Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Das Baarl!
Und jetzt endlich begriff Torian den Plan Shyleens!
Die Nacht zerriß, als die beiden dämonischen Ungeheuer aufeinanderprallten, mit einem Brüllen, das die Welt in ihren Grundfesten zu erschüttern schien.
Die beiden dämonischen Kreaturen entstammten der gleichen uralten Magie und stießen aufeinander wie zwei gleiche Pole eines Magneten. So wie Feuer Feuer löschen konnte, indem sich die Flammen gegenseitig verzehrten, vernichteten sich die beiden uralten Kreaturen gegenseitig im Bruchteil einer Sekunde. Ein gleißendes Licht flammte in der Schwärze auf, so grell und verzehrend wie im Herzen einer Sonne. Es verbrannte das Baarl im Bruchteil einer Sekunde, aber der einmal begonnene Prozeß ließ sich nicht mehr stoppen. Das Licht breitete sich weiter aus, brannte und fraß sich immer tiefer in das schwarze Wallen des dämonischen Gottes hinein.
Und das Licht zerriß auch die Schwärze, die ihn eingehüllt hatte. Plötzlich konnte er wieder sehen, sehen, hören und fühlen, wenn auch auf gänzlich andere Art als gewohnt. Für die Dauer eines Herzschlages sah er die Opferhalle unter sich, seinen eigenen reglosen Körper auf dem Altar, hatte wieder das Gefühl zu fallen, so schnell, als würde er in die Tiefe gerissen, dann war es vorbei. Er sah wieder mit seinen eigenen Augen, spürte die Kälte des Steins und die Fesseln, die in seine Haut schnitten.
Shyleen hatte sich über ihn gebeugt und zerschnitt die Schnüre mit einem Messer. Das Blut schoß kribbelnd in seine Hände und Füße. Torian stützte sich auf und verlor den Halt, als seine Arme unter dem Gewicht seines Körpers einknickten. Hilflos stürzte er vom Altar hinunter und blieb stöhnend liegen. Eine unsichtbare Ameisenarmee schien unter seiner Haut entlangzumarschieren, als das Leben in seine tauben Glieder zurückkehrte.
In der Halle tobte das Chaos.
Erdstöße erschütterten in rascher Folge den Boden, leichte Beben nur, wie das Zucken von Fleisch, das der Stein in Wirklichkeit war und in das er sich zurückverwandelte, aber sehr schnell und fast konvulsivisch, als litte der Berg entsetzliche Schmerzen. Doch die Beben nahmen rasch an Kraft zu. Die Priester – Torian sah jetzt, daß es mehrere hundert sein mußten – waren schreiend aufgesprungen und drängten auf das Portal zu. In ihrer Panik behinderten sie sich gegenseitig. Einige wenige Krieger, die noch nicht geflohen waren, versuchten wenigstens, etwas Ordnung in das Chaos zu bringen. Sie wurden einfach niedergerannt.
»Garth«, stöhnte Torian. Mühsam zog er sich an der Kante des schwarzen Altarsteines in die Höhe und wankte auf den Dieb zu, der noch immer in Trance auf dem zweiten Altar lag.
Sein Atem ging in schnellen, keuchenden Stößen; namenloser Schrecken verzerrte sein Gesicht. Die Augen lagen wie tote Glasmurmeln in den Höhlen. Er war nicht bei sich, aber er war auch nicht bewußtlos, sondern schien wie Torian zuvor in einem entsetzlichen Reich zwischen den Wirklichkeiten gefangen. Und der Ausdruck in seinen Augen sagte ihm, daß er das gleiche durchmachte. Vielleicht Schlimmeres.
»Komm!« schrie Shyleen. In ihrer Stimme schwang nackte Panik. »Es ist zu spät! Du kannst ihm nicht mehr helfen.«
Torian riß ihr das Messer aus der Hand und versetzte ihr einen groben Stoß, als sie ihn wegzuzerren versuchte. Wie besessen säbelte er an Garth’ Fesseln herum. Die Schnüre waren dünn, aber außerordentlich zäh; ein paarmal glitt sein Messer ab und fügte Garth tiefe, blutende Schnitte zu. Aber der Dieb reagierte nicht einmal auf den Schmerz.
Endlich hatte er es geschafft und wuchtete sich den leblosen Körper auf die Schultern. Garth war fast doppelt so schwer wie er, aber die Angst verlieh Torian zusätzliche Kräfte.
Wieder erschütterte ein Erdstoß die Halle. Einer der mächtigen Pfeiler, die das Kuppeldach stützten, zersplitterte wie Glas. Gesteinsbrocken lösten sich von der Decke und begruben mehr als ein Dutzend Menschen unter sich. Kaum hatten sie den Boden erreicht, zerflossen die Trümmer wie zäher Sirup und krochen auf die Überlebenden zu. Torian sah rasch weg. Er wollte gar nicht wissen, was hier geschah.
