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Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn

Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:

Möge das Gute siegen! Möge die Liebe siegen! Das grandiose Finale! Katniss gegen das Kapitol! Schwer verletzt wurde Katniss von den Rebellen befreit und in Distrikt 13 gebracht. Doch ihre einzige Sorge gilt Peeta, der dem Kapitol in die Hände gefallen ist. Die Regierung setzt alle daran, seinen Willen zu brechen, um ihn als Waffe gegen die Rebellen einsetzen zu können. Gale hingegen kämpft weiterhin an der Seite der Aufständischen, und das, zu Katniss' Schrecken, ohne Rücksicht auf Verluste. Als sie merkt, dass auch die Rebellen versuchen, sie für ihre Ziele zu missbrauchen, wird ihr klar, dass sie alle nur Figuren in einem perfiden Spiel sind. Es scheint ihr fast unmöglich, die zu schützen, die sie liebt.
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Ich drehe mich um und renne los, weg von der Kapsel. Ganz allein jetzt. Gale ist gefangen. Cressida und Pollux könnten schon zehnmal tot sein. Und Peeta? Ich habe ihn nicht mehr gesehen, seit wir Tigris’ Laden verlassen haben. Ich klammere mich an die Vorstellung, dass er vielleicht dorthin zurückgegangen ist. Dass er einen Anfall nahen fühlte und sich in den Keller zurückgezogen hat, solange er sich noch im Griff hatte. Dass er gemerkt hat, dass kein Tumult notwendig war, nachdem das Kapitol selbst für so viel Tumult gesorgt hat. Kein Grund, den Lockvogel zu spielen und die Nachtriegel-Pille einzunehmen - die Nachtriegel-Pille! Gale hat keine mehr. Da kann er lange davon reden, den Sprengpfeil manuell auszulösen, er wird keine Gelegenheit bekommen. Die Waffen werden ihm die Friedenswächter bestimmt als Erstes abnehmen.

Ich lasse mich in einen Durchgang fallen, Tränen schießen mir in die Augen. Erschieß mich, wollte er sagen. Ich hätte ihn erschießen sollen! Das wäre meine Aufgabe gewesen. Das war das stumme Versprechen, das wir uns gegeben haben, einer dem anderen. Aber ich hab’s nicht getan und jetzt wird das Kapitol ihn töten oder foltern oder ihn einweben … In meinem Innern öffnet sich eine Naht, droht mich zu zerreißen. Ich habe nur eine Hoffnung. Dass das Kapitol fällt, seine Waffen niederlegt und seine Gefangenen freilässt, bevor sie Gale etwas antun. Aber solange Snow am Leben ist, ist das nicht sehr wahrscheinlich.

Zwei Friedenswächter rennen vorbei und achten kaum auf das Mädchen aus dem Kapitol, das da an der Tür kauert und vor sich hin wimmert. Ich schlucke die Tränen hinunter, wische die, die schon heruntergekullert sind, vom Gesicht, bevor sie dort festfrieren, und reiße mich wieder zusammen. Letzten Endes bin ich immer noch ein anonymer Flüchtling. Oder haben die Friedenswächter, die Gale gefangen genommen haben, mich gesehen, als ich davonlief? Ich ziehe den Mantel auf links, sodass statt der roten Außenseite das schwarze Futter zu sehen ist. Die Kapuze drapiere ich so, dass sie mein Gesicht verbirgt. Das Gewehr fest gegen die Brust gedrückt, begutachte ich den Häuserblock. Nur ein paar verstört wirkende Nachzügler sind zu sehen. Ich hänge mich an zwei alte Männer, die keine Notiz von mir nehmen. Niemand wird mich bei alten Leuten vermuten. An der nächsten Kreuzung halten sie plötzlich an, sodass ich fast in sie hineinlaufe. Wir stehen vor dem Großen Platz. Jenseits der weiten kreisförmigen Fläche, die von mächtigen Gebäuden umstanden ist, liegt der Präsidentenpalast.

Der Platz ist voller Leute, die umherlaufen, weinen oder einfach nur dasitzen und sich einschneien lassen. Genau die richtige Umgebung. Ich schlängele mich durch die Menge in Richtung Präsidentenpalast, stolpere über zurückgelassene Besitztümer und erfrorene Gliedmaßen. Auf halber Strecke sehe ich den Wall aus Betonbrocken. Er ist gut einen Meter hoch und bildet ein großes Rechteck vor dem Palast. Man könnte meinen, darin sei niemand, doch das abgesperrte Gelände ist voller Flüchtlinge. Vielleicht ist das die Gruppe, die auserwählt wurde, im Palast Zuflucht zu finden? Doch als ich näher komme, fällt mir noch etwas auf. Hinter dem Wall sind nur Kinder. Vom Säugling bis zum Teenager. Verängstigt und verfroren. In Gruppen zusammengedrängt oder benommen auf dem Boden sitzend. Man lässt sie nicht in den Palast. Sie sind dort eingepfercht und werden auf allen Seiten von Friedenswächtern bewacht. Mir ist sofort klar, dass das nicht zu ihrem Schutz geschieht. Wenn das Kapitol sie in Sicherheit hätte bringen wollen, dann wären sie irgendwo in einem Bunker. Aber sie sollen Snow beschützen. Die Kinder bilden einen menschlichen Schutzschild für ihn.

