Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Die Kreatur stieß einen hohen, halb zischenden, halb fauchenden Laut aus, kam gemächlich näher gekrochen und verhielt. Ihre blitzenden Facettenaugen musterten Torian mit einem Ausdruck, der eine fast menschliche Neugier zu beinhalten schien. Als sie ihr Maul öffnete, züngelte ein dünner Schlauch mit einwärts gebogenen Widerhaken hervor wie eine monströse Zunge: der Säugrüssel des Ungeheuers. Plötzlich verstand Torian, was die drei Skelette, die er gefunden hatte, so überaus penibel gesäubert hatte. Etwas, das er in wenigen Augenblicken am eigenen Leibe kennenlernen würde, wenn kein Wunder geschah.
Torian schrie noch immer wie von Sinnen, auch wenn er wußte, daß Garth ihn unmöglich hören konnte. Das massive Gestein verschluckte jeden Laut, und wenn doch etwas bis zum Eingang der Höhle vordringen sollte, so wurde es vom Lärm des Sturmes übertönt. Nein – Hilfe durfte er keine erwarten. Er hatte alle Warnungen seines Verstandes mißachtet und war blindlings in die Falle der Spinne gelaufen.
Mühsam kämpfte er die Panik zurück, hörte auf, sich gegen das Netz zu stemmen, und versuchte sich zu erinnern, was er über Blutspinnen wußte. Viel war es nicht – eigentlich kaum mehr, als daß sie als ausgestorben galten. Nun, das mochte durchaus daran liegen, daß es nur wenige Menschen gab, die eine Begegnung mit ihnen überlebten und davon berichten konnten. Den größten Teil ihres Lebens verbrachten Blutspinnen in tiefem Schlaf. Sie lebten fast nur in unterirdischen Höhlen und krochen wie Schildkröten in ihren nahezu unzerstörbaren Panzer, wenn sie sich bedroht fühlten. Nur wenn ein Opfer zufällig in ihre unmittelbare Nähe geriet oder sich gar ein Idiot wie er in ihrem Netz verfing, erwachten sie, töteten ihre Beute und verfielen anschließend wieder in manchmal jahrelangen Tiefschlaf.
Sein dürftiges Wissen nutzte Torian nichts, denn leider hatte er wenig darüber erfahren, wie man Blutspinnen abschrecken oder gar töten konnte. Wenn man es überhaupt konnte. Und je länger Torian das häßliche Ungeheuer anstarrte, desto mehr bezweifelte er dies. Selbst wenn er nicht in diesem verdammten Netz gefangen gewesen wäre und sein Schwert und seine volle Bewegungsfreiheit gehabt hätte, wären seine Chancen eher erbärmlich gewesen, diese Bestie zu töten...
Und dazu kam noch etwas.
Wenn er einen schwachen Punkt hatte, etwas, das stärker war als jedes klare Denken, so waren es Spinnen. Er haßte sie, haßte sie wie die Pest und mit jeder Faser seiner Seele. Es war keine gewöhnliche Furcht, sondern schlichte, grundlose panische Angst, die sein Denken lahmte. Schon eine normale Spinne ließ ihn vor Ekel schaudern. Der Anblick der hundertfach größeren – und entsprechend gefährlicheren – Blutspinne trieb ihn an den Rand des Wahnsinns. Etwas in ihm erstarrte beim Anblick des widerlichen Tieres zu Eis.
Noch einmal zerrte er mit aller Kraft an den Maschen, um seine Schwerthand wenigstens ein bißchen freier bewegen zu können. Die Fäden dehnten sich wie zähes Gummi, und für einen Moment flackerte noch einmal die Hoffnung in ihm auf, sie überdehnen und zerreißen zu können. Aber er schaffte es nicht. Die Kraft für den letzten, entscheidenden Ruck fehlte. Nach einigen Sekunden mußte er erschöpft aufgeben.
Währenddessen starrte ihn die Blutspinne unverwandt an, auf eine Art und Weise, als amüsiere sie sich über seine sinnlosen Anstrengungen. Fast glaubte Torian, in ihren Augen so etwas wie boshafte Intelligenz funkeln zu sehen. Dann kam sie – ganz langsam – näher, blieb wieder stehen und machte einen weiteren Schritt. Zögernd streckte sie einen Fühler aus und berührte ihn beinahe sanft, tastete wie prüfend über seinen Körper und stieß erneut dieses schreckliche zischelnde Fauchen aus, während sie weiterkroch und sich langsam über ihn schob.
