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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Die Tür schlug auf, und Lan trat ein, den braunen Mantel über die Schulter geworfen. Mit ihm kam ein Schwall kühler Luft, der für einen Augenblick den Dampf im Raum etwas lichtete. »Also«, sagte der Behüter und rieb sich die Hände, »genau darauf habe ich gewartet.« Ara ergriff einen Eimer, doch Lan winkte ihm zu, er solle es lassen. »Nein, ich werde mich selbst darum kümmern.« Er ließ seinen Umhang auf einen der Hocker fallen, beförderte den Bediensteten trotz seines Protestes aus dem Raum und schloß die Tür fest hinter ihm zu. Er wartete ein paar Augenblicke an der Tür, den Kopf zum Lauschen geneigt, und als er sich dann wieder den anderen zuwandte, war seine Stimme kalt, und seine Augen funkelten Mat an. »Es ist gut, daß ich gerade in diesem Augenblick zurückgekommen bin, Bauernjunge. Hörst du nie auf das, was man dir sagt?«

»Ich habe doch nichts getan«, protestierte Mat. »Ich wollte ihm bloß gerade von den Trollocs erzählen und nicht von... « Er hielt inne und lehnte sich unter dem Blick des Behüters gegen die Rückseite der Wanne.

»Sag nichts über Trollocs!« befahl Lan ernst. »Denk nicht einmal an Trollocs.« Mit ärgerlichem Schnauben begann er, eine Wanne für sich zu füllen »Blut und Asche, ihr solltet euch besser daran erinnern, daß der Dunkle König Augen und Ohren hat, wo man sie am wenigsten erwartet. Und wenn die Kinder des Lichts hören, daß hinter dir die Trollocs her sind, dann brennen sie darauf, dich in die Finger zu bekommen. Für sie würde es im Grunde dasselbe bedeuten, als würde man dich Schattenfreund nennen. Auch wenn es euch schwerfällt -bis wir unser Ziel erreicht haben, traut niemandem, außer Frau Alys oder ich sagen euch etwas anderes.« Mat zuckte zusammen, als er den Namen betonte, den Moiraine hier benutzte.

»Das war etwas, das uns dieser Bursche nicht sagen wollte«, erklärte Rand. »Etwas, das er als Unruhen bezeichnete, aber er wollte nicht sagen, was es war.«

»Vielleicht die Kinder«, sagte Lan und goß heißes Wasser in die Wanne. »Die meisten Leute betrachten sie als Unruhestifter. Ein paar allerdings nicht, und er kannte euch nicht lange genug, um etwas zu riskieren. Was wußte er schon? Ihr hättet ja gleich zu den Weißmänteln rennen können.«

Rand schüttelte den Kopf. Dieser Ort schien bereits jetzt schlimmer zu sein, als Taren-Fähre jemals werden konnte. »Er sagte, es seien Trollocs in... in Saldaea, nicht wahr?« sagte Perrin. Lan warf den leeren Eimer zu Boden, daß es krachte. »Ihr müßt wohl einfach darüber reden, was? In den Grenzlanden gibt es immer Trollocs, Schmied. Und jetzt begreift endlich, daß wir nicht mehr Aufmerksamkeit erregen wollen als eine Maus auf dem Acker. Vergeßt das nicht. Moiraine will euch alle lebend nach Tar Valon bringen und ich natürlich auch, wenn irgend möglich, aber falls ihr Moiraine Schwierigkeiten macht... «

Der Rest ihres Badevergnügens spielte sich schweigend ab, genau wie nachher das Anziehen.

Als sie den Baderaum verließen, stand Moiraine mit einem schlanken Mädchen, kaum größer als sie selbst, am Ende des Flurs. Zumindest hielt Rand sie für ein Mädchens obwohl das schwarze Haar kurzgeschnitten war und sie ein Männerhemd und Männerhosen trug. Moiraine sagte etwas, das Mädchen betrachtete die Männer einen Moment lang genau, nickte Moiraine zu und eilte davon.

»Na also«, sagte Moiraine, als sie näher kamen, »ich bin sicher, das Bad hat euch allen Appetit gemacht. Meister Fitch hat ein eigenes Eßzimmer für uns vorbereitet.« Sie unterhielt sich weiter über belanglose Dinge mit ihnen, während sie ihnen den Weg zeigte: über ihre Zimmer und die vielen Leute im Ort und daß der Wirt hoffe, Thom werde im Schankraum musizieren und ein, zwei Geschichten zum besten geben. Sie erwähnte das Mädchen nicht, falls es überhaupt ein Mädchen gewesen war. Der private Speisesaal wies einen großen glänzenden Eichentisch auf, um den ein Dutzend Stühle stand. Auf dem Boden lag ein dicker Teppich. Als sie eintraten, drehte sich eine frischgewaschene Egwene mit glänzendem, feuchtem, glatt ausgekämmtem Haar nach ihnen um. Sie hatte sich die Hände an dem im Herd prasselnden Feuer gewärmt. Rand hatte während der langen Stille im Baderaum viel Zeit zum Nachdenken gehabt.

