Aufzeichnungen aus einem toten Hause
- Автор: Достоевский Федор Михайлович
- Язык: немецкий
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Aufzeichnungen aus einem toten Hause». Краткое содержание книги:
»Gewiß,« bemerkte Tscherewin phlegmatisch, »wenn man so ein Weibsbild nicht schlägt, so... Hast du sie denn mit einem Liebhaber erwischt?«
»Nein, das nicht,« erwiderte Schischkow nach einer Pause mit einiger Anstrengung. »Aber ich konnte es mir nicht gefallen lassen: auf Schritt und Tritt neckten mich die Leute, und Filjka stiftete alle dazu an. ›Du hast zur Frau einen Affen, damit die Leute gaffen!‹ sagte er mir. Einmal lud er uns alle zu Gast ein und hielt so eine Rede: ›Seine Gemahlin‹, sagte er, ›ist eine barmherzige Seele, edel und höflich, freundlich und zu jedermann gut, – so hoch schätzt er sie jetzt! Der Bursche hat wohl ganz vergessen, wie er ihr das Tor mit Pech beschmiert hat!‹ Ich saß besoffen da; er packte mich aber an den Haaren und drückte mir den Kopf hinunter. ›Tanz',‹ sagte er, ›Akuljkas Mann, tanz': ich werde dich bei den Haaren halten, du aber sollst tanzen und mein Herz erfreuen!‹ – ›Gemeiner Kerl!‹ schreie ich. Und er drauf: ›Ich will mit der ganzen Gesellschaft zu dir ins Haus kommen und deine Frau Akuljka vor deinen Augen mit Ruten peitschen, soviel es mir beliebt!‹ Du magst mir glauben oder nicht: ich fürchtete nachher einen ganzen Monat, aus dem Hause zu gehen, denn ich dachte mir, er könnte wirklich kommen und mir diese Schande antun. Dafür fing ich sie eben zu schlagen an...«
»Was nützt das Schlagen? Man kann dem Menschen Wohl die Hände binden, aber nicht die Zunge. Viel schlagen ist unvernünftig. Bestrafe die Frau, bring' ihr Respekt bei und sei dann wieder lieb zu ihr. Dafür ist sie ja dein Weib!«
Schischkow schwieg eine Weile.
»Es wurmte mich zu sehr,« begann er wieder, »und dann war es mir schon zur Gewohnheit geworden: manchmal schlug ich sie den ganzen Tag vom Morgen bis zum Abend. Es paßte mir nicht, wie sie stand, und es paßte mir nicht, wie sie ging. Wenn ich sie nicht schlug, langweilte ich mich. Sie sitzt meistens schweigend da, blickt zum Fenster hinaus und weint... Sie weint immerzu, es tut mir weh, zu sehen, wie sie weint, ich schlage sie aber doch. Meine Mutter schimpft mich zuweilen deswegen. ›Ein Schuft bist du,‹ sagt sie mir, ›ein Zuchthausbraten!‹ – ›Ich bringe sie um!‹ schreie ich darauf: ›Niemand darf mir was sagen, denn man hat mich mit ihr betrogen.‹ Anfangs nahm sich der alte Ankudim seiner Tochter an. Er kam selbst zu mir und sagte: ›Du bist doch nicht Gott weiß wer: gegen dich kann man schon einen Richter finden!‹ Dann gab er es auf. Marja Stepanowna wurde aber ganz kleinlaut. Einmal kommt sie zu mir und bittet unter Tränen: ›Verzeih die Belästigung, Iwan Sjemjonytsch, die Bitte ist nicht groß,‹ sagt sie und verbeugt sich vor mir: ›Laß mich wieder aufleben, beruhige dich und verzeihe ihr! Böse Menschen haben unsere Tochter verleumdet: du weißt ja selbst, daß sie ehrlich war, als du sie bekamst...‹ Sie verneigt sich vor mir bis zum Boden und weint. Ich aber schreie sie an: ›Ich will auf euch gar nicht hören! Jetzt tue ich, was mir paßt, denn ich habe keine Gewalt mehr über mich. Filjka Morosow‹ sage ich, ›ist aber mein bester Freund und Kumpan...‹ «
