Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Ein Mann stand vor dem Kamin. Als er hereinkam, hatte er den Mann nicht bemerkt. Wenn er nicht genau gewußt hatte, daß das unmöglich war, hätte er behauptet, es sei niemand dagewesen, bis er ihn direkt ansah. Er war dunkel angezogen — die Kleidung von hoher Qualität -und schien sich im besten Mannesalter zu befinden. Rand stellte sich vor, daß Frauen den Mann bestimmt als gutaussehend betrachtet hätten. »Wieder einmal stehen wir uns von Angesicht zu Angesicht gegenüber«, sagte der Mann, und einen Augenblick lang wurden seine Augen und sein Mund zu Toren in endlose Flammenhöhlen. Mit einem Schrei warf sich Rand rückwärts aus dem Zimmer, so heftig, daß er über den Flur taumelte, gegen die Tür auf der anderen Seite prallte und diese aufstieß. Er drehte sich um und griff nach der Klinke, um sich vor einem Sturz auf den Fußboden zu bewahren — und starrte mit weitaufgerissenen Augen in einen Raum mit Steinwänden, Torbögen, die auf einen Balkon führten, einen unmöglichen Himmel dahinter und einen Kamin...
»So leicht kannst du mir nicht entkommen«, sagte der Mann.
Rand drehte sich um, taumelte aus dem Zimmer und versuchte sich auf den Beinen zu halten, ohne langsamer zu werden. Diesmal erreichte er keinen Korridor. Er erstarrte verkrümmt unweit des glänzendpolierten Tisches und sah den Mann am Kamin an. Das war besser, als die Steine des Kamins anzusehen oder diesen Himmel.
»Das ist ein Traum«, sagte er beim Aufrichten. Hinter sich hörte er das Klicken der sich schließenden Tür. »Es ist eine Art Alptraum.« Er schloß die Augen und dachte angespannt an das Erwachen. Als er noch ein Kind gewesen war, hatte ihm die Seherin gesagt, wenn er das in einem Alptraum fertigbringe, werde der Traum verschwinden. Die... Seherin? Was? Wenn ihm nur die Gedanken nicht so schnell entglitten wären! Wenn nur sein Kopf aufgehört hätte zu schmerzen, dann könnte er wieder klar denken.
Wieder öffnete er die Augen. Der Raum war derselbe wie vorher mit dem Balkon und dem Himmel und dem Mann am Kamin. »Ist es ein Traum?« fragte der Mann. »Spielt es eine Rolle?« Wieder wurden seine Augen und sein Mund einen Augenblick lang zu Gucklöchern in einem Brennofen, der sich in die Ewigkeit erstreckte. Seine Stimme änderte sich nicht; er schien es gar nicht zu bemerken.
Rand fuhr diesmal ein wenig zusammen, aber er beherrschte sich rechtzeitig, um nicht aufzuschreien. Das ist ein Traum. Es muß so sein. Trotzdem ging er ein paar Schritte rückwärts zur Tür, ohne den Blick von dem Mann am Feuer abzuwenden, dann drückte er die Klinke hinunter. Die Tür bewegte sich nicht; sie war verschlossen.
»Du scheinst Durst zu haben«, sagte der Mann am Kamin. »Trink!«
Auf dem Tisch stand ein Pokal aus glänzendem Gold, mit Rubinen und Amethysten verziert. Er hatte sich schon vorher dort befunden. Wenn er nur nicht jedesmal so zusammengefahren wäre!. Es war doch nur ein Traum. In seinem Mund schien sich nur Staub zu befinden.
»Ich bin tatsächlich ein wenig durstig«, sagte er und nahm den Pokal. Der Mann beugte sich gespannt vor, eine Hand auf der Lehne eines Stuhls, und beobachtete ihn. Der Geruch nach Glühwein machte Rand erst richtig bewußt, wie durstig er war, als hätte er seit Tagen nichts mehr zu trinken bekommen. Stimmt das?
Der Pokal befand sich schon auf halbem Weg zu seinem Mund, da hielt er inne. Kleine Rauchwölkchen erhoben sich von der Stuhllehne, wo die Finger des Mannes lagen. Und diese Augen beobachteten ihn so genau und wechselten schnell zwischen richtigen Augen und Flammen. Rand leckte sich die Lippen und stellte den Wein wieder zurück auf den Tisch. »Ich habe nicht so viel Durst, wie ich glaubte.« Der Mann richtete sich brüsk auf. Sein Gesicht zeigte keine Regung. Seine Enttäuschung hätte nicht deutlicher sein können, wenn er geflucht hätte. Rand fragte sich, was der Wein wohl enthielt. Aber das war natürlich eine dumme Frage. Dies war ja alles ein Traum. Warum endet er dann nicht? »Was willst du?« fragte er scharf. »Wer bist du?«
Flammen erhoben sich aus Augen und Mund des Mannes. Rand glaubte sie prasseln zu hören. »Einige nennen mich Ba'alzamon.«
Rand stand an der Tür und rüttelte verzweifelt an der Klinke. Alle Gedanken an Träume waren verschwunden. Der Dunkle König. Die Klinke gab nicht nach, aber er hörte nicht auf mit dem Rütteln. »Bist du der, den ich erwarte?« fragte Ba'alzamon plötzlich. »Du kannst es nicht vor mir verbergen. Du kannst dich nicht vor mir verstecken, nicht auf dem höchsten Berg oder in der tiefsten Höhle. Ich kenne dich bis zum kleinsten Haar.«
Rand drehte sich um und sah dem Mann — Ba'alzamon -in die Augen. Er schluckte schwer. Ein Alptraum. Er griff hinter sich, um noch einmal die Klinke zu drücken, dann richtete er sich gerade auf.
