Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
Es geht ganz still vonstatten. So still, dass ich es gar nicht bemerkt hätte, wenn Finnick mich nicht zurückreißen würde. »Katniss!«
Ich fahre herum, mit schussbereitem Pfeil, aber was kann ich tun? Zwei von Gales Pfeilen liegen bereits, ohne dass sie etwas ausrichten konnten, neben dem breiten goldenen Lichtstrahl, der von der Decke bis zum Boden reicht. Reglos wie eine Statue steht Messalla darin, auf einem Fußballen balancierend, den Kopf nach hinten gekippt, vom Strahl gebannt. Ich weiß nicht, ob er schreit, aber sein Mund ist weit aufgerissen. Völlig hilflos schauen wir zu, während das Fleisch von seinem Körper tropft wie Kerzenwachs.
»Ihr könnt ihm nicht helfen!«, ruft Peeta und stößt uns weiter. »Seht das doch ein!« Eigenartigerweise hat er sich als Einziger noch so weit unter Kontrolle, dass er uns antreibt. Warum er das tut, weiß ich nicht, eigentlich müsste er doch ausrasten und mir den Kopf einschlagen. Obwohl - das kann jeden Augenblick passieren. Als ich den Druck seiner Hand auf meiner Schulter spüre, wende ich mich von dem grausigen Etwas ab, das einmal Messalla gewesen ist; ich befehle meinen Füßen weiterzulaufen, schnell, so schnell, dass ich vor der nächsten Kreuzung gerade noch rechtzeitig stehen bleibe.
Plötzlich lässt eine MG-Salve einen Schauer aus Putz niederregnen. Ruckartig schaue ich hin und her, suche nach einer Kapsel, bis ich endlich den Trupp Friedenswächter bemerke, der über den Transfer auf uns zugestampft kommt. Da uns der Fleischwolf den Rückweg abschneidet, bleibt uns nur, das Feuer zu erwidern. Sie sind doppelt so viele wie wir, aber wir haben immer noch sechs Originalmitglieder des Star-Trupps, und die versuchen nicht, gleichzeitig zu rennen und zu schießen.
Leichte Beute, denke ich, da bekommen ihre weißen Uniformen plötzlich rote Flecken. Im Nu liegen drei Viertel tot am Boden, und aus einem einmündenden Tunnel kommen noch mehr hervor - genau aus dem Tunnel, durch den ich vorhin diesem Geruch entflohen bin, dem Geruch nach …
Das da sind keine Friedenswächter.
Sie sind zwar weiß, haben vier Gliedmaßen und etwa die Größe eines Erwachsenen, aber damit hört die Ähnlichkeit auch schon auf. Nackt, mit langen Reptilienschwänzen, gekrümmten Rücken und nach vorn ragenden Köpfen. Sie fallen über die Friedenswächter her, die lebenden und die toten, verbeißen sich in ihre Nacken und reißen die behelmten Köpfe ab. Offenbar nützt einem die Herkunft aus dem Kapitol hier genauso wenig wie in Distrikt 13. Innerhalb weniger Sekunden sind die Friedenswächter enthauptet. Die Mutationen lassen sich auf alle viere fallen und jagen auf uns zu.
»Hier entlang!«, rufe ich den anderen zu. Ich bleibe dicht an der Mauer und biege dann scharf rechts ab, um der Kapsel auszuweichen. Als alle wieder bei mir sind, schieße ich in die Kreuzung, und der Fleischwolf tritt in Aktion. Riesige mechanische Zähne brechen durch die Straße und zermalmen die Fliesen zu Staub. Eigentlich dürfte es den Mutationen damit unmöglich sein, uns zu folgen, aber wer weiß? Die Wolfs-und Affenmutationen seinerzeit konnten unglaublich weit springen.
Das Zischen brennt sich in meine Ohren und von dem Rosengestank wird mir ganz schwindelig.
Ich packe Pollux am Arm. »Vergiss den Auftrag. Wie kommen wir am schnellsten an die Oberfläche?«
Wir haben keine Zeit, auf das Holo zu schauen. Wir folgen Pollux etwa zehn Meter über den Transfer, dann geht es durch eine Tür. Ich registriere, dass die Fliesen von Beton abgelöst werden, dass wir durch ein enges, stinkendes Rohr kriechen, bis es an einem etwa dreißig Zentimeter breiten Vorsprung endet. Einen Meter unter uns fließt der Hauptabwasserkanal, eine giftige, brodelnde Brühe aus menschlichen Exkrementen, Müll und chemischen Abwässern. An manchen Stellen brennt die Wasseroberfläche, an anderen steigen unheilvoll aussehende Dampfwolken auf. Wer da hineinfällt, kommt nie wieder heraus, das sieht man auf den ersten Blick. So schnell es irgend geht, laufen wir über den glitschigen Vorsprung bis zu einer schmalen Brücke und überqueren sie. Pollux klatscht mit der Hand auf eine Leiter, die in einer Nische steht, und zeigt nach oben. Das ist er. Unser Weg nach draußen.
Ein rascher Blick auf unsere Schar zeigt mir, dass jemand fehlt. »Wartet! Wo sind Jackson und Leeg 1?«
»Beim Fleischwolf, die Mutationen aufhalten«, sagt Homes.
»Was?« Niemanden würde ich diesen Monstern überlassen. Ich stürze zurück zur Brücke, aber Homes reißt mich zurück.
»Lass sie nicht vergeblich gestorben sein, Katniss. Für die beiden ist es sowieso zu spät. Schau!« Homes nickt zum Rohr hin, wo die ersten Mutationen über den Vorsprung schlittern.
»Aus dem Weg!«, ruft Gale. Er schießt seine Sprengpfeile ab und reißt das hintere Ende der Brücke aus der Verankerung. Genau in dem Moment, als die Mutationen die Brücke erreichen, versinkt sie vollständig in der brodelnden Kloake.
Zum ersten Mal kann ich die Viecher genauer betrachten. Eine Mischung aus Mensch und Echse und wer weiß was noch. Weiße, straffe Reptilienhaut, verschmiert mit geronnenem Blut, klauenbewehrte Hände und Füße, groteske Gesichter. Sie zischen meinen Namen, kreischen ihn jetzt fast, während ihre Körper sich vor Wut winden. Sie schlagen mit Klauen und Schwänzen um sich, reißen sich im wahnsinnigen Verlangen, mich zu zerstören, gegenseitig oder selbst mit aufgerissenen, schäumenden Mäulern riesige Stücke aus dem Leib. Mein Geruch muss für sie so unerträglich sein wie ihrer für mich. Sogar noch schlimmer, denn plötzlich springen die Mutationen eine nach der anderen in den fauligen Abwasserkanal - ungeachtet des Gifts.
Vom anderen Ufer aus eröffnen wir das Feuer. Wahllos schieße ich meine Pfeile in die Körper der Mutationen, die gewöhnlichen und die mit Feuer-und Sprengspitzen. Sie sind tödlich, aber es ist knapp. Kein natürliches Wesen könnte sich mit zwei Dutzend Kugeln im Leib auf den Beinen halten. Irgendwie schaffen wir es, sie zu töten, doch es sind so unglaublich viele, die immer weiter aus dem Rohr strömen und sich ohne Zögern ins giftige Wasser stürzen.
Aber nicht ihre schiere Masse lässt meine Hände so stark zittern.
Es gibt keine guten Mutationen. Sie sind alle dazu da, Schaden anzurichten. Manche trachten einem nach dem Leben, wie die Affen. Andere sollen den Verstand ausschalten, wie die Jägerwespen. Doch am grausamsten und furchterregendsten sind die, die mit einem perversen psychologischen Trick ausgestattet sind. Die Wolfsmutationen mit den Augen der toten Tribute. Die Schnattertölpel, die Prims gefolterte Stimme nachahmten. Der Geruch von Snows Rosen, vermischt mit dem Blut der Opfer. Dieser Geruch weht jetzt über den Abwasserkanal herüber. Verbreitet sich trotz des Fäulnisgestanks. Lässt mein Herz rasen, meine Haut zu Eis erstarren, hindert meine Lunge daran, Luft aufzunehmen. Als würde Snow mir direkt ins Gesicht atmen, weil es Zeit ist zu sterben.
Die anderen rufen, doch ich kann nicht antworten. Und während ich einer Mutation den Kopf wegpuste, die nach meinem Knöchel greifen wollte, werde ich plötzlich von starken Armen gepackt und gegen die Leiter gestoßen. Jemand legt meine Hände auf die Sprossen. Befiehlt mir zu klettern. Meine hölzernen Puppenarme gehorchen. Durch die Bewegung komme ich langsam zur Besinnung. Über mir erkenne ich Pollux. Peeta und Cressida folgen mir. Wir erreichen eine Plattform. Erklimmen eine zweite Leiter. Der allgegenwärtige Schimmel und unser Schweiß machen die Sprossen glitschig. Als wir die nächste Plattform erreichen, ist mein Kopf wieder klar, und schlagartig wird mir bewusst, was geschehen ist. Hektisch ziehe ich die Leute herauf, die nach mir kommen. Peeta. Cressida. Das sind alle.