Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Cuul wollte mich erst überhaupt nicht zu euch lassen, aber ich konnte ihn überzeugen, daß ich die Vorbereitungen für die Opferung nur allein treffen kann. Auch er muß sich der Autorität der obersten Opferpriesterin fügen, obwohl er mir mißtraut.«
»Wenigstens etwas, das ich mit ihm gemein habe«, knurrte Torian. »Offenbar hat der kleine Ausflug deinem Ansehen wenig geschadet.«
»Niemand kann mir etwas antun, denn sie brauchen mich. Ich konnte den Priesterrat überzeugen, daß mein Vater mich zu der Flucht gezwungen hat. Cuul glaubt mir nicht, aber das spielt jetzt keine Rolle. Man hat beschlossen, euch auf dem Altar Ch’tuons zu opfern. Es waren andere Opfer vorgesehen, doch nun hat sich der Rat für euch entschieden.«
»Offenbar hattet ihr genau das ja auch geplant. Hat dein Vater uns deshalb hergeschickt?« fragte Torian böse. Er sah, wie Shyleen zusammenfuhr, aber das steigerte seinen Zorn nur noch. Es tat gut, jemandem weh zu tun. »Was sollte das alles? Ihr wußtet genau, daß wir keine Chance hatten. Wozu diese ganze Komödie?«
»Ich habe keine Zeit, alles zu erklären. Das Ritual soll noch heute stattfinden. Glaub mir, nichts geschah zufällig, und euch wird nichts geschehen, wenn ihr euch ruhig verhaltet. Die Wachen sollten euch entdecken und fangen, das ist richtig, aber uns blieb keine andere Wahl. Alles hatte seinen Sinn.«
»Natürlich, und was wir davon halten, interessiert ja keinen.« Torian schnaubte wütend. Der Ausdruck von Trauer in Shyleens Augen wurde tiefer, und Torian glaubte zu spüren, daß er ihr unrecht tat. Aber das war ihm im Moment herzlich egal. Wütend bäumte er sich auf und zerrte an seinen Fesseln. »Es reicht ja schließlich auch, wenn wir sterben.«
»Bitte, Torian, du mußt mir vertrauen.« Ein gequälter Ausdruck erschien auf ihrem Gesicht. Sie streckte die Hand aus und berührte ihn flüchtig an der Wange, aber sie wurde blaß und zog die Hand überhastet wieder zurück, als ihre Blicke sich kreuzten. Für einen Moment blitzte wieder der alte Hochmut in ihrem Blick auf, verschwand aber ebenso schnell, wie er gekommen war. »Vertrau mir«, sagte sie noch einmal und fast flehend.
»Dir vertrauen?« Torian lachte schrill, aber es klang eher wie ein verzweifelter Schrei. Er war hilflos und ihr auf Gedeih und Verderb ausgeliefert – und sie bat ihn, ihr zu vertrauen! Er fühlte sich betrogen, schlimmer noch, als Figur in einem Spiel mißbraucht, dessen Sinn und Regeln er nicht zu durchschauen vermochte. Man hatte ihn belogen, von Anfang an, und wenn er geglaubt hatte, frei denken und entscheiden zu können, so war auch das nicht mehr als eine Täuschung gewesen. Jeder seiner Gedanken, jeder Schritt, den er gemacht hatte, war ebenso geplant gewesen, wie die Gedanken und Handlungen Garth’, nur daß der Dieb dazu gezwungen worden war, während Torian sich selbst eingebildet hatte, aus freiem Willen zu handeln.
»Dir vertrauen«, sagte er noch einmal, und er legte jedes bißchen Verachtung in diese beiden Worte, das er aufbringen konnte. Er sah, daß die Worte sie wie Peitschenhiebe trafen, aber zum Teufel, er wollte ihr weh tun. »Noch ein paar Lügen, ja?« höhnte er. »Wem haben wir denn alles zu verdanken? Du hast uns doch von Anfang an nur benutzt. Was willst du noch von uns? Töte uns doch endlich. Warum all diese Umstände? Es wäre einfacher gewesen, wenn du uns schon bei unserer ersten Begegnung umgebracht hättest.«
»Du Narr!« zischte sie und erbleichte noch mehr. »Ich kann die Sache auch ohne deine Hilfe zu einem Ende bringen. Am liebsten würde ich...«
Sie verstummte, als das Portal erneut geöffnet wurde und Cuul die Halle betrat. Mit raschen Schritten durchquerte er den gewaltigen Raum. »Bist du endlich soweit, Priesterin?«
»Kein Wort zu ihm«, flüsterte Shyleen. Laut wandte sie sich an den Oberpriester: »Ich konnte ihnen den Trank des Vergessens bislang nicht geben. Der andere ist immer noch bewußtlos.«
»Das läßt sich ändern.« Cuul trat in Torians Blickfeld, blieb vor dem Dieb stehen und schlug ihm ein paarmal mit der flachen Hand ins Gesicht. Garth stöhnte auf und ließ den Kopf zur ändern Seite sinken, wachte aber nicht auf.
