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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Torian zog es vor, den Gedanken nicht weiter zu verfolgen, hob Shyleen statt dessen hoch und taumelte hinter Garth her. Wie ein letzter bösartiger Hieb traf ihn eine weitere Bö und schleuderte ihn mehr durch den Felsriß, als daß er aus eigener Kraft ging. Keuchend sank er dicht hinter dem Höhleneingang in die Knie, kämpfte einen Moment lang vergeblich um sein Gleichgewicht und spürte kaum noch, wie ihm Garth seine reglose Last abnahm.

Es dauerte lange, bis sich sein hämmernder Pulsschlag wieder so weit beruhigt hatte, daß er die Kraft aufbrachte, sich umzusehen. Viel war es allerdings nicht, was er erkannte; die Dunkelheit hier drinnen war fast vollkommen. Die Höhle war größer, als er erwartet hatte. Ein Hohlraum von mehr als zwanzig Fuß Breite und gut zehn Fuß Höhe, der sich wie ein Schlauch in den Hügel hineinwand und dabei verengte, ehe er in Ungewissem Dunkel verschwand. Sie fanden nicht nur selbst darin Schutz, sondern auch die Pferde. Torian fragte sich beunruhigt, ob sie wohl die einzigen waren, die in diesem Felsriß Schutz vor dem Orkan gesucht hatten. Ganz instinktiv tastete seine Hand nach dem Schwert an seiner Seite.

Das Toben des Sturmes war hier nur noch als gedämpftes Heulen zu vernehmen, aber wie zum Ausgleich begann der Boden unter ihnen nun ganz leicht, aber in schnellem Rhythmus zu vibrieren. Der Orkan war heftig genug, die ganze Küste zu erschüttern. Torian war plötzlich fast froh, daß sie nicht in Armar waren. Er war nicht mehr sicher, ob die Stadtmauern einem solchen Sturm trotzen konnten...

Garth legte Shyleen wenig sanft auf dem Boden ab, zog eine Fackel aus den Satteltaschen und entzündete sie, während sich Torian um die Bewußtlose kümmerte. Ihr Arm blutete noch immer heftig, aber die Wunde sah schlimmer aus, als sie in Wirklichkeit war. Sie hatte sich einen langen, aber nicht besonders tiefen Riß zugezogen, der rasch heilen und vermutlich nicht einmal eine Narbe zurücklassen würde. Aber das war nur eine von zahllosen kleinen Wunden, und ihr Allgemeinzustand war schlecht.

»Gib mir etwas Brennmoos«, bat er. »Wir müssen die Wunde reinigen.«

Garth reichte ihm einige Stränge der grauen Masse. Torian zog sie mit spitzen Fingern auseinander, beugte sich über Shyleen und preßte das Moos auf die Wunde.

Der Schmerz war stark genug, Shyleen aus ihrer Ohnmacht zu reißen. Stöhnend schlug sie die Augen auf und versuchte instinktiv, seine Hand abzustreifen. Ihr Gesicht war grau vor Schmerz und Erschöpfung. Sie sah plötzlich sehr viel älter aus, als sie war. »Bleib liegen«, sagte Torian und drückte sie mit der freien Hand auf den Boden zurück. »Der Schmerz läßt gleich nach. Es muß sein.«

Shyleen nickte und biß die Zähne zusammen. Wieder mußte Torian ihre Kraft bewundern. Das Brennmoos trug seinen Namen wirklich zu Recht. Es gab kaum etwas Besseres, eine Wunde zu reinigen und Brand oder Entzündungen zu verhindern, aber er wußte auch aus eigener Erfahrung, wie sehr seine Berührung schmerzte. Trotzdem gab Shyleen nicht den kleinsten Laut von sich. Erst als er fertig war und aus einem Streifen Stoff einen behelfsmäßigen Verband anlegte, atmete sie hörbar auf.

»Endlich fertig, du Schlächter?« stöhnte sie. Sie versuchte zu lächeln, aber es mißlang kläglich. »Warum bist du nicht Heilkundiger geworden, wenn es dir solchen Spaß macht, hilflose junge Mädchen zu quälen?«

Torian lächelte pflichtschuldig, streifte seinen Umhang von den Schultern und legte ihn zusammengerollt unter Shyleens Kopf, ehe er aufstand und zum Ausgang der Höhle zurückging.

»Das hätten wir uns alles sparen können, wenn ihr auf mich gehört hättet«, brummte Garth.

