Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Der Dieb war nicht mehr ohnmächtig, sondern befand sich irgendwo in einem Zustand zwischen Wachen und Schlafen. Seine Augen waren halb geöffnet, auf seinem Gesicht lag ein ruhiger, verklärter Ausdruck, Die Droge hatte auch ihn von seinen Schmerzen befreit. Gleichgültig wandte Torian den Kopf wieder ab.
Jemand entzündete Krauter, deren aromatischer Duft ihm in die Nase stieg und sein Wohlbefinden noch vertiefte. Rauch stieg auf und hüllte ihn ein. Seine Phantasie veränderte die Schwaden, formte sie zu Gesichtern und Gestalten, die sich ihm näherten. Shyleen murmelte etwas in einer fremden Sprache. Die Worte wurden lauter und melodischer, schienen ineinanderzufließen und steigerten sich zu einem rhythmischen Gesang.
Irgend etwas geschah...
Die Worte der Priesterin berührten etwas, tief in Torians Seele. Die Berührung war nur tastend und geradezu spielerisch, aber sie war entsetzlich genug, den Schleier von Mattigkeit und trügerischem Frieden um ihn zu zerreißen. Er wollte vor Entsetzen schreien, doch seine Kehle war wie zugeschnürt. Sein Körper gehorchte ihm nicht mehr.
Die tastenden Fühler zogen sich aus seinem Geist zurück, doch es war nicht mehr als ein kurzes Atemholen. Kaum einen Herzschlag später fielen sie erneut über ihn her, diesmal noch gieriger als zuvor. Etwas Unsichtbares, Körperloses berührte seine Seele und veränderte etwas in ihm. Torian wurde von grenzenlosem Abscheu erfüllt. Die fremde Macht ergriff Besitz von ihm, tastete immer tiefer in verborgene Bereiche seines Bewußtseins und förderte Dinge zutage, die ihm selbst fremd waren.
Er fühlte sich besudelt, und für Sekunden verspürte er nur noch den Wunsch zu sterben. Aber er starb nicht, er verlor nicht einmal das Bewußtsein, sondern war dazu verdammt, alles mitzuerleben. Diesmal dauerte es länger, bis der fremde Einfluß schwand. Immer noch war Torian vor Grauen wie gelähmt. Shyleens dumpfer Gesang drang wie aus weiter Ferne an sein Ohr. Als wäre etwas von der wabernden Schwärze immer noch in ihm, nahm er seine Umgebung nur noch verändert wahr. Alles war anders geworden, alle Laute klangen schrill und fremd, die Konturen, die er sah, schienen auf sinnverwirrende Art in sich gekrümmt und verdreht, und selbst das Licht schien drohender, irgendwie härter geworden zu sein. Ein kalter, bläulicher Schein, der sich noch durch seine Lider fraß und ein Abbild der Opferhalle auf seine Netzhäute projizierte, als er die Augen gequält zusammenkniff. Auch jetzt sah Torian noch die Konturen Shyleens und Cuuls und die Schatten, die die Flammen über die Wände und die Decke tanzen ließen. Schatten, die sich immer dichter zusammenballten und näher krochen, die von huschender Bewegung erfüllt waren und mit gierigen, tentakelartigen Armen nach ihm peitschten.
Eine mühsam verdrängte Erinnerung glomm in Torian auf. Es... war nicht das erste Mal, daß er dies erlebte. Er kannte diese Fremdartigkeit, die dräuenden Schatten, die die Finsternis erfüllten. Es war...
Das Baarl!
Es war zurückgekehrt, hatte seine Fährte wieder aufgenommen und ihn hier gefunden!
Im selben Moment brach die Dunkelheit wie eine schwarze Flutwelle über ihn herein. Diesmal war es kein vorsichtiges Tasten wie zuvor, sondern ein einziger gewaltiger Hieb, der sein Bewußtsein traf und es mit sich fortriß.
Das also ist der Tod! dachte Torian. Sonderbar – er hatte gar keine Angst; alles, was er spürte, war eine Art beinahe wissenschaftlicher Neugier. Er hatte das Gefühl, durch ein gewaltiges saugendes Nichts zu wirbeln, eine Leere, in der er sich verlieren mußte wie ein Tropfen Wasser in der Wüste, und in der nichts als das große Vergessen existierte.
Aber es war nicht der Tod. Irgendwann endete sein Sturz; so jäh, wie er begonnen hatte. Das schreckliche Empfinden des Fallens war fort, aber absurderweise hatte er auch nicht das Gefühl zu ruhen – es war ein sonderbarer Trancezustand, ein Schweben zwischen hier und nirgendwo, zwischen Wachen und Schlaf, vielleicht wirklich Leben und Tod.
