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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Die Köchin hörte mit der Herumlauferei auf und brachte es fertig, ihm ihre Schürze zu entreißen. »In Ordnung. Ist schon gut.« Sie hielt ihre Schürze in beiden Händen, band sie sich aber immer noch nicht um. »Aber wenn Ihr wollt, daß bis zum Mittag das Essen fertig ist, dann verschwindet jetzt aus der Küche und laßt mich arbeiten. Es ist vielleicht Eure Schenke, aber dies ist meine Küche. Es sei denn, Ihr wollt selbst kochen... « Sie tat so, als wolle sie ihm die Schürze reichen.

Meister Fitch trat mit weit gespreizten Armen zurück. Er öffnete den Mund, hielt inne und sah sich zum ersten Mal um. Die Küchenhilfen übersahen noch immer — sehr betont — Köchin und Wirt, während Rand intensiv in seinen Manteltaschen zu suchen begann, obwohl außer Moiraines Münze nichts darin war als ein paar Kupferstücke und eine Handvoll Krimskrams. Sein Taschenmesser und der Wetzstein. Zwei ReserveBogensehnen und ein Stück Schnur, das er für alle Fälle immer dabei hatte.

»Ich bin sicher, Sara«, sagte Meister Fitch vorsichtig, »daß alles so vorzüglich wie immer bei dir schmecken wird.« Damit blickte er zum letzten Mal die Küchenhilfen mißtrauisch an und verließ den Raum mit aller Würde, die er aufbringen konnte.

Sara wartete, bis er draußen war, und band sich entschlossen die Schürze wieder um, bevor sie Rand anblickte. »Ich schätze, du möchtest etwas zum Essen haben, wie? Also dann komm rein.« Sie lächelte ihn verschmitzt an. »Ich beiße nicht, wirklich nicht, gleichgültig, was du vielleicht gesehen haben magst, auch wenn es nicht für deine Augen bestimmt war. Ciel, hol Brot, Käse und Milch für den Jungen! Das ist alles, was im Augenblick da ist. Setz dich, Junge. Deine Freunde sind alle ausgegangen, außer einem, der sich nicht wohl fühlte, wie man mir sagte, und ich denke, du wirst auch weg wollen.«

Eine der Kellnerinnen brachte ein Tablett, während sich Rand auf einen Hocker am Tisch setzte. Er aß, und die Köchin knetete weiter ihren Brotteig. Ihr Wortschwall war aber keineswegs beendet.

»Du mußt das nicht so ernstnehmen, was du gesehen hast. Meister Fitch ist durchaus ein guter Mann. Die Beschwerden der Leute machen ihn nervös, und worüber beschweren sie sich? Möchten sie lieber lebendige Ratten finden als tote? Auch wenn nicht zu Cirri paßt, seine Beute einfach zurückzulassen. Und mehr als ein Dutzend? Cirri würde niemals so viele in die Schenke hereinlassen, er nicht! Dies ist außerdem ein sauberes Haus und wird von Ratten nicht so heimgesucht. Und alle mit gebrochenem Rückgrat.« Sie schüttelte den Kopf über so viele Ungereimtheiten.

Brot und Käse verwandelten sich in Rands Mund zu Asche. »Ihr Rückgrat war gebrochen?«

Die Köchin wedelte mit mehliger Hand. »Denk einfach an schönere Dinge, das ist meine Meinung. Es ist ein Gaukler da, weißt du. Im Augenblick ist er im Schankraum. Aber ach, du bist ja mit ihm zusammen gekommen, nicht wahr? Du bist einer von denen, die gestern abend mit Frau Alys angekommen sind, ja? Das habe ich mir gedacht. Ich werde nicht viel Gelegenheit haben, dem Gaukler zuzusehen, fürchte ich, nicht bei einer so überfüllten Schenke, und die meisten Gäste noch dazu dieses Pack aus den Bergwerken.« Sie klatschte besonders heftig auf einen Klumpen Teig. »Nicht die Sorte, die wir sonst gern hereinlassen, nur daß der ganze Ort voll von ihnen ist. Aber ich denke, so schlimm sind sie auch wieder nicht. Sag mal, ich habe tatsächlich seit der Zeit vor dem Winteranbruch keinen Gaukler mehr gesehen, und... «

Rand aß mechanisch. Er schmeckte nichts und hörte der Köchin nicht zu. Tote Ratten mit gebrochenem Rückgrat. Er beendete hastig sein Frühstück, stammelte einen Dank und eilte hinaus. Er mußte mit jemandem sprechen.

