Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Rand beobachtete das Treiben rundum und bemühte sich zu vermeiden, daß jemand ihn über den Haufen rannte, obwohl die Helfer eigentlich nicht den Eindruck machten. Er mußte daran denken, wie Meister al'Vere und seine Frau die Weinquellenschenke lediglich mit gelegentlicher Hilfe ihrer Töchter geführt hatten.
Mat und Perrin verdrehten sich die Hälse in Richtung auf den Schankraum, aus dem jedesmal eine Welle von Gelächter, Gesang und freundschaftlichem Geschrei erklang, wenn die breite Tür am Ende des Flurs sich öffnete. Nachdem er etwas wie ›Neuigkeiten erfahren‹ gemurmelt hatte, verschwand der Behüter mit ernster Miene durch diese Schwingtür und wurde von einer Welle der Fröhlichkeit verschluckt.
Rand wäre ihm gern gefolgt, doch noch mehr sehnte er sich nach einem heißen Bad. Leute und Gelächter wären ihm wohl gerade recht gewesen, doch die Gäste im Schankraum würden seine Gegenwart in sauberem Zustand noch mehr begrüßen. Mat und Perrin wurden offensichtlich von denselben Gedanken bewegt; Mat kratzte sich verstohlen.
»Meister Fitch«, sagte Moiraine, »ich habe gehört, daß sich Kinder des Lichts in Baerlon aufhalten. Könnte es Schwierigkeiten geben?«
»Oh, macht Euch keine Sorgen deswegen, Frau Alys. Sie machen viel Aufhebens, wie üblich. Behaupten, daß eine Aes Sedai in der Stadt sei.« Moiraine hob eine Augenbraue, und der Wirt breitete die fetten Hände aus. »Sorgt Euch nicht. Sie haben das auch früher schon behauptet. Es gibt keine Aes Sedai in Baerlon, und der Statthalter weiß das. Die Weißmäntel glauben, wenn sie eine Aes Sedai vorweisen oder eine Frau, von der sie das behaupten, dann wird man sie in unsere Mauern hereinlassen. Na ja, ich schätze, einige täten das gern. Einige schon. Aber die meisten Leute wissen, was die Weißmäntel vorhaben, und sie unterstützen den Statthalter. Keiner will, daß irgendeine harmlose alte Frau verletzt wird, damit die Kinder eine Ausrede dafür haben, die Leute aufzuhetzen.«
»Das freut mich zu hören«, sagte Moiraine trocken. Sie legte eine Hand auf den Arm des Wirts. »Ist Min noch da? Wenn ja, möchte ich gern mit ihr sprechen.«
Rand konnte Meister Fitchs Antwort nicht verstehen, da in diesem Moment Bedienstete ankamen, die sie ins Bad führen sollten. Moiraine und Egwene verschwanden im Schlepptau einer molligen Frau mit offenem Lächeln und einer Ladung Handtücher auf dem Arm. Der Gaukler, Rand und seine Freunde wurden von einem schlanken dunkelhaarigen Burschen namens Ara geleitet. Rand versuchte, Ara über Baerlon auszufragen, doch der Mann war ziemlich einsilbig. Er erwähnte nur, daß Rand einen eigenartigen Akzent habe, und dann vertrieb der erste Anblick des Baderaums alle Gedanken an ein Gespräch aus Rands Kopf. Ein Dutzend hoher Kupferbadewannen stand im Kreis auf dem mit Platten belegten Fußboden, der sich leicht zu einem Abfluß in der Mitte des großen Raums mit hohen Steinwänden neigte. Auf einem Hocker hinter jeder Wanne lagen ein dickes Handtuch und ein großes Stück gelber Seife, und an einer Wand standen große schwarze Eisenkessel voll Wasser auf geöffneten Herdplatten. An der Wand gegenüber flammten Holzscheite in einem tiefen offenen Kamin, der noch zu der Wärme im Raum beitrug.
»Fast so gut wie die Weinquellenschenke zu Hause«, sagte Perrin gönnerhaft, wenn auch nicht gerade besonders wahrheitsgemäß. Thom lachte schallend, und Mat spöttelte: »Es klingt, als hätten wir einen Coplin mitgebracht, ohne es zu merken.«
Rand legte seinen Umhang ab und zog sich aus, während Ara vier der Kupferbadewannen füllte. Auch die anderen zögerten nicht und taten es Rand nach, der als erster seine Wanne auswählte. Sobald die Kleider auf den Hockern aufgestapelt lagen, brachte Ara jedem einen großen Eimer heißen Wassers und eine Schöpfkelle. Danach setzte er sich auf einen Hocker neben der Tür, lehnte sich mit verschränkten Armen an die Wand und blieb so in Gedanken versunken sitzen.
