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Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn

Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:

Möge das Gute siegen! Möge die Liebe siegen! Das grandiose Finale! Katniss gegen das Kapitol! Schwer verletzt wurde Katniss von den Rebellen befreit und in Distrikt 13 gebracht. Doch ihre einzige Sorge gilt Peeta, der dem Kapitol in die Hände gefallen ist. Die Regierung setzt alle daran, seinen Willen zu brechen, um ihn als Waffe gegen die Rebellen einsetzen zu können. Gale hingegen kämpft weiterhin an der Seite der Aufständischen, und das, zu Katniss' Schrecken, ohne Rücksicht auf Verluste. Als sie merkt, dass auch die Rebellen versuchen, sie für ihre Ziele zu missbrauchen, wird ihr klar, dass sie alle nur Figuren in einem perfiden Spiel sind. Es scheint ihr fast unmöglich, die zu schützen, die sie liebt.
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»Die Schüsse kommen vom Dach über uns«, sage ich. Ich sehe noch mehr weiße Uniformen, die auf die verschneiten Straßen strömen. »Sie zielen auf die Friedenswächter, aber sie sind nicht besonders treffsicher. Es müssen die Rebellen sein.« Ich empfinde keinen Triumph, obwohl meine Verbündeten offenbar den Durchbruch geschafft haben. Ich bin ganz gebannt von dem zitronengelben Mantel.

»Wenn wir jetzt schießen, war’s das«, sagt Gale. »Dann weiß alle Welt, dass wir es sind.«

Das ist wahr. Wir haben nur unsere berühmten Bogen. Ein Pfeil würde beiden Seiten signalisieren, dass wir hier sind.

»Nein«, sage ich energisch. »Wir müssen Snow kriegen.«

»Dann machen wir uns lieber aus dem Staub, bevor die ganze Straße in die Luft fliegt«, sagt Gale. Wir halten uns dicht an der Häuserwand. Nur dass die Wand hauptsächlich aus Schaufenstern besteht, an die sich schwitzende Handflächen und gaffende Gesichter drücken. Ich ziehe mir den Schal über die Wangenknochen. Hinter einem Verkaufstisch mit gerahmten Porträts von Snow stoßen wir auf einen verwundeten Friedenswächter, der an einer Ziegelmauer lehnt. Er bittet uns um Hilfe. Gale rammt ihm das Knie gegen die Schläfe und nimmt sein Gewehr an sich. An der Kreuzung erschießt er einen zweiten Friedenswächter, jetzt haben wir beide Feuerwaffen.

»Und wen sollen wir jetzt darstellen?«, frage ich.

»Verzweifelte Bürger des Kapitols«, sagt Gale. »Die Friedenswächter werden denken, dass wir auf ihrer Seite stehen, und die Rebellen haben hoffentlich interessantere Ziele.«

Ob das so schlau ist, frage ich mich, während wir über die Kreuzung sprinten. Doch als wir die andere Seite erreichen, spielt es keine Rolle mehr, wer wir sind. Wer überhaupt jemand ist. Denn auf Gesichter achtet hier niemand. Die Rebellen sind schon da. Sie strömen auf die Straße, suchen Deckung in Hauseingängen und hinter Fahrzeugen, Gewehrfeuer blitzt auf, heisere Stimmen rufen Kommandos, sie bereiten sich darauf vor, eine Armee aus Friedenswächtern anzugreifen, die auf uns zumarschiert. Mittendrin sitzen die Flüchtlinge in der Falle, unbewaffnet, orientierungslos, viele verletzt.

Vor uns geht eine Kapsel los und setzt einen Dampfstrahl frei, der jeden, der davon getroffen wird, augenblicklich verbrüht. Die Opfer sind im Nu rosa wie Eingeweide und mausetot. Danach ist das letzte bisschen Ordnung dahin. Die Dampfkringel werden eins mit den Schneeflocken und meine Sicht reicht kaum noch bis zum Ende meines Gewehrlaufs. Friedenswächter, Rebell, Bürger - wer weiß? Alles, was sich bewegt, gibt ein Ziel ab. Die Leute schießen reflexhaft und ich bilde keine Ausnahme. Mit klopfendem Herzen und voller Adrenalin sehe ich in jedem einen Feind. Nur nicht in Gale. Mein Jagdgefährte, der Einzige, dem ich vertraue. Uns bleibt nichts anderes übrig, als vorzurücken und jeden zu töten, der unseren Weg kreuzt. Schreiende Menschen, blutende Menschen, tote Menschen überall. Als wir die nächste Ecke erreichen, erstrahlt der ganze Straßenzug vor uns in einem leuchtend violetten Glanz. Wir ziehen uns zurück, verschanzen uns in einem Treppenaufgang und blinzeln in den Lichtschein. Mit denen, die von dem Licht erfasst werden, geschieht etwas. Sie werden angegriffen, aber wovon? Von einem Geräusch? Einer Welle? Einem Laser? Sie lassen die Waffen fallen, schlagen die Hände vors Gesicht, während aus allen sichtbaren Körperöffnungen - Augen, Nase, Mund, Ohren - Blut spritzt. In weniger als einer Minute sind alle tot und der Glanz erlischt. Ich beiße die Zähne zusammen und renne los, springe über die Leichen, rutsche in den Blutlachen aus. Der Wind treibt die Schneeflocken in Wirbeln zusammen, die mir die Sicht nehmen, doch er übertönt nicht das Getrampel einer neuen Welle von Stiefeln, die uns entgegenkommen.