Der Schankraum im ›Hirsch und Löwen‹ hatte außer dem Zweck wenig mit dem der Weinquellenschenke gemein. Er war zweimal so breit und dreimal so lang, und auf die Wände waren farbenfrohe Bilder von geschmückten Gebäuden mit Gärten voller hoher Bäume und leuchtender Blumen aufgemalt. Statt eines großen Kamins gab es hier an jeder Wand einen, und Dutzende von Tischen füllten den Raum. Fast jeder Stuhl, jeder Hocker und jede Bank waren besetzt.

Die Pfeife im Mund und den Krug in der Faust, beugten sich die Gäste vor und richteten die Aufmerksamkeit auf dieselbe Gestalt. Thom stand auf einem Tisch in der Mitte des Raums. Den vielfarbigen Umhang hatte er über einen Stuhl geworfen. Selbst Meister Fitch hielt einen silbernen Krug und ein Poliertuch in erstarrten Händen.

»... tänzelnd, silberne Hufe und stolz gekrümmte Hälse«, deklamierte Thom und schien dabei irgendwie nicht nur auf einem Pferd zu reiten, sondern sich auch noch in einer langen Prozession von Reitern zu befinden. »Seidenfeine Mähnen flattern, wenn die Köpfe hochgeworfen werden. Tausend flatternde Banner weben Regenbogen in den endlosen Himmel. Hundert messingtönende Trompeten lassen die Luft erzittern und Trommeln rasseln wie Donner. Hurrarufe erheben sich Welle um Welle von Tausenden von Zuschauern, ergießen sich über die Dächer und Türme von Illian, brechen und prallen ungehört auf die tausend Ohren von Reitern, deren Augen und Herzen von ihrer heiligen Aufgabe beseelt glänzen. Die Wilde Jagd nach dem Horn reitet hinaus, reitet, um das Horn von Valere zu suchen, das die Helden vergangener Zeitalter aus den Gräbern zurückholt, um für das Licht zu kämpfen... «

Es war die Darbietung, die der Gaukler das Einfache Lied genannt hatte, als er ihnen in den Nächten neben dem Feuer auf ihrem Weg nach Norden von seiner Arbeit erzählt hatte. Geschichten, hatte er gesagt, wurden in drei Formen erzählt: das Hohe Lied, das Einfache Lied und das Volkslied, das einfach so erzählt wurde, als berichte man einem Nachbarn über die Ernteaussichten. Thom erzählte manchmal Geschichten in der Volksliedform, und es kümmerte ihn nicht, daß in seiner Stimme Verachtung mitschwang.

Rand schloß die Tür, ohne einzutreten, und ließ sich gegen die Wand sacken. Von Thom konnte er keinen Rat erwarten. Moiraine — was würde sie tun, wenn sie es wüßte?

Er bemerkte, daß ihn die Leute im Vorübergehen anstarrten und daß er Selbstgespräche führte. Er strich seinen Mantel glatt und richtete sich auf. Er mußte mit jemandem sprechen. Die Köchin hatte gesagt, einer der anderen sei nicht mit ausgegangen. Es kostete ihn Mühe, nicht zu rennen.

Als er an die Tür des Zimmers klopfte, wo die anderen Jungen geschlafen hatten, und schließlich den Kopf hineinsteckte, war nur Perrin da, der noch unangezogen im Bett lag. Er verdrehte den Kopf auf dem Kissen, um Rand anzusehen, und schloß die Augen wieder. Mats Bogen und Köcher standen in einer Ecke.

»Ich hörte, daß du dich nicht wohl fühlst«, sagte Rand. Er trat ein und setzte sich auf das danebenstehende Bett. »Ich wollte nur reden. Ich... « Er wußte nicht, wie er anfangen sollte. »Wenn dir schlecht ist«, sagte er halb im Aufstehen, »solltest du vielleicht besser schlafen. Ich kann ja gehen.«

»Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder schlafen werde«, seufzte Perrin. »Ich hatte einen schlimmen Traum, wenn du es schon wissen willst, und ich konnte danach nicht mehr einschlafen. Mat wird es dir bestimmt auch erzählen. Er lachte heute morgen, als ich den anderen erzählte, warum ich zu müde war, um mit ihnen auszugehen, aber er hat auch geträumt. Ich habe ihm einen großen Teil der Nacht zugehört, denn er wälzte sich im Bett hin und her und sprach im Schlaf, und keiner kann mir weismachen, daß er gut geschlafen hat.« Er hielt sich einen starken Arm vor die Augen. »Licht, bin ich vielleicht müde! Wenn ich ein oder zwei Stunden hierbleibe, fühle ich mich vielleicht wohler und kann aufstehen. Mat wird es mir nie verzeihen, wenn ich Baerlon wegen eines Traums nicht anschaue.«

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