Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Umgeben von einem Dutzend seiner Krieger stand Cuul vor ihm.
Ein halbes Dutzend Schwertklingen folgte seinen Bewegungen, als Torian aufstand. Er wollte instinktiv zurückweichen, doch in seinem Rücken spürte er nur eine massive Wand, wo gerade noch der Zugang zu dem Labyrinth gewesen war.
»Ich hätte es wissen müssen«, knurrte Garth neben ihm. »Es war eine so plumpe Falle, daß nicht einmal ein Kind darauf hereingefallen wäre, aber ich habe es vor lauter Freude nicht wahrhaben wollen.«
»Warum?« fragte Torian tonlos.
Cuul lachte, ein böses, gemeines Lachen, ein Laut wie das Knistern trockener Blätter.
»Krila hat die Wahrheit gesagt. Es gibt auch für uns hier noch Orte, an denen unsere Macht endet. Der Tempel gibt ein Opfer von allein nicht wieder frei, so erschuf ich durch meine Geisteskraft den Gnom und schickte ihn in das Labyrinth. Ihr müßt zugeben, daß er seine Aufgabe gut gemacht hat, nicht wahr? Er hat euch nicht nur zu mir geführt, sondern euch auch noch entwaffnet.«
Zornig und hilflos sah Torian sich um. Hinter ihm befand sich nur die Mauer. Der Weg nach vorne wurde ihm von Cuul und den Kriegern versperrt. Sie hielten Schwerter in der Hand, und Torian hatte in der vergangenen Nacht erlebt, wie gut sie damit umzugehen verstanden. Waffenlos hatten Garth und er keine Chance.
Bewaffnet wahrscheinlich auch nicht. Aber er hätte sich mit einem Schwert in der Hand einfach wohler gefühlt.
Der Priester deutete seinen Blick richtig.
»Laß es«, sagte er lächelnd. »Ihr kämt keine drei Schritte weit.«
Kampfeslustig streckte Garth das Kinn vor und ballte die Fäuste. »Eigentlich ist es mir egal, wie wir sterben«, knurrte er. »Oder bist zu zufällig hergekommen, um uns ans Tor zu geleiten und unserer Wege ziehen zu lassen?« Im nächsten Moment stieß er sich ab und warf sich mit weit ausgebreiteten Armen auf Cuul.
Die Bewegung war so schnell, daß die Krieger um eine Winzigkeit zu spät reagierten. Der Dieb riß mehr als die Hälfte von ihnen und den Priester mit sich zu Boden.
»Lauf!« schrie er.
Torian reagierte augenblicklich. Er hetzte los, an dem Knäuel ineinander verschlungener Leiber vorbei, rannte einen weiteren Krieger kurzerhand über den Haufen und stieß noch einen weiteren um, der von dem unerwarteten Angriff völlig überrascht wurde. Aus den Augenwinkeln sah er eine Schwertklinge niedersausen und duckte sich darunter hinweg. Er versetzte dem Krieger einen harten Schlag und riß ihm das Schwert aus der Hand.
Sofort fuhr er herum und parierte einen weiteren Hieb. Sein Gegenangriff kam so schnell, daß der Mann keine Chance zum Ausweichen mehr hatte. Das Schwert traf seinen Arm und riß kaum verheilte Wunden wieder auf.
Der Weg war frei, und Torian stürmte durch die entstandene Lücke, bevor sie sich wieder schließen konnte. Erst zu spät erkannte er die Falle, in die er gelockt wurde. Ein vorgestreckter Fuß verhakte sich an seinem Bein. Er stolperte, rang vergeblich um sein Gleichgewicht und stürzte schwer zu Boden. Der Aufprall auf die steinernen Fliesen preßte ihm die Luft aus den Lungen. Bevor er sich wieder aufrappeln konnte, waren die Krieger über ihm. Schläge und Tritte hagelten auf ihn herab. Jemand drehte ihm den Arm mit brutaler Gewalt auf den Rücken und wand ihm das Schwert aus den Fingern. Torian schrie vor Schmerz, bäumte sich verzweifelt auf und versuchte seinen Arm loszureißen.
Ein Tritt traf seine Rippen und trieb ihm auch das letzte bißchen Luft aus den Lungen. Torian schrie erneut auf. Er packte blindlings zu, bekam den Fuß zu fassen und verdrehte ihn samt dem daranhängenden Mann.
Instinktiv riß er die Hände hoch, um sein Gesicht zu schützen, aber er hätte ein Dutzend und mehr Arme gebraucht, um die Schläge abzuwehren. Seine Augen begannen zuzuschwellen, und seine Lippe war aufgeplatzt. In seinem Mund war der metallischsüße Geschmack von Blut.
Während er nur noch blindlings um sich schlug und trat, gingen die Krieger berechnend vor; kalt wie Maschinen. Jeder Schlag war genau gezielt; keiner war hart genug, ihm das Bewußtsein zu rauben, aber jeder einzelne Treffer war schmerzhaft genug, daß er sich auf dem Boden zusammenkrümmte.
