Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Ich mißtraue ihm nicht mehr als jedem anderen«, erwiderte Lan. »Aber wie auch immer, bis wir Tar Valon erreichen, muß ich eben jedem mißtrauen. Dort dann nur noch jedem zweiten.«
Rand lächelte, da er glaubte, der Behüter wolle einen Scherz machen. Dann erkannte er, daß Lans Gesicht keine Spur von Humor zeigte. Er würde wohl tatsächlich selbst Menschen in Tar Valon mißtrauen. Gab es überhaupt einen sicheren Ort?
»Er übertreibt«, sagte ihnen Moiraine zur Beruhigung. »Meister Fitch ist ein guter Mann, ehrlich und vertrauenswürdig. Aber er redet gern, und auch bei den besten Absichten kann es geschehen, daß ihm etwas entschlüpft und in falsche Ohren gerät. Und ich habe mich noch nie in einer Schenke aufgehalten, in der nicht die Hälfte aller Stubenmädchen an den Türen lauschten und mehr Zeit damit verbrachten, miteinander zu klatschen, als Betten zu machen. Kommt, setzen wir uns, bevor das Essen kalt wird.«
Sie nahmen am Tisch Platz. Moiraine saß an einem Ende, Lan am anderen. Eine Zeitlang war jeder zu sehr damit beschäftigt, seinen Teller zu füllen, als daß eine Unterhaltung aufkam. Es war vielleicht kein wirkliches Festessen, aber nach fast einer Woche Fladenbrot und Trockenfleisch schmeckte alles köstlich.
Nach einer Weile fragte Moiraine: »Was hast du im Schankraum erfahren?« Messer und Gabeln verhielten mitten in der Luft in der Bewegung, und alle Augen wandten sich dem Behüter zu.
»Wenig Gutes«, antwortete Lan. »Avin hatte recht, jedenfalls bezüglich dessen, was die Leute so erzählen. Es gab eine Schlacht in Ghealdan, und Logain war der Sieger. Es sind ein Dutzend verschiedener Geschichten darüber im Umlauf, aber in diesem Punkt waren sie sich alle einig.«
Logain? Das mußte der falsche Drache sein. Es war das erste Mal, daß Rand den Namen des Mannes hörte. Es klang bei Lan beinahe so, als kenne er ihn persönlich. »Die Aes Sedai?« fragte Moiraine leise, und Lan schüttelte den Kopf.
»Ich weiß nichts. Einige behaupten, sie seien alle getötet worden, andere sagen, keine einzige sei umgekommen.« Er schnaubte. »Es gibt sogar welche, die behaupten, sie seien zu Logain übergelaufen. Es gibt keine zuverlässigen Informationen, und ich wollte auch nicht zuviel Interesse zeigen.«
»Ja«, sagte Moiraine, »wenig Gutes also.« Sie atmete tief ein und war wieder hellwach. »Und was gibt es in bezug auf uns selbst?«
»Da habe ich bessere Neuigkeiten. Keine unerklärlichen Vorkommnisse, keine Fremden in der Gegend, die vielleicht Myrddraal sein könnten, und ganz gewiß keine Trollocs. Und die Weißmäntel sind damit beschäftigt, dem Statthalter Adan Schwierigkeiten zu bereiten, weil er nicht mit ihnen zusammenarbeiten will. Sie werden uns nicht bemerken, wenn wir sie nicht selbst auf uns aufmerksam machen.«
»Gut«, sagte Moiraine. »Das stimmt mit dem überein, was das Bademädchen erzählt hat. Klatsch hat auch seine Vorzüge. Nun«, sprach sie die gesamte Gesellschaft an, »wir haben immer noch eine lange Reise vor uns, aber die letzte Woche war wirklich nicht ganz einfach. So schlage ich vor, wir bleiben heute und morgen hier und reiten früh am folgenden Morgen wieder los.« Die jüngeren unter ihnen grinsten erfreut — zum ersten Mal in einer Stadt! Moiraine lächelte. Trotzdem fragte sie: »Was hält Meister Andra davon?«
Lan sah die grinsenden Gesichter nüchtern an. »In Ordnung, falls sie sich ausnahmsweise einmal daran erinnern, was ich ihnen gesagt habe.«
Thom schnaubte durch seinen Schnurrbart. »Diese Landpomeranzen in eine... eine Stadt loslassen.« Er schnaubte nochmals und schüttelte seinen Kopf.
Da die Schenke so überfüllt war, standen für sie nur drei Zimmer zur Verfügung, eines für Moiraine und Egwene und zwei für die Männer. Rand teilte sich das Zimmer mit Lan und Thom. Es war hinten im vierten Stock, direkt unter dem überhängenden Dach, und aus dem kleinen Fenster blickte man auf den Stallhof hinab. Die Nacht hatte sich nun über die Stadt gesenkt, und das Licht aus der Schenke beleuchtete einen Teil des Hofs. Es war sowieso schon ein kleines Zimmer, und das Zusatzbett für Thom, das man hineingestellt hatte, schränkte den Raum noch mehr ein, auch wenn die Betten alle schmal waren. Und hart. Das fand Rand heraus, als er sich darauf warf. Ganz bestimmt nicht das beste Zimmer.
