Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Einen knappen Schritt hinter ihm zerbarst die Wand mit einem gewaltigen Schlag. Eine weißglühende Lohe schoß brüllend aus der gezackten Wunde, in die sich der scheinbar so massive Fels verwandelte, traf seinen Rücken wie ein Faustschlag und schleuderte ihn nach vorne. Torian brach zusammen, wurde halb unter Garth’ Gewicht begraben und kroch verzweifelt weiter, um der sengenden Glut zu entgehen, die seine Kleidung schwelen ließ. Seine Hände versanken bis zu den Gelenken in der teerigen Masse, doch er war schon zu erschöpft, um noch Ekel zu empfinden.
Er versuchte, sich wieder auf die Beine zu stemmen, aber seine Glieder versagten ihm den Dienst. Er war am Ende seiner Kräfte. Mühsam wälzte er den reglosen Körper des Diebes von sich. Er wußte nicht einmal, ob Garth überhaupt noch lebte. Er hatte für Garth getan, was er konnte, nun konnte er nur noch versuchen, sein eigenes Leben zu retten.
Plötzlich war Shyleen neben ihm. Sie schrie etwas, doch das ungeheure Brüllen und Fauchen der Flammen machte jede Verständigung unmöglich. Sie ergriff seine Hand und riß ihn mit einem Ruck auf die Beine.
Ein Krieger rannte vorbei. Shyleen bekam seinen Arm zu packen. Der Mann wollte sich losreißen, doch sie hielt ihn fest und zwang ihn, sie anzusehen. Ihr Blick bohrte sich in den des Mannes. Und irgend etwas darin erlosch.
Wortlos hob er Garth auf und lud ihn sich auf die Schultern. Er schien sein Gewicht nicht einmal zu spüren.
Sie eilten weiter. Garth’ Gewicht schien dem Krieger nichts auszumachen, scheinbar mühelos hielt er mit ihrem Tempo Schritt. Aber Torian wußte, daß es allein an Shyleens Bann lag, der alle Kräfte im Unterbewußtsein des Mannes mobilisierte; Kräfte, auf die ein Mensch kurzfristig zurückgreifen konnte, für die er aber einen hohen Preis zahlen mußte. Der Krieger würde sterben.
Der Gedanke berührte ihn kaum. Er hatte zu viele Menschen in den letzten Minuten sterben sehen.
»Hier lang!« befahl Shyleen und deutete auf eine Abzweigung. Sie drangen in einen Gang ein, der so schmal war, daß sie nur hintereinander laufen konnten. Torian taumelte immer weiter durch den zuckenden Berg, blind vor Furcht und Angst und Erschöpfung. Manchmal bäumte sich der Boden auf wie ein Boot auf stürmischer See, so daß sie nur noch auf Händen und Füßen weiterkriechen konnten. Überall um sie herum tobten Flammen. Mannshohe zerborstene Trümmerstücke und glühende Feuerbarrieren versperrten ihnen immer wieder den Weg und zwangen sie mehr als einmal, umzukehren und einen neuen Weg zu suchen. Die Hitze stieg ins Unerträgliche.
Längst schon bewegten sie sich nicht mehr durch Gänge und Gebäude aus Fels. Um sie herum war nur noch das brennende Fleisch der gigantischen Kreatur. Torian begriff nicht, wieso sie selbst noch lebten. Shyleen mußte sie auf irgendeine Art schützen, mit der Kraft einer Magie, an die er sich immer noch zu glauben weigerte.
Irgendwann gelangten sie ins Freie, aber die Hitze holte sie selbst hier draußen noch ein. Sie schleppten sich über einen felsigen Pfad in das Tal hinunter, bis Torian schließlich nicht mehr konnte und sich im Schutz eines großen Felsens zu Boden sinken ließ. Sein letzter Blick galt der monströsen Kreatur des Tempels.
Der Berg stand in Flammen, ein unförmiger, unvorstellbar großer Leichnam, der sich noch ein letztes Mal mit einem urwelthaften Brüllen aufbäumte und dann zusammenbrach; alles, was sich noch in seinem Inneren befand, unter sich begrabend. Selbst der Himmel über dem Gebirge schien Feuer gefangen zu haben; färbte sich rot im Widerschein des gewaltigen Brandherdes, und die wenigen Wolken sahen aus wie blutgetränkte Wattebäusche.
Der Berg brannte immer noch, als die Sonne aufging, und Torian wußte auch, daß er noch lange brennen würde. Es war kein normales Feuer, so wenig, wie irgend etwas in diesem Tal normal war. Die Flammen würden nicht eher verlöschen, bis sie den Körper des Dämons vollkommen aufgezehrt hatten.
Neben ihm lagen Shyleen, zusammengekauert wie ein kleines Kind, und einige Schritte entfernt Garth und der Mann, der ihn getragen hatte. Der Krieger war tot.
