wann glaubte er das schwache Echo eines noch weit entfernten, aber mächtigen Donners zu hören. Auf See tobte das Unwetter bereits. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis es mit aller Macht über das Land hereinbrach. Er hatte kein besonderes Verlangen danach, dann noch hierzusein.
Garth drängte sein Pferd näher an ihn heran und rief etwas. Der Sturm riß ihm die Worte von den Lippen, so daß Torian nur Fetzen verstand.
»...zu weit... schaffen... nicht... Versteck...«
Torian nickte. Garth hatte vollkommen recht – sie mußten irgendwo einen Unterschlupf finden, und zwar schnell. Er hatte die Gewalt solcher Küstengewitter noch nicht selbst erlebt, aber er hatte genug darüber gehört, um auf diese Erfahrung getrost verzichten zu können. Armar lag noch gute zwei Meilen entfernt; eine lächerliche Entfernung, wenn man die weit mehr als hundert Meilen bedachte, die sie in den vergangenen Tagen zurückgelegt hatten, aber mindestens eineinhalb Meilen zuviel, um die Stadt rechtzeitig zu erreichen und hinter ihren Mauern Schutz vor dem Unwetter zu finden.
Er blickte zu Shyleen zurück. Die ehemalige Priesterin war ein Stück zurückgefallen. Sie litt am meisten unter der Anstrengung des Gewaltrittes. Sie bemuhte sich fast krampfhaft, nicht zu zeigen, daß sie es nicht gewohnt war, lange im Sattel zu sitzen. Torian bewunderte ihre Willenskraft insgeheim, wenn er sich auch hütete, sich von seinen Gefühlen etwas anmerken zu lassen. Jede andere Frau mit Shyleens Vorgeschichte und körperlicher Verfassung hatte langst aufgegeben, doch die Expriesterin hatte bisher nicht einmal einen Laut der Klage hören lassen. Wahrend der ersten Tage hatte Torian mit fast diebischem Vergnügen beobachtet, wie sie sich aus falsch verstandenem Stolz besonders aufrecht hielt, wodurch ihre Muskeln noch schneller als normal verkrampften. Doch mittlerweile war sein Vergnügen einer flüchtigen Hochachtung gewichen, weil sie kein einziges Mal um eine längere Pause oder ein langsameres Tempo gebeten hatte, obwohl sie langst wundgeritten sein mußte und ihr wahrscheinlich jeder einzelne Knochen im Leib weh tat.
Er verscheuchte den Gedanken und lenkte sein Pferd mit sanftem Schenkeldruck von der gepflasterten Uferstraße hinunter. Wenn sie irgendwo einen Unterschlupf finden konnten, dann nur in den Hügeln, die die Straße zum Land hin säumten.
Der Regen holte sie ein. Die ersten Tropfen fielen und wurden binnen weniger Sekunden zu einer wahren Sintflut aus eisigem Wasser. Der Himmel hatte seine Schleusen geöffnet. Das Wasser fiel wie eine nebelige Wand, die die Sicht auf wenige Meter begrenzte. Der Boden unter den Hufen ihrer Pferde verwandelte sich binnen Augenblicken in sumpfigen Morast, und dort, wo die Erde zu hart war, das Wasser aufzusaugen, entstanden kleine, rasende Sturzbäche. Torian zog die Kapuze weiter in die Stirn. Tief über den Hals des Pferdes gebeugt, ritt er weiter. Zwischendurch richtete er sich immer wieder kurz auf, schirmte die Augen mit der Hand ab und blickte sich nach einem geschützten Platz um. Die Regentropfen stachen wie winzige Nadeln in seine Haut. Es tat weh, wenn sie seine Augen trafen. Allmählich begann er zu begreifen, warum Garth ihn so eindringlich gewarnt hatte. Obwohl er bereits bis auf die Haut durchnäßt war, war das alles nur eine Kostprobe; das Unwetter hatte sie mit seinen Ausläufern kaum gestreift, wie die langen Pausen zwischen Blitz und Donner zeigten.
Seine Kleider waren binnen Augenblicken durchnäßt, und die Kälte ließ ihn den eisigen Biß des Windes doppelt schmerzhaft spüren. Torian duckte sich noch tiefer über den Hals seines Pferdes. Der Sturm zerrte an seinen Haaren und Kleidern und war inzwischen so stark geworden, daß er ihn fast aus dem Sattel wehte. Für einen Moment versuchte er sich vorzustellen, welche Gewalten erst im Zentrum des Unwetters toben mochten, verdrängte den Gedanken aber sofort wieder. Vielleicht war es besser, sich darauf zu konzentrieren, einen Unterschlupf zu finden. Und zwar schnell.