»Erwartest du Ruhm?« fragte Ba'alzamon. »Macht? Haben sie dir gesagt, das Auge der Welt werde dir dienen? Welchen Ruhm oder welche Macht hat denn eine Marionette? Die Fäden, an denen du hängst, sind über Jahrhunderte hinweg gewebt worden. Dein Vater wurde im Weißen Turm auserwählt wie ein Hengst, den man einfängt und seiner Pflicht zuführt. Deine Mutter war nicht mehr als eine Zuchtstute zur Verwirklichung ihrer Pläne. Und diese Pläne führen zu deinem Tod.«
Rands Hände ballten sich zu Fäusten. »Mein Vater ist ein guter Mann, und meine Mutter war eine gute Frau. Sprich nicht so über sie.«
Die Flammen lachten. »Also steckt doch noch Widerstandsgeist in dir. Vielleicht bist du wirklich derjenige. Es wird dir nicht viel helfen. Der Amyrlin-Sitz wird dich benutzen, bis du verbraucht bist, so wie Davian und Yurian Steinbogen und Guaire Amalasan und Raolin Dunkelbann benutzt wurden. So wie sie Logain benutzen.
Benutzt, bis nichts mehr von dir übrig ist.«
»Ich weiß nicht... « Rand drehte den Kopf hin und her. Dieser eine Moment klaren Denkens, aus dem Zorn geboren, war verflogen. Als er ihn wieder zu erlangen suchte, wußte er nicht mehr, wie er dazu gekommen war. Seine Gedanken drehten sich im Kreis. Er ergriff einen davon wie ein Floß in einem Mahlstrom. Er zwang Worte aus sich heraus. Seine Stimme wurde kräftiger, je mehr er sprach. »Du... bist gebunden... in Shayol Ghul. Du und mit dir alle Verlorenen... gebunden durch den Schöpfer bis ans Ende der Zeit.«
»Das Ende der Zeit?« spöttelte Ba'alzamon. »Du lebst wie ein Käfer unter einem Felsbrocken und glaubst, dein Schleim sei das Universum. Der Tod der Zeit wird mir solche Macht verleihen, wie du sie dir nicht einmal erträumen kannst, Wurm.«
»Du bist gebunden... «
»Narr, ich bin niemals gebunden worden!« Die Flammen loderten so heiß, daß Rand zurücktrat und das Gesicht mit vorgehaltenen Händen schützte. Der Schweiß der Handflächen trocknete in der Hitze. »Ich stand an Lews Therin Brudermörders Schulter, als er tat, was ihm seinen Namen einbrachte. Ich war es, der ihm sagte, er solle seine Frau, seine Kinder und alle von seinem Blut und jede lebende Person töten, die ihn liebte oder die er liebte. Ich war es, der ihm einen Moment der Klarheit verschaffte, so daß er erkannte, was er getan hatte.
Hast du jemals einen Mann seine Seele ausschreien hören, Wurm? Er hätte mich in dem Augenblick schlagen können. Er hätte nicht gewonnen, doch er hätte es versuchen können. Statt dessen rief er seine geliebte Eine Macht auf sich selbst herab, und dies so heftig, daß die Erde sich auftat und den Drachenberg ausspie, um sein Grabstein zu werden.
Tausend Jahre später sandte ich die Trollocs nach Süden, und drei Jahrhunderte lang brandschatzten sie die Welt. Diese blinden Narren in Tar Valon behaupteten, ich sei am Ende geschlagen worden, aber der Zweite Pakt, der Pakt der Zehn Nationen, war unwiderruflich zerschlagen, und wer war dann noch übrig, mir zu widerstehen? Ich flüsterte in Artur Falkenflügels Ohr, und landauf, landab starben die Aes Sedai. Ich flüsterte wieder, und der Hochkönig sandte seine Armeen über das Aryth-Meer, über das Weltmeer, und besiegelte zwei Schicksale damit. Sein Traum von einem Land und einem Volk starb mit ihm, und dann noch ein zukünftiger Traum. Ich stand an seinem Totenbett, als seine Berater ihm sagten, nur eine Aes Sedai könne sein Leben retten. Ich sprach, und er befahl, seine Berater hinzurichten. Ich sprach, und die letzten Worte, die der Hochkönig ausrief, waren der Befehl, Tar Valon zu zerstören.