Die Zypressen von Cordoba
- Автор: Guiladi Yael
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Die Zypressen von Cordoba». Краткое содержание книги:
»Wie Ihr wünscht«, erwiderte Da'ud höflich. »Aber ehe Ihr geht, möchte ich Euch noch ein Geschenk machen, zum Ausdruck meiner Dankbarkeit für all das, was Ihr für König Judah, für mich und für das ganze jüdische Volk getan habt.«
Er erhob sich mühevoll, humpelte ins Haus und kam wenig später mit einem massiven Goldpokal wieder, dessen Fuß reich mit großen, viereckig geschliffenen Smaragden besetzt war.
»Ich danke Euch von ganzem Herzen für Eure Großzügigkeit, aber ich verdiene ein so wunderbares Geschenk nicht«, antwortete Demitrios mit offensichtlicher Aufrichtigkeit. »Ich habe nur meine Pflicht getan, habe den letzten Wunsch eines Ehrenmannes erfüllt, der mir das Leben gerettet hat.«
Ein Diener wurde herbeigerufen, der Demitrios zu seinem nächsten Ziel begleiten sollte. Sobald die beiden das Haus verlassen hatten, setzte sich Da'ud wieder hin und wandte seine ganze Aufmerksamkeit Ralambo zu.
»Ihr habt großen Mut bewiesen, daß Ihr so weit gereist seid, um mich aufzusuchen. Aber sagt mir, könnt Ihr die Aloenart erkennen, von der dieser Extrakt stammt?«
Ralambo antwortete nicht.
»Nun, könnt Ihr es?«
»Niemand außer den Stammesältesten darf in ihre Nähe. Aber ich kann Euch so viel Extrakt liefern, wie Ihr wollt«, bot er eifrig an.
»Das wäre ein Anfang, aber es reicht nicht aus.«
Hai betrachtete seinen Vater mit unverhohlenem Erstaunen. Sicher war doch das, was für die orientalischen Ärzte gut genug war, auch für sie hier in Córdoba ausreichend? Gewiß wäre es besser als gar nichts, und es würde ihnen die lang ersehnte Gelegenheit geben, die Eigenschaften dieses Heilmittels endlich zu erforschen. Aber Da'ud verfolgte sein Ziel unnachgiebig.
»Ihr habt gehört, was dem persischen Arzt geschehen ist«, erinnerte er Ralambo streng. »Das Mittel, das man ihm versprochen hatte – ob es nun dieses oder ein anderes war, spielt keine Rolle –, erreichte ihn nicht mehr rechtzeitig, um das Leben seiner Patientin noch zu retten. Praktizierende Ärzte können sich nicht auf eine Arznei verlassen, deren Quelle so weit entfernt liegt. Zu viele Gefahren bedrohen die Handelswege. Wir brauchen die Pflanze, damit wir sie hier ansiedeln und den Extrakt selbst herstellen können.«
Die kindliche Freude und der erwartungsvolle Eifer, die Ralambos Gesicht überstrahlt hatten, erloschen plötzlich. »Die kann ich Euch nicht bringen.«
»Vielleicht nicht Ihr allein, aber da Ihr wißt, wo sie zu finden ist, könnten wir Euch vielleicht helfen.«
Ralambo starrte ausdruckslos vor sich hin, verständnislos, völlig verwirrt. Er hatte erwartet, daß man ihn loben und für seine Taten großzügig entlohnen würde, nicht, daß man ihn ausfragte und wie einen Sklaven bedrängte.
»Zum Beispiel«, fuhr Da'ud fort und lehnte sich unter Mühen vor, wollte ihn unbedingt überzeugen, »könnten wir Euch und dem betreffenden afrikanischen Stammesfürsten so viel Geld, Gold oder Silber bezahlen, so viele Juwelen oder Schwerter oder Dolche geben, wie Ihr wollt, oder irgend etwas anderes, wonach Euch der Sinn steht.«
»Aber nur für den Extrakt«, wiederholte Ralambo störrisch, die Augen zu Boden gesenkt.
Da'ud ließ sich nicht beirren. »Wir könnten Euch auch ein zuverlässiges Schiff geben, das Euch zu Eurer Insel zurück und von dort durch die Meerengen und hinunter bis zur Spitze Afrikas bringen kann, damit Ihr die Pflanze holen könnt.«
Wieder schüttelte Ralambo den Kopf.
»Aber warum nicht?«
»Sie würden mich umbringen«, brachte er schließlich hervor.
