Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Nach einigen Schritten blieb Torian stehen und sah zurück, eigentlich, ohne selbst zu wissen, warum. Wieder zweigten direkt hinter ihnen mehr als ein Dutzend verschiedener Gänge ab. Und jeder einzelne zeigte wenige Fingerbreit über dem Boden eine Kerbe.
Torian wußte längst schon nicht mehr, wie lange sie bereits durch das Gewirr der Gänge geirrt waren. Von jedem Gang, den sie betraten, zweigten schon nach wenigen Schritten Dutzende neue ab, die völlig identisch waren, und verzweigten sich zu einem Labyrinth unvorstellbaren Ausmaßes. Sie versuchten in eine Richtung zu gehen, doch spätestens am Ende eines Ganges mußten sie sich für eine neue entscheiden.
Einige Male brachte Torian weitere Markierungen an, damit sie wenigstens erkannten, wenn sie im Kreis liefen. Es half nichts. Jeder neue Gang, in den sie traten, trug die gleiche Markierung. Sie sprachen nicht mehr miteinander, denn jedes Wort wäre sinnlos gewesen. Torian wußte, daß sie verloren waren, wenn kein Wunder geschah. Das Labyrinth war nicht real, sondern eine weitere Falle, die nur in ihren Köpfen existierte. Es war zu groß, um in einem der Gebäude Platz zu finden, und nur eine weitere Illusion, in der sie gefangen waren.
Aber es machte keinen Unterschied, ob sie in einem realen oder einem irrealen Labyrinth verhungerten. Garth hatte sich geirrt. Sie würden keinen Ausweg finden, weil es keinen gab. Das Labyrinth hatte sie eingelassen und sich hinter ihnen geschlossen. Dicht an einer Gabelung ließ er sich zu Boden sinken. Seine Kräfte waren noch nicht erschöpft, im Gegenteil, er fühlte sich genauso stark wie vor ein paar Stunden, aber es war eine trügerische Stärke, jene Kraft, die die Angst gebar, und der irgendwann eine ebenso tiefe Erschöpfung folgen würde. Es hatte keinen Sinn, weiter blindlings umherzuirren.
Garth ging noch einige Schritte, kehrte dann um und setzte sich ebenfalls. »Sieht schlecht aus«, brummte er.
»Was du nicht sagst«, entgegnete Torian bissig. »Fällt dir nicht vielleicht ein Zauberspruch ein, der uns hier rausbringt? Oder würde etwa gar der große Salamir vor diesem Labyrinth kapitulieren?«
Etwas an der Betonung der Worte ließ Garth erkennen, daß sich mehr als nur Hohn hinter der Frage verbarg. Seine Augen verengten sich. »Was soll das bedeuten?« fragte er.
»Nichts, vergiß es.« Torian ließ seine Worte bewußt beiläufig klingen und wandte seinen Blick ab, in Wirklichkeit aber beobachtete er Garth verstohlen aus den Augenwinkeln. Garth’ Reaktion schien zu beweisen, daß Salamir seinen freien Willen nicht ganz hatte ausschalten können – oder wollen. Er hoffte, Garth würde auf eine Erklärung drängen, aber nach wenigen Sekunden machte sich wieder Gleichgültigkeit auf dem Gesicht des Diebes breit.
»Keine Zaubersprüche«, erklärte er matt. »Uns bleibt wohl nichts anderes übrig, als zu warten, bis Cuul mit seinen Schergen auftaucht.« Er zog eine Grimasse. »Das geht wenigstens schneller als verhungern.«
Torian lachte humorlos. »Ich fürchte, wir werden sehr lange warten müssen. Für diese Falle sind nicht die Priester verantwortlich.«
»Ach nein? Wer denn sonst?«
»Das weißt du so gut wie ich.« Torian schlug wütend mit der Faust gegen die Wand. Es gab einen dumpfen Laut, der wie das Grollen eines zornigen Riesen klang. »Es ist der Tempel selbst. Dieselbe Macht, die für die anderen Illusionen verantwortlich war. Die Magie der Schwarzen oder meinetwegen ihrer Götter. Das Böse, das den Tempel erfüllt. Nenn es, wie du willst.«
»Wie pathetisch«, spottete Garth. »Und das von dir. Ich denke, der große Torian Carr Conn glaubt nicht an Magie?«
»Ich meine es ernst«, fauchte Torian verärgert. »Dieser Tempel ist viel mehr als nur toter Stein. Und wenn du mir...«
»Still!« zischte Garth und packte sein Schwert fester. Gleichzeitig sprang er auf.