Thom blieb nur so lange, wie er brauchte, um Flöte und Harfe auszupacken, dann ging er, wobei er bereits einige grandiose Gesten ausprobierte. Lan begleitete ihn.
Seltsam, dachte Rand als er sich auf dem unbequemen Bett herumwälzte. Noch vor einer Woche wäre er wie der Blitz unten gewesen, um sich die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen, einem Gaukler bei der Arbeit zuzusehen. Aber nachdem er Thoms Geschichten eine Woche lang gelauscht hatte, waren sie einfach nicht mehr so interessant. Thom würde außerdem auch morgen da sein und am nächsten Abend, na Ja, und das heiße Bad hatte seine Muskeln entspannt, und die erste warme Mahlzeit seit einer Woche machte ihn auch nicht gerade munterer. Schläfrig fragte er sich, ob Lan den falschen Drachen, Logain, wirklich kannte. Von unten hörte er einen gedämpften Aufschrei. Der Schankraum begrüßte Thoms Ankunft, doch Rand war bereits eingeschlafen.
Der Flur zwischen den Steinwänden war düster und von Schatten erfüllt und — bis auf Rand — leer. Er konnte nicht sagen, woher das Licht kam, das bißchen Helligkeit, das ihn überhaupt sehen ließ; an den grauen Wänden befanden sich keine Kerzen oder Lampen, nichts, das den schwachen Lichtschimmer verursachte, der einfach da war. Die Luft roch abgestanden und modrig, und irgendwo in einiger Entfernung tropfte Wasser mit einem stetigen hohlen Plonk auf den Boden. Wo auch immer er sich befand, es war nicht in der Schenke. Er runzelte die Stirn und rieb sich mit der Hand darüber. Schenke? Sein Kopf schmerzte, und es fiel ihm schwer, die Gedanken festzuhalten. Da war etwas mit einer... einer Schenke gewesen! Der Gedanke war weg, wie fortgeblasen.
Er leckte sich die Lippen und wünschte sich etwas zum Trinken herbei. Er war schrecklich durstig, richtig ausgetrocknet. Das ständige Tropfen machte ihm die Entscheidung leicht. Da er keinen anderen Impuls hatte als seinen Durst, hielt er auf das Plonk-Plonk-Plonk zu. Der Flur zog sich hin, ohne von einem anderen Korridor unterbrochen zu werden und ohne jede Veränderung im Aussehen. Die einzigen Merkmale waren die groben Türen, die paarweise in regelmäßigen Abständen auftauchten, auf jeder Seite eine, das Holz aufgesplittert und trotz der feuchten Luft ganz trocken. Die Schatten zogen sich vor ihm zurück, blieben immer gleich, und das Tropfen wollte nicht näher kommen. Nach langer Zeit entschloß er sich, eine der Türen zu öffnen. Sie öffnete sich ganz leicht, und er betrat ein düsteres Zimmer mit rohen Steinwänden.
Eine Wand öffnete sich in einer Reihe von Bögen zu einem grauen Steinbalkon und dahinter erkannte er einen Himmel, wie er ihn noch nie gesehen hatte. Zu Streifen zerfledderte Wolken in Schwarz- und Grautönen, in Rot und Orange, strömten vorbei wie vom Sturmwind getrieben. Sie trennten sich, verbanden sich wieder miteinander und lösten sich erneut. Niemand konnte jemals einen solchen Himmel gesehen haben, weil er nicht existierte.
Er riß seinen Blick von dem Balkon los, aber der Rest des Zimmers war auch nicht besser. Eigenartige Krümmungen und seltsame Winkel, als habe man das Zimmer beinahe planlos aus dem Fels herausgeschmolzen, und dazu Säulen, die aus dem grauen Fußboden herauszuwachsen schienen. Im Kamin prasselten Flammen wie das Feuer in einer Schmiede, wenn der Blasebalg mit voller Kraft bedient würde, aber sie gaben keine Wärme ab. Dieser Kamin war aus seltsamen ovalen Steinen gemauert. Wenn er sie von vorn ansah, wirkten sie wie Steine, feucht und schlüpfrig trotz des Feuers, doch aus den Augenwinkeln betrachtet schienen sie Gesichter zu bilden, die Gesichter von Männern und Frauen, die sich vor Schmerz wanden und lautlos schrien. Die hochlehnigen Stühle und der mattglänzende Tisch in der Mitte des Raums waren wieder ganz normal, aber gerade das betonte die Fremdartigkeit der Umgebung. An der Wand hing ein einzelner Spiegel, und der war nun überhaupt nicht gewöhnlich. Als er hinein blickte, sah er nur einen verschwommenen Schimmer, wo eigentlich sein Spiegelbild sein sollte. Alles andere im Raum wurde scharf umrissen reflektiert, doch er nicht.