Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Историческая проза » Die Zypressen von Cordoba
Die Zypressen von Cordoba - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Die Zypressen von Cordoba

Электронная книга - «Die Zypressen von Cordoba». Краткое содержание книги:

Spanien im 10. Jahrhundert: Am Hof von Córdoba herrschen die Mauren. Der Kalif Abd ar-Rahman III. spürt, daß er von seinen Leibärzten verraten wird. Nur Da'ud ibn Yatom, dem Sohn des Vorstehers der jüdischen Gemeinde, vertraut er. Ihn beauftragt er, den großen Theriak wieder zu entdecken, ein Mittel, mit dem sich der Herrscher vor Schlangenbissen schützen will, vor denen er panische Angst hat. Falls Da'ud dies gelingt, wird er mit Gold überschüttet, falls nicht, droht der Kalif Da'ud und seine Familie auszulöschen …
1 ... 60 61 62 63 64 65 66 67 68 ... 105
Перейти на страницу:

»Wir sind die einzigen, für die der Extrakt überhaupt einen Wert hat«, lächelten sie selbstgefällig und zerquetschten ihn damit wie eine lästige Fliege. Aber Ralambo hatte ein Gegenargument vorgebracht. Warum sollten diese Inder die einzigen sein, die diesem Extrakt einen Wert beimaßen, dessen Ausgangsstoffe die Afrikaner so grimmig bewachten? Was sie oder ihre Kunden entdeckt hatten, könnten doch auch andere herausfinden. Er würde den Stoff nicht nach Osten, sondern nach Westen bringen. Irgendwo mußte es doch einen Mann geben, der weise genug war, um ebenfalls entdecken zu können, was die Inder daran so hoch schätzten …

Auf seinem Rundgang über das Schiff blieb der Kapitän kurz stehen und lehnte seinen massigen Körper neben Ralambo über das Heckbord. In einem seltenen Anflug von Gesprächigkeit erklärte er dem hoch aufgeschossenen, dunkelhäutigen Passagier, man sei auf dem Weg nach Piräus, wo man eine Ladung Weizen aufnehmen werde, die für den Heimathafen des Schiffes, Venedig, bestimmt sei. Durch die kurz aufgeflackerte Herzlichkeit des Seemanns ermutigt, fragte Ralambo ihn: »Leben in einer dieser beiden Städte die weisesten Männer des Westens?«

»Wenn Ihr weise Männer sucht, so müßt Ihr weiter reisen, als Ihr vorhattet, so weit nach Westen, wie es nur geht, denn nur in Córdoba könnt Ihr die größten Gelehrten des Mittelmeerraumes finden.«

Ralambo wollte gerade fragen, wie weit es von Sevilla nach Córdoba sei, aber da hatte sich der Kapitän schon abgewandt und seinen Rundgang erneut aufgenommen.

Einer nach dem anderen versammelten sich die restlichen Passagiere an Deck. Es waren wohlhabende venezianische Kaufleute, die sich leise miteinander unterhielten und den Sohn der Roten Insel ignorierten, der nun mit angezogenen Knien auf seiner Lamba saß, die Arme um die Beine geschlungen, die nackten Füße an den Knöcheln gekreuzt, den starren Blick ins Nichts gerichtet. Gerne hätte er auch sie gefragt, wo die weisesten Männer des Westens zu finden seien, aber es war ein solcher Hochmut um sie, daß sie ihn einschüchterten. Dieses Gefühl war ihm nicht neu. Als Sohn einer melanesischen Mutter und eines afrikanischen Vaters war er von Kindesbeinen an von beiden Völkern verachtet worden, die auf der Großen Roten Insel nicht gerade freundschaftlich zusammenlebten, die Melanesier in den kühleren Bergregionen, die Afrikaner entlang der heißen Küste. Auf der Suche nach einer Zuflucht vor den Belästigungen beider Seiten, nach einem Ort, wo er mit seiner zarten asiatischen Frau – ›meiner kleinen Porzellanpuppe‹, wie er sie nannte – in Frieden leben konnte, hatte sich sein Vater in den Ausläufern der Berge zwischen den beiden Gebieten niedergelassen. Er hatte zurückgezogen gelebt. Inmitten des üppigen immergrünen Regenwaldes und der violetten und blauen Jacarandablüten, fasziniert von den winzigen Vögeln, deren glänzende bunte Federn in der Sonne schimmerten wie Edelsteine in einer saftigen grünen Fassung, hingerissen von den Schmetterlingen, deren zahllose auffällige Muster ein Fest für sein schönheitsliebendes Auge waren, hatte er sich kaum je in die weite Welt hinaus gewagt. Wenn Ralambo immer von einer Reise in den Westen geträumt hatte, dann nicht nur, weil er von Natur aus neugierig und rastlos war. Er wollte auch aus der Abgeschiedenheit ausbrechen, in der er aufgewachsen war, und von der Insel entkommen, zu deren beiden Volksstämmen er nicht gehörte. Im Westen würde er ein Fremder sein, aber kein Ausgestoßener, der wegen seines gemischten Blutes verachtet wurde.