Unruhe kommt auf und die Menge wogt nach links. Kräftigere Leute überholen mich, drängen mich zur Seite, bringen mich vom Kurs ab. Von allen Seiten ertönen Rufe: »Die Rebellen! Die Rebellen!« Offenbar haben sie den Durchbruch geschafft. Ich werde gegen einen Fahnenmast gedrückt und halte mich daran fest. Mithilfe des herunterhängenden Seils ziehe ich mich aus dem Gedränge. Jetzt kann ich die Rebellenarmee sehen, die auf den Großen Platz strömt und die Flüchtlinge zurück in die Hauptstraßen drängt. Ich suche die Gegend nach Kapseln ab, die bestimmt gleich hochgehen werden. Aber nichts dergleichen geschieht. Es geschieht etwas anderes.

Über den eingeschlossenen Kindern erscheint ein Hovercraft mit dem Wappen des Kapitols. Zahllose silberne Fallschirme regnen auf sie herab. Selbst in diesem Chaos wissen die Kinder, was die Fallschirme enthalten. Essen. Medikamente. Geschenke. Eifrig sammeln sie sie auf, die erfrorenen Finger kämpfen mit den Schnüren. Das Hovercraft verschwindet, fünf Sekunden vergehen, dann explodieren etwa zwanzig der Fallschirme gleichzeitig.

Ich höre Schreie aus der Menge. Der Schnee ist rot, überall liegen kleine Körperteile herum. Viele Kinder sind auf der Stelle tot, andere liegen sterbend auf dem Boden. Manche taumeln stumm umher, starren auf die noch heilen Fallschirme in ihren Händen, als enthielten sie immer noch etwas Wertvolles. An der Art, wie die Friedenswächter die Barrikaden wegreißen und den Kindern einen Weg öffnen, erkenne ich, dass sie nicht wussten, was kommen würde. Noch eine Schar weißer Uniformen rennt durch die entstandene Öffnung. Keine Friedenswächter diesmal. Es sind Sanitäter. Sanitäter der Rebellen. Diese Uniformen würde ich überall erkennen. Mit Verbandsets ausgestattet, verteilen sie sich in der Kinderschar.

Zuerst erkenne ich den blonden Zopf, der über ihren Rücken fällt. Als sie den Mantel auszieht, um ein wimmerndes Kind zuzudecken, bemerke ich den Entenschwanz, den ihr herausgerutschtes Hemd bildet. Ich reagiere genauso wie an dem Tag, als Effie Trinket bei der Ernte ihren Namen verlas. Alle Kraft muss aus mir gewichen sein, denn plötzlich kauere ich am Fuß des Fahnenmasts und weiß nicht, was in den vergangenen Sekunden geschehen ist. Dann rappele ich mich auf und dränge mich durch die Menge, wie vorher. Versuche ihren Namen zu rufen, den Lärm zu übertönen. Als ich fast da bin, fast an der Betonmauer, meine ich, dass sie mich hört. Denn einen kurzen Augenblick lang erblickt sie mich, ihre Lippen formen meinen Namen.

In diesem Moment gehen die restlichen Fallschirme hoch.

25

Wahr oder nicht wahr? Ich stehe in Flammen. Feuerbälle sind aus den Fallschirmen durch die schneegesättigte Luft geschossen, sie haben den Betonwall überwunden und sind über der Menge niedergegangen. Ich wollte mich gerade abwenden, da wurde ich getroffen, eine brennende Zunge lief über meinen Rücken und hat mich in etwas Neues verwandelt. Ein Geschöpf, so unauslöschlich wie die Sonne.

Eine Feuermutation kennt nur eine Empfindung: Todesqual. Nichts sehen, nichts hören, nichts spüren außer dem erbarmungslosen Brennen von Fleisch. Unterbrochen von Phasen der Bewusstlosigkeit, aber was spielt das für eine Rolle, wenn ich darin keine Zuflucht finde? Ich bin Cinnas Vogel, brennend, panisch umherflatternd, auf der Flucht vor etwas, dem man nicht entfliehen kann. Flammenfedern wachsen aus meinem Körper. Das Flügelschlagen facht die Glut nur noch mehr an. Ich verbrenne, es nimmt kein Ende.

Endlich gerät das Flattern ins Stocken, ich verliere an Höhe, und die Schwerkraft zieht mich in ein schäumendes Meer, das die Farbe von Finnicks Augen hat. Ich treibe auf dem Rücken, der auch unter Wasser noch brennt, aber die Todesqual verwandelt sich nach und nach in Schmerz. Während ich hilflos auf den Wellen treibe, kommen sie. Die Toten.

Die ich liebte, fliegen über mir wie Vögel am Himmel. Sie schießen hinauf, vollführen Kapriolen, rufen mich, ich solle mich zu ihnen gesellen. Wie gern würde ich ihnen folgen, doch das Meerwasser hat meine Flügel schwer gemacht, ich kann sie nicht heben. Die ich hasste, sind ins Wasser gegangen, schreckliche geschuppte Wesen, die mit nadelspitzen Zähnen mein salziges Fleisch herausreißen. Immer und immer wieder beißen sie hinein. Ziehen mich nach unten.

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