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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Torian wickelte sich zitternd aus seiner Decke, hob die Hand und tastete behutsam über Shyleens Kopf. Haut und Haare waren mit klebrigem Morast verschmiert, ab es gelang ihm, die Wunde durch vorsichtiges Tasten zu finden. Wieder stöhnte Shyleen auf.

»Komm mal her mit der Fackel«, bat Torian.

Garth gehorchte. Torian strich vorsichtig Shyleens Haar zur Seite. Die Wunde war da, wie Garth gesagt hatte. Sie war nicht einmal besonders groß, aber was besagte das schon?

»Nun?« fragte Garth.

Torian antwortete nicht gleich. Er war kein Heilkundiger, aber sein Leben als Krieger brachte es mit sich, daß er sich ein wenig mit Verletzungen aller Art auskannte. Und man mußte kein Arzt sein, um zu erkennen, daß Shyleen sich mindestens eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen hatte. Vielleicht Schlimmeres.

Der Gedanke, daß sie möglicherweise sterben konnte, erschreckte ihn mehr, als er erwartet hatte. Behutsam tupfte er Blut und Schmutz von den Wundrändern.

»Was hat sie?« fragte Garth noch einmal. »Der Schädelknochen... ist er gebrochen?«

»Ich weiß es nicht.« Hilflos hob Torian die Schultern. »Vielleicht ja, vielleicht nein. Ich bin kein Heiler. Ich habe mehr Erfahrung darin, Schädel einzuschlagen, weißt du?« fügte er wütend hinzu. Er sah, wie Garth zusammenfuhr und etwas in seinem Blick erlosch, und seine Worte taten ihm im selben Augenblick wieder leid.

»Es war nicht so gemeint«, fuhr er fort, in sehr viel versöhnlicherem Tonfall. »Aber wir sollten sie so schnell wie möglich zu einem Heiler bringen.«

Seine Stimme klang rauh und fremd in seinen Ohren, und es lag nur zu einem Teil an der seltsamen Akustik in der Höhle. Er hatte die Worte mehr zu seiner eigenen Beruhigung gesprochen, als daß er wirklich daran glaubte. Wenn der Schädelknochen wirklich gebrochen war, konnte kein Heiler der Welt Shyleen noch helfen. Dann war es ein Wunder, daß sie überhaupt noch lebte.

Und er, Torian, trug die Schuld an allem. Er war es gewesen, der Garths Warnung vor dem heraufziehenden Unwetter im wahrsten Sinne des Wortes in den Wind geschlagen hatte, um Armar noch an diesem Tag zu erreichen; und er war froh gewesen, dabei noch von Shyleen unterstützt worden zu sein, auch wenn er genau gewußt hatte, daß nur Trotz und kindischer Stolz aus ihren Worten sprachen. Der alberne Wunsch, ihnen zu beweisen, daß sie die gleichen Strapazen wie ein Mann zu ertragen vermochte.

Torian machte sich bittere Vorwürfe, daß er nicht auf Garth gehört hatte. Shyleen war ein dummes Kind, trotz allem, aber er, der erfahrene Krieger, hätte die Gefahr erkennen müssen. Wenn überhaupt, dann hätte er verdient, mit eingeschlagenem Schädel dort zu liegen.

Mechanisch reinigte er die Wunde weiter und versuchte, wenigstens die Blutung zu stillen. Es war das einzige, was er im Augenblick für sie tun konnte. Noch während er damit beschäftigt war, schlug Shyleen abermals die Augen auf, doch es war wieder nicht viel mehr als ein Reflex. Ihr Blick blieb weiter verschleiert und auf entsetzliche Weise leer. Ein qualvolles Stöhnen entrang sich ihrer Kehle. Sie hustete. Nach kaum einer Minute sank sie wieder zurück und verlor erneut das Bewußtsein. Ihr Atem ging ebenso flach und unregelmäßig wie ihr Herzschlag.

Torian richtete sich auf und schloß müde die Augen. Er versuchte sich darüber klarzuwerden, was das Mädchen ihm wirklich bedeutete. Doch wie schon sooft in den letzten Tagen schienen seine Gedanken gegen eine Mauer zu prallen, sobald er über diese Frage nachdachte. Zusammen mit ihrem Vater hatte sie Garth und ihn belogen, sie wie Figuren auf einem Spielfeld hin und her geschoben und als Werkzeug im Kampf gegen eine Kreatur der Alten mißbraucht. Um ein Haar hätte Garth dabei das Leben verloren. Torian müßte sie hassen oder zumindest verachten, aber wie zuvor gelang ihm weder das eine noch das andere.

Liebte er sie?

Kaum.

Er war kein Mann, der sich verliebte, zumindest nicht so schnell. In seinem Leben war kein Platz für Liebe. Und selbst wenn – Shyleen war nicht einmal der Typ Frau, den er bevorzugte. Sie war nicht einmal besonders hübsch. Und trotzdem fühlte er sich auf sonderbare Art zu ihr hingezogen. Das Gefühl verwirrte ihn, und zumeist verbarg er es hinter Spott und derben Worten, aber der Anblick ihres reglosen, leichenblassen Gesichtes erfüllte ihn mit Schmerz. Er stand auf, sah noch einmal in die Höhle zurück und trat schließlich an den Ausgang. Das Unwetter hatte nachgelassen und zog langsam weiter. In einigen Stunden würde der Himmel wahrscheinlich wieder so klar wie am Morgen sein. Am liebsten wäre Torian schon jetzt in den Regen hinausgerannt. Er wollte weg von Shyleen, um ihrem Leiden nicht länger zusehen zu müssen; und er wollte auch weg von Garth, dessen Verzweiflung ihm wie ein Spiegelbild seiner eigenen Hilflosigkeit erschien, er wollte...

Ja, zum Teufel, was wollte er eigentlich? Vielleicht vor sich selbst davonlaufen?

Lange, sehr lange stand er einfach so da und starrte in den Regen hinaus, dann ging er zurück zu Shyleen und Garth und setzte sich mit untergeschlagenen Beinen ans Feuer. Die Flammen vertrieben die Kälte aus seinen Gliedern, aber sie ließen ihn auch seine Schwäche und Erschöpfung um so deutlicher spüren. Bleierne Müdigkeit breitete sich in ihm aus. Mit aller Macht kämpfte er dagegen an, konnte aber nicht verhindern, daß ihm der Kopf immer wieder auf die Brust sank. Er hatte Angst davor, die Augen zu schließen. Angst, daß die Spinne zurückkam, und sei es nur in seinen Träumen.

Irgendwann schlief er trotz der unbequemen Stellung ein.

Und natürlich träumte er – in wirren, unzusammenhängenden Bildern und in den düsteren Farben der Furcht. In seinen Träumen begegnete er erneut der Blutspinne, spürte ihren Stachel, der ihm seine Kraft raubte, doch sie veränderte sich, wurde zu etwas gänzlich anderem. Er befand sich wieder im Tempel des Toten Gottes. Das Gestein pulsierte wie finsteres Fleisch, wurde zu einer Wolke aus gestaltgewordener Schwärze, die ihn einhüllte und in ihn hineinkroch. Er wurde eins mit der Dunkelheit; seine Gedanken krochen wie bösartige, kleine, eigenständige Wesen auf den klebrigen Fäden eines unvorstellbar großen Spinnennetzes umher, drangen immer weiter vor und breiteten sich wie ein verderblicher Hauch über ganz Caracon aus. Dann sah er Shyleen, umschlang sie mit rauchigen Schattenfingern und spürte, wie die Lebenskraft aus ihrem Körper strömte und in seinen eindrang. Eine ungeheure Macht war in ihm. Sie wuchs mit jeder Sekunde.

Mit einem leisen Schrei fuhr Torian hoch. Es dauerte einen Moment, bis er begriff, daß er geträumt hatte, aber er begriff auch im selben Moment, daß dieser Traum anders gewesen war als die meisten anderen: er konnte sich an alle Einzelheiten erinnern. Und trotz seiner völlig unlogischen, widersinnigen Handlung war er auf entsetzliche Weise real gewesen.

Mit dem Handrücken wischte er sich über die Augen, um den Rest von Schlaf daraus zu vertreiben, und blickte zum Ausgang. Es hatte aufgehört zu regnen, und wenn sich das Unwetter auch noch nicht völlig verzogen hatte, so war die Wolkendecke doch so weit aufgerissen, daß hier und da bereits die Sonne durchschien. Sie stand bereits tief am Horizont.

»Drei oder vier Stunden«, sagte Garth, als hätte er Torians Frage geahnt. Es war auch nicht schwer gewesen, sie zu erraten. Torian richtete sich auf und drehte sich mühsam zu Garth um.

Der Dieb saß neben Shyleen auf der anderen Seite des heruntergebrannten Feuers und starrte in die Glut. Er sah sehr müde aus. »Warum hast du mich nicht geweckt?« fragte Torian matt.

Garth sah nicht einmal auf. »Ich habe dich schlafen lassen, weil du es wohl nötiger hattest als ich. Es hat gerade erst aufgehört zu regnen.«

»Danke«, murmelte Torian. Jedes weitere Wort war überflüssig. Und der Schlaf hatte ihm wirklich gutgetan. Er fühlte sich frischer und fast ausgeruht, als hätte er einen ganzen Tag und eine Nacht hindurch geschlafen, auch wenn er wußte, daß dieses Gefühl nur eine trügerische – und gefährliche – Illusion war. Er hatte seinen Traum noch nicht ganz abgeschüttelt. Ein paar der grauen Spinnenfäden schienen sich in seinem Geist verfangen zu haben und sein Denken zu behindern. Nur langsam fand er wieder in die Wirklichkeit zurück. Einen Moment lang fragte er sich, ob nicht vielleicht alles nur ein Traum gewesen war. Aber dann fuhr seine Hand über die winzige Wunde in seiner Brust. Sie war da. Träume pflegten in den allerwenigsten Fällen zu stechen.

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