Aber diesmal – doch – gewann das Leben den Kampf. Kühle, wohltuende Dunkelheit hüllte ihn ein, an der nichts Erschreckendes mehr war; eine Dunkelheit sonderbar beschützender, freundlicher Art. Er fühlte nichts; nicht einmal seinen Körper. Und doch... Er war nicht allein. Etwas war da, etwas Monströses, unsichtbar Lauerndes. Die Dunkelheit war mehr als nur das Fehlen von Licht und Farbe und allen anderen Empfindungen. Die Finsternis lebte, nicht in dem Sinne, in dem er das Wort bisher benutzt hatte, sondern auf eine andere, völlig fremde Art, die nichts mit Leben im menschlichen Sinne gemein hatte; vielleicht sein natürlicher Feind war. Was immer es war – es kam näher. Unsichtbare Finger aus Schatten und Nichts griffen nach seinem Geist, tasteten, sondierten, zogen sich für einen Moment wieder zurück und packten dann noch einmal zu, jetzt mit schmerzhafter Kraft. Ganz instinktiv setzte Torian sich zur Wehr, aber wie schon einmal zuvor brach es seinen Widerstand mit einem einzigen peitschenden Hieb. Fast spielerisch drang der fremde Geist weiter vor, erforschte die tiefsten und geheimsten Abgründe seiner Seele und hinterließ nichts als Dunkelheit und eine schreckliche saugende Leere. Dies war die Welt des Baarl, aber etwas war nicht so, wie es sein mußte. Er wußte nicht, wie er die Kraft aufbrachte, auf welchem Wege es geschah – er hatte keine Sinnesorgane mehr, weil er auch keinen Körper hatte, in diesem entsetzlichen Zwischenraum – aber es ging.
Er hatte sich getäuscht. Dies war die Welt des Baarl, aber nicht die Kreatur aus Rador war über ihn hergefallen und hatte ihn verschlungen.
Es war der Berg.
Torian erkannte, daß er recht gehabt hatte mit allen Ängsten, seinen wahnwitzigen Vermutungen, die er über den Tempel angestellt hatte. Er erkannte es im selben Moment, in dem er eins wurde mit der Schwärze, mit dem unbegreiflichen Wesen verschmolz, das irgendwann diese Form angenommen hatte und zu Stein erstarrt war, um die Zeiten zu überdauern. Er spürte den abgrundtiefen, grenzenlosen Haß, den es allem Lebendigen gegenüber empfand, die tödliche Verachtung, die es selbst den Priestern und Kriegern entgegenbrachte, Wesen, die wie Maden in seinem Leib umherkrabbelten und an ihrer eigenen Vernichtung wirkten, ohne es auch nur zu ahnen. Er erkannte die Wahrheit. Cuuls Lohn und der seiner Helfer war der Tod, denn dieses Ding – er weigerte sich selbst in Gedanken, es mit irgendeinem Namen zu belegen, denn dadurch hätte er ihm mehr Menschlichkeit zugebilligt, es zu einem Teil seiner Welt gemacht- kannte kein Erbarmen; keine Gefühle außer Haß und Zorn, ein Zorn, der Millionen und Abermillionen Jahre alt war.
Torian erkannte all dies mit entsetzlicher Klarheit, denn er war ein Teil des Dinges geworden, wenn auch nur für einen Bruchteil einer Sekunde. Er spürte, wie das Leben in ihn zurückströmte, wie sich der uralte Stein wieder in zuckendes, pulsierendes Fleisch verwandelte. Eine brodelnde Masse aus den Abgründen hinter der Zeit, geweckt durch die Beschwörung Shyleens und Cuuls Tun, und gestärkt durch sein eigenes Leben, das mit jeder Sekunde schneller aus ihm herausströmte und die Schwärze nährte wie Blut einen Vampir. Aber da war noch etwas anderes; ebenso schrecklich wie der monströse Dämonenleib, und es war ihm gefolgt, ihm auf seinen plumpen, unförmigen Elefantenfüßen nachgekrochen, getrieben von seiner unersättlichen Gier nach Blut und Leben, weil es nichts anderes kannte als die Erfüllung seines Auftrages, nur lebte, um zu töten. Nur dazu erschaffen worden war. Ein Geschöpf ohne jeden Verstand, nur zum Morden geschaffen, das nicht begriff, in welches Verderben es kroch, und welches Verderben es selbst mit sich schleppte.