»Dann geben wir Euch eine tüchtige Leibgarde mit, die Euch beschützen soll.«
»Nein, Herr. Wenn sie mich entdecken, dann werden sie in ihrer Rache die Rote Insel schrecklich verwüsten.«
»Ralambo«, fuhr Da'ud geduldig fort, als spräche er mit einem Kind. »Ihr habt Euren Mut, Eure Findigkeit und Eure Entschlossenheit bewiesen, indem Ihr ganz allein hierher nach Córdoba gereist seid. Ich bin überzeugt, Ihr könnt diese Aufgabe erfüllen, ohne daß Euch jemand dabei bemerkt.«
»Nein, Herr. Der Stamm dort ist sehr wild und grausam. Ich mache es nicht.«
»Mein Herr und Meister, der mächtige Kalif von Córdoba ist auch ein wilder, grausamer Mann. Wenn er herausfindet, daß Ihr von Alexandria gekommen seid, wo seine Feinde, die Fatimiden, herrschen, dann könnte er Euch verdächtigen, als Spion hier zu sein. Die Strafe dafür ist der grausamste Tod.«
Entsetzt schaute Hai von seinem Vater, der so verbissen sein Ziel verfolgte, zu Ralambo, dem unschuldigen Jungen von der Roten Insel, der drauf und dran war, auf Da'uds zynische Kniffe und Hinterlist hereinzufallen. Er brannte darauf, ihm zuzurufen: »Hüte dich vor den Großen und Mächtigen!« Doch nun war es schon zu spät.
»Wenn ich es mache«, sagte Ralambo mit bebender Stimme und zitternden Händen, »verspricht mir dann Euer Herr, der Kalif, daß ich, wenn ich mit dem Leben davonkomme und nach Córdoba zurückkehre, in Frieden in seinem Königreich leben kann?«
»Ohne Zweifel. Ihr habt mein feierliches Versprechen.«
Mit vor Eifer gerötetem Gesicht und einer Lebensenergie, die Hai nicht mehr an ihm gesehen hatte, seit ihn Abu'l Kasim im letzten Herbst am Knie operiert hatte, begann Da'ud die Einzelheiten der bewaffneten Expedition auszuarbeiten, die Ralambo anführen sollte. Er beriet sich mit Hai über die beste Art, wie man die Pflanze transportieren und auf der Reise pflegen sollte, berechnete Gezeiten, Winde und Jahreszeiten und kam schließlich zu dem Ergebnis, daß das Schiff unverzüglich in See stechen sollte, um im Laufe des folgenden Sommers zurückzukehren. Dann hätte er endlich nicht nur einen hinreichend großen Vorrat an Extrakt, sondern auch die Pflanzen, aus denen man ihn gewann. Man versprach Ralambo eine beträchtliche Summe, von der er einen Teil bei der Abreise, den Rest bei seiner Rückkehr bekommen sollte.
»Bis die Expedition vorbereitet ist und in See stechen kann, seid Ihr als Gast in meinem Hause willkommen«, sagte er lächelnd zu dem armen Tropf, nachdem man ihm alles in klaren und einfachen Worten erklärt hatte. Eine subtile Form des Hausarrests, begriff Hai, und eine Mischung aus Bewunderung und Widerwillen über den modus operandi seines Vaters vertiefte noch die Abneigung, die er lange schon gegen die krasse Wirklichkeit der Macht hegte. Wenn die Zeit gekommen war und er eine Entscheidung über seine eigene Zukunft fällen mußte, würde dann sein Vater in der Lage sein, ihn zu verstehen? fragte er sich, während er aufstand, um Ralambo dabei zu helfen, sich im Haus zurechtzufinden.
29
Ralambos Abreise hatte in Da'ud neues Leben geweckt. Seine Kraft kehrte zurück, und er konnte teilweise seine Tätigkeit bei Hofe wieder aufnehmen. Al-Hakam war so beeindruckt von der Entschlossenheit seines Arztes, die Pflanze zu bekommen, aus der man das sogenannte Wundermittel gewinnen konnte, hatte ein so lebhaftes Interesse an der Expedition des Malegassen gezeigt, daß er seine schnellsten und getreusten Sendboten – ausgestattet mit viel Gold für Bestechungen – in alle Häfen entlang des Weges geschickt hatte. Sie sollten sicherstellen, daß das Schiff und alle Mitglieder seiner Mannschaft jede mögliche Hilfe erhielten und daß man ihnen keine Hindernisse in den Weg stellte. Sie wußten sehr wohl, welches Schicksal sie erwartete, wenn sie diesen Auftrag nicht erfüllten.
Aber Da'uds Energie war nur von kurzer Dauer. Als der Winter hereinbrach, die eisigen Winde von den Bergen wehten und selbst die zähesten, sonnendurchtränkten Einwohner von Córdoba bis ins Mark frieren ließ, wurde allen offenbar, wie gebrechlich Da'ud wirklich war. Er konnte immer weniger Zeit im Palast verbringen, blieb schließlich ganz fort. Jeden Morgen stand er ein bißchen später auf, jeden Nachmittag war seine Siesta länger, so daß er sein Bett täglich nur noch für wenige Stunden verließ. Sein Interesse an den Dingen schwand, seine Wünsche schrumpften auf ein Mindestmaß. Seine Welt wurde immer kleiner, sein allmählich versagender Lebensgeist wandte sich immer mehr sich selbst zu, beschäftigte sich ausschließlich mit dem Kampf ums Überleben.