Trotzdem wäre er um ein Haar an der Höhle vorbeigeritten, denn die Sicht wurde immer schlechter. Dazu kam das Heulen des Windes, das rasch zu einem solchen Getöse anwuchs, daß eine Verständigung – selbst schreiend – kaum mehr möglich war. Die drei Reiter tasteten sich fast blind durch ein Chaos aus beinahe waagerecht peitschenden Regenschleiern und Kälte und grauem Licht und dem Gebrüll des Sturmes. Erst im allerletzten Moment entdeckte Torian den länglichen, kaum zehn Schritte entfernten Riß in der dem Meer abgewandten Flanke eines Hügels und zugehe sein Pferd.
Er schirmte die Augen mit der Hand ab und sah genauer hin. Der Riß im feuchtglänzenden Gestein war schmal, aber offensichtlich sehr tief, und er mußte ein gutes Stück in den Hügel hineinführen. Torian begriff plötzlich, welches Glück sie gehabt hatten, ihn überhaupt zu sehen. Normalerweise mußte er so gut wie unsichtbar sein, verborgen hintermannshohem Gestrüpp und ineinander verschlungenen Dornenranken, aber der Regen hatte das Unkraut niedergeknüppelt und der Sturm die Ranken zur Seite gerissen. Für einen ganz kurzen Moment kam ihm dieser Zufall beinahe etwas zu groß vor, aber dann schalt er sich selbst in Gedanken einen Idioten. Zuviel Mißtrauen konnte ebenso tödlich sein wie zuwenig.
Mühsam richtete er sich im Sattel auf und blickte zurück. Der Sturm traf ihn wie ein Faustschlag, als er ihm das Gesicht zuwandte. Er preßte die Hand vor die Augen und blinzelte zwischen den Fingern hindurch, konnte aber trotzdem kaum sehen. Wind und nadelspitze Regentropfen trieben ihm die Tränen in die Augen, und für einen ganz kurzen Moment wurde es so schlimm, daß er kaum mehr atmen konnte.
Shyleen und Garth waren dicht hinter ihm; zwei über ihren Pferden zusammengesunkene Gestalten, die von der Wand aus fallendem Wasser zu verschwimmenden Silhouetten verzerrt wurden.
Stumm deutete er auf die Höhle und hoffte, daß die beiden die Geste sahen und richtig verstanden. Es war unmöglich, sich mit Worten zu verständigen.
Garth hob den Kopf und änderte seine Richtung, während Shyleen überhaupt nicht reagierte. Torian ritt das kurze Stück zurück, packte die Zügel ihres Reittieres und zwang es herum. Der plötzliche Ruck ließ das Mädchen fast aus dem Sattel stürzen, aber es gelang ihr gerade noch rechtzeitig, sich an der zottigen Mähne des Pferdes festzuklammern. Erschrocken sah sie zu ihm auf. Torian gestikulierte erneut in die Richtung, in die Garth bereits ritt, und diesmal verstand Shyleen. Aber sie reagierte nicht. Vielleicht war ihre Kraft einfach aufgebraucht.
Die letzten zehn Meter wurden die schwersten ihres bisherigen Weges. Shyleen erwachte endlich aus ihrem Dämmerzustand und leistete wenigstens keinen Widerstand mehr, aber es war, als versuche das Unwetter noch einmal mit aller Kraft, sie am Erreichen der Höhle zu hindern.
Eine brüllende Wand aus Sturm schlug ihnen entgegen und zwang sie zur Seite. Diesmal konnte sich selbst Torian nur mit knapper Not auf dem Rücken seines Pferdes halten, während es Shyleen nicht mehr gelang. Ihr Pferd scheute. Shyleen schrie auf – Torian hörte es nicht, aber er sah, wie sich ihr Mund öffnete und ihr Gesicht zu einer Grimasse des Schreckens verzerrte, dann verloren ihre Finger endgültig den Halt, und sie wurde aus dem Sattel geschleudert. Noch während sie fiel, packte sie der Sturm mit unsichtbaren Händen und wirbelte sie durch die Luft, bevor sie unsanft in den Morast stürzte und reglos liegenblieb. Ihr Pferd stob in wilder Panik davon und verschwand im Sturm.
Torian stieß einen wütenden Fluch aus, packte Garth am Arm und drückte ihm die Zügel seines Reittieres in die Finger. Er sank bis zu den Knöcheln im aufgeweichten Boden ein und mußte sich mühsam gegen den Wind vorwärtskämpfen, der wie mit Eisfäusten auf sein Gesicht einschlug. Geduckt arbeitete er sich zu Shyleen vor. Sie war bewußtlos. Auf ihrem Gesicht war Blut, und in ihrem rechten Arm klaffte ein Riß, der heftig blutete. Aber zumindest lebte sie noch, und das war bei einem so üblen Sturz wie dem ihren schon fast mehr, als man erwarten konnte. Wäre sie statt in den weichen Morast auf einen Felsen gestürzt...