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Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn

Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:

Möge das Gute siegen! Möge die Liebe siegen! Das grandiose Finale! Katniss gegen das Kapitol! Schwer verletzt wurde Katniss von den Rebellen befreit und in Distrikt 13 gebracht. Doch ihre einzige Sorge gilt Peeta, der dem Kapitol in die Hände gefallen ist. Die Regierung setzt alle daran, seinen Willen zu brechen, um ihn als Waffe gegen die Rebellen einsetzen zu können. Gale hingegen kämpft weiterhin an der Seite der Aufständischen, und das, zu Katniss' Schrecken, ohne Rücksicht auf Verluste. Als sie merkt, dass auch die Rebellen versuchen, sie für ihre Ziele zu missbrauchen, wird ihr klar, dass sie alle nur Figuren in einem perfiden Spiel sind. Es scheint ihr fast unmöglich, die zu schützen, die sie liebt.
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Stimmt. Denn jetzt hassen ihn nicht nur Leute wie Tigris, sondern alle, die nun wissen, was er ihren Freunden und Familien angetan hat. Es würde an ein Wunder grenzen, wenn wir ihn aus dem Palast herauslocken könnten. Da brauchten wir schon …

»Für mich käme er hundertprozentig heraus«, sage ich. »Wenn ich gefangen genommen würde. Das hätte er bestimmt gern so öffentlich wie möglich. Er würde mich auf den Stufen zu seinem Palast hinrichten lassen.« Ich lasse meine Worte wirken. »Dann könnte Gale ihn aus dem Publikum heraus erschießen.«

»Nein«, entgegnet Peeta kopfschüttelnd. »Der Plan könnte auch ganz anders ausgehen. Zum Beispiel könnte Snow dich erst foltern, um an Informationen zu kommen. Oder er lässt dich hinrichten, ohne selbst in Erscheinung zu treten. Oder er tötet dich im Palast und stellt draußen nur noch deinen toten Körper zur Schau.«

»Gale?«, frage ich.

»Ich finde den Vorschlag zu extrem, um sich gleich dafür zu entscheiden«, sagt er. »Wenn alles andere schiefgeht, vielleicht. Lasst uns weiter nachdenken.«

In der nun folgenden Stille hören wir Tigris’ leise Schritte über uns. Feierabend. Sie schließt den Laden, legt wohl auch die Riegel vor. Kurz darauf wird das Brett oben an der Treppe beiseitegeschoben.

»Kommt rauf«, sagt sie schnurrend. »Ich habe euch etwas zu essen gemacht.« Es sind die ersten Worte, die sie zu uns sagt. Ob von Natur aus oder aufgrund jahrelanger Übung, weiß ich nicht, jedenfalls hat ihre Stimme etwas Katzenhaftes.

Während wir die Treppe hochsteigen, fragt Cressida: »Hast du Kontakt zu Plutarch aufgenommen, Tigris?«

»Unmöglich«, erwidert Tigris achselzuckend. »Er wird sich schon denken, dass ihr irgendwo untergekommen seid. Keine Sorge.«

Keine Sorge? Mir fällt ein Riesenstein vom Herzen, als ich erfahre, dass ich keine direkten Befehle aus 13 bekomme - und missachten muss. Keine Ausreden zu erfinden brauche für all die Entscheidungen, die ich in den letzten Tagen getroffen habe.

Auf dem Ladentisch liegen ein paar alte Kanten Brot, eine Ecke verschimmelter Käse und eine halbe Flasche Senf. Nicht jeder im Kapitol hat dieser Tage einen vollen Bauch. Ich fühle mich verpflichtet, Tigris von unseren Essensvorräten zu erzählen, aber sie wischt meine Einwände mit einer Handbewegung beiseite. »Ich esse so gut wie gar nichts«, sagt sie. »Und wenn, dann nur rohes Fleisch.« Ich finde, jetzt übertreibt sie ihre Rolle etwas, aber ich enthalte mich jeden Kommentars. Ich kratze den Schimmel vom Käse und teile das Essen unter uns auf.

Während wir kauen, schauen wir die neuesten Nachrichten des Kapitols. Die Regierung hat uns fünf als überlebende Rebellen identifiziert. Für Hinweise, die zu unserer Ergreifung führen, sind riesige Belohnungen ausgesetzt. Es wird betont, dass wir gefährlich sind. Man sieht, wie wir uns eine Schießerei mit Friedenswächtern liefern, aber nicht, wie die Mutationen ihnen die Köpfe abreißen. In rührseliger Weise wird über die Frau berichtet, die noch immer so daliegt, wie wir sie zurückgelassen haben, mit meinem Pfeil in ihrem Herzen. Für die Kameras wurde allerdings ihr Make-up aufgefrischt.

Die Übertragung läuft ungestört. »Haben die Rebellen heute eine Erklärung verlesen?«, frage ich Tigris. Sie schüttelt den Kopf. »Coin weiß wohl nicht, was sie mit mir anfangen soll, jetzt, da ich noch am Leben bin.«

Tigris gibt ein kehliges Gekicher von sich. »Keiner weiß, was er mit dir anfangen soll, Mädel.« Dann drängt sie mir ein Paar von ihren Pelzleggings auf, obwohl ich sie nicht bezahlen kann. Das ist so ein Geschenk, das man einfach annehmen muss. Außerdem ist es in dem Keller auch ziemlich kalt.

Nach dem Abendessen steigen wir wieder hinunter und zerbrechen uns den Kopf darüber, wie es weitergehen soll. Keiner hat eine zündende Idee, aber wir sind uns einig, dass wir nicht länger als Fünfergruppe hinausgehen können und dass wir erst einmal versuchen sollten, auf andere Weise in den Präsidentenpalast zu gelangen, ehe ich mich als Köder anbiete. Um Streit zu vermeiden, stimme ich zu. Falls ich beschließe, mich zu opfern, treffe ich diese Entscheidung sowieso allein, ohne die Erlaubnis oder Hilfe anderer.

Wir wechseln die Verbände, fesseln Peeta wieder an seine Treppenstütze und legen uns schlafen. Ein paar Stunden später wache ich auf und werde Zeuge einer leisen Unterhaltung. Peeta und Gale. Es ist unmöglich, nicht zu lauschen.

»Danke für das Wasser«, sagt Peeta.

»Nicht der Rede wert«, antwortet Gale. »Ich wache sowieso jede Nacht zehnmal auf.«

»Um sicherzugehen, dass Katniss noch da ist?«, fragt Peeta. »So was in der Art«, gibt Gale zu.

Es folgt eine lange Pause, dann spricht Peeta weiter. »Das war lustig, was Tigris gesagt hat. Dass keiner weiß, was er mit ihr anfangen soll.«

»Tja, wir jedenfalls nicht«, sagt Gale.

Sie lachen. Es ist wirklich komisch, sie so reden zu hören.

Fast, als wären sie Freunde. Sie sind aber keine. Waren nie welche. Wobei, richtige Feinde sind sie auch nicht.

»Sie liebt dich, weißt du?«, sagt Peeta. »Das hat sie mir mehr oder weniger deutlich gesagt, als du ausgepeitscht wurdest.«

»Glaub ich nicht«, entgegnet Gale. »So, wie sie dich beim Jubel-Jubiläum geküsst hat … also, mich hat sie nie so geküsst.«

»Das gehörte doch zur Show«, sagt Peeta, obwohl ein Hauch von Zweifel in seiner Stimme liegt.

»Nein, du hast sie rumgekriegt. Du hast alles für sie aufgegeben. Vielleicht ist das der einzige Weg, sie zu überzeugen, dass du sie liebst.« Wieder eine lange Pause. »Ich hätte bei den ersten Spielen freiwillig an deiner Stelle gehen sollen. Dann hätte ich sie beschützt.«

»Konntest du aber nicht«, wendet Peeta ein. »Das hätte sie dir nie verziehen. Du musstest für ihre Familie sorgen. Ihre Familie bedeutet ihr mehr als ihr Leben.«

»Was soll’s, das Problem löst sich ja bald von selbst. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass wir alle drei das Ende dieses Kriegs erleben werden. Und selbst wenn, ist es eher Katniss’ Problem. Wen sie erwählt.« Gale gähnt. »Wir sollten noch ein bisschen schlafen.«

»Ja.« Peetas Handschellen rutschen an der Stütze herunter, er hat sich wieder hingelegt. »Ich frage mich, wie sie ihre Entscheidung treffen wird.«

»Das ist nicht so schwer«, höre ich Gale noch durch eine Schicht Pelze murmeln. »Katniss wird den nehmen, von dem sie denkt, dass sie ohne ihn nicht überleben kann.«

24

Mich schaudert. Bin ich wirklich so kalt und berechnend? Gale hat nicht gesagt: »Katniss wird den nehmen, bei dem es ihr das Herz bricht, wenn sie ihn aufgeben muss«, oder gar »ohne den sie nicht leben kann«. Das hätte immerhin vorausgesetzt, dass ich irgendwie von Leidenschaft geleitet wäre. Doch mein bester Freund prophezeit, dass ich den nehmen werde, von dem ich denke, dass ich »ohne ihn nicht überleben kann«. Er hält es für ausgeschlossen, dass ich von Liebe oder Verlangen oder auch nur der Frage, wer am besten zu mir passt, getrieben sein könnte. Gales Meinung nach werde ich kühl kalkulieren, welcher meiner potenziellen Gefährten mir mehr zu bieten hat. Als ginge es nur um die Frage, ob mir ein Bäcker oder ein Jäger ein längeres Leben verspricht. Es ist schrecklich, dass Gale so etwas sagt. Und dass Peeta nicht widerspricht. Wo mir doch all meine Gefühle vom Kapitol oder von den Rebellen genommen und ausgeschlachtet wurden. In diesem Augenblick fiele mir die Wahl leicht. Ich kann prima ohne die beiden überleben.

Am nächsten Morgen habe ich weder Kraft noch Zeit, mich um verletzte Gefühle zu kümmern. Zum Frühstück, das aus Leberpastete und Feigenkeksen besteht und das wir noch vor dem Morgengrauen einnehmen, versammeln wir uns vor Tigris’ Fernseher und warten darauf, dass Beetee sich einschaltet. Es gibt neue Entwicklungen im Kriegsverlauf. Offenbar inspiriert von der schwarzen Welle, ist den Rebellenkommandeuren die Idee gekommen, die zurückgelassenen Automobile der Leute zu konfiszieren und sie als unbemannte Vorhut durch die Straßen zu schicken. Jede Kapsel lösen die Autos zwar nicht aus, aber die meisten natürlich schon. Mithilfe dieser Taktik haben die Rebellen seit dem frühen Morgen damit begonnen, drei getrennte Schneisen ins Zentrum des Kapitols zu schlagen - schlicht als Linie A, B und C bezeichnet. So können sie ohne nennenswerte Verluste einen Straßenzug nach dem anderen erobern.

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