Der Anblick brachte Torian fast um den Verstand. Allein der Gedanke, daß es sich bei dem sanften Tasten um die Berührung eines Spinnenfühlers handelte, ließ unbeschreiblichen Ekel in ihm aufsteigen. Wie besessen wand er sich hin und her, schlug und trat um sich, soweit es die Fäden zuließen, ohne auch nur zu begreifen, daß er sich dadurch noch hilfloser machte. Immer noch schrie er so laut und gellend, wie er nur konnte, und registrierte fast verwundert, daß er immer noch nicht über den schmalen Grat gestürzt war, der ihn noch vom Wahnsinn trennte.
Die alptraumhafte Kreatur stand jetzt direkt über ihm. Das Fell ihrer Beine streifte sein Gesicht, und diese Berührung allein reichte fast aus, ihn verrückt werden zu lassen: sie war weich und sanft wie das Streicheln von Katzenfell, gleichzeitig aber auch unbeschreiblich ekelhaft. Die Spinne öffnete das Maul und entblößte erneut den furchtbaren Rüssel, von dessen Ende eine wasserklare, ätzend riechende Flüssigkeit herabtropfte. Wie eine schuppige augenlose Schlange bewegte er sich vor Torians Gesicht auf und ab, schien nach einer Stelle zu suchen, an der er in den Körper seines hilflosen Opfers eindringen und sein ätzendes Gift versprühen konnte.
Aber das Ungeheuer griff nicht an.
Statt dessen klafften einige Schuppen an seinem Leib auseinander. Ein dolchspitzer Stachel glitt wie ein Speer dazwischen hervor. Auch an seinem Ende glitzerte ein Tropfen jener wasserhellen, nach Säure und Tod riechenden Flüssigkeit.
Torians Schrei brach ab, als das Entsetzen ihm die Kehle zuschnürte. Wie hypnotisiert starrte er auf den schwarz glänzenden Stachel und schloß schließlich die Augen.
Das also ist das Ende! dachte er. Er war beinahe dankbar. In den letzten Sekunden hatte er begriffen, daß es durchaus Dinge gab, die schlimmer waren als der Tod. Viel schlimmer.
Mit spielerischer Leichtigkeit drang der Stachel durch sein stählernes Kettenhemd und bohrte sich dicht über dem Herzen in seine Brust.
Es tat nicht einmal weh. Torian fühlte die hornige Spitze, die wenige Zentimeter tief in seine Haut und dann sein Fleisch eingedrungen war, biß die Zähne zusammen und wartete darauf, daß der Schmerz begann, der unweigerlich kommen mußte, wenn das ätzende Gift der Riesenspinne sein Fleisch auflöste, vielleicht auch – wenn das Schicksal gnädig war –, daß es seinem Leben mit einem kurzen, heftigen Stich ein Ende setzte.
Doch nichts von alledem geschah. Einige endlos lange Sekunden verharrte die Blutspinne völlig bewegungslos über ihm, als wäre sie erstarrt. Dann glitt der Stachel wieder aus seinem Fleisch heraus, abermals ohne daß er auch nur den mindesten Schmerz spürte.
Vorsichtig hob Torian die Lider – und blickte genau in die starren Facettenaugen des Tieres. Wieder wollte er schreien, doch etwas Körperloses schien mit dem Blick der übergroßen Augen in seinen Geist zu kriechen und ihn...
»Torian!«
Mit einem wütenden Fauchen hob die Spinne den Kopf und prallte zurück, als der Schrei durch den steinernen Gang hallte. Mit dem Schwert in der einen und einer Fackel in der anderen Hand bog Garth um die Krümmung.
Er erstarrte, als er die gigantische Kreatur erblickte, doch seine Lähmung währte kaum einen Herzschlag lang. Mit einem gellenden Kampfschrei auf den Lippen und mit gesenkten Schultern wie ein angreifender Stier sprang er vor und stieß mit Fackel und Schwert gleichzeitig nach dem riesigen achtbeinigen Tier.
Die Blutspinne wich weiter zurück. In maßloser Wut peitschten ihre Fühler durch die Luft. Aber sie griff nicht an, obwohl selbst ein Riese wie Garth kaum ein ernst zu nehmender Gegner für sie gewesen wäre. Das unerwartete Auftauchen eines zweiten Gegners schien sie zu verwirren. Ein paarmal schlug sie mit ihren Fühlern und Beinen in Garths Richtung, doch waren das keine entschlossenen Angriffe, sondern Warnungen. Was Torian über diese Tiere gehört hatte, schien zu stimmen – sie waren groß und ungeheuer stark, aber nicht sonderlich mutig.