Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Das Portal löste sich auf.
Hinter dem Wagen ertönte ein Stöhnen. Huma sprang mit kampfbereitem Schwert auf, wobei er einen schmerzhaften Stich im linken Bein fühlte. Als er heruntersah, erblickte er eine große Wunde, wo ihn während des Kampfes ein Breitschwert erwischt haben mußte.
Kaz erreichte die stöhnende Gestalt als erster. Es war Buoron, der halb unter dem Wagen lag. Sein linker Arm war blutüberströmt, und in seinem Gesicht klaffte eine tiefe Wunde. Das Blut aus der Gesichtsverletzung hatte ihn für den Moment blind gemacht.
»Bist du schwer verletzt?« wollte Huma wissen.
»Meine Augen tun weh, und ich fürchte, daß ich keinem Bildhauer mehr Modell stehen kann, aber der einzige wirkliche Schmerz ist in meinem Arm. Ich bin froh, daß es nicht mein Schwertarm war. Ich fürchte, ich werde ihn wohl eine Weile nicht mehr benutzen können.« Noch während Buoron sprach, machte sich Kaz schon an seinen Wunden zu schaffen. Der Minotaurus war selbst mit unzähligen, kleineren Wunden bedeckt, doch sein eigener Zustand schien ihn nicht zu kümmern.
Huma nickte und hinkte langsam zur Vorderseite des Wagens. Er schielte über die Kante und erstarrte.
Magus! Wo war der Zauberer? Ohne auf die Schmerzen zu achten, sprang Huma vom Wagen und untersuchte die Toten. Alle trugen das Schwarz von Takhisis und ihren Befehlshabern. Die wenigen, die Magus’ Zauberkraft zu spüren bekommen hatten, waren leicht zu erkennen. Von Magus selbst hingegen keine Spur.
Am Waldrand sah Huma einen kleinen Stab zwischen den verstreuten Resten der Angreifer liegen. Er ging hinüber und hob ihn auf.
Der Stab vibrierte, so daß Huma ihn vor Überraschung beinahe fallen gelassen hätte. Die Überraschung wurde zu Staunen, als der Stab sich streckte und immer weiter wuchs, bis er größer wurde als Huma. Es war der Stab von Magus. Der Zauberkundige ging nie ohne seinen Stab.
Der Stab hatte genau unter der Stelle gelegen, wo das Portal gewesen war.
Magus war in der Gewalt von Galan Drakos.
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»Wir wissen nicht, ob er wirklich gefangen ist, Huma, und selbst wenn Galan Drakos ihn hat, wäre es für uns unmöglich, ihn zu retten. Sie werden ihn direkt in der Zitadelle des Abtrünnigen festhalten«, erklärte Kaz zum hundertsten Mal.
»Unsere größte Hoffnung liegt darin, die Drachenlanzen nach Burg Vingaard zum Großmeister zu bringen«, fügte Buoron hinzu.
Huma nickte. Sie hatten natürlich beide recht, aber seine Unfähigkeit, Magus – den er fast sein ganzes Leben lang kannte – zu beschützen, nagte an ihm.
Jetzt lenkte Buoron den Wagen. Sein verwundeter Arm lag in einer Schlinge. Huma saß bei den Lanzen, so daß er das Gelände hinter dem Trio im Blick hatte. Der Silberdrache hatte angeboten, Hilfe von seinen Artgenossen zu holen, und Huma hatte zugestimmt. Nachdem Crynus vernichtet war und die Schwarze Garde einen ungeordneten Rückzug angetreten hatte, fühlten die drei sich im Augenblick sicher. Insgeheim sehnte sich Huma beinahe nach einer zweiten Begegnung.
Die nächsten Tage verstrichen ohne Zwischenfall. Die Gefährten reisten nach Solamnia zur Burg Vingaard. Es gab Zeiten, wo Huma erwachte, weil er das Heulen der Schreckenswölfe zu hören glaubte, aber von denen gab es keine Spur mehr.
Während der ganzen Zeit war der Silberdrache nicht zurückgekehrt. Niemand hatte Lust, Vermutungen darüber zu äußern, obwohl alle drei annahmen, daß es etwas mit den unablässig vorrückenden Horden der Drachenkönigin zu tun hatte. Huma rief sich Crynus’ Worte ins Gedächtnis: daß die Ritter von Solamnia praktisch besiegt waren und daß Vingaard bald fallen würde. So gerne er etwas anderes glauben wollte, sah Huma doch den Funken Wahrheit darin.
Inzwischen waren sie weit im Nordwesten von Kargod. Huma erinnerte sich an Fürst Guido Avontal und betete, daß sie die Region durchqueren würden, ohne auf den ergodianischen Befehlshaber zu treffen. Nach seinem plötzlichen Verschwinden war Huma sich nicht sicher, wie Avontal ihn aufnehmen würde. Huma war sich auch nicht sicher, was die Ergodianer tun würden, wenn sie die Drachenlanzen entdeckten.