»Deine Leute haben offenbar etwas zu gründlich gearbeitet«, sagte Shyleen. »Sie verstehen sich anscheinend besser auf das Umbringen als auf das Gefangennehmen.«
»Hüte deine Zunge, Hexe«, sagte Cuul drohend. »Sobald du deine Aufgabe erfüllt hast, bist auch du nicht mehr unersetzlich. Im Gegenteil, du wirst höchst überflüssig.«
Shyleen lächelte kalt. »Willst du mir drohen, Cuul?« fragte sie. »Noch bin ich Opferpriesterin, und selbst du hast dich meinen Anordnungen zu beugen.«
»Noch, du sagst es«, erwiderte er mit einem übertrieben freundlichen Lächeln. »Ich drohe nicht, sondern zähle Tatsachen auf. Für Verräter gibt es keinen Platz bei uns.«
Noch einmal schlug er Garth. Diesmal gelang es ihm, den Dieb aus der Ohnmacht zu reißen, wenngleich Garth’ Blick leer blieb und er von seiner Umgebung nichts wahrzunehmen schien.
»Na also«, sagte Cuul zufrieden. »Und jetzt gib ihnen den Trank.«
Shyleen warf ihm einen haßerfüllten Blick zu und hob eine kleine Tonschale vom Boden auf, die sie Garth an die Lippen setzte. »Nicht trinken!« brüllte Torian verzweifelt. »Tu es nicht, Garth!«
Aber Garth schluckte instinktiv, als etwas von der Flüssigkeit in der Schale über seine Lippen gelangte.
Eine Sekunde später riß er die Augen ganz auf und begann zu schreien. Ein Ruck ging durch seinen Körper. Er bäumte sich auf, soweit es die Fesseln zuließen, erschlaffte noch in der Bewegung wieder und sank bewußtlos zurück.
»Und nun zu dir«, sagte Cuul und trat neben Torian. »Trinkst du freiwillig, oder willst du deine kleine Rebellion noch weiter fortsetzen?«
»Was ist das für ein Teufelszeug?« keuchte Torian.
»Kein Teufelszeug.« Cuul schüttelte mit gespieltem Bedauern den Kopf. »Nur eine Beruhigungsdroge, die euch den Göttern weiht.«
»Trink doch selbst«, entgegnete Torian trotzig. »Du scheinst das Zeug viel...«
Weiter kam er nicht. Blitzschnell packte Cuul seinen Kopf und riß ihm den Mund auf.
Vielleicht hätte er es besser nicht getan, denn Torian reagierte etwas anders, als er erwartet hatte.
Er biß zu.
Der Priester stieß einen wütenden Schrei aus, als sich die Zähne in seine Finger gruben, ließ aber nicht los. Und er war stärker. Langsam preßte er Torians Kiefer auseinander. Shyleen setzte Torian die Schale an die Lippen und kippte ihm die restliche Flüssigkeit in den Mund.
Er mußte schlucken, als die Flüssigkeit seinen Gaumen erreichte. Wie Feuer rann sie durch seine Kehle und explodierte in seinem Magen. Er würgte und hustete, versuchte sich zu erbrechen, aber es half nichts. Blitzschnell breitete sich die Droge in seinem Körper aus, erfüllte ihn mit wohltuender Schläfrigkeit und lahmte nach wenigen Sekunden auch sein Denken. Torian verlor nicht das Bewußtsein, aber er glitt in eine Art Trance, in der alles um ihn herum zur Bedeutungslosigkeit verblaßte. Er fühlte sich von allem losgelöst, sein Geist schwebte in einem Meer aus Farben, und ein tiefes Glücksgefühl übermannte ihn. Es gab keine Probleme und keinen Schmerz mehr, alles war gleichgültig. Er wußte, daß es nur eine von der Droge hervorgerufene Illusion war, und genauso wußte er auch, daß er sterben würde, aber der Gedanke daran löste keine Furcht mehr in ihm aus.
Die Zeit verlor sich zu einem abstrakten Begriff ohne jegliche Bedeutung, und deshalb wußte er nicht, ob Stunden oder nur Minuten vergangen waren, bis er wieder Schritte vernahm; die Schritte vieler Menschen, die in die Halle strömten und auf knarrenden Holzbänken Platz nahmen. Es mußten Dutzende, wenn nicht gar Hunderte sein. Gedämpftes Stimmengemurmel erfüllte die Luft. Fackeln und weitere Ölf euer wurden entzündet und tauchten den Raum in trübe Helligkeit.
Wieder schienen Ewigkeiten zu vergehen, bis Cuul zusammen mit Shyleen vor die Altäre trat und zu sprechen begann. Augenblicklich kehrte Ruhe ein, aber dennoch gelang es Torian nicht, die Worte des Priesters zu verstehen. Sein Blick glitt zu Garth hinüber. Die Bewegung fiel ihm schwer, unglaublich schwer, als hätte jemand die Verbindung zwischen seinem Gehirn und dem Körper getrennt.