Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Torian hob die Hand, als wolle er nach dem Zwerg schlagen, und der Gnom brachte sich mit einem raschen Satz in Sicherheit. Garth packte Torians Hand und drückte sie herunter.
»Er hat recht«, sagte er ruhig. »Daran kannst du auch mit Schlägen nichts ändern.«
Torian atmete ein paarmal tief durch und zwang sich zur Ruhe. Er hatte gelernt, seine Gefühle zu beherrschen, auch und gerade, wenn er besonders aufgeregt war, aber diesmal fiel es ihm schwer, viel schwerer als gewöhnlich.
»So gefällt mir das schon besser«, sagte der Gnom. »Wenn ich nun also weitererzählen kann, was mit euch...«
Torian warf ihm einen vernichtenden Blick zu.
»Schon gut, schon gut«, maulte der Kleine. »Am besten wärt ihr gar nicht gekommen. Wenn ich mir vorstelle, euch jetzt für ein paar Jahrhunderte zu ertragen, brrr.« Er schüttelte sich. »Vielleicht ist es besser, wenn ihr direkt wieder verschwindet.«
»Liebend gern«, spottete Garth. »Du brauchst uns nur den Ausgang zu zeigen, und wir sind sofort wieder weg.«
»Und was bekomme ich dafür?« Ein gieriges Funkeln trat in die Augen des Gnoms.
Torian blinzelte verwirrt. Krilas Stimme war frei von jeglichem Spott. »Du willst damit sagen, daß es tatsächlich...«
»Schließlich seid ihr hereingekommen, also gibt es auch einen Ausgang. Aber allein könnt ihr suchen, bis ihr schwarz werdet.«
Krila kicherte irr. »Wortwörtlich. Ich habe selber mehr als zwei Jahrhunderte gebraucht.«
»Warum bist du nicht schon längst abgehauen, wenn du den Weg kennst?« fragte Garth mißtrauisch.
»Es geht nicht«, antwortete der Gnom. Ein Ausdruck von Trauer machte sich auf seinem Gesicht breit. »Das Labyrinth gibt niemanden mehr frei, der sich länger als ein paar Tage hier aufgehalten hat. Es erhält euch am Leben, aber es fordert auch seinen Preis.«
»Dann bring uns hier heraus«, sagte Torian. »Dann bist du uns los.«
»Wir haben uns aber noch nicht über meinen Preis geeinigt.«
Krila grinste unverschämt und deutete auf ihre Schwerter. »Die gefallen mir. Wenn noch mal jemand herkommt, brauche ich mir wenigstens nicht alles gefallen zu lassen. Gebt sie mir, und ich führe euch hinaus.«
Entschieden schüttelte Torian den Kopf. »Kommt überhaupt nicht in Frage. Wir brauchen die Waffen.«
Das Grinsen des Gnoms wurde noch unverschämter. »Natürlich, ihr braucht sie ja beim Suchen. Dann seht mal zu, wie ihr hinausfindet. Und denkt dran, ihr habt nicht viel Zeit. Das heißt – eigentlich habt ihr alle Zeit der Welt.«
Wieder mußte sich Torian mühsam beherrschen, dem Zwerg das unverschämte Grinsen nicht einfach aus dem Gesicht zu schlagen. Er verstand selbst nicht, wieso Krilas Anblick solche Aggressivität in ihm weckte. Es mußte an dem Tempel liegen, an der Aura des Bösen, die das Labyrinth erfüllte und sich immer stärker auch in seine Seele stahl und sie zu vergiften begann.
Vielleicht wurde er auch einfach nur verrückt.
»Wir haben keine andere Wahl«, sagte Garth. »Wir können uns später neue Waffen beschaffen.«
»Wir können auch warten, daß die Priester uns hier herausholen«, gab Torian wütend zurück, obwohl es das Gegenteil von dem war, was er noch vor kurzem gesagt hatte. »Cuul wird sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, uns in die Hände zu bekommen.«
»Dummkopf«, sagte Krila gelassen. »Nicht einmal Cuul persönlich würde sich hierher wagen. Der Tempel ist uralt, und die Priester haben ihn nur übernommen. Auch nach einem Jahrtausend haben sie noch nicht die ganze Anlage erforschen können. Selbst ihnen droht hier noch Gefahr. Also, was ist nun?«
Garth reichte dem Gnom sein Schwert. Torian zögerte kurz, murmelte einen bösen Fluch und tat es ihm dann gleich. Es waren primitive Schwerter, zu leicht und zu schlecht ausbalanciert, als daß ihm ernsthaft etwas daran liegen würde, aber es waren die einzigen Waffen, die sie besaßen.
Bewundernd strich Krila über die Klingen, nickte zufrieden und klemmte sich die Schwerter unter den Arm. Sie waren um ein gutes Drittel länger als seine Beine, so daß er sie nicht in den Gürtel stecken konnte.