Das Portal war gewaltig, breit genug, daß zehn Männer nebeneinander hindurchschreiten konnten, aber die Panik löschte jedes klare Denken aus. Jeder versuchte gleichzeitig der Hölle zu entkommen, und nur die wenigen Priester, die in den hinteren Reihen gesessen hatten, schafften es tatsächlich. Die Flügel des Portals waren nach innen geöffnet, und unter dem Druck der Menge schwangen sie jetzt langsam wieder zu; zerquetschten Körper und rasteten schließlich ein. Immer noch drängten die Menschen von hinten nach und verhinderten, daß das Portal wieder geöffnet werden konnte.
Ein neuer Erdstoß traf die Halle, und diesmal war er so hart wie der Hieb eines Schmiedehammers. Risse durchzogen den Boden, rasten wie schwarze eckige Schlangen auf die Menschen zu und ließen sie in klaffende Krater stürzen, bevor die Erde sich wieder schloß. Die Erschütterungen schnitten wie gezackte Blitze in die Wände und ließen sie zerbersten. Wie eine gigantische Hand neigte sich eine Mauer auf die Priester hinunter, verwandelte sich in protoplasmisches Fleisch und krümmte sich zu einer Faust, die die Menschen mit einem Mantel aus Schwärze und ewigem Schweigen umschloß. Einige taumelten noch wie unförmige gräßliche Ungeheuer ein paar Schritte weit, bevor sie zusammenbrachen und in der schwarzen Masse versanken. Kaum zwei Meter vor Torian und Shyleen zerbarst ein Felsbrocken mit peitschendem Knall auf dem Boden und verwandelte sich in schwarzen Schlamm, der ihm schlangengleich entgegenzüngelte, schwarzes, zerfallendes Fleisch, das noch im Todeskampf alles vernichtete, dessen es habhaft werden konnte. Der Tempel starb. Aber er starb nicht allein.
»Weg hier!« kreischte Shyleen. Sie packte ihn am Arm. Diesmal sträubte Torian sich nicht mehr. Er wankte hinter ihr her auf einen Vorhang hinter den Altären zu, unter Garth’ Zentnerlast fast zusammenbrechend und keuchend vor Anstrengung. Shyleen schlug den Stoff zur Seite. Eine schmaler Durchgang wurde dahinter sichtbar. Torian wankte hinter der Priesterin her und erreichte einen Korridor, während hinter ihm das Sterben seinen Fortgang nahm. Garth’ Körper schien mit jeder Sekunde schwerer zu werden. Torian wußte selbst nicht mehr, wie er es schaffte, immer noch einen Fuß vor den anderen zu setzen und weiterzugehen.
Immer wieder erbebte die Erde, ein letztes Aufbäumen des sterbenden Giganten, der nach Äonen geduldigen Wartens nun den Tod kennenlernte. Die Wände pulsierten, und Torian brauchte sie nicht zu berühren, um zu wissen, daß sie sich gleich dem Boden nachgiebig und zäh wie klebriger Morast anfühlen würden. An einigen Stellen waren sie durchscheinend wie dünne Hautlappen geworden, an anderen begannen sie zu glühen unter der Macht des feurigen Lichtes, das den Körper des Dämonen von innen heraus verzehrte. Flammen leckten wie gierige Zungen aus dem Gestein. Menschen hasteten schreiend über den Gang; viele von ihnen waren Frauen in seltsamen Gewändern, doch es befanden sich auch Priester, Krieger und andere Männer unter ihnen. Erst jetzt begann Torian zu ahnen, wie groß der Tempel wirklich war. Es war nicht einfach nur ein Tempel, sondern eine Stadt, Heimstatt für viele hundert, wenn nicht gar Tausende Menschen, die abgeschlossen von der Außenwelt in seinen Mauern lebten.
Und sie alle traf die Katastrophe aus heiterem Himmel. Sie hatten den Versprechen der Schwarzen Magier geglaubt und begriffen erst jetzt, wie grausam man sie getäuscht hatte.
Immerhin gab ihnen diese Panik eine Chance – niemand nahm Notiz von Torian, die Menschen dachten nur noch an Flucht, um wenigstens ihr Leben retten zu können.
Shyleen war ein Stück vorausgeeilt, und er befürchtete schon, sie würde ihn im Stich lassen. Er hatte seine Aufgabe erfüllt und war wertlos für sie geworden, nicht mehr als ein hinderliches Anhängsel, da er sich durch seinen Versuch, auch Garth zu retten, viel langsamer als sie bewegte. Er wunderte sich selbst, als er sah, wie sie stehenblieb und auf ihn wartete.