Torian kroch zu dem Dieb hinüber und berührte seine Hand. Garth’ Haut fühlte sich trocken an, so heiß und rissig wie schwelendes Pergament. Zeichen des Fiebers, das auch in seinem Körper wühlte.
Das Fieber würde er überstehen. Seine Verletzungen waren nicht sehr ernst, und Garth war stark. Nein, das war es nicht, was Torian erschreckte. Die schlimmste, tiefste Wunde war unsichtbar. Es war Stunden her, seit sie den brennenden Tempel verlassen hatten. Aber in seinen Augen war noch immer kein Funken von Leben zu erkennen. Auf seinem Gesicht lag der dümmliche Ausdruck eines Idioten.
»Er ist tot«, sagte eine leise Stimme. Torian hatte die Priesterin nicht einmal kommen gehört. Er hatte nicht einmal bemerkt daß sie aus ihrer Starre erwacht war. Es interessierte ihn auch nicht. Er sah nicht auf.
»Sein Körper lebt, aber es ist nicht mehr als eine leere Hülle. Sein Geist ist ausgebrannt, Torian. Vernichtet. Er hatte nicht deine Widerstandskraft, die Verschmelzung mit dem Dämon zu überstehen.« Sie sprach kalt, ohne jedes echte Gefühl in der Stimme. Torian schüttelte den Kopf.
»Das ist nicht wahr«, flüsterte er.
Es durfte nicht wahr sein. Es war nicht richtig, daß er lebte, während Garth tot sein sollte. Tot! Das Wort hallte in seinem Geist wider, ohne daß er seinen Sinn wirklich begreifen konnte. Er weigerte sich einfach.
»Du mußte ihm helfen«, sagte er leise. Er sah Shyleen jetzt doch an, und sein Blick war fast flehend. »Wozu bist du die Tochter eines Magiers?«
Shyleen schüttelte den Kopf. »Ich kann es nicht«, erklärte sie. »Dazu wäre eine Magie nötig, die viel stärker als meine ist. Ein Schwarzer könnte es vielleicht, aber nicht einmal das...«
»Dann suchen wir einen!« sagte Torian. »Garth ist mein Freund, verstehst du, mein Freund.« Er schüttelte den Kopf, suchte nach Worten, die den entsetzlich kalten Schmerz in seinem Inneren wirklich auszudrücken vermochten, und fand keine.
»Nein, natürlich verstehst du das nicht«, sagte er schließlich. Seine Stimme wurde bitter. »Du weiß ja nicht einmal, was Freundschaft ist. Aber wenn es einen Weg zu seiner Rettung gibt, dann werde ich ihn finden, und wenn ich dazu bis in die entferntesten Winkel von Caracon kriechen müßte.«
Shyleen gab keine Antwort, sondern sah ihn nur einige Sekunden lang stumm und beinahe mitleidig an, dann wandte sie sich abrupt um.
»Warte hier«, sagte sie, als sie einige Schritte weit gegangen war. »Ich habe schon gestern Pferde und Proviant für uns versteckt.«
Torian starrte ihr nach, als sie in das Tal hinabschritt, und versuchte Klarheit über seine Gefühle ihr gegenüber zu gewinnen. Sie hatte ihn mißbraucht und trug die Schuld an Garth’ Schicksal. Er müßte sie abgrundtief hassen, aber es gelang ihm nicht; nicht wirklich. Er konnte sie nicht einmal verachten. Letztlich war sie selbst nur Opfer in einem anderen, viel gewaltigeren Spiel, auch wenn sie das noch nicht erkannt hatte und niemals zugeben würde.
Er stemmte sich hoch. Trotz der Hitze, mit der das Höllenfeuer den Talkessel noch immer erfüllte, wurde ihm plötzlich kalt. Sehr kalt.
Die Katakomben der letzten Nacht
(Mit Dieter Winkler)
Der Himmel sah aus wie eine schmutzige Wolldecke, grau und zerknittert und so tief, daß man meinte, ihn anfassen zu können, wenn man nur den Arm ausstreckte. In der Luft lag der schwere Geruch eines bevorstehenden Gewitters. Dunkle Wolken ballten sich weit draußen über dem Meer zusammen. Der Wind nahm zu, in wenigen Minuten würde er zum Sturm werden. Haushohe Brecher schmetterten mit solcher Wucht gegen die Klippen, daß die Gischt fast bis zur Uferstraße hinaufspritzte. Es war kalt. Der Sturm hatte die Möwen vom Himmel gewischt. Selbst das Licht wirkte grau.
Besorgt sah Torian auf das Meer hinaus, wo sich immer gewaltigere Wolkengebirge auftürmten, die den Tag schon am frühen Vormittag zur Nacht werden ließen. Selbst hier, noch Meilen vom Zentrum des Sturmes entfernt, begannen die Schatten schon finsterer zu werden.