Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Wenn schon Männer wie diese mir nicht widerstehen konnten, was willst du dann ausrichten — eine Kröte, die neben einer Pfütze im Wald kauert? Du wirst mir dienen, oder du wirst nach der Pfeife der Aes Sedai tanzen, bis du stirbst. Und dann wirst du mir gehören. Die Toten gehören mir!«
»Nein«, murmelte Rand, »das ist ein Traum. Es ist ein Traum.«
»Glaubst du, in deinen Träumen seist du sicher vor mir? Schau!« Ba'alzamon streckte befehlend die Hand aus, und Rands Kopf drehte sich in die Richtung, in die er zeigte, obwohl er ihn nicht bewegen wollte; er wollte sich nicht umdrehen.
Der Pokal war vom Tisch verschwunden. Wo er sich befunden hatte, duckte sich nun eine große Ratte, zwinkerte in das grelle Licht und prüfte vorsichtig die Luft. Ba'alzamon machte den Finger krumm, und mit einem Quietschen krümmte die Ratte den Rücken, hob die Vorderpfoten in die Luft und stand unsicher auf den Hinterbeinen. Der Finger krümmte sich noch mehr, und die Ratte fiel um, strampelte verzweifelt, krallte sich ins Nichts, quietschte schrill, während sich ihr Rücken immer mehr durchbog. Mit einem scharfen Knacken wie beim Zerbrechen eines Zweigs zitterte die Ratte noch einmal heftig und lag still, völlig verkrümmt.
Rand schluckte. »In einem Traum kann alles geschehen«, murmelte er. Ohne sich umzusehen, schwang er erneut die Faust und traf das Tor. Seine Hand schmerzte, doch er wachte immer noch nicht auf.
»Dann geh doch zu den Aes Sedai. Geh zum Weißen Turm und erzähl ihnen alles. Erzähl dem Amyrlin-Sitz von diesem... Traum.« Der Mann lachte, und Rand fühlte die Hitze der Flammen im Gesicht. »Das ist eine Möglichkeit, um ihnen zu entkommen. Sie werden dich dann nicht benutzen wollen. Nein, nicht wenn sie wissen, daß ich alles weiß. Aber werden sie dich am Leben lassen, um zu berichten, was sie tun? Bist du ein solcher Narr, daß du glaubst, sie würden dich am Leben lassen? Die Asche von vielen anderen, die so waren wie du, liegt überall verstreut auf den Hängen des Drachenbergs.«
»Das ist ein Traum«, keuchte Rand. »Es ist ein Traum, und ich werde erwachen.«
»Tatsächlich?« Aus dem Augenwinkel sah er, wie sich der Finger des Mannes bewegte und auf ihn deutete. »Wirst du tatsächlich erwachen?« Der Finger krümmte sich, und Rand schrie auf, als sein Körper sich rückwärts bog. Jeder Muskel zwang ihn weiter nach hinten. »Wirst du jemals wieder erwachen?«
Verkrampft zuckte Rand in der Dunkelheit hoch. Seine Hände krallten sich in Stoff. Eine Decke. Bleiches Mondlicht schien durch das einzige Fenster. Die schattenhaften Umrisse auf den anderen beiden Betten. Von einem erklang ein Schnarchen, als ob Segeltuch zerrisse: Thom Merrilin. Ein paar Kohlen glimmten in der Asche im Kamin. Es war also ein Traum gewesen, wie der Alptraum in der Weinquellenschenke an Bel Tine -alles, was er gehört oder getan hatte, vermischt mit alten Geschichten und blankem Unsinn. Er zog sich die Decke über die Schultern, aber die Kälte war es nicht, die ihn zittern ließ. Auch sein Kopf schmerzte. Vielleicht konnte Moiraine etwas gegen diese Träume tun. Sie sagte, sie könne gegen Alpträume etwas unternehmen.
Mit einem Schnauben legte er den Kopf wieder hin. Waren die Träume wirklich so schlimm, daß er eine Aes Sedai um Hilfe bitten mußte? Andererseits, konnte ihn irgend etwas, was er jetzt tat, noch tiefer in die Sache verwickeln? Er hatte die Zwei Flüsse verlassen und war mit einer Aes Sedai hierhergekommen. Aber er hatte natürlich keine andere Wahl gehabt. Hatte er nun eine andere Wahl, als ihr zu vertrauen? Einer Aes Sedai? Darüber nachzusinnen, war genauso schlecht wie die Träume. Er kuschelte sich unter seine Decke und versuchte im Nichts Ruhe zu finden, so wie Tam es ihn gelehrt hatte. Doch es dauerte lange, bis er wieder einschlief.