Gegen Abend versammelten sich die Matrosen auf dem Achterdeck und ließen eine Korbflasche kreisen, aus der sie alle in langen, schmatzenden Zügen tranken. In einer freundlichen Geste reichte einer von ihnen die Flasche auch an Ralambo weiter, der so trank, wie er es von den anderen gesehen hatte. Er schauderte beim Geschmack der rötlichen Flüssigkeit, die ihm scharf auf der Zunge brannte, lächelte aber anerkennend, um die Seeleute nicht zu beleidigen oder gar in ihren Augen lächerlich zu erscheinen. Die Flasche ging einmal, zweimal, dreimal, viermal herum, und Ralambo trank, wenn er an der Reihe war, wie alle anderen. Dann jedoch begannen seine Wangen zu glühen, es drehte sich ihm alles vor Augen, und ihn überfiel eine unerklärliche Müdigkeit. Leise zog er sich aus dem Kreis der lauten Matrosen zurück, legte sich auf seine Lamba und fiel in trunkenen Schlaf bis zum Mittag des nächsten Tages.

Demitrios ging unruhig auf und ab, immer auf und ab im halbmondförmigen Hafen von Rhodos. Er war ein Opfer seiner eigenen Unentschlossenheit. Wie oft durfte ein Mann sein Schicksal herausfordern? fragte er sich, hatte immer noch nicht ganz begriffen, wie er den unaussprechlichen Schrecken heil hatte entkommen können, die er seit seiner Ankunft in Chasarien durchlebt hatte. Der König hatte ihn herbeigerufen, damit er dessen kranken Bruder behandelte. Doch einen Tag zuvor waren Berichte eingetroffen, daß die Russen auf den Don zu marschierten. Bei seiner Ankunft im herrlich vergoldeten Palast hatte man ihm nicht einmal genug Zeit gelassen, sich zu baden und nach der langen Reise aus Byzanz ein wenig zu erfrischen.

»Wir müssen in aller Eile in die Festung Sarkel«, hatte ihn König Judah gedrängt und ihn rasch durch eine Reihe goldener Kammern geführt, die verlassen waren, da die Elite des Königreiches in die Schlacht gezogen war. Der gedrungene, bärtige Herrscher hatte ihm die Zügel eines kräftigen Pferdes gereicht, dem man eilig einen Sattelteppich übergeworfen hatte, und ihm knapp erklärt: »Solche Überfälle häufen sich in letzter Zeit. Die Russen versuchen uns zu zermürben, damit sie uns eines Tages ganz erobern können, um einen vor fünfzehn Jahren begonnenen Plan zu vollenden. Wir erwarten, daß sie wie immer in Sarkel angreifen, wo man den Fluß durch die Sümpfe und über die Furten am leichtesten überqueren kann. Wir müssen die Russen unbedingt zurückdrängen, ehe sie einen Fuß auf unser Territorium setzen. Dank der Festung, die Eure Landsleute vor über einem Jahrhundert dort für uns errichtet haben, sind wir ihnen bisher immer erfolgreich entgegengetreten, aber wir haben keine Zeit mehr zu verlieren.«

»Was ist aber mit Eurem Bruder?«

»Als ehemaliger Oberbefehlshaber des Heeres hat er sich kategorisch geweigert, hierzubleiben. Ich habe ihn auf einer Trage vorausgeschickt. Unsere Haupttruppen sind im Morgengrauen aufgebrochen. Wenn Ihr schnell reitet, könnt Ihr sie noch einholen. Wir treffen uns in der Festung«, schloß er und stampfte davon, um einer Kavallerieeinheit, deren feurige Pferde schon ungeduldig mit den Hufen scharrten, seine Befehle zu erteilen.

Es war alles ein grauenvoller Irrtum gewesen. Dieses Mal war das Auftauchen der Truppe, scheinbar nur ein weiterer Überfall im Zermürbungskrieg der Russen, lediglich ein Ablenkungsmanöver gewesen, um die Chasaren in Richtung Nordwesten zu ihrer flußaufwärts gelegenen strategischen Festung zu locken. In der Zwischenzeit drangen die Haupttruppen der Russen von Süden her das Tal des Don hinauf und überrannten problemlos die schwach besetzten Festungen, die König Judah dort zurückgelassen hatte. Als ihn die Nachricht vom vollen Ausmaß der Katastrophe erreichte, waren König Judah und seine Mannen bereits umzingelt. Sie konnten den russischen Angreifern, die Zeit gehabt hatten, sich gegenüber von Sarkel auf dem rechten Flußufer auf erhöhtem Gelände einzugraben, nichts entgegensetzen. Es war keineswegs einer der üblichen Überfälle, vielmehr war diesmal der Angriff auf die Festung der Chasaren Teil einer großen russischen Offensive, mit der man das heiß begehrte Königreich in die Knie zwingen wollte.

Anstatt den Bruder des Königs zu behandeln, der auf der Reise nach Sarkel sein Leben ausgehaucht hatte, kümmerte sich Demitrios nun um die Verwundeten, die wenigen ›Glücklichen‹, die die Kämpfe und die erbarmungslosen Sümpfe des Flußtals überlebt hatten, wo die Schlacht getobt hatte. Von morgens bis abends und bei Nacht sogar im flackernden Schein einer einzigen Kerze hatte er gebrochene Knochen geschient, Wunden versorgt und versucht, mit freundlichen Worten das Los derjenigen zu lindern, für die er nichts mehr tun konnte. Was für eine völlig andere Welt, als sich um die Blähungen der reichen byzantinischen Händler zu kümmern oder um die Migräne ihrer verzärtelten Frauen, für die er auf Abruf bereitzustehen hatte …

1 ... 60 61 62 63 64 65 66 67 68 ... 105
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)