Während sie den Schmutz einer Woche wegschrubbten und mit Kellen voll heißen Wassers wegspülten, kam kaum ein Gespräch auf. Dann setzten sie sich hinein in die Wannen, um sich darin lange Zeit zu aalen. Ara hatte das Wasser so erhitzt, daß es unter Seufzern des Wohlbefindens eine Weile dauerte, bis sie endlich drin lagen. Die sowieso schon warme Luft im Raum wurde langsam feucht und heiß. Lange Zeit hörte man überhaupt nichts, bis auf ein gelegentliches langes Ausatmen, wenn sich verspannte Muskeln lösten und das Frösteln, das sie schon für gegeben erachtet hatten, aus ihren Knochen verschwand.
»Braucht ihr noch was?« fragte Ara plötzlich. Er hatte keinen Anlaß, sich über die Akzente anderer auszulassen, denn er und Meister Fitch klangen, als hätten sie den Mund voll Brei. »Mehr Handtücher? Noch heißes Wasser?«
»Nichts«, sagte Thom in seiner volltönenden Stimme. Die Augen geschlossen, wedelte er großzügig mit der Hand. »Geht und genießt den Abend. Später werde ich dafür sorgen, daß Ihr für Eure Dienste mehr als großzügig entlohnt werdet.« Er rutschte tiefer in die Wanne hinein, bis er bis auf Augen- und Nasenhöhe von Wasser bedeckt war.
Ara betrachtete die Hocker hinter den Wannen, auf denen Kleider und sonstigen Besitztümer aufgestapelt lagen. Er sah den Bogen an, doch am längsten verweilte sein Blick auf Rands Schwert und Perrins Axt. »Gibt es da unten, wo ihr herkommt, auch Unruhen?« fragte er plötzlich. »In den Flüssen oder wie ihr es nennt?«
»Die Zwei Flüsse«, sagte Mat, wobei er jedes Wort betonte. »Es heißt: die Zwei Flüsse. Was Unruhen betrifft, warum... «
»Was meinst du mit ›auch‹?« fragte Rand. »Gibt es hier irgendwelche Unruhen?«
Perrin, der das Liegen in der Wanne sichtlich genoß, murmelte: »Gut! Gut!« Thom richtete sich ein wenig auf und öffnete die Augen.
»Hier?« schnaubte Ara. »Unruhen? Bergleute, die sich in der Morgendämmerung auf der Straße prügeln, bedeuten noch keine Unruhen. Oder... « Er schwieg und blickte sie einen Moment lang an. »Ich meinte die Art von Unruhen wie in Ghealdan«, erklärte er schließlich. »Nein, bei euch wahrscheinlich nicht. Nichts als Schafe da unten, wie? Nicht böse gemeint... Ich meinte einfach, daß es bei euch wahrscheinlich ruhig ist. Aber es war schon ein eigenartiger Winter. Seltsame Geschichten in den Bergen. Neulich hörte ich, daß oben in Saldaea Trollocs aufgetaucht sind. Aber das ist natürlich eines der Grenzlande, nicht wahr?« Er redete nicht weiter, ließ den Mund zunächst offen und klappte ihn dann zu, als sei er selbst überrascht, soviel geredet zu haben.
Rand hatte sich bei dem Wort Trollocs verkrampft, aber er bemühte sich, es zu verbergen, indem er seinen Waschlappen über dem Kopf auswand. Als der Bursche weitersprach, entspannte er sich wieder. Aber nicht alle hielten den Mund.
»Trollocs?« gluckste Mat. Rand spritzte mit Wasser nach ihm, doch Mat wischte es sich nur grinsend aus dem Gesicht. »Laß mich erstmal von Trollocs erzählen!«
Zum ersten Mal, seit er in die Wanne geklettert war, sprach Thom. »Warum kannst du das nicht lassen? Ich bin es allmählich leid, meine eigenen Geschichten von dir wieder zu hören.«
»Er ist ein Gaukler«, sagte Perrin, worauf Ara ihm einen verächtlichen Blick zuwarf.
»Ich habe den Mantel gesehen. Werdet Ihr Eure Kunst hier zeigen?«
»Augenblick mal!« protestierte Mat. »Was soll das heißen, daß ich Thoms Geschichten erzähle? Seid ihr alle... «
»Du erzählst sie eben nicht so gut wie Thom«, schnitt ihm Rand hastig das Wort ab, und Perrin hieb in dieselbe Kerbe. »Du fügst immer Sachen hinzu, um die Geschichten zu verbessern, aber das schaffst du nicht.«
»Und dann bringst du auch noch alles durcheinander«, fügte Rand hinzu. »Überlaß das am besten Thom.«
Sie sprachen alle so schnell, daß Ara sie mit offenem Mund anstarrte. Mat blickte ganz verwirrt drein, als seien alle anderen plötzlich verrückt geworden. Rand fragte sich, wie man ihn wohl zum Schweigen bringen könne, ohne sich mit ihm zu streiten.