Eigentlich ging es gut voran, doch Huma war es noch nicht schnell genug. Das Böse von Takhisis hing drohend über seiner Heimat, und Huma fühlte sich ohnmächtig.
Seit einiger Zeit war das Gelände weit und offen. So kamen sie zwar leichter vorwärts, hatten aber auch weniger Deckung.
Zwei Tagesreisen vor der Grenze sichteten sie gegen Mittag eine Patrouille, die zu weit weg war, um sie zu identifizieren. Aber die Patrouille hatte die drei offenbar ebenfalls bemerkt, denn die Soldaten schlugen ihre Richtung ein und kamen schnell näher.
Kaz machte seine Streitaxt bereit. Huma sprang vom Wagen und zog sein Schwert. Buoron blieb auf dem Karren, zog aber ebenfalls sein Schwert und beobachtete das Nahen der Patrouille.
Der bärtige Ritter war der erste, der sie erkannte. Er sagte zu Huma: »Ergodianer. Ein Teil der Nordarmee, würde ich sagen.«
Flucht war unmöglich. Aber wie würden Ergodianer reagieren, wenn sie auf einen axtschwingenden Minotaurus und zwei Ritter trafen, deren Orden weitgehend für den Niedergang des einst so mächtigen Kaiserreichs Ergod verantwortlich war?
Der Anführer der Patrouille hob die Hand, als die Truppe die drei erreichte. Der schwere Mann mit dem kleinen Bart und dem schütteren, grauen Haar musterte jeden einzelnen eingehend, wobei sein Blick an Kaz hängenblieb, der entgegen seiner Natur versuchte, möglichst harmlos auszusehen. Humas Meinung nach versagte der Minotaurus völlig.
Der Ergodianer wandte sich zuerst an Buoron: »Du bist aus einem der Forts im Süden, richtig?«
»Das stimmt.« Beide Ritter waren auf der Hut. Dieser Anführer war ein guter Beobachter.
»Dein Ritterkollege nicht?«
Huma antwortete: »Mein Fürst, ich bin Ritter Huma vom Orden der Krone.«
»Aha«, sagte der Ergodianer mit ungefähr ebensoviel Interesse, als hätte man ihm erzählt, daß in der Steppe Gras wuchs. »Und das da? Wo kommt das her? Ich habe Gerüchte gehört…«
»Ich«, verkündete der Minotaurus stolz, »bin Kaz. Ich habe mich gegen meine alten Herren aufgelehnt und folge jetzt Huma, dem edelsten und tapfersten aller Ritter.«
Das hätte einen Teil der Ergodianer zum Lächeln verleitet, wenn sie Kaz’ finsteren Gesichtsausdruck übersehen hätten, der verriet, daß er jede Silbe wörtlich meinte.
»Außerdem bin ich ein Minotaurus und kein ›das da‹.«
»Aha.« Der Kommandant setzte sich behäbig im Sattel zurecht und wandte sich dann an Huma. »Ich bin Faran, und obwohl wir uns noch nicht begegnet sind, unterstehen meine Männer und ich gegenwärtig einem deiner Bekannten: Fürst Guido Avontal.«
Huma zuckte unwillkürlich zusammen.
»Ich sehe, daß du dich erinnerst. Ich habe den Auftrag, dich zu ihm zu führen, und ich werde kein ›Nein‹ akzeptieren.«
Huma sah seine zwei Gefährten an. Die Patrouille war in der Überzahl und umfaßte eine ganze Schar Bogenschützen. Widerstand wäre töricht gewesen. Solange sie lebten, bestand Hoffnung. »Wir nehmen deinen Geleitschutz gerne an.«
Faran grinste. »Das dachte ich mir.« Er winkte, und die Patrouille teilte sich. Jede Hälfte flankierte eine Seite des Wagens. Es gab kein Entkommen. »Wir haben eine volle Tagesreise vor uns, deshalb würde ich empfehlen, keine wertvolle Zeit mehr zu verschwenden.«
»Ich muß zugeben, daß mich dein plötzliches Verschwinden in jener Nacht ausgesprochen überrascht hat«, sagte Fürst Guido Avontal.
Die drei saßen allein vor dem Oberbefehlshaber in dessen Zelt.
»Ich habe die Umstände erklärt.«
»Ja, das hast du.« Fürst Avontal setzte seinen Kelch ab. Auch den Gefährten war Wein angeboten worden, doch sie hatten abgelehnt. »Ich hätte es selbstverständlich besser wissen müssen, aber als wir dieses Pestnest entdeckten, habe ich die Hilfe des Zauberers nur zu gern in Anspruch genommen.«