»Hier lang, sagte er und deutete auffordernd in die Richtung, aus der er gekommen war.
Torian wußte im nachhinein nicht mehr zu sagen, wie lange sie ihm durch das steinerne Labyrinth gefolgt waren. Jeder Gang sah genauso aus wie der vorige, aber Krila fand sich mit traumwandlerischer Sicherheit darin zurecht. Nicht ein einziges Mal blieb er stehen, um sich im Gewirr der abzweigenden Gänge zu orientieren, nicht ein einziges Mal war ihm ein Zögern oder auch nur ein kurzer Moment der Unsicherheit anzumerken.
Die ganze Zeit über ließ Torian ihn keine Sekunde aus den Augen. Er konnte immer noch nicht an den Zufall glauben, der ihnen den Gnom als Lebensretter geschickt hatte, aber er fand keinen Grund, aus dem Krila sie belügen sollte, sosehr er sich auch das Gehirn zermarterte. Etwas stimmte nicht, aber er wußte nicht, was ihn störte. Die Falle war bereits perfekt, ihre Lage konnte sich nicht noch mehr verschlechtern. Der Gnom bot ihnen wenigstens noch eine kleine Chance.
Schließlich blieb Krila vor einer Wand stehen und deutete darauf. »Hier ist es«, erklärte er triumphierend.
Diesmal packte Torian so schnell zu, daß der Gnom nicht mehr ausweichen konnte. »Ich habe die ganze Zeit geahnt, daß du nur...«
Ein überraschter Ausruf Garth’ ließ ihn verstummen. Der Dieb hatte die Wand berührt, ohne auf Widerstand zu stoßen. Seine rechte Hand war bis zum Gelenk in dem massiven Fels verschwunden.
»Grobian!« schimpfte Krila. »Natürlich sieht man den Ausgang nicht, sonst würde ja selbst ein Dummkopf wie du ihn sofort finden. Laß mich jetzt endlich runter und verschwinde.«
»Es... tut mir leid«, sagte Torian stockend und setzte den Gnom vorsichtig ab. Er ärgerte sich wirklich über seine Grobheit – und fühlte sich hilflos wie selten zuvor. »Du kannst wirklich nicht mit uns kommen?«
»Nein, das habe ich doch schon erklärt. Aber wenn es euch nicht zuviel Mühe macht, könntet ihr vielleicht den Tempel zerstören, dann wäre auch meine Gefangenschaft beendet.« Krila lächelte gequält. »Aber eben nur, wenn es euch nicht zuviel Mühe macht.«
»Wenn du uns wenigstens ein Schwert läßt, sind unsere Chancen dazu schon wesentlich größer«, erwiderte Torian im gleichen Tonfall. »Es muß doch lästig für dich sein, dauernd zwei der schweren Dinger mit dir herumzuschleppen. Du kannst sowieso höchstens mit einem kämpfen.«
Der Gnom schüttelte den Kopf. »Kommt nicht in Frage.«
Einen Moment spielte Torian mit dem Gedanken, sich die Waffen einfach mit Gewalt zurückzuholen, aber abgesehen davon, daß es ein mehr als schäbiger Lohn für die Hilfe wäre, hätte er den flinken Gnom wohl auch kaum erwischt. Und er hatte keine besondere Lust, ihm nachzulaufen. Besonders nicht in dieser Umgebung. Garth schritt vollends durch die Wand, und Torian folgte ihm. Es war, als schritte er durch Watte. Er fühlte einen starken Sog und wollte zurückweichen, von plötzlicher Panik erfaßt, als irgend etwas ihn nach vorne riß, aber es gelang ihm nicht mehr. Im selben Moment, in dem die Wand ihn vollends verschluckte, glaubte er, sein Körper würde in alle Richtungen zugleich auseinandergerissen. Er wollte schreien, doch nicht einmal das gelang ihm. Ein brüllender, sengend heißer Feuersturm fauchte über ihn hinweg und hüllte ihn in einen Mantel aus wabernder Höllenglut. Jede Faser seines Körpers schien zu brennen, und ein aus dem Nichts einsetzender Orkan riß ihn mit sich fort, immer noch tiefer hinein in diese Hölle aus unerträglicher Hitze und greller Helligkeit.
Ewigkeiten schienen zu vergehen, bis sein Sturz durch die Unendlichkeit endete. Unter sich fühlte er wieder harten Boden, aber immer noch schien sein Körper in Flammen und verzehrende Glut gebadet. Schreiend wälzte er sich herum. Es dauerte endlose Minuten, bis der Schmerz abklang.
»Eine beeindruckende Vorstellung«, sagte jemand.
Mühsam hob Torian den Kopf.
Er war nicht einmal besonders überrascht.