15
Fremde und Freunde
Sonnenschein auf seinem schmalen Bett weckte Rand schließlich aus tiefem, aber unruhigem Schlaf auf. Er zog sich ein Kissen über den Kopf, doch es konnte das Licht nicht abhalten, und er wollte eigentlich auch nicht mehr einschlafen. Nach dem ersten Traum waren noch mehr Träume gekommen. Er konnte sich nur noch an den ersten erinnern, aber er wußte, daß er kein Bedürfnis hatte, noch weitere zu erleben.
Mit einem Seufzer warf er das Kissen weg und setzte sich auf. Beim Strecken verzog er schmerzgeplagt das Gesicht. Alle Schmerzen, die er vermeintlich in der Badewanne losgeworden war, meldeten sich wieder. Und auch sein Kopf tat immer noch weh. Es überraschte ihn nicht. Ein Traum wie jener in dieser Nacht war dazu angetan, jedem Kopfschmerzen zu bereiten. Die anderen Träume waren schon verflogen, doch jener eine nicht.
Die anderen Betten waren leer. Der Sonnenschein kam bereits in einem steilen Winkel durch das Fenster. Zu Hause auf dem Hof hätte er zu dieser Zeit bereits etwas zum Essen bereitet und mit seinen täglichen Arbeiten begonnen. Er stieg aus dem Bett, wobei er ärgerlich in sich hineinbrummte. Eine Stadt, die man sich ansehen sollte, und sie hatten ihn nicht einmal geweckt. Zumindest aber hatte jemand dafür gesorgt, daß in der Kanne Wasser war, warmes Wasser sogar.
Er wusch sich rasch und zog sich hastig an. Bei Tams Schwert zögerte er für einen Augenblick. Lan und Thom hatten ihre Satteltaschen und Bettrollen hinten im Zimmer abgestellt, ganz klar, aber das Schwert des Behüters war nirgends zu finden. Lan hatte sein Schwert auch in Emondsfeld getragen, lange bevor es irgendein Anzeichen für Schwierigkeiten gab. Er wollte dem Vorbild des älteren Mannes folgen und redete sich ein, es habe nichts damit zu tun, daß er sich oft vorgestellt hatte, mit einem Schwert an der Hüfte durch die Straßen einer richtigen Stadt zu spazieren. So schnallte er es sich um und warf seinen Umhang wie einen Sack über die Schulter.
Er nahm zwei Treppenstufen mit einem Schritt und eilte hinunter zur Küche. Das war sicher der Ort, an dem er am schnellsten etwas zu essen bekam, und an seinem einzigen Tag in Baerlon wollte er nicht noch mehr Zeit verschwenden, als sowieso schon vertan war. Blut und Asche, sie hätten mich wirklich wecken können.
Meister Fitch stand in der Küche und schimpfte mit einer molligen Frau, deren Arme bis zu den Ellbogen mit Mehl bedeckt waren — offensichtlich der Köchin. Doch nein, sie schimpfte mit ihm und hielt ihm den Finger drohend unter die Nase. Kellnerinnen und Küchenjungen, Schankkellner und Putzer arbeiteten um sie herum und kümmerten sich nicht darum, was da vor ihnen geschah. »... mein Cirri ist ein guter Kater«, sagte sie gerade in scharfem Ton zu Meister Fitch, »und ich will keine Widerrede hören, verstanden? Ihr beklagt Euch darüber, daß er seine Aufgaben zu gut erfüllt, jawohl, wenn Ihr mich fragt!«
»Es sind Klagen gekommen«, warf Meister Fitch mit Mühe ein. »Beschwerden, meine Liebe. Die Hälfte der Gäste... «
»Ich will nichts davon hören. Ich will einfach nichts davon hören! Wenn sie sich über meine Katze beschweren wollen, dann sollen sie doch kochen! Meine arme alte Katze, die nur ihre Aufgaben erfüllt, und ich, wir werden woandershin gehen, wo man uns mehr schätzt, paßt nur auf!« Sie band ihre Schürze los und wollte sie über den Kopf streifen.
»Nein!« jammerte Meister Fitch und sprang vor, um sie aufzuhalten. Sie tanzten im Kreis herum. Die Köchin versuchte, die Schürze auszuziehen, und der Wirt versuchte, sie ihr wieder anzuziehen. »Nein, Sara!« schnaufte er. »Das ist nicht nötig. Nicht nötig, sage ich! Was fange ich ohne dich an? Cirri ist eine gute Katze. Eine ausgezeichnete Katze. Die beste Katze in Baerlon. Wenn sich noch mal jemand beschwert, werde ich ihm sagen, er soll dankbar sein, daß die Katze ihre Aufgaben erfüllt. Ja, dankbar! Du darfst nicht gehen! Sara? Sara!«