»Ihr habt wohl wieder zusammen gesoffen?« »Ach wo, mit ihm war nichts mehr anzufangen. Er war schon ganz heruntergekommen. Hatte seine ganze Habe verputzt und sich von einem Kleinbürger an Stelle seines ältesten Sohnes unter die Soldaten anwerben lassen. Bei uns ist es aber Sitte, daß einer, der sich an Stelle eines andern anwerben läßt, bis zu dem Tag, wo man ihn in die Kaserne abführt, der Herr im Hause ist und alle vor ihm auf dem Bauche liegen. Das ausbedungene Geld kriegt er erst in dem Augenblick, wo er einrückt; bis dahin lebt er aber oft ein halbes Jahr im Hause des Betreffenden und treibt es so, daß man einfach die Heiligenbilder hinaustragen kann! Es heißt eben: ›Ich gehe ja an Stelle eures Sohnes unter die Soldaten, also bin ich euer Wohltäter, und ihr müßt mir alle Ehren erweisen; sonst trete ich noch zurück!‹ So trieb es auch Filjka bei dem Kleinbürger: er schläft mit der Tochter, zerrt den Vater jeden Nachmittag am Barte herum und tut alles, was ihm einfällt. Jeden Tag muß man ihm das Dampfbad einheizen, statt Wasser Schnaps auf die glühenden Steine gießen, und die Weiber müssen ihn auf Händen in die Badestube tragen. Wie er von irgendeiner Sauferei heimkommt, bleibt er auf der Straße stehen und sagt: ›Durchs Tor gehe ich nicht: brecht mir den Zaun auf!‹ Und man bricht ihm wirklich den Zaun neben dem Tore auf, damit er passieren kann, Schließlich war diese Herrlichkeit zu Ende. Man machte Filjka nüchtern und setzte ihn in einen Wagen, um ihn in die Stadt zu bringen. Das Volk drängt sich auf den Straßen: Filjka Morosow wird abgeführt! Er verbeugt sich nach allen Seiten. Akuljka geht aber gerade vom Gemüsegarten heim. Wie Filjka sie vor unserem Hofe sieht, schreit er: ›Halt!‹, springt vom Wagen und verbeugt sich vor ihr bis zur Erde. ›Meine Seele,‹ sagt er ihr, ›liebster Schatz, zwei Jahre lang hab ich dich geliebt, und jetzt bringt man mich mit Musik unter die Soldaten. Vergib mir,‹ sagt er, ›du ehrliche Tochter eines ehrlichen Vaters, denn ich bin ein gemeiner Kerl und tief in deiner Schuld!‹ Und er verbeugte sich vor ihr wieder bis zur Erde. Akuljka blieb stehen, war anfangs wohl erschrocken, verbeugte sich aber dann vor ihm und sagte: ›Vergib auch du mir, du kühner Bursche, ich aber habe dir nichts vorzuwerfen.‹ Und sie geht ins Haus. Ich ihr nach. ›Was hast du ihm gesagt, du Hundefleisch?‹ Sie blickte mich aber an und sagte: ›Du magst mir glauben oder nicht: Ich liebe ihn ja jetzt mehr als das Leben!‹
»Das ist gut!«
»Den ganzen Tag sagte ich ihr kein Wort. Am Abend aber: ›Akuljka, jetzt bringe ich dich um.‹ Nachts kann ich nicht einschlafen. Wie ich in den Flur gehe, um etwas Kwas zu trinken, geht gerade die Sonne auf. Ich komme in die Stube zurück und sage: ›Akuljka, steh auf, wir fahren ins Feld.‹ Ich sprach aber auch schon vorher davon, daß ich am Morgen ins Feld fahren will, und meine Mutter wußte es. ›Das ist vernünftig,‹ hatte sie gesagt, ›denn es ist just die Erntezeit, der Knecht aber liegt seit drei Tagen krank und hat Bauchweh.‹ Ich spanne den Wagen an und sage kein Wort. Gleich vor unserer Stadt beginnt der Wald; er zieht sich fünfzehn Werst weit hin, und dann kommt auch unser Acker. Als wir drei Werst durch den Wald gefahren waren, ließ ich das Pferd halten. ›Akuljka‹, sage ich, ›steig aus: nun ist dein Ende gekommen.‹ Sie schaut mich erschrocken an, steht vor mir und schweigt, ›Ich habe dich satt,‹ sage ich ihr, ›sprich dein Gebet!‹ Und ich packe sie an den Zöpfen – sie hatte so lange, dicke Zöpfe –, wickele sie mir um die Hand, presse sie von hinten mit beiden Knien fest zusammen, hole mein Messer aus dem Busen, biege ihr den Hals zurück und fahre ihr mit dem Messer über die Kehle... Sie schreit auf, das Blut spritzt empor, ich werfe das Messer fort, umfasse sie vorne mit den Armen, falle nieder, halte sie umarmt und schreie, auf ihr liegend, was ich schreien kann... Sie schreit und ich schreie. Sie zappelt und will sich aus meinen Armen befreien, das Blut aber fließt und fließt mir aufs Gesicht und auf die Hände. Ich ließ sie liegen – so eine Angst kam über mich – ließ auch das Pferd stehen und fing zu laufen an. Ich lief und lief und kam schließlich nach Haus und verkroch mich in die Badestube. Wir hatten so eine alte Badestube, die man nicht mehr gebrauchte, im Hofe stehen. Ich versteckte mich unter eine Bank und liege da. Bis zum Abend lag ich unter der Bank.«
»Und Akuljka?«