Blutige Schleier tanzten vor seinen verquollenen Augen. Er wehrte sich längst nicht mehr, auch dann nicht, als sie endlich aufhörten, ihn zu schlagen. Seine Beine waren taub und gefühllos, und als sich der Griff der Krieger für einen Augenblick lockerte, wäre er vor Schwäche fast zusammengebrochen. Er wurde vorwärtsgeschleift, bis sich Cuuls Gesicht aus dem roten Nebel vor seinem Blick schälte.
»Ihr Narren«, sagte der Priester verächtlich. »Das hättet ihr euch ersparen können. Aber ihr habt es ja nicht anders gewollt. Schafft sie fort!«
Wieder wurde Torian herumgerissen und grob weggeschleift. Er verlor endgültig das Bewußtsein.
Das Erwachen war eine Qual. Sein Körper schien in ein Netz aus Feuer eingewoben zu sein, und in seinem Kopf hämmerte ein entsetzlicher Schmerz, der ihm die Tränen unter den geschlossenen Lidern hervortrieb. Torian war in Schweiß gebadet.
Mühsam öffnete er die Augen, sah eine graue Steindecke über sich und versuchte sich aufzurichten, aber es ging nicht. Ein Seil war mehrfach um seinen Körper geschlungen und fesselte ihn so fest auf eine harte Unterlage, daß er kaum einen Finger rühren konnte. Mit äußerster Anstrengung gelang es ihm immerhin, den Kopf ein wenig zu drehen, so daß er mehr von seiner Umgebung erkennen konnte. Er befand sich in einer großen Halle, so groß daß der Lichtschein des Feuers, das in einer mit Öl gefüllten Schale neben ihm brannte, sie nicht annähernd zu erleuchten vermochte. Die Wände verloren sich irgendwo hinter dem erstickenden Mantel aus Finsternis und Schweigen, und auch die Decke war so hoch, daß sie fast unsichtbar blieb. Die Halle mußte wahrhaft gigantisch sein, denn sein leises Stöhnen wurde als vielfach verzerrtes Echo von den Wänden zurückgeworfen, aber trotz ihrer nicht abzuschätzenden Größe fühlte sich Torian von den Wänden erdrückt, als befände er sich in einer engen unterirdischen Gruft, in der man ihn bei lebendigem Leibe begraben hätte.
Kaum einen Meter neben ihm lag Garth. Auch er war auf einen schwarzen, quaderförmigen Felsklotz gefesselt, der Torian unangenehm an einen Opferaltar erinnerte. Das unstet huschende Licht verwandelte sein verquollenes, fiebrig glänzendes Gesicht in eine unförmige, von tanzenden Schatten erfüllte Totenmaske. Der Dieb war nicht bei Bewußtsein, aber die Schmerzen mußten ihn bis in seine Träume verfolgen, denn sein Körper zuckte wie in Krämpfen; von Zeit zu Zeit stieß er ein gedämpftes Stöhnen aus, und seine Lippen formten unhörbare Worte.
Noch während seines Fluchtversuches hatte Torian gesehen, wie ein Schwert Garth längs an der Brust traf und ihn zwar nicht durchbohrte, aber ihm eine stark blutende Fleischwunde zufügte. Trotzdem hatten die Krieger weiter auf ihn eingeschlagen.
Aber man hatte sie während ihrer Bewußtlosigkeit auch versorgt. Ein Verband spannte sich unter den Fesseln um Garth’ Brust. Das Blut war aus seinem Gesicht gewischt worden. Als Torian probehalber sein Kinn vorschob, bereitete ihm die Bewegung zwar Schmerzen, aber er spürte nicht das typische Spannen, das eingetrocknetes Blut auf der Haut verursachte.
Irgendwo vor ihm wurde ein schwerer Riegel zurückgezogen, dann schwang ein Portal auf, das dem schweren Ächzen der Scharniere zufolge gewaltig sein mußte. Schritte näherten sich, doch so sehr er sich auch anstrengte, es gelang Torian nicht, den Kopf zu heben und einen Blick auf die Ankömmlinge zu werfen. Er konzentrierte sich ganz auf die Geräusche. Es mußte sich um drei Menschen handeln; zwei, die die schweren Stiefel von Kriegern trugen, und eine weitere Person, deren Schritte fast lautlos waren.
»Es ist gut«, vernahm er eine weibliche Stimme. »Geht jetzt und laßt uns allein.«
Shyleen.
»Wie ihr wünscht, Herrin.« Die beiden Krieger entfernten sich und schlössen das Portal hinter sich wieder. Torian wartete, bis der Riegel einrastete.
»Shyleen«, murmelte er. »Was...«
»Uns bleibt nicht viel Zeit«, unterbrach ihn Shyleen. Sie beugte sich über ihn, so daß er ihr Gesicht sehen konnte. Der Ausdruck von Sorge darauf war nicht gespielt.