Torian tat es ihm gleich. Auch er hörte das Geräusch; ein leises Schaben und Gleiten, das sich ihnen näherte und zu schlurfenden Schritten wurde. Wer auch immer es verursachte, gab sich keine Mühe, besonders leise zu sein. Die Schritte klangen nicht gerade nach den schweren Tritten der Krieger oder dem federnden Schritt der Priester, aber in dieser Umgebung war es vielleicht klüger, alles Unbekannte erst einmal als Gefahr zu betrachten.
Torian huschte lautlos auf die Gangbiegung zu und preßte sich mit zum Schlag erhobenem Schwert an die Wand. Ohne daß sie sich absprechen mußten, postierte sich Garth zwei Schritte hinter ihm, als wären sie ein seit Jahren aufeinander eingespieltes Team. Torian lauschte den Schritten und versuchte an ihrem Klang die Entfernung abzuschätzen. Als der Unbekannte sich direkt hinter der Biegung befinden mußte, sprang er vor. Im zwielichtigen Schein der Fackel sah er etwas Kleines, Dunkles und versetzte dem Wesen mit dem Schwertknauf einen wuchtigen Stoß, der es direkt auf Garth zutrieb. Noch bevor der Unbekannte begriff, wie ihm geschah, lag er bereits auf dem Boden, und zwei Schwertspitzen waren auf seine Kehle gerichtet. Ein hohes, ängstliches Wimmern kam über seine Lippen.
Es war weder ein Krieger noch ein Priester.
Das Wesen war ein Zwerg, kaum größer als ein Kind, mit bräunlicher, runzeliger Haut, die wie trockenes Pergament aussah, kahlem Schädel und knopfgroßen Augen, in denen Furcht geschrieben stand, die aber-nach einem Moment der Überraschung einer fast trotzigen Verwunderung wich.
»Was wollt ihr von mir?« keifte der Gnom mit schriller Stimme und entblößte beim Sprechen faulige Stümpfe, die wohl einmal Zähne gewesen waren. »Was fällt euch ein, mich so zu erschrecken?«
Es fiel Torian schwer, dem Blick der treuherzigen Kinderaugen standzuhalten. Einem ersten Impuls folgend hob er das Schwert ein wenig an, senkte die Klinge dann aber sofort wieder. Die schlechten Erfahrungen mit den Priestern hatten ihn noch vorsichtiger werden lassen. Noch einmal würde er einen Gegner nicht unterschätzen. »Das gleiche wollte ich dich fragen«, gab er scharf zurück. »Ich bin Krila«, antwortete der Gnom. »Da freut man sich, nach so vielen Jahren endlich wieder jemanden zu treffen, mit dem man ein Schwätzchen halten kann, und ich gerate ausgerechnet an solche groben Klötze.« Er schüttelte mißbilligend den Kopf, soweit es die beiden Schwertklingen zuließen. »Also wirklich, nett ist das nicht.«
Nur mit Mühe konnte Torian ein Grinsen unterdrücken. Er wechselte einen raschen Blick mit Garth. Der Dieb zuckte nur hilflos mit den Schultern. Der Gnom machte alles andere als einen gefährlichen Eindruck, aber Torian blieb weiterhin mißtrauisch. »Was machst du hier?« knurrte er.
»Na was schon ? Es ist ja so entsetzlich langweilig, seit ich in dieses verdammte Labyrinth geraten bin. Aber jetzt seid ihr ja da. Ihr solltet euch wirklich mit mir vertragen, denn ich glaube, wir werden ziemlich lange miteinander auskommen müssen.« Er stieß ein meckerndes Gelächter aus. »Eine Ewigkeit ist nämlich eine ganz schön lange Zeit, wißt ihr?«
Garth bückte sich, packte den Gnom und hob ihn mühelos mit einer Hand hoch. Hilflos zappelte das Wesen im Griff des Hünen.
»Halt uns nicht zum Narren, oder ich laß dich glatt in der Luft verhungern«, drohte Garth.
Wieder begann der Gnom schrill zu lachen »Verhungern, pah. Ich seid noch nicht lange hier, wie?« Er kicherte. »Ich glaube, ihr habt es wohl immer noch nicht kapiert, wie? Hier kann keiner sterben, nur leiden.« In einer unmöglich anmutenden Bewegung bog und wand er seinen Körper und rutschte plötzlich aus Garth’ Griff. Unsanft plumpste er aus einem halben Meter Höhe zu Boden, rappelte sich sofort wieder auf und stemmte die Fäuste in die Hüften. »Das Labyrinth läßt niemanden sterben. Genau wie ich werdet ihr ewig leben und für ewig in diesen Mauern gefangen sein. Und in ein paar Jahren werdet ihr genauso aussehen wie ich.«
»Das... das ist nicht wahr!« murmelte Torian. »Du bist verrückt und...«
»Verrückt? Was meint ihr, wie verrückt ihr bald sein werdet, wenn eure Körper sich selbst verzehren. Eure Haut wird austrocknen, euer Fleisch verdorren und eure Knochen...«