Torian antwortete nichts, sondern blickte schweigend in den Regen hinaus. Das Unwetter war noch schwerer geworden. Der Regen war in Hagel übergegangen; taubeneigroße Körner, die beim Aufprall kleine Krater in die schlammige Erde rissen und einen neuen Ton in das Konzert des Orkanes brachten: ein dumpfes, rasendes Hämmern wie Huf schlag. Torian schauderte, als ihm abermals klar wurde, welches Glück sie gehabt hatten. Ungeschützt hätten sie diesen Hagelsturm kaum unverletzt überstanden. Möglicherweise gar nicht. Der Sturm fegte über die Hügel, entwurzelte Büsche und sogar ganze Bäume. Blitz auf Blitz zuckte vom Himmel und zerriß die Dunkelheit. Fast ununterbrochen grollte der Donner, so laut, daß Torian glaubte, die Erde beben zu spüren. Es klang wie das Brüllen eines zornigen Drachen.

Gedankenverloren starrte er in die tobenden Gewalten hinaus und zuckte zusammen, als sich eine Hand auf seine Schulter legte. Er hatte Garth nicht einmal kommen hören.

»Ich habe schon manches Küstengewitter erlebt«, sagte Garth kopfschüttelnd. Er mußte schreien, um sich überhaupt verständlich zu machen. »Aber das hier übertrifft alles, was ich bisher gesehen habe. Verdammt, ich glaube, die Welt geht unter.«

Torian wandte sich um. Begriff Garth denn nicht, daß er sich nicht unterhalten wollte? »Wir müssen ein Feuer machen«, sagte er. »Ich sehe nach, ob ich etwas Brennbares finde.«

Hastig entzündete er eine weitere Fackel und trat einige Schritte tiefer in die Höhle hinein. Es war nicht mehr als eine Flucht, und er versuchte nicht mal sonderlich geschickt, das zu verbergen. Auf dem Boden lag genug trockenes Holz und Reisig, doch in Wahrheit ging es ihm gar nicht um Brennmaterial. Er wollte einfach nur ein paar Minuten allein sein. Garth hatte mit seinem Vorwurf recht, aber Torian war zu stolz, seinen Fehler einzugestehen. Er hatte Armar so schnell wie möglich erreichen wollen, doch jetzt, wo das Ziel in greifbarer Nähe lag, wünschte er sich plötzlich, noch weit, weit entfernt zu sein. Im Grunde war die Hafenstadt gar kein Ziel, sondern nur eine Zwischenstation. Sein Leben bestand nur aus Flucht, so weit er sich erinnern konnte. Zumindest, so weit er sich erinnern wollte. Wie hatte Garth erschrocken gesagt, als er erkannt hatte, mit wem er es zu tun hatte? Torian Carr Conn, der berüchtigste Killer im Umkreis von zehntausend Meilen!

Er hatte das Entsetzen, das bei diesen Worten in seinem Blick gewesen war, nicht vergessen.

Die Höhle verengte sich rasch zu einem schmalen Stollen, der in vielen Windungen tiefer in den Hügel hineinführte. Ein paarmal glaubte Torian aus den Augenwinkeln heraus huschende, blitzartige Bewegungen wahrzunehmen, doch sobald er genauer hinsah, stellte er fest, daß es sich nur um das Fackellicht handelte, das sich an Kanten und Vorsprüngen brach und ihm einen Streich spielte. Seine Nerven waren überreizt, und der anstrengende Ritt hatte auch ihn stärker erschöpft, als er sich bislang einzugestehen bereit gewesen war. Aber viel schlimmer als die körperliche Erschöpfung war die Müdigkeit in seinem Inneren, der Wunsch, sich endlich irgendwo in Frieden niederlassen zu können.

Frieden...

Torian lachte, sehr leise und sehr sehr bitter. Offenbar hatten die Götter ihm ein anderes Schicksal zugedacht.

Der erste Abschnitt seiner Flucht hatte ein Ende gefunden, als er sich als Söldner für das scroothische Heer anwerben ließ. Aber seine Abteilung war vernichtet worden, und er hatte sich mit Garth zusammengetan, dem einzigen Überlebenden auf tremonischer Seite, ein Mann, der sein Feind gewesen war und von dem er sich wünschte, daß er jetzt sein Freund war. Garth, genannt »Die Hand«, ein steckbrieflich gesuchter Dieb. Gemeinsam hatten sie die Flucht fortgesetzt; erst vor den Kriegstreibern beider Länder und, seit sie Shyleen aus dem Tempel des Toten Gottes befreit hatten, auch vor den Schwarzen Magiern.

Bei ihren menschlichen Haschern würden sie irgendwann in Vergessenheit geraten, aber die Magier würden sie bis zu ihrem Tode jagen, das war ihm klar. Und vielleicht noch darüber hinaus. Ihre einzige Chance bestand darin, möglichst weit aus diesem Teil der Welt zu fliehen, wenn sie nicht Selbstmord begehen wollten.

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