Lans ständige Mahnungen, niemandem zu trauen, und besonders die Tatsache, daß Ara davor zurückscheute, ihnen zu vertrauen, hatten ihm klargemacht, wie einsam sie nun wirklich waren. Es schien, als könnten sie wirklich niemandem außer sich selbst trauen, und er war sich immer noch nicht sicher, inwieweit sie Moiraine oder Lan vertrauen konnten. Nur auf sich allein gestellt. Und Egwene war immer noch Egwene. Moiraine behauptete, es sei so oder so geschehen, daß sie die Wahre Quelle berühren würde. Sie konnte das nicht bestimmen, und das hieß: Es war nicht ihre Schuld. Und sie war immer noch dieselbe Egwene wie vorher.

Er öffnete den Mund, um sich zu entschuldigen, doch Egwene versteifte sich und wandte ihm den Rücken zu, bevor er ein Wort herausbringen konnte. Er blickte mürrisch ihren Rücken an und schluckte hinunter, was er hatte sagen wollen. Auch gut. Wenn sie es so will, dann kann ich nichts daran ändern.

Meister Fitch schlüpfte herein. Vier Frauen in weißen Schürzen folgten ihm. Sie trugen ein Tablett mit drei Brathähnchen, Silberbestecken, verdeckten Schüsseln und Steinguttellern. Die Frauen begannen sofort mit dem Tischdecken. Derweil verbeugte sich der Wirt vor Moiraine.

»Entschuldigt vielmals, Frau Alys, daß ich Euch so warten ließ, aber bei so vielen Gästen in meiner Schenke wundere ich mich manchmal, daß überhaupt jemand bedient wird. Ich fürchte, das Essen ist auch nicht das, was Euch gebührte. Nur die Hähnchen, ein paar Rüben und Erbsen und hinterher ein wenig Käse. Nein, es ist wirklich nicht das, was es sein sollte. Ich möchte mich ehrlich entschuldigen.«

»Ein Festessen.« Moiraine lächelte. »In diesen schweren Zeiten ist das aber wirklich ein Festessen, Meister Fitch.«

Der Wirt verbeugte sich wieder. Sein büscheliges Haar, das nach allen Seiten abstand, als fahre er ständig mit den Händen hindurch, machte die Verbeugung eher komisch, doch sein Grinsen war so sympathisch, daß jeder, der lachte, mit ihm und nicht über ihn lachte. »Vielen Dank, Frau Alys, vielen Dank!« Als er sich aufrichtete, runzelte er die Stirn und wischte mit einem Schürzenzipfel ein eingebildetes Staubkorn vom Tisch. »Natürlich ist es nicht das, was ich Euch noch vor einem Jahr auf den Tisch gestellt hätte. Nicht annähernd. Der Winter. Ja, der Winter. Meine Keller sind fast leer, und auf dem Markt gibt es kaum etwas zu kaufen. Aber wer kann es den Bauern übel nehmen? Wer? Niemand kann vorhersagen, wann sie wieder eine Ernte einfahren können. Niemand weiß es. Und die Wölfe bekommen das Hammelfleisch oder Rindfleisch, das eigentlich auf den Tischen der Menschen landen sollte, und... «

Plötzlich schien ihm bewußt zu werden, daß dies wohl kaum das richtige Thema war, um seine Gäste zu einem angenehmen Mahl zu laden. »Ich lasse mich wieder einmal hinreißen. Ein alter Windbeutel bin ich. Mari, Cinda, laßt diese guten Leute in Ruhe speisen.« Gestenreich scheuchte er die Frauen aus dem Raum, und als sie hinauseilten, wandte er sich erneut Moiraine zu und verbeugte sich. »Ich hoffe, Ihr genießt das Mahl, Frau Alys. Falls Ihr irgend etwas anderes braucht, dann sagt es nur, und ich werde es besorgen. Sagt nur, was Ihr braucht. Es ist ein Vergnügen, Euch und Meister Andra zu bedienen. Ein Vergnügen.« Er verbeugte sich noch einmal tief und war weg. Sanft schloß sich die Tür hinter ihm.

Lan hatte sich währenddessen an die Wand gelehnt, als schliefe er schon beinahe. Nun sprang er auf und war mit zwei langen Schritten an der Tür. Er drückte ein Ohr gegen ein Stück der Türverkleidung, lauschte angespannt, bis er langsam auf dreißig gezählt hatte; dann riß er die Tür auf und steckte den Kopf in den Flur. »Sie sind weg«, sagte er schließlich und schloß die Tür wieder. »Wir können frei sprechen.«

»Ich weiß, daß Ihr sagt, wir könnten keinem trauen«, sagte Egwene, »aber wenn Ihr dem Wirt mißtraut, warum bleiben wir dann hier?«

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