Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Mühelos wich Garth den peitschenden Fühlern aus und schlug mit der Fackel zu. Funken stoben auf, als er eines der Beine traf, und ein durchdringender Gestank nach verschmortem Fell breitete sich aus.
Noch einmal fauchte die Blutspinne, wenn auch nur vor Wut, denn auch unter dem schwarzen Fell ihrer Beine befanden sich stahlharte Panzerplatten. Dann floh sie. Langsam, ohne Garth auch nur einen Moment aus den Augen zu lassen, kroch sie rückwärts in den Stollen zurück, bis sie hinter einer Biegung verschwand.
Garth war mit einem Satz neben Torian, legte vorsichtig die Fackel aus der Hand – wobei er sorgfältig darauf achtete, daß sie nicht ausging – und zerrte mit beiden Händen an dem klebrigen Gespinst, das Torian einhüllte wie ein weißer Kokon.
Aber selbst seine ungeheuerlichen Körperkräfte kapitulierten vor der Festigkeit des so täuschend feinen Gewebes. Er fluchte, hob das Schwert und ließ die Klinge mit aller Gewalt dicht neben Torians Gesicht auf den Fels krachen. Funken stoben auf, und ein Metallsplitter traf Torians Wange und riß eine dünne blutige Wunde hinein.
Das Netz zerriß nicht.
»Die Fackel!« stöhnte Torian. »Versuch es... zu verbrennen!
Schnell! Sie... sie wird zurückkommen.«
Seine eigene Stimme kam ihm wie die eines Fremden vor; er verstand kaum mehr, woher er noch die Kraft hatte, überhaupt zu reden. Alles in ihm war Ekel und panische Angst. Er konnte nicht mehr denken.
Garth knurrte etwas, das er nicht verstand, schwang abermals sein Schwert und schlug noch einmal und mit noch größerer Kraft zu. Diesmal gelang es ihm, ein paar der dünnen Fäden zu zerschneiden, aber sein Schwert bekam einige deutliche Scharten ab; die Waffe würde zerbrechen, lange ehe er Torian auf diese Weise befreit hatte. Garth schnaubte, schob sein Schwert mit sichtbarem Widerwillen in den Gürtel zurück und griff nach der Fackel. Ein bedrohliches Schaben von Hörn erklang aus dem hinteren Teil des Stollens.
Garth fuhr zusammen, wurde blaß und berührte hastig mit der Fackel eine der Maschen.
Der Erfolg war ebenso verblüffend wie gespenstisch: Mit leisem Knistern fing die Masse Feuer. Blitzartig fraß sich die Glut weiter, griff in Sekundenschnelle auf das gesamte Netz über und ließ es aufflammen wie eine Karbidflamme, hell und weiß und fast ohne spürbare Hitze. Zurück blieb nur pulverige Asche. Alles ging so schnell, daß Torian kaum etwas davon spürte, selbst als die Flammen sein Gesicht und seine Hände streiften.
»Schnell jetzt!« Garth warf die Fackel fort und riß ihn auf die Füße. »Bevor das Vieh zurückkommt!«
Torian lief los – genauer gesagt, er versuchte es.
Die Schwäche sprang ihn an wie ein Raubtier. Schwindel überwältigte ihn und ließ den Stollen einen irrsinnigen Tanz um ihn herum vollführen. Seine Beine gaben unter dem Gewicht seines Körpers nach, er taumelte, griff haltsuchend um sich und fiel wieder auf die Knie nieder. Übelkeit stieg in ihm auf. Das Blut rauschte in seinen Ohren, und ein dumpfer Druck machte sich hinter seiner Stirn breit. In seinen Gliedern lastete eine bleierne, betäubende Schwere. Er krümmte sich, schlug Garths hilfreich ausgestreckte Hand beiseite und übergab sich würgend, immer und immer wieder, bis sein Magen längst leer war und er nur noch bittere Galle hervorwürgte.
Selbst hinterher nahm die Übelkeit nicht ab; im Gegenteil. Er fühlte sich schwach und ausgelaugt, als hätte er tagelang mit schwerem Fieber dagelegen. Alles drehte sich vor seinen Augen. Noch einmal, diesmal wesentlich vorsichtiger als beim ersten Mal, stemmte er sich hoch.
»Was ist?« fragte Garth besorgt und griff zu, um ihn zu stützen. »Nichts«, stöhnte Torian. »Es ist... nichts.« Er schüttelte benommen den Kopf. Mühsam quälte er sich auf die Beine und machte ein paar zögernde Schritte. Allmählich gewann er seine Kraft und die Kontrolle über seine Glieder zurück. Nur die Angst blieb. Diese entsetzliche Angst. »Ich kann allein gehen«, stöhnte er.
Garth musterte ihn skeptisch, ließ ihn aber nach einigen Sekunden los. »Wir müssen an den Eingang zurück«, sagte er knapp. »Hier behindern wir uns bei einem Kampf nur gegenseitig.« Er lächelte humorlos. »Vielleicht kommt deine haarige Freundin ja zurück.«
Sie gingen los. Auf den ersten Metern mußte sich Torian an den Wänden abstützen. Er preßte die Zähne so fest zusammen, daß es schmerzte, um die Benommenheit zu vertreiben. Hinter ihnen erscholl wieder das Schaben von Hörn. Die Blutspinne hatte ihre Flucht entdeckt und folgte ihnen.
Der Gedanke verlieh Torian neue Kraft. Die Angst trieb ihn schneller voran. Trotzdem mußte Garth immer wieder stehenbleiben und auf ihn warten.
»Du kannst von Glück sagen, daß ich nachsehen wollte, wo du so lange bleibst«, murmelte er mit einem furchtsamen Blick in die Dunkelheit hinter ihnen. Seine Stimme zitterte. »Das war eine Blutspinne, nicht wahr?«
Torian nickte, und Garth fuhr fort: »Aber das kann nicht sein. Sie sind seit Jahrhunderten ausgestorben!«
»Sag das der Spinne«, fauchte Torian. »Vielleicht glaubt sie dir ja und sieht ein, daß sie nur noch eine Legende ist.«
Garth bedachte ihn mit einem sehr sonderbaren, beinahe besorgten Blick, zog es aber vor, nichts mehr darauf zu antworten. Sie hasteten weiter.
Auf dem Hinweg war Torian der Stollen nicht annähernd so lang vorgekommen wie jetzt. Der Stollen schien kein Ende zu nehmen, und ein paarmal glaubte er Felsformationen zu erkennen, die auf dem Weg hierher ganz bestimmt nicht dagewesen waren. Aber schließlich wurde es vor ihm hell, und dann wichen die Wände seitlich zurück. Er taumelte noch ein paar Schritte weit in die Höhle hinein und brach neben dem Feuer zusammen. Nur schwach registrierte er, daß Shyleen wach war und zusammengekauert neben dem Feuer hockte. Seltsamerweise sah sie nicht einmal auf, als er neben ihr auf die Knie fiel, aber er war viel zu benommen, um diesem Gedanken Beachtung zu schenken. Die Übelkeit kam zurück. Und der Ekel.
Das Mädchen sprang erschrocken auf und rief etwas, das er nicht verstand. Sein Herz raste; jeder Atemzug brannte wie Feuer in seiner Lunge, als atme er flüssige Lava. Schon der kurze Lauf hatte ihn so sehr erschöpft, daß sich dunkle Schleier vor seine Augen senkten. Aber es war eine Dunkelheit, in der sich etwas bewegte. Etwas Haariges, Schwarzes.
Mit einem kehligen Schrei riß Torian die Augen auf und fuhr hoch. Der schwarze Spinnenleib verschwand und wurde zu Shyleens Gesicht, das besorgt auf ihn herabblickte. Großer Gott, was geschah mit ihm? Verlor er jetzt wirklich den Verstand?
»Alles in Ordnung?« Garth trat zögernd neben Shyleen und blickte auf ihn hinunter. Er musterte ihn besorgt, aber sein Blick wanderte auch immer wieder mit noch größerer Sorge in das Dunkel im hinteren Teil der Höhle. Er hatte die Spinne sowenig vergessen wie Torian.
Torian nickte mühsam, auf eine Art, die sowohl Zustimmung als auch das genaue Gegenteil ausdrücken konnte — und das war es auch genau, was er empfand. In Ordnung? Er wußte nicht, ob er überhaupt jemals wieder in Ordnung kommen würde. Im Moment hatte er sogar Angst davor, die Augen zu schließen.
Garth reichte ihm eine Decke. Torian wickelte sich zitternd hinein, kroch ein Stück näher an das Feuer heran und fuhr erschrocken hoch.
»Die Spinne! Sie...«
»Sie wird nicht kommen«, unterbrach ihn Garth. »Blutspinnen sind Fallensteller, keine Jäger.«
Shyleen hob müde den Kopf und blickte ihn an, aber ihre Augen waren leer. Alles Leben schien daraus gewichen zu sein. Sie sah ihn an, aber Torian war sicher, daß sie ihn nicht erkannte. Diesmal erschrak er wirklich.
»Was ist mit ihr?« fragte er.
Garth zuckte mit den Achseln und blickte erneut zum Stollen zurück, ehe er antwortete. Offensichtlich war er sowenig von seinem Wissen über ausgestorbene Riesenspinnen überzeugt wie Torian. »Ich weiß es nicht«, sagte er schließlich. »Ihr Zustand hat sich verschlechten:, kaum daß du weggegangen warst. Das war auch der Hauptgrund, aus dem ich dir gefolgt bin.« Er deutete mit einer Kopibewegung auf sie hinunter. »Sie hat eine üble Platzwunde am Hinterkopf. Muß wohl auf einen Stein geschlagen sein, als sie vom Pferd fiel.«