»Runter!«, zische ich Gale zu. Wir lassen uns sofort fallen. Mein Gesicht landet in einer noch warmen Blutlache, aber ich tue so, als wäre ich tot, rühre mich nicht, während die Stiefel über uns hinwegpoltern. Manche versuchen, nicht auf die Leichen zu treten. Andere trampeln auf meiner Hand, meinem Rücken herum, streifen im Vorbeigehen meinen Kopf. Als die Stiefel vorüber sind, öffne ich die Augen und nicke Gale zu.

Hinter der nächsten Querstraße stoßen wir auf noch mehr verschreckte Flüchtlinge, dafür sind kaum Soldaten zu sehen. Gerade als es so aussieht, als könnten wir ein wenig verschnaufen, ist ein Knacken zu hören, wie von einem Ei, das am Schüsselrand aufgeschlagen wird, nur tausendmal lauter. Wir bleiben stehen und suchen nach der Kapsel. Es ist keine da. Plötzlich spüre ich, wie sich die Spitzen meiner Stiefel ganz leicht neigen. »Lauf!«, schreie ich Gale zu. Es bleibt keine Zeit für Erklärungen, binnen Sekunden wird die Natur dieser Kapsel sowieso für jeden offensichtlich. Auf halber Höhe des Straßenabschnitts hat sich ein Riss aufgetan. Die gepflasterte Straße klappt nach unten auf, und langsam kippen die Leute in … was immer dort unten sein mag.

Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich auf kürzestem Weg zur nächsten Kreuzung rennen oder mein Glück lieber bei einem der Tore, die sich auf die Straße öffnen, versuchen und durch ein Gebäude entkommen soll. Die Folge ist, dass ich nicht den kürzesten Weg nehme, sondern mich wie auf einer Diagonale bewege. Je weiter sich die Klappen öffnen, desto schwieriger wird es, auf den glitschigen Steinen nicht abzurutschen. Es ist, als liefe ich quer über einen vereisten Hang, der mit jedem Schritt steiler wird. Als meine beiden Ziele - die Kreuzung und das Gebäude - schon fast zum Greifen nah sind, geben die Klappen abrupt nach. Jetzt kann ich mich nur noch zum Rand retten. Während ich mich an einer Kante festkralle, kippen die Klappen nach unten weg. Meine Füße baumeln in der Luft, finden nirgendwo Halt. Aus der Tiefe, fünfzehn Meter unter mir, steigt ein widerlicher Gestank auf, wie verwesende Körper in der Sommerhitze. Schwarze Gestalten kriechen im Halbschatten umher und bringen alle zum Schweigen, die den Sturz überlebt haben.

Ich stoße einen erstickten Schrei aus. Niemand kommt mir zu Hilfe. Lange werde ich mich nicht mehr an der eisigen Kante festhalten können, doch da erkenne ich, dass die Ecke mit der Kapsel nur zwei Meter entfernt ist. Zentimeter für Zentimeter hangele ich mich dorthin vor und versuche dabei, die schrecklichen Geräusche von unten auszublenden. Als ich die Ecke erreiche, schwinge ich den rechten Fuß über eine Seite hinauf. Ich finde Halt und ziehe mich vorsichtig auf die Straße. Keuchend und zitternd krieche ich weiter zu einem Laternenpfahl und umschlinge ihn mit den Armen wie einen Anker, obwohl der Boden hier vollkommen eben ist.

»Gale?«, rufe ich in den Abgrund. Es ist mir egal, ob ich entdeckt werde. »Gale?«

»Ich bin hier!« Verwundert schaue ich nach links. Die Klappe hat sich direkt entlang der Häuserwand geöffnet. Etwa ein Dutzend Leute haben es bis dorthin geschafft und halten sich nun an allem fest, was Halt gibt. Klinken, Türklopfer, Briefschlitze. Drei Türen weiter klammert Gale sich an die schmiedeeiserne Verzierung einer Wohnungstür. Wäre sie offen, könnte er problemlos eintreten. Doch niemand kommt ihm zu Hilfe, ungeachtet seiner verzweifelten Tritte gegen die Tür.

»Geh in Deckung!«, rufe ich und lege das Gewehr an. Er wendet sich ab, und ich schieße mehrmals auf das Schloss, bis die Tür nach innen auffliegt. Gale schwingt sich hinein und landet der Länge nach auf dem Boden. Einen Augenblick lang schwelge ich im Hochgefühl seiner Rettung. Dann wird er von weiß behandschuhten Händen gepackt.

Unsere Blicke treffen sich, er formt Worte mit den Lippen, aber ich verstehe nicht. Weiß nicht, was ich tun soll. Zurücklassen kann ich ihn nicht, zu ihm aber auch nicht. Wieder bewegt er die Lippen. Ich schüttele den Kopf, um ihm meine Verwirrung zu zeigen. Jeden Augenblick wird ihnen aufgehen, wen sie da gefangen genommen haben. Jetzt zerren ihn die Friedenswächter nach drinnen. »Lauf.